Schlagwort-Archive: Ursula von der Leyen

Afrika, Europa und das Erwachsenwerden

von Dushan Wegner

Stellen wir uns vor, ein Sanitäter würde mit dem Krankenwagen zu einem Unfall fahren, und aus diesen oder jenen Gründen würde er die Verletzten jedes einzelne Mal nicht versorgen lassen, woraufhin sie nach Hause geschickt würden, sondern er würde sie zu seinen eigenen Nachbarn bringen.

Beim ersten angelieferten Patienten würden die Nachbarn des Sanitäters sich zwar wundern, doch sie würden automatisch helfen. Spätestens beim zweiten oder dritten angelieferten Patienten würden die Nachbarn des Sanitäters wohl beginnen, kritische Fragen zu stellen.

Der Sanitäter würde sich nicht durch kritische Fragen von seiner Praxis abbringen lassen – im Gegenteil! Wenn seine Nachbarn fragen würden, wieso er die Patienten nicht zu sich nach Hause bringt, oder besser noch ins Krankenhaus, wenn sie ihn fragen würden, wie lange er derart fortzufahren gedenkt, oder wenn sie schlicht wagen würden, darauf hinzuweisen, dass sie hart für ihr Zuhause gearbeitet haben und es gerne für sich behalten würden, jedes Mal würde der Sanitäter die Nachbarn wüst beschimpfen und ihnen drohen, sie bei der Polizei als verdächtige Personen zu melden.

So in etwa ist die Situation der sogenannten »Seenotretter«, welche vor Afrika kreuzen, um Schlepperkunden aufzusammeln und sie nach Europa mit seinen Sozialsystemen zu bringen.

Ungewohnt konkret

Es war eine der peinlicheren Veranstaltungen – die Verabschiedung von Ursula »Beraterfreund« von der Leyen via »Zapfenstreich« – sie wird ja jetzt die leibgewordene Verhöhnung der EU-Wahlen, sprich: sie wird neue EU-Chefin. (Ihre Nachfolgerin wird die ungewählte Annegret Kramp-Karrenbauer. Wen soll man mehr verachten – die Demokratieverbieger selbst, die mitspielenden Parteisoldaten, oder die Journalisten, die das im Namen der Haltung alles durchgehen lassen?)

Bei Gemälden auf dem Trödelmarkt ist es keine Überraschung, wenn der Rahmen weit wertvoller ist als die bemalte Leinwand darin. Einen ähnlichen Eindruck konnte man beim jüngsten Zapfenstreich in Berlin gewinnen. Merkel, Deutschlands noch-immer-Kanzlerin, gab überraschend eine Meinung zur sogenannten »Seenotrettung« ab:

„Sicherlich wäre es gut, wir hätten auch heute wieder eine Mission ,Sophia‘ und staatliche Schiffe, die retten würden“, sagte Merkel (…) Seenotrettung sei ebenso notwendig wie die Bekämpfung von Schleusern. (welt.de, 16.8.2019)

Manche Kommentatoren stimmen ihr zu und manche widersprechen ihr, und die Gründe dafür sind, wechselweise und über Kreuz, dass einige die Details von Sophia im Hinterkopf haben – und dass andere sich eben nicht mit den Einzelheiten beschäftigten.

Eigentlich war es Ziel des Einsatzes »EU-Navfor Med«, afrikanischen Schleppern das Geschäft schwerer zu machen und die libysche Küstenwache auszubilden – eigentlich. Je nach politischer Orientierung kann man das super oder weniger super finden. Aber: Nach Seerecht sind auch kreuzende Kriegsschiffe verpflichtet, Schiffbrüchige aufzusammeln, und dazu zählen nun einmal auch Menschen, die von Schleppern auf dem Meer aufgesetzt wurden, damit westliche Schiffe sie aufsammeln und so (ungewollt) den finalen Abschnitt des Produktes »Schlepperei« liefern.

