Feminiles Haaaa als letzter Schrei des Wertewestens

Schreiende Frauen sind der letzte Schrei der weißrussischen Exil-Opposition.  Dies sowohl in Warschau als auch in den Hemizyklen der Brüsseler Macht. Sie schreien immer wieder laut und hilflos „Haaaa!“ bzw.“Sanktioneeeen!“. Einige unterstreichen ihre Botschaft passend durch Nacktheit.



Im Handbuch der Farbenrevolutionen wird besonderen Wert auf spezielle weibliche Einsatzgruppen gelegt, die sich als Opfer von Regierungsbrutalität inszenieren und jedenfalls gerade durch ihre Zerbrechlichkeit und unpolitische Emotionalität zeigen, wie schlimm die Lage im Land sein muss, um auf diese Weise Männer in die Pflicht zu nehmen. So schlimm wie in Frankreich zu Zeiten der Johanna von Orléans (Jeanne d’Arc)? Oder ist es der „Schrei“ des hilflosen modernen Menschen, wie Edvard Munch ihn immer wieder malte? Oder eine Revolutionstechnik, die so etwas suggerieren soll? Oder doch bloß Feminil-Infantile Idiotie bunter Bauart? Oder ein wenig von all dem?
Einen besonders schlimmen Tag erlebte der Umsturzversuch gegen Lukaschenko gestern, denn der in Minsk festgesetzte Roman Protassewitsch kooperiert umfassend mit den Minsker Behörden, indem er seine Kollegen von NEXTA im Fernsehen gründlich bloßstellt und desavouiert. Man bekommt den Eindruck, dass er seinen Sinneswandel sogar ehrlich meint. Vielleicht war er auch schon eine Weile ein Doppelagent. Er selber erklärt, er sei von eigenen Mitstreitern verraten und ins Netz geschickt worden. Tatsächlich twitterten Tichanowskaja & Co zu einem Moment über Protassewitschs Anwesenheit im Flugzeug, als der Minsker KGB davon vielleicht noch nichts wusste. Die Aussicht auf 15 Jahre Knast könnte einen plötzlichen Reifungsschub in Gang gesetzt haben, nachdem er in den letzten Monaten ohnehin schon Abstand nahm und NEXTA verließ. Unter anderem missfiel ihm die Inkompetenz der unantastbaren Hausfrau Tichanowskaja und die trostlose Verelendungsstrategie, die ihr eigensüchtiger Apparat gegenüber dem weißrussischen Volk verfolgte. Hinter dem spaßigen jugendlichen Aktivismus für das wertewestliche Gute stecken vielleicht insgesamt weniger tiefe Überzeugungen, als man gemeinhin glaubt.
Die „liberalen“, „pro-westlichen“ Sender Russlands verbringen viel von ihrer Sendezeit mit der Verarbeitung des eigenen Schocks über Roman Protassewitsch und mit Spekulationen darüber, wie schlimm Lukaschenkows KGB-Schergen ihm zugesetzt haben müssen, um ihn so weit zu bekommen. Auch Britanniens Außenminister Dominic Raab ergeht sich in haltlosen Spekulationen dieser Art und droht mit noch mehr Sanktioneeeen. Raab schreit gewissermaßen „Haaaaaa“ in dem Jargon, der im Wertewesten von einstiger Diplomatie noch übrig geblieben ist. Und er liefert denjenigen, die hinter den unaufgeklärten Bombendrohungen, die Ryanair zur Landung in Minsk veranlassten, ein Werk britischer Dienste sehen, ein weiteres Indiz.   London schrie immer zuerst und forderte immer die destruktivsten Sanktionen, z.B. gegen jedwede Versorgung Europas mit russischer Energie, als andere sich noch bedeckt hielten.   Es ist Raab auch zuzutrauen, dass er seinen lauten Schrei über herbe Verluste von Vermögensgegenständen des MI6 nicht einmal zu verstecken versucht.   Die Briten schicken ja auch Kriegsschiffe in das Meer von Asow und das Südchinesische Meer.  Sie leben noch in der Welt von Lord Palmerston, und dies nicht einmal ganz zu Unrecht, wie die Fünf-Augen-Allianz immer wieder durchblicken lässt.
Doch man bemerkt bei Protassewitsch keine Spur von Misshandlung jedweder Art sondern eher eine entspannte, authentische Redeweise. Die Analysen der Leute aus „Putins Staatsfernsehen“ um „Putins Propagandisten“ Wladimir Solowiow, Sergej Karnauchow, Alexander Sosnowski, Nikolai Starikow uvm liefern viel plausiblere und fachmännischere Erklärungen dessen, was dort vor sich gegangen sein muss. Es ist einer der Tage, an denen sich Russischkenntnisse besonders lohnen.


Inzwischen hat Thomas Röper das Interview schon übersetzt I, II. Auch Röper ist nicht davon überzeugt, dass die Bekenntnisse von Protassewitsch „erzwungen“ seien. Was er vorträgt, hat vielmehr Hand und Fuß und ergibt ein stimmiges Bild. Die vorlaute Behauptung westlicher Medien, sein Vortrag sei „erzwungen“, passt auch als ein weiterer „letzter Schrei“ zu diesem Bild.
P.S. Es wuchs zusammen, was zusammen gehörte. Am 9. Juni gingen Aufnahmen eines Auftritts der polnisch-weißrussischen Haaaa-Schreierinnen im Europäischen Parlament durch die russischen Fernsehnachrichten. Die Parlamentarier quittierten den markerschütternden Menschenrechtsempörungsschrei mit lautem Klatschen und einer weiteren Menschenrechtsempörungsresolution gen Minsk und Moskau. .
Wer zu Mozarts „Lacrimosa“ über den Untergang des Abendlands meditieren mag, bekam dazu von Vlad aus Serbien und Dr. Edward Dutton aus England/Finnland schon im Jahr 1 v. Floyd hervorragende Anregungen.

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