Rossia24: „Wo bleiben die Sanktionen gegen Merkel?“

Gestern rief Robert F. Kennedy in Anlehnung an seinen Großonkel auf der Berliner Demo „Ick bin ein Berliner“ und erklärte, Berlin stehe jetzt wieder an der Frontlinie des Kampfes gegen den Totalitarismus. Von so einer Frontlinie sprachen vorgestern ukrainische Politiker, während ihre Handlanger bei Charkow einen Reisebus einer russlandfreundlichen Gruppierung überfielen und die Insassen halbtot auf der Straße liegen ließen, wo ihnen auch zunächst niemand half, weil dort ein Klima der Angst herrscht. Wir schrieben dazu vorgestern, dass eine ukrainische Frontlinie immer weiter nach Westen zurückschwappe. Also nicht nach Minsk sondern nach Berlin.

„Wo sind die Sanktionen gegen Merkel und Trump?“, fragt Wladimir Solowiow, Starmoderator des russischen Staatsfernsehens Rossia24/Vesti, im Hinblick auf massive polizeiliche Übergrifflichkeiten bei der Corona-Demo und frühere Ereignisse in den USA. Solowiow beklagt auch die massive Verunglimpfung der Corona-Demonstranten durch Politik und Leitmedien und damit zusammenhängende eskalierende Polizeitaktiken und polizeiliches Einschüchterungsgehabe, wie z.B. kolonnenweise zum Geschehensort fahrende Panzerwagen. Er vergleicht auch die Misstrauenspropaganda der CoViD-Verharmloser mit der Propaganda der „pro-westlichen“ und westfinanzierten Oppositionsmedien Telekanal Doschd, Echo Moskwy und Radio Freiheit, die russische Ärzte als Teile eines mit dem Kreml zusammenhängenden Giftmischer-Komplottes darstellen, und fragt, warum destruktive Opposition immer dann gut ist, wenn sie sich gegen russische Interessen richtet, aber böse, wenn sie mal gegen westliche geht. Auf dieses Messen mit zweierlei Maß weist Solowiow sehr witzig und wortgewaltig hin. Die Vergleiche von Bildern Berliner Panzerfahrzeuge mit solchen, die laut West-Fakenews Putin nach Minsk geschickt haben soll, sind hiesigen Betrachtern sicher neu. Solowiow zeigt auf, dass die Zeit, wo der Westen glaubwürdig war, um allein mit destruktiver Propaganda Geopolitik zu machen, zu Ende gehe.
Ähnliches erklären die geladenen Historiker in der Sendung „Recht zu Wissen“ gestern abend bei Nikonow . Einzelne von ihnen treten auch bisweilen in der Diskussionssendung „60 Minuten auf heißer Spur“ auf, die wir immer wieder rezipiert haben. Diese Programme des russischen Staatsfernsehens kann man wie alles mit destruktiver Kritik überziehen, wenn man will. Wer sich aber auf sie einlässt, findet dort viel mehr, vielseitiger und tiefere Erkenntnisse als in den Talkshows unseres Fernsehens. Die Diskutanten haben dort weniger infantilisierenden Idealismus und daher weniger Scheren im Kopf als hier. Sehr viel Wahrheit scheint auch von West nach Ost gewandert zu sein. Nicht nur die Frontlinien des überbewerteten „Kampfes gegen den Totalitarismus“, der unsere bunte Republik letztlich destabilisiert hat, verschieben sich derzeit nach Westen. Viel mehr davon betroffen sind die tektonischen Frontlinien der Geopolitik zwischen der westeuropäischen und der russischen Zivilisation, deren Gräben Samuel Huntington gut beschrieben hat. An diesen Frontlinien fand ein ebenfalls überbewerteter, mit doppeltend Standards arbeitender destruktiver ideologischer Krieg statt, der sich darum bemühte, Vertrauen zu untergraben. Von „hybridem Krieg“ sprechen hiesige Experten seit geraumer Zeit auch gerne, wobei sie den Balken im eigenen Auge nicht erkennen. Bislang war Russland in der Defensive, und aus dieser Defensive heraus wird es sich vielleicht in der Minsker Frage erstmals behaupten. Vielleicht ist jetzt ein guter Zeitpunkt für diejenigen, die sich nie mit der russischen Sprache beschäftigt haben, dies nachzuholen.

Anhang

Das Breite Bündnis der Regierenden, Leitmedien und Besten der Guten tat, was es konnte, um die Demo zu torpedieren, sabotieren und verleumden. Augenzeuge Boris Breitschuster berichtet.
Russlands Medien kennen die Pappenheimer des westlichen „Liberalfaschismus“ schon lange. Zu diesen zählen auch die Aktivisten von „München ist bunt“, die auf russische Journalisten gehässig reagieren, weil jene auch mit Rächzpopulisten reden.

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