Adieu, Charley Pride – es geht auch ohne rassistische Aufreger und „affirmative action“

Auch im Corona-Jahr 2020 haben uns wieder viele Musiker verlassen, die unser eigenes Leben mit deren Kompositionen oder deren Interpretationen begleitet hatten, wie z.B. Bill Withers, Little Richard, Peter Green, Trini Lopez, Lee Kerslake, Juliette Greco, Eddie Van Halen, Spencer Davis oder Ken Hensley (Uriah Heep). Charley Pride verstarb dieser Tag an COVID-19. Mehr über Pride erfahren wir nun von

von Notan Dickerle,  

Anwärter auf den Leuchtturmpreis für mutigen Journalismus gegen “Bunt”

Ich muß gestehen, daß ich bis vor wenigen Tagen den Namen Charley Pride nur vom Hörensagen gekannt habe, U-Musik aus den USA ist grundsätzlich nicht meine Sache. Natürlich ist mir irgendwann sein großer Hit „Kiss an Angel Good Mornin’“ untergekommen, aber den Namen des Sängers kannte ich nur aus einem deutschen Schlager: „Ich möcht‘ so gern Dave Dudley hör’n, Hank Snow und Charley Pride“ wurde zum größten Erfolg der deutschen Country-Band „Truck Stop“, die mit den musikalischen Sehnsüchten eines amerikanophilen LKW-Fahrers („…doch AFN ist weit!“) den Geschmack eines breiten Publikums Ende der 70-er Jahre gut getroffen hatte.

Jetzt sind alle drei genannten Größen amerikanischer Country-Musik tot, Charley Pride, der am 12. Dezember im Alter von 86 Jahren gestorben ist – auch er „an oder mit Covid“ – war der jüngste und letzte von ihnen. Da das Country-Genre eine klassische Domäne weißer Männer ist – sozusagen die Musik typischer Donald Trump-Wähler, die sich mehr um die Landwirtschaft kümmern als um Weltverbesserung – stellte ich überrascht fest, daß Charley Pride mitnichten diesem Typus entsprach, sondern ein Farbiger aus den amerikanischen Südstaaten war. Er stammte aus ärmlichen Verhältnissen. Als sich sein Traum, Baseballprofi zu werden, nicht verwirklichen ließ, rief er weder nach politischem Asyl noch nach „affirmative action“ sondern ging einfacher, ehrlicher Arbeit nach. Irgendwann kaufte er sich vom Ersparten eine Gitarre, spielte diversen Produzenten vor, und nachdem die Szene sich an den Gedanken gewöhnt hatte, daß ein Schwarzer nicht nur zu Blues und Gospel sondern im Einzelfall auch zu Country befähigt sein kann, begann für Pride Mitte der 60-er Jahre eine Weltkarriere: er wurde einer der erfolgreichsten Country-Interpreten aller Zeiten und verwirklichte den „American Dream“ vom Tellerwäscher zum Millionär. Im Jahr 2000 wurde er in die „Country Music Hall of Fame“ aufgenommen.

