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Forscherinnen: Rassismus beginnt mit Ausgrenzung von Müll

Vermeintlicher Müll ist ein soziales Konstrukt. An der Humboldt-Universität zu Berlin (HUB) engagieren sich Forscherinnen gegen die Ausgrenzung ungebrauchter Gegenstände als Müll. Diese beruhe auf einer Ideologie der Ungleichheit und sei somit rassistisch.
Die Bunte Zentrale für politische Bildung (BPB) hat dazu den Aufsatz «Müll als Strukturfaktor gesellschaftlicher Ungleichheitsbeziehungen» von Laura Moisi veröffentlicht, die an der HUB forscht. Wie sich aus Moisis Studien ergibt, ist das Beharren auf Sauberkeit, einschließlich Mülltrennung, ausgrenzend, chauvinistisch und nationalistisch. Dies hat auch schon die Anthropologin Mary Douglas herausgefunden. Von „Aporophobie“ (Armenfurcht) als einer tief ins Genom einprogrammierten archaischen proto-faschistischen Furcht vor Unordnung und Verwahrlosung, die es auszumerzen gelte, spricht Leitdenkerin Prof. Adela Cortina.

Hadmut Danisch zitiert genussvoll Ausschnitte aus diesen neuen Wissenswelten. Erst gerade hatte er aus vorhandener Erfahrung extrapolierend gemutmaßt, es dürfte solche Wissenschaftlerinnen geben, und schon wird seine Fantasie übertroffen.

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Bosnien. Flüchtlings-Lager. screenshot

Die Berliner Forschungen sind brandaktuell. Erst gerade wurde vor zwei Monaten schon aus der bosnischen Migrantenhochburg und früheren Partisanenhochburg Bihac berichtet, die unerwünschten Afghanen, Pakistanis u. v. m. hätten in der Stadt für Vermüllung und Kriminalität gesorgt und seien dann auf eine ehemalige Mülldeponie außerhalb der Stadt abgeschoben worden. Nachdem das chaotische Lager aus allen Nähten platzt, marschieren die dort angesammelten „Verdammten der Erde“ (Frantz Fanon) gen Mitteleuropa, wo sie „verwertbar“ (Claudia Roth) und sogar wertvoller als Gold sind.

Auf der griechischen Insel Samos, wo deponie-artige Lager schließlich aus allen Nähten platzen und eine heilbringende Flüchtlingsrevolution gebären, sehen wir gerade die gleiche antirassistische Müll-Dynamik am Werk. Ganz abwegig ist die Intuition der poststrukturalistischen Forscherinnen also nicht. Es handelt sich tatsächlich um folgerichtige Fortentwicklungen des poststrukturalistischen Feminismus, der schon immer Empathie gegen Ordnung setzte, und sie gewinnen durch die Müllberge auf der Balkanroute gerade wieder Aktualität. Vielleicht können diese Forschungsergebnisse ja in den Köpfen der EU-EntscheiderInnen die letzten Reste von (diskriminierender) Struktur beseitigen und der unterscheidungslos allesnährenden Empathie zum endgültigen Durchbruch verhelfen.

Anhang

Auch in Kalkutta, Detroit, Monrovia oder in brasilianischen Favelas gehört Müll zu den Facetten einer bei uns erst nach und nach einkehrenden Müllkultur, die geeignet ist, unser Land toleranter und bunter zu machen.
Hygiene erinnert an „Rassenhygiene“, ist also mehr als ausgrenzend. Wirklich „demokratisch“ sind nur Messiebuden. Daher sind die USA dank ihrem Spitzenreiter Kalifornien auf einem guten Weg.
Die Frankfurter Buchmesse ist bunt und nicht braun. Verlage, in denen diskriminierende Bücher erscheinen, werden daher in eine Schmuddelecke abgeschieden. Auch die Klassiker von Polybios über Tocqueville bis Spengler, die vor der heutigen Ochlokratie warnten, scheidet man still und leise aus, indem man ihre heutigen Leser als „braune Kacke“ ächtet. Auf der Buchmesse werden die wenigen, die den Weg an den rechten Rand finden, vom preisgekrönten IM Fotograf porträtfotografiert und dann erkennungsdienstlich behandelt und aus Arbeitsverhältnissen ausgestoßen.

Die AfD wolle Menschen erschießen und vergasen, behauptet ein Theaterstück, das eine Schule in Osnabrück spielt. Dabei geht es nur in zweiter Linie um die AfD. Der Leerkörper kämpft gegen aufkeimende Regungen politischer Vernunft. Unsere Kinder sollen ihren bunten Schnuller nie ablegen sondern in ewiger Infantiler Idiotie gefangen bleiben. Mithilfe eines AfD-Schreckgespenstes versucht man die Vernunft vorsorglich aus einem drohenden Volkskörper (d.h. etwas strukturiertem und somit autoritärem) auszuscheiden.
Höchste RichterpriesterInnen haben das Festhalten am Volk als Subjekt der Politik zu einem verfassungswidrigen Vergehen gemacht das Benachteiligung durch den Staat rechtfertigt. Jetzt legt Jura-Professor Andreas Fischer-Lescarno aus Bremen nach und erklärt, dass das Herausekeln mithilfe von zivilcouragierten StudentenvertreterInnen, wie gerade gegen Prof. Lucke in Hamburg erfolgreich durchgezogen, der verfassungsmäßig gebotene Weg sei. Niemand dürfe unter dem Deckmantel der wissenschaftlichen Wahrheitssuche menschenrechtswidrige Gedanken artikulieren. Da man diese Gedanken aber auch nicht verbieten dürfe, bleibt nur das Herausekeln. Damit trift Fischer-Lescarno genau den Geist des Baer-Voßkuhle-Gerichts. Ein TAZ-Leitartikler dankt dem Hamburger AStA für die Hilfsdienste zur Verteidigung der UN-geordneten Freiheit.
Die Pro-EU-Betonfraktion hat im britischen Unterhaus soeben die Abstimmmung über den von Boris Johnson nun doch ausgehandelten Brexit-Vertrag verhindert. Damit rutscht die „Mutter der Parlamente“ auf ukrainisches Ramschniveau ab, während der externalisierte „autoritäre“ Feind sich als Fels in der Brandung und Hort der Verlässlichkeit bewährt.