Merkels Aussage wird als »ungewohnt konkret« bezeichnet (welt.de, 16.8.2019). Ich halte sie eher für einen typischen Merkelismus – jeder kann es auf seine eigene Weise interpretieren und am Ende tun Merkel und ihre Helfer das, was Deutschland den größten Schaden zufügt und gewisse NGOs glücklich macht. (Ich lasse mich sehr gern von zukünftigen Handlungen widerlegen. Aus der Tatsache, dass die Sonne bislang immer unterging, folgt nicht logisch zwingend, dass sie auch heute untergehen wird.)

Doch, selbst wenn man davon ausginge, dass diesmal sensationellerweise Schaden vom deutschen Volke abgewendet würde statt die Probleme weiter zu verschärfen, selbst dann meine ich, dass hier das falsche Problem angegangen wird. Wenn du nach Süden gelangen willst, sind Nord-Osten und Nord-Westen beide ähnlich falsch.

Nicht-Mithalten-Können

Es muss nicht mehr ausgeführt werden, dass der Begriff »Seenotrettung«, so wie er heute verwendet wird, eine halbe Wahrheit ist – manche würden es eine ganze Lüge nennen.

Das eigentliche Problem an der sogenannten »Seenotrettung« ist, dass sie das eigentliche Problem nicht mal anerkennt – geschweige denn es löst.

Menschen wandern aus ihrer afrikanischen Heimat aus, weil ihre Heimat nicht mithalten kann mit dem Angebot der christlich geprägter Demokratien des Westens – dieses »Nicht-Mithalten-Können« ist eine relative Vergleicheinheit, und sie reicht von Krieg und Verfolgung in der afrikanischen Heimat – bis hin zur geradezu legendären Möglichkeit, in Deutschland gratis und all-inclusive leben zu können, und das unter Umständen ein Leben lang, wenn man einer aktuell favorisierten Minderheit angehört und den Pass vor der Grenze wegwirft.

Über Jahrzehnte hat der Westen absurde Millionenbeträge als Entwicklungshilfe nach Afrika gepumpt – mit welchem Ergebnis? Die Menschen wollen auswandern. Und dann hat man Geld an Küstenwachen überwiesen, damit die Migranten am illegalen Auswandern gehindert werden.

Bereits Sommer 2017 lautete ein Beschluss der EU-Kommission, 46 Millionen Euro für eine Stärkung der libyschen Küstenwache und den Schutz der Südgrenze des Landes zu transferieren. Die Flüchtlingszahlen in Italien hatten sich durch den Einsatz der libyschen Küstenwache im Sommer 2017 im Vergleich zum Vorjahr halbiert. Dennoch wirkt es etwas dubios.

Denkweisen, Kulturen und Regierungen

Die sogenannte »Seenotrettung« ist eine jener Angelegenheiten, die so falsch sind, dass das Gegenteil auch nicht richtig ist. Menschen auf dem Meer aufzusammeln führt dazu, dass sich noch mehr von ihnen aufs Meer begeben – und es nicht zu tun führt dazu, dass die, die sich aktuell dort befinden, sterben werden.

Das eigentliche Problem sind Denkweisen, Kulturen und korrupte Regierungen, die in einer modernen Welt kaum lebensfähig sind, die sich selbst der größte Feind sind.

37281805_1900810676606858_7732297569371422720_n
Kollaboration SPD-Schlepper

Der Westen – allen voran Linke und dubiose NGOs – behandeln Afrika wie ein Kleinkind, das ununterbrochen an der Hand genommen wird, und dem man mit der anderen Hand in die Tasche mit den Rohstoffen greift – korrupte Politiker durchschauen das Spiel, und spielen gern mit.

