Vae Victis: Die Tragödie der Kosaken 1945 an der Drau

Nach der Kapitulation der deutschen Wehrmacht im Mai 1945 – nach korrigierter dem Zeitgeist angepasster Lesart unter dem euphemistischen Narrativ „Befreiung“ geführt – begann ein abgrundtief grausames und brutales Kapitel für besiegte Soldaten und Zivilisten. Die geschlagenen Armeen und Zivilisten waren den Siegern auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. In Böhmen und im Sudetenland überrollten Lastwagen am Straßenrand aufgreihte wehrlose Zivilisten barbarisch wie Vieh. Meist machten auch die siegreichen Kommunisten oder Tito-Partisanen mit den Ausgelieferten – bisweilen beschönigend „Repatriierten“ bezeichnet – kurzen Prozess.

Masssentötungen in Karsthöhlen bei Triest oder in Pazin, Labin oder Basovizza in Istrien

Sei es in den Karsthöhlen (Foibe) bei Triest oder in Istrien, wo die bemitleidenswerten Geschlagenen bei lebendigem Leibe in die Karsthöhlen gestossen wurden, bei Massenerschiessungen in den Wäldern Sloweniens,

Kriegsgefangene deutsche und kroatische Soldaten auf einem Todesmarsch durch Maribor.

dem Massaker bei Bleiburg

Kriegsgefangene vor dem Massaker von Bleiburg 1945. Bildquellen: Wikipedia

oder die von den Briten in Lienz (Ost-Tirol) an Stalin in der perfiden „Operation Keelhaul“ Ausgelieferten, die unter dem Oberbefehl der deutschen Wehrmacht stehenden Kosaken.

Flagge der „Russischen Befreiungsarmee“ 1944/45

Die Kriegsgefangenen der Russischen Befreiungsarmee unter Generalleutnant Andrej Wlassow (1901-1946) gingen einem infausten Schicksal entgegen. Die Sieger kannten weder Mitleid noch Gnade. Die Geschlagenen endeten entweder nach Prozessen der Siegerjustiz 1946-47 in Moskau am Strang oder in sogenannten „Speziallagern“. Deren vergessener Geschichte nimmt sich der Historiker und Publizist Reinhard Olt an. Wir übernehmen Olts Beitrag aus unserem Partner-Blog CONSERVO.

Lienz

Wie die Briten in Osttirol Tausende in den sowjetischen Lagertod schickten

Allerorten ist zwischen Vorarlberg und dem Burgenland des Weltkriegsendes vor 75 Jahren sowie des vor 65 Jahren abgeschlossenen Staatsvertrags gedacht worden, der das Besatzungsregime in Österreich 1955 beendete. „Befreiung“ und „Freiheit“ waren dabei die kollektiven, von Politik und Medien nahezu unisono verwendeten Begriffe. Doch aus allen „Befreiungs“-Narrativen blieb eines der düstersten Kapitel aus der Endphase des Zweiten Weltkriegs ausgespart: die Auslieferung Tausender im Lienzer Becken in Osttirol gestrandeter Kosaken und Kaukasier an die Sowjetunion durch die Briten.

Lienz, Osttirol (1898). Bildquelle: Wikipedia

Deren Schicksal erfüllt sich zwischen Anfang Mai und Ende Juni 1945. Mit dem Rückzug der Wehrmachtsverbände vom Balkan und aus Norditalien flüchten mehrere zehntausend Menschen in Richtung Reichsgebiet. Militärische Gruppierungen der Kosaken erreicht die Nachricht von der bevorstehenden Kapitulation und der damit verbundenen Gefahr auch für die Angehörigen der Soldaten, die sich – nach Gründung des vom vormals sowjetrussischen Heerführer Andrej Andrejewitsch Wlassow (1901-1946) geleiteten „Komitees zur Befreiung der russischen Völker“ (KONR) mit Hilfe führender NS-Repräsentanten auf der Prager Burg – seit 1944 im Gebiet von Tolmezzo, Gemona und Carnia angelegten Stanitzen (traditionellen Siedlungsgemeinschaften) aufhielten, unweit von Udine.