Also alles paletti? Mitnichten! Laut Wikipedia führte Pride „ein skandalfreies Leben und hatte drei Kinder.“ Er war also ein „Onkel Tom“, ein an die Welt und die Maßstäbe der WASP’s, der „White Anglo-Saxon Protestants“ angepasster Farbiger, der nicht daran dachte, sich gegen deren Herrschaftsstrukturen aufzulehnen. Es gab gerade im Show- und Unterhaltungsgeschäft viele andere, die nach diesem Rezept erfolgreich und glücklich wurden, man denke nur an Louis Armstrong, Nat „King“ Cole oder die Schauspielerin Hattie MacDaniel, die auf die empörte Frage, warum sie es akzeptiert habe, in dem Klassiker „Vom Winde verweht“ ein schwarzes Dienstmädchen zu spielen zur Antwort gab, besser, ein solches zu spielen als eines zu sein – und entsprechend wenig zu verdienen. Aber damals gab es noch keinen „Black Caucus“, kein „Black lives matter“, keine Hashtags, keine Shitstürme und keine Asylindustrie. Es war die Zeit vor Woodstock, vor der Symbiose aus Establishment und Subversion. Der berühmte Roman „Onkel Toms Hütte“ („Uncle Tom’s Cabin“), in dem die protestantische amerikanische Schriftstellerin Harriet Beecher Stowe kurz vor dem Sezessionskrieg leidenschaftlich gegen die Sklaverei anschrieb, hat in den USA seither keinen leichten Stand mehr. Der als Vorbild präsentierte Titelheld war nämlich kein Rebell, sondern ein tiefgläubiger, um Treu und Redlichkeit bemühter Christ, der im Sterben sogar seinem ultimativen Peiniger, dem Sklavenhalter Legree, vergibt. Ein Anti-Woodstocker sozusagen, wie auch Charley Pride einer war, der nicht vorzeitig Exzessen mit Sex, Drugs and Rock’n Roll erlegen ist und deshalb auch nicht behaupten konnte, das Leben sei wegen „strukturellem Rassismus“ ohne permanentes Kiffen, Koksen und Spritzen einfach nicht auszuhalten. Anstatt (pardon!) Rassensolidarität mit Malcolm X, George Floyd oder Leuten wie dem ohrenbeissenden Boxer Mike Tyson zu demonstrieren, fallen solche Musterschüler durch Anpassung an Herrschende und Suprematisten ihren weniger glücklichen (pardon!) Rassegenossen einfach in den Rücken! Wo der Skandal 150 Jahre nach Abschaffung der realen Sklaverei doch darin bestehen müsste, daß es sie jemals gegeben hat, der „Werteuniversalismus“ aber spätestens seit Adam und Eva hätte gelten müssen!

In Deutschland hatte der Roman von Harriet Beecher Stowe bis vor kurzem einen sehr guten Ruf. Am Rande des Berliner Grunewalds ist ein ganzes Viertel sowie ein U-Bahnhof als „Onkel Toms Hütte“ nach ihm (bzw. einer historischen Ausflugsgaststätte) benannt. Da aber (fast) alles „Gute“ unweigerlich seinen Weg über die Atlantik-Brücke gen Westeuropa nimmt haben „Afrodeutsche“ im Zusammenspiel mit Merkelmedien wie der „Deutschen Welle“ („Made for minds“) inzwischen auch diese gewachsene Struktur unter Beschuss genommen und verlangen Umbenennung, zumindest aber Distanzierung durch volkspädagogische Erläuterungen. Integration durch Unterwürfigkeit bzw. Anpassung an eine „Leitkultur“, also das geht ja wohl gar nicht!

Auch wenn die für „minds“ gemachte Welle (wie auch andere Merkelmedien) zuletzt etwas zurückgerudert sind und beispielsweise im Zusammenhang mit Äusserungen eines rumänischen Schiedsrichters bei einem internationalen Fußballspiel  von „erfundenem Rassismus“ geschrieben haben steht zu befürchten, daß mit der neuerlichen Übernahme der Macht durch die „lìberals“ in den USA – der Eselspartei und der philantropischen Milliardäre – der Wind der „Political Correctness“ zunehmen wird. Die Demokraten standen zur Zeit von Onkel Tom nämlich auf Seiten der Südstaaten bzw. der Sklavenhalter und fühlen sich heute zu Wiedergutmachung und „Great Reset“ verpflichtet. So könnte sich zum Beispiel die „Mikroaggression“ schon bald auf der erwähnten Brücke zeigen mit der Folge, daß die Frage nach der Herkunft einer offensichtlich nicht biodeutschen Person ebenso als Beleidigung gewertet werden kann wie das Zigeunerschnitzel, der Negerkuß oder der Mohr im Hemd. Die Zeiten der Louis Armstrongs und nun auch der Charley Pride sind schließlich endgültig vorbei. Aber mal Hand aufs ungrüne Herz: die waren schon klasse, diese Leute! Den Menschen Freude machen mit guter Musik – da brauchte es keiner gesellschaftspolitischen Nachhilfe und keines „asymetrischen Multikulturalismus“. Das funktionierte ganz ohne „social engeneering“ und „affirmative action“!