Dem Westen wird nichts anderes übrig bleiben, als Afrika wie einen Erwachsenen zu behandeln. Deutschland müsste Afrikas Staaten sagen: Werdet erwachsen! – Das Problem dabei ist nun wiederum, dass Deutschland und der linke Teil des Westens derzeit retardieren, denken wir nur an die neuen »Kinder-Soldaten«, welche eine viel zu emotionale Debatte noch kindischer, noch irrationaler werden lassen.

Erwachsen zu werden

Es wird uns nichts anderes übrig bleiben, als Afrika zu sagen: Werdet erwachsen – und übernehmt Verantwortung für euch selbst. Asien gelingt es, Amerika gelingt es, Russland gelingt es und uns auch – ihr bekommt das auch hin.

Ja, wir werden nicht drumherum kommen, die Problemländer zum Erwachsenwerden aufzufordern, wozu eben gehört, ihnen die Möglichkeit zu nehmen, die Verantwortung für ihre sozialen Handlungen ganz automatisch nach Europa abzugeben.

Ja, es ist wichtig und richtig, Menschen in Not zu helfen, doch wenn du mehr Hilfsbedürftige hast als alle deine Krankenhäuser – und die Nachbarschaft – aufnehmen könnten, wäre es eine gute Idee, mal nachzuschauen, was das für eine Unfallstelle ist – und wer dafür verantwortlich ist, den Dauerunfall zu stoppen!

Wer anderen abverlangt, erwachsen zu werden, der sollte natürlich zuerst selbst erwachsen werden – und bleiben! Zum Erwachsensein gehört zuerst, selbst zu denken, statt Autoritäten für einen denken zu lassen. Wirklich erwachsen zu sein bedeutet auch, alles zu prüfen statt unbedarft irgendwelche Märchen und Propaganda zu glauben. Und, natürlich: Erwachsen zu sein bedeutet auch und zuerst, Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen – und auch tatsächlich verantwortlich in die Welt hinein zu handeln!

Das Kind sagt »Der ist Schuld!« und »Ich habe keine Lust!« – der Erwachsene sagt »Ich kümmere mich« und »Ich trage Verantwortung also handle ich.«

Seid Erwachsene – und bleibt Erwaschene! Habt die Kraft, Verantwortung zu übernehmen und erwachsen zu werden.

Erwachsen zu werden kann weh tun, doch Kind zu bleiben, das tut allen zu weh, die zusehen müssen. – Habt das bescheidene Selbstbewusstsein, auch von anderen zu verlangen, erwachsen zu werden.

»Weiterschreiben, Wegner!«

Diese Texte (bei /liste/ finden Sie hunderte weitere Texte!) und der Betrieb dieser Website sind nur mit Ihrer freiwilligen Unterstützung möglich. Es geht einfach und schnell via Kreditkarte oder PayPal – und schon jetzt: Dankeschön!

Der Club der trüben Lichter

von J.E.Rasch

Das Gefüge des alten Kontinents, der sich „Europa“ – nach einer etwas fülligen, widerspenstigen Gespielin des Göttervaters Zeus – nennen lässt, ist ziemlich desolat. In seiner attestierten Mitte dünstet eine vormals vereinte Republik vor sich hin. Durchaus, oder doch nur scheinbar auf gehobenem Niveau. Noch…

Denn die Auguren aus anderen Erdteilen zeichnen schon ein anderes Bild von der Zukunft dieser politischen Blümchenwiese am Ende Eurasiens, als ihre selbstverschossenen, ziemlich chaotischen Bewohner es wahrhaben wollen.

Das Gelächter in der Verbotenen Stadt zu Bejing, im dickwandigen Kreml an der Moskwa und im sturmgezausten Weißen Haus in Washington D.C. über Europas Krawalltruppe ist jedoch kaum noch zu überhören.