Tolmezzo unweit vom Plöckenpaß

Rasch brechen sie auf, um sich mit diesen zu vereinen und – bedrängt von italienischen sowie jugoslawischen Partisanen, gegen die sie vorwiegend eingesetzt waren – tunlichst im Alpenraum in Sicherheit zu bringen.

Die „Russische Befreiungsarmee“

Die Kosaken-Regimenter unterstehen General Timofej Domanow, in den Stanitzen befinden sich neben Alten, Frauen und Kindern die Atamane (gewählte Führer) Pjotr Krasnow und Wjatscheslaw Naumenko, beide ehedem Generäle des Zaren und der antikommunistischen Truppen der „Weißen“ im Bürgerkrieg nach der Oktoberrevolution 1917.

Andrej Schkuro (1887-1947). Bildquelle Wikipedia

Der in die Wehrmacht eingegliederten „Russischen Befreiungsarmee“ (ROA) Wlassows gehören ferner die Männer des legendären Haudegens Andrej Schkuro (1887-1947) an, zudem die aus mehreren tausend Kaukasiern (darunter Georgier, Tschetschenen, Osseten, Kalmüken) bestehenden Legionen unter General Sultan Girej – auch diese führen jeweils einen Tross aus Frauen, Kindern und Alten mit.

Der russische General Wlassow spricht nach beendeter Felddienstübung zu sowjetischen Soldaten in der Uniform der Wehrmacht.

Es regnet in Strömen, als sich Mensch und Tier Anfang Mai auf aufgeweichten Straßen gen Plöckenpass bewegen und ihn im Schneesturm überwinden. Unter Einschluss des von dem deutschen General Helmuth von Pannwitz (1898-1947) kommandierten XV. Kosaken-Kavalleriekorps sowie mit diesem und anderen Wehrmachtseinheiten zurückweichenden Kroaten, Slowenen, Serben und Montenegrinern, die Titos Partisanenarmee im Rücken haben, schlagen sich gut hunderttausend Menschen mitsamt tausenden Pferden über die Karawanken durch und wähnen sich im Drautal vor ihren Verfolgern in Sicherheit. Pannwitz war Anfang 1945 auf einem „Allkosaken-Kongress“ zum „Obersten Feldataman aller Kosakenheere“ gewählt worden, ein Rang, den seit 1835 stets nur der Zarewitsch (nachfolgeberechtigter Sohn des Zaren) innehatte.

General Helmuth von Pannwitz (1898-1947) – dritter von links und Andrej Schkuro (1887-1947) – weiter von links

Der Gendarmerieposten Nikolsdorf vermerkt am 4. Juni 1945: „Aus dem Gebiet Oberkrain – Kötschach-Mauthen – Oberdrauburg kommen Kosaken mit Frauen und Kindern [sic!], Zivil und Uniform, ca. 35.000, mit Roß und Wagen, Fahrrad, Motorrad, LKW und PKW, Artilliere [sic!], schwer bewaffnet, Gewehre, Pistolen, MP., Handgranaten u.s.w., alles zusammen zur ehem. deutschen Wehrmacht gehörig, und lassen sich im Gebiete des Talbodens von Oberdrauburg bis Lienz nieder. Sie hatten ca. 6000 Pferde bei sich und diese vielen Pferde frassen [sic!] die Wiesen in kurzer Zeit derart ab, daß die hiesigen Bauern keine Heuernte hatten“. Drei Tage später rücken die ersten Briten in Kötschach-Mauthen ein, anderntags in Lienz. Die 78. britische Infanteriedivision unter Generalmajor Robert Arbuthnott hatte noch auf friulanischem Gebiet Anfang Mai Kontakt mit den Kosaken aufgenommen.

