Notlandung in Minsk: Lukaschenko folgt westlichen Vorbildern

Die weißrussische Polizei hat den Gründer des als extremistisch eingestuften Telegram-Kanals NEXTA (sprich Nechta) festgenommen. Roman Protassewitsch war aus Athen nach Wilna unterwegs, als seine Maschine wegen einer angeblichen Bombendrohung in Minsk landen musste.

Protassewitsch hatte Weißrussland vor einigen Jahren verlassen und von Warschau aus mit Unterstützung des polnischen Geheimdienstes und westlicher Fördergelder auf den Sturz von Lukaschenko hingearbeitet. Nach teilweise gewalttätigen Massenprotesten und Sabotageaktionen im Sommer und Herbst 2020 und Aufdeckung noch radikalerer Umsturzpläne hatte das Oberste Gericht in Minsk am 20. Oktober 2020 den NEXTA als extremistisch eingestuft. Die Mitgründer des Kanals Stepan Putilo und Roman Protassewitsch wurden der Organisation von Massenunruhen und der Hetze auf Staatsbeamte und Polizisten beschuldigt. Dafür könnten ihnen bis zu 15 Jahre Haft drohen. Im Februar 2021 beantragte Weißrussland bei Polen die Auslieferung der beiden Journalisten.
In Berlin, Wien und anderswo fühlen sich zahllose Politiker von Weltformat zu Empörung berufen. So fordert z.B. die FDP, wir sollten ab sofort Lukaschenko wie einen Verbrecher behandeln. Das haben wir allerdings wohl schon vorher getan, wie sich neulich durch Aufdeckung eines westlich finanzierten Staatsstreich- und Attentat-Komplotts gegen Lukaschenko zeigte.
Schon im September 2020 versuchte die Ukraine, 33 russische Söldner via Minsk per Notlandung nach Kiew zu entführen und dort wegen Beihilfe zur Donbass-Rebellion anzuklagen. Westliche Medien jubelten über die heldenhafte Kühnheit der Ukrainer:


Ferner haben die USA selber den gleichen Trick 2013 in Wien gegen ein bolivisches Flugzeug verwendet, auf dem sie Edward Snowden vermuteten. Eine lange Reihe weiterer Fälle erzwungener Notlandungen und sonstiger abenteuerlicher extraterritorialer Festnahmen, die auf das Konto des Wertewestens gehen, liefern gerade russische Medien.


Der Wertewesten hat gegen Lukaschenko nicht nur schon alle Munition verschossen sondern auch moralische Autorität verspielt, doch das wissen wohl die wenigsten der Politiker, die sich kraft ihres Status als Bürger eines EU-Landes zu Weltenrichterschaft berufen fühlen.
Auf dem Titelbild sehen wir die versammelten EU-Botschafter, die im Oktober in Minsk für Demonstranten, die bei gewalttätigen Demos zu Schaden kamen, nacheinander Blumen niederlegten, um einen Minsker St. Floyd zu erzeugen. Schon damals hatten sie ihre Munition weitgehend verschossen. Warum sollte Lukaschenko heute zögern, das zu tun, was Kiew und Washington auch tun, wenn sie der Meinung sind, dass ihre Kerninteressen auf dem Spiel stehen?
Nicht nur die westlichen Präzendenzfelle sondern auch die zu ihrer juristischen Rechtfertigung von Leitmedien herangezogenen juristischen Theorien stützen das Handeln von Alexandr Lukaschenko. Wenn die wertewestliche Lügenpresse ordentlich informieren würde, wäre der Brüsseler Sanktionszirkus nicht zustande gekommen. Man lese bei Thomas Röper weiter, um dies noch besser zu verstehen. Die zum Schluss zitierten Worte der russischen Außenamtssprecherin Maria Sacharowa verdienen weitere Verbreitung, auf dass unsere eitle leitmediale Blase bald platzen möge:

