FREXIT formiert sich

Am 8. Mai kam es zu einer beachtlichen Demo für den Austritt Frankreichs aus der EU (FREXIT) auf dem „Platz der Freiheit“ in Paris. Damit zeigt Florian Philippot, Ex-Berater von Marine Le Pen, auch die Fähigkeit seines Vereins „Les Patriotes“, der sich der Mobilisation der Straße zwecks Wiederherstellung eines souveränen Frankreich verschrieben hat. Man kann übrigens erkennen, dass in diesem Kampf um die nationale Freiheit, der durchaus vorankommt und Erfolg verspricht, den Deutschen die Rolle des Sündenbocks und wiederholten Missetäters beschieden ist, an dem man sich schadlos halten wird, was natürlich auch gut zum Datum dieser Demo passt.


Kein geringerer als Frankreichs EU-Kommissar Michel Barnier, der den Brexit aushandelte, forderte neulich eine Aussetzung der Schengener Freizügigkeiten. Den Pro-EU-Eliten steht das Wasser bis zum Hals, seit die Tribüne der Generäle überwältigende Zustimmung fand und Marine Le Pen laut Umfragen gegen Macron auch in der Stichwahl gewinnen würde, dies sogar unter 20jährigen. Marine Le Pen nimmt zum FREXIT eine vorsichtigere, mit Barnier kompatible Position ein, was aber nicht ausschließt, dass sie und ihr Ex-Berater getrennt marschieren und vereint schlagen. Der EU-Austritt ist für Le Pen kein Selbstzweck sondern ein mögliches Ergebnis harter Verhandlungen mit Brüssel um die Rücknahme gewisser subversiver Freizügigkeiten, die in EU-Verträgen festgeschrieben sind und als heilige Kühe gelten.

Neben RN und Les Patriotes gibt es überdies eine Reihe weiterer Formationen und Präsidentschaftskandidaten, die in die gleiche Richtung drängen.

Anders als in Deutschland pflegt auch Macron selber mit intellektuellen Vertretern dieser Gruppen einen respektvollen Dialog. Anders als zunächst befürchtet, stellte er sich beim Napoleon-Jubiläum doch nicht auf die Seite der postkolonial-antirassistischen „Dekonstruktion der französischen Geschichte“, und wenige Tage später verbannte seine Regierung den Gender-Neusprech aus dem französischen Bildungswesen. Die Hetzjagd gegen die pensionierten Generäle ist auch in engen Grenzen geblieben. Macrons politische Rhetorik ist souveränistisch, aber er versucht Europa als Subjekt dieser Souveränität an die Stelle von Frankreich zu setzen. Dies entspricht durchaus altehrwürdiger Tradition von den Römern über Chlodwig bis zu Napoleon und vielleicht auch heutigen geopolitischen Erfordernissen, aber es bleibt ein Traum. Europas Nationen seien gefestigt wie gekochte Eier, und aus gekochten Eiern könne man kein gemeinsames Omlett braten, erklärte Republikgründer Charles De Gaulle trocken. De Gaulles Gegner Mittérand nahm dennoch ab 1982 zur Eurotopia Zuflucht, nachdem er seine sozialistischen Utopien zügig begraben hatte. Doch auch dieser letzte Traum scheint sich langsam aber sicher auszuträumen.

Die globalhumanitaristische Elite Frankreichs hat, anders als ihre deutschen Kolleg*innen, keine ziehenden buntbolschewistischen Perspektiven mehr. Dämonisierung von Marine Le Pen scheidet aus. Alle Munition wurde bereits verschossen. Nicht einmal Klima-Hysterie kommt in dem bezüglich CO2 vorbildlichen desindustrialisierten Land in die Gänge. In dieser verzweifelten Lage eröffnet nun stellvertretend der von Macron ausgebootete bayrische Westentaschen-Napoleon Manfred Weber als Vorsitzender der Europäischen Christdemokraten und Mann fürs Grobe das Feuer gegen Marine Le Pen. Ihre Partei soll gemeinsam mit der AfD für die Judenhass-Demos antisemitischer Merkel-Gäste verantwortlich sein. Man wird sehen, ob Webers Versuche, die Geste des Weltoffenen Arsches aus Bayern nach Frankreich zu exportieren, noch etwas ausrichten wird, außer die Stimmung in Europa weiter zuungunsten Deutschlands zu verschlechtern.

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