Brigadegeneral Geoffrey Musson, Kommandeur der 36. Infanteriebrigade, weist ihnen den eingenommenen Raum zu, den Kaukasiern das Gebiet östlich davon, um Dellach. Mitte Mai stößt der aus 1400 Mann bestehende Trupp Schkuros zu ihnen. In Gesprächen mit den Atamanen sichert ihnen die britische Militärführung zu, dass sie „keinesfalls den Sowjets überstellt“ würden, Major Davis von den Highlanders versichert, „die verschworenen Feinde des Kommunismus“ seien „den Westalliierten sehr willkommen“. Dem aus zwei Divisionen bestehenden, im Januar 1945 zusammengestellten Korps unter von Pannwitz – in der Mehrzahl ehemalige Sowjetbürger, die sich nach Beginn des „Unternehmens Barbarossa“ 1941 auf die Seite der Wehrmacht geschlagen hatten, weil sie in ihr den „Befreier vom stalinistischen Joch“ sahen – weisen die Briten den Raum Klagenfurt – Feldkirchen – St. Veit an der Glan zu; Teile der 2. Kosaken-Division müssen sich weiter nördlich niederlassen, im Gebiet zwischen Althofen und Neumarkt.

Auslieferung von Kosaken-Offizieren an die Sowjets 1945 in Judenburg (Steiermark). Bild: BIK

„Lieber sterben, als den Sowjets in die Hände fallen“

Während das äußerlich faire Verhalten der Briten alle Sorgen um die Zukunft fahren lässt, vereinbaren die Stäbe des V. Britischen Korps und der 57. Sowjetischen Armeegruppe am 23. und 24. Mai in Wolfsberg, dass alle internierten Kosaken und Kaukasier „in Judenburg den Russen übergeben werden“. Da die Nachricht von der „Repatriierung“ bekannt wird, spielen sich erschütternde Szenen ab. Männer bringen ihre Frauen und Kinder um und begehen anschließend Selbstmord: „Lieber sterben“ wollten sie als „den Sowjets in die Hände fallen“, heißt es in einer von dem 76 Jahre alten Krasnow sowie den anderen Heerführern unterzeichneten Petition, welche an König Georg, die britische Regierung, Feldmarschall Alexander sowie an den Papst und die Weltöffentlichkeit gerichtet ist, wir ziehen eher den Tod vor, als dass wir nach Sowjetrussland zurückkehren, wo wir zur langen und systematischen Vernichtung verdammt sind.“ Die Atamane einschließlich von Pannwitz‘ sowie 1800 kosakische Offiziere und 600 deutsche Begleitoffiziere hat man dem Schein nach zu „Verhandlungen“ nach Spittal an der Drau „eingeladen“; zuvor waren gesprächsweise Möglichkeiten bis hin zum Dienst als Grenzwachen im britischen Empire in Aussicht gestellt worden. Arglos besteigen die Offiziere die Lastwagen, die sie nach den Versicherungen der Briten zu Feldmarschall Alexander bringen sollten. Viele haben ihre Paradeuniformen und Orden angelegt. Gepäck bräuchten sie nicht, sagte man ihnen, denn noch am selben Abend seien sie wieder bei ihren Angehörigen. Wenige Kilometer nach Lienz hält die Kolonne, schwer bewaffnete Soldaten steigen zu, und Panzerwagen stoßen zum Geleit. Einige Offiziere wittern den Verrat, springen aus den Lastwagen und flüchten in die Berge. Alle anderen bringt man nach Judenburg, wo sie auf der Brücke über die Mur, der Demarkationslinie zwischen der britischen und der sowjetischen Besatzungszone, überstellt werden.

„The whole thing had been very well done“

Sodann kommen die in den Lagern Verbliebenen an die Reihe. Eine Zeitzeugin erinnert sich: „Dann haben wir gesehen, der Pope ist eingekreist, im Feld haben die Kosaken gebetet und eine Kreuz in die Höh‘ gehalten – und haben sich halt nicht ergeben wollen. Dann haben die Briten angefangen hineinzuschießen“. Man treibt die sich unterhakenden und instinktiv aneinanderklammernden Menschen brutal auseinander. Major Davis und seine Highlanders gehen ohne Rücksicht auf Verluste vor, setzen Gewehrkolben ein