Boris Johnson hakt sich indes bei Donald Trump unter, weil der ihm im Casus Belli wohl die Gründe und die Waffen liefern will, wenn der Iran weiterhin den Bösen Buben und gar den Desperado an der Straße von Hormus spielen will. Doch die Dinge liegen weit tiefer, als die beiden Wirrköpfe Boris und Donald das überhaupt begreifen.Finsteres, politisch agierendes Mittelmaß bricht sich jedoch in weiten Teilen Europas immer mehr bahn. Der „Club der trüben Lichter“ wird immer größer. Nun dürfen neben der kraftlosen Kanzler-Darstellerin Merkel auch noch zwei schein-konservative Kammerzofen von Mutter Angela auf die Kommondobrücken von EU und Bundeswehr. Die eine, Ursula von der Leyen, wurde dabei gleich aus ihrer höchst misslichen Lage als gescheiterte deutsche Verteidigungsministerin gerettet, nicht ohne den schalen Geruch, eine hinterzimmerhafte „Lösung“ für den Kommissionsstreit in Brüssel zu sein; die andere, Annegret Kamp-Karrenbauer, die allein schon verbal stolpernd, als Nachfolgerin der anderen, überfordert zu sein scheint. Das berechtigte Murren in den militärischen Stäben dürfte auch in Berlin nicht ungehört verhallt sein. Und Donald und wohl auch Wladimir lachen sich sowieso schon wieder kringelig.

Kompetente, weltgewandte Spitzenkräfte sehen natürlich anders aus. Die wären aber bitter notwendig, wenn diese Malaise von Europa überwunden werden soll. Ein paar „klare Worte“ von Angela Merkel in Richtung Washington helfen da nicht. Rein gar nichts. Der nahezu schlechteste, höchstselbst ja schmalschultrige „Minister des Äußeren“, Heiko Maas, der mit der Verve und dem Brillengestell eines späten Harry-Potter-Imitators, hat ohnehin nichts zu sagen. Er gehörte von Anfang an nicht nur zum besagten Club; er wird dort, wo es darauf ankäme, schon gar nicht richtig wahr-, geschweige denn ernst genommen. Im Iran wird er einfach nur belächelt. Und das sagt mehr, als ein verweigerter Handschlag im Weißen Haus.

Viele drängenden Probleme im Groko-Land, über dem ein klebriger Schleier aus Quiz- Schlager- und Sommerspäßchen liegt, werden derweil ignoriert, end- und ergebnislos diskutiert, oder einfach gnadenlos zerredet und zerfleddert.

Dass weite Teile dieses Landes sich stark verändert, dass in ganzen Stadtteilen arabische, türkische oder albanische Clans das Sagen haben, wird von der Nomenklatura im politisch-lobbyistischen Geschäft, die fast ausschließlich in ihren Wohlfühlquartieren residieren, nur schulterzuckend hingenommen.

Sie hören und sehen wohl auch nicht hin, wenn inzwischen schon ganze Horden von aufmüpfigen „Flüchtlingen“ aus Afrika in deutschen Freibädern randalieren, sodass die Polizei in Hundertschaften anrücken muss, um einigermaßen Ordnung schaffen zu können.

Dort registrieren Merkel und Co. auch kaum, wenn – natürlich sehr schnell als „traumatisiert, gar psychisch krank“ erklärte – „Migranten“ deutsche Frauen und sogar Kinder in Bahnhöfen dieses weltoffenen, geduldigen Landes vollkommen unvermittelt vor Züge in den Tod stoßen!

In diesem Land gehen vielleicht bald die Lichter ganz aus. Wundern muss das dann niemanden mehr. Aber auch das merken Merkel, Maas und ihre träge Entourage wohl nicht mehr.

——–

*) Der Autor:

Joseph-Emich Rasch – Jahrgang 1953 – ist Linguist, Dramaturg und Kolumnist,

schrieb und inszenierte diverse Theaterstücke sowie zahlreiche Satire-Programme, wandte sich im vergangenen Jahrzehnt vermehrt der Analytischen Philosophie zu. Er ist Dozent für Kommunikation, Rhetorik und Dialektik.

www.conservo.wordpress.com    30.07.2019