„Es ist schockierend, dass der Westen den Vorfall im Luftraum von Weißrussland als „schockierend“ bezeichnet.
Das Leben der „zivilisierten Demokratien“ nach dem Motto „quod licet Iovi, non licet bovi“ ist durch den Verlust echter Führungsqualitäten der einstmals Führenden längst irrelevant geworden. Das Blut und das Leid von Millionen auf der ganzen Welt hat den westlichen Demagogen den Stuhl unter den Füßen weggezogen, von dem aus sie gepredigt haben.
Entweder muss alles schockieren: Von der erzwungenen Landung des Flugzeugs des bolivianischen Präsidenten in Österreich auf Ersuchen der USA bis zur Landung des weißrussischen Flugzeugs mit Aktivisten des Anti-Maidan an Bord 11 Minuten nach dem Start in der Ukraine. Oder man sollte durch ähnliches Verhalten anderer nicht schockiert sein.
Der Einsatz von Informations- und politischen Kampagnen, um die Wahrnehmung durch die Medien zu formen, hat nicht mehr den gewünschten Effekt – das Internet erinnert sich an all die Fälle von gewaltsamen Entführungen, Zwangslandungen und illegalen Verhaftungen, die von den „Hütern der Ordnung und den Wächtern der Moral“ durchgeführt wurden.“

Es schallt aus dem Wald heraus, wie man hineingerufen hat. Der verächtliche Tonfall von Sacharowa kommt nicht von ungefähr. Führende russische Journalisten bis hin zu Margarita Simonyan sind von der professionellen Revanche begeistert, die dem letzten postsowjetischen „KGB“ im Namen des gesamten postsowjetischen Raumes oder zumindest des russisch-weißrussischen „Einheitsstaates“ einmal gelungen ist. Alexander Lukaschenko wurde vom Wertewesten in die Ecke gejagt und auf die untersten Stufen der Nahrungskette verwiesen, und er nahm unbeeindruckt seine Kerninteressen auf Grundlage der beklagenswerten Maßstäbe wahr, die der Westen mit seinen vielen traurigen Präzendenzfällen nun mal zur Norm gemacht hat. Russland würde so etwas nicht tun, aber für Alexander Grigorewitsch hat man Verständnis.   Derweil ist noch unklar, ob Protassewitsch überhaupt das Ziel eines Manöwers war oder zufällig ins Netz ging, denn man weiß bisher nicht, woher die Falschnachrichten kamen, die den Piloten zur Notlandung motivierten.   Nikolai Starikow vermutet gar, sie seien von westlichen Geheimdiensten gekommen, die unbedingt Nordstream2 stoppen wollen, wobei London, Warschau und Kiew besondere Bereitschaft zu extremem Vorgehen gezeigt haben.  Es wird vermutet, Protassewitsch selbst sei als Bauernopfer dafür benutzt worden, denn er sei auf dem Weg zum Ausstieg aus NEXTA gewesen. Polnische Zeitungsartikel stellen offen die Frage, warum der polnische Geheimdienst, der hinter NEXTA steht, Protassewitsch nicht geschützt habe. Beim planmäßigen Treffen zwischen Putin und Lukaschenko am kommenden Freitag in Sotschi werden vielleicht diejenigen auf ihre Kosten kommen, die via Minsk immer möglichst tiefe Keile zwischen Ost und West treiben wollen.



In den Nachrichten des russischen Staatsfernsehens wird daher auch,anders als bei unseren GEZ-Sender, nach klassischen journalistischen Standards aus der Perspektive aller beteiligten Seiten ausgeglichen und abgeklärt berichtet.


In Weißrussland geht es ähnlich wie in der Ukraine vor allem um Geopolitik, nämlich Entrussifizierung, die fast zwangsläufig auf Nazi-Traditionen zurückgreift, da sie stets mit einem Dünkel westlicher Überlegenheit über die dunkeleurasische Biomasse (Untermenschen), deren archaischer Mentalität der Moloch Russland entspringe, einhergehen. Deshalb findet man von den westlich genährten Revolutionären fast immer irgendwelche Nazi-Fotos, so auch von Protassewitsch:


Habeck und die Völkerrechtlerin verachten oder ignorieren das Völkerrecht, zu dem das Minsker Abkommen gehört. Beide wollen den Donbass mit Waffengewalt unter die Hererschaft diktatorischer Westsuprematisten (Nazis) bringen. Für beide ist das Erpressungspotenzial Kiews gegenüber Moskau und Berlin eine Top-Priorität.
Die Botschaften der moralischen Supermächte Deutschland und Schweden in Japan fallen durch Einmischung in innerjapanische Fragen des MeToo-Menschenrechts-Mimosenschutzes unangenehm auf. Auch in Japan sieht man in ihnen eine modernisierte und daher besonders penetrante Variante des Herrenmenschentums.

Ein Gedanke zu „Notlandung in Minsk: Lukaschenko folgt westlichen Vorbildern“

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