Die toten weißen Männer (und Frauen) waren übrigens auch nicht schlecht: haben diese „Strangers in the Night“ mit ihrem Charme und ihrem Sound einfach angenommen! Das Leben könnte eigentlich sehr einfach sein…    

4 Gedanken zu „Adieu, Charley Pride – es geht auch ohne rassistische Aufreger und „affirmative action““

  1. Das war wirklich mal endlich ein Artikel, der meinen Wochenbeginn versüßt! Danke. Wie ein Biss in ein rosa Marzipan-Glücksschwein, bei dem sich die Honig klebrige Masse süß dem Gaumen anschmiegt und bei vollem Reiz der Geschmacksnerven langsam und genussvoll durch eine enge Röhre sich in den Schlund Richtung Magen schiebt. Endlich einmal, ja endlich einmal ein Rückblick auf all das Heitere, Schöne in meinem Leben, wo 1000 (in Worten: Eintausend) Tonträger männlicher fremdsprachlicher Interpreter friedlich schiedlich zusammen stehen, Rassen vereint von tiefschwarzen Mohrenköpfen über gelbhäutige Flachnasen, Feder gekrönten Rothäuten bis zu hausschweinshäutigen Bleichgesichtern. Notan Dickerle lässt die Sonne im Herzen erstrahlen und mich im luxuriösen Rentnersessel, Onkels Erbstück, lässt mich mit dem Blick über das vernebelte Landschaftsgrau die grauenhafte Corona-Covid-19-Seuche mit all ihren Mutationen und Variationen vergessen und inspiriert mich zu diesen Zeilen wie aus einer rosaroten Marzipanschweinchenwelt mit nichts als Freude, Wohlklang, Gesundheit, Geld und Glück.

    Vergessen, was mich letzte Woche noch nervlich mit meinem Blog plagte: „Die Lage war noch nie so ernst.“

    https://n0by.blogspot.com/2020/12/die-lage-war-noch-nie-so-ernst.html

    Diese Woche stimmt mich Notan Dickerle ein auf einen Text wie
    „Meine rosarote Marzipanschweinchenwelt war noch nie so süß wie Weihnachten 2020 – im Ernst – jetzt!“

    Frohes Fest + Guten Rutsch!

  2. Ich danke Dir ebenfalls für diesen Hinweis auf Charley Pride und den Kommentar dazu. Seine Stimme kannte auch ich, gesehen hatte ich ihn nie und wusste daher ebenfalls nicht, dass er ein Schwarzer war.
    Zu dem, was Du zu den 68ern und Woodstock schreibst, doch eine Einschränkung von mir, der dabei war. Für uns war – „dass alle Menschen gleich geschaffen sind, dass sie von ihrem Schöpfer mit gewissen unveräußerlichen Rechten ausgestattet sind; dass dazu Leben, Freiheit und das Streben nach Glück gehören“ – doch absolut positiv besetzt und Unterschiede der Rassen wurden einfach nicht gemacht. Cahmpion Jack Dupree hoch in seinen 80ern war eines der beiendruckensten Konzerte, die ich je besuchte. Muddy Waters, Bo Diddley, Little Richard, Chuck Berry, Ray Charles, die ganzen Sänger und Sängerinnen des „Motown-Soul“, z.B. die Supremes oder nicht zuletzt natürlich Jimi Hendrix. Die Pop-Musik ist ohne diese Mütter und Väter undenkbar. Im Gegensatz zu Deinem Hinweis auf den Dir gefälligen Charakter Prides ist die von mir genannte Truppe vielfältig von konservativ bis verstorben an Drogen. Aber sie alle waren Teil des „american dream“, der in den Sixtees noch nicht ganz, aber in den folgenden Jahrzehnten mehr und mehr jedem Amerikaner offen stand.
    BLM, Antifa und Co. waren damals noch gar nicht vorstellbar.
    Jetzt habe ich Charley Pride wie Du gegoogelt und empfehle hier gerne sein „Live in Canada“ Konzert von 2005 mit all seinen großen Hits. Ein großes Vergnügen, so man ein wenig Freude an Country-Music hat:

  3. „Unterschiede der Rassen wurden einfach nicht gemacht.“ So kommentiert Michael Genniges die Arbeit von Notan Dickerle und meinen Kommentar dazu. Das stimmt. Viele waren 1968, damals mit meinen 20 Jahren, grenzenlos naiv wie die Rot-Grün versifften Antifanten heute, genauso laut, geil, versoffen, verkifft, zugedröhnt mit Hendrix, den Doors, Janis Joplin, Santana, Stones, Beatles, Kraftwerk, Elvis Presley, Exuma, Lou Reed, Nick Cave, Leonard Cohen, Buddy Holly, Alice Cooper, Prince, Procul Harem, Otis Redding. Woodstock wie Flower Power wiesen den Grünen Weg, fort von der Leistungs- zur Versorgungs-Gesellschaft. Viele nahmen Drogen und waren stolz auf jeden gut überstandenen LSD-Trip: „Are you experienced?“ Alles war so schön bunt. Nur Rente ab Geburt fehlte noch zur Seligkeit. Wer das alles überstanden hat, mag und darf die Zeit verklären.

    Was für ein Unterschied gegenüber der heutigen Zeit! Mittlerweile treiben in Shithole-Countries – no countries, no borders – wie auch in Germoney kriminelle Clans ihr Unwesen. Wie in Schwarz-Afrika verschieden „Rassen“ wie Hutu und Tutsi sich zu Hunderttausenden niedermetzeln, so breitet sich die Unsitte unter hausschweinhäutigen Bleichgesichtern aus. Ein Ende ist nicht abzusehen. „Um wen ist’s schon schad?“ wie Brecht so sinnierte. Ob man die sich bekämpfenden Krieger „Rassen“, „Clans“ oder sonst wie benennt, bleibt sich gleich: Eine atavistische Blutsgemeinschaft ist stärker als der Staat. Blutige Wirklichkeit hat den naiven Traum zertrümmert: „Unterschiede der Rassen wurden einfach nicht gemacht.“ Nicht von Fantasten und Träumern, wohl aber machen Killer der Königsklasse Unterschiede zwischen den „Rassen“.

    Kampf- und Propagandasongs wie von Public Enemy, 2Pac, Bob Marley, Macka B, 50Cents bis hin zu dem unvergleichlichen Kampfpoeten Benjamin Zephaniac haben mich mein Arbeitsleben begleitet, mich den ständigen Stress ertragen lassen, den die Meisten in ihren Jobs einstecken, wieder und immer wieder. Wer in der Mühle am Schreibtisch, hinter dem Steuer oder sonst wo schuftet, entspannt sich mit Gangsta-Rap und mit dem abendlichen Mordgeschehen in Tagesschau und Tatort. Wer sich dabei nicht tot säuft wie vier meiner Kollegen, wer es bis zur Rente schafft, erwacht nach Jahrzehnten wie aus einem bösen Traum und beginnt ein anderes Leben. Wie wäre das?

    Das wäre vielleicht so: Das Einzige, was Dir wirklich gehört, scheint gerade der Platz, auf dem Du sitzt. Das Einzige, was Dich wirklich erhält, ist Dein Herzschlag, Dein Atmen. Schon wenn sich Deine Gedanken fort träumen von diesem Rhythmus Deines Herzschlages bist Du nicht mehr bei Dir. Das Einzige, was Dir wirklich gehört, siehst Du, wenn Du die Augen schließt.

    Wozu sich noch um Kämpfe wie denen der Russen-, Ngrandetha-Mafia, der türkischen Grauen Wölfe oder der kurdischen Kämpfer kümmern? Wer sich beim Drogen-, Waffen- und Menschenhandel bis auf das Blut bekämpft, ist Sache der Sicherheitskräfte. Kommen die nicht an gegen den „Krieg in unseren Städten“ (Udo Ulfkotte), geht das Land eben in die Binsen. Wozu sich noch mit politischer Poesie plagen, es sei denn es zahlte sich in Spenden oder zumindest in Aufmerksamkeit anderer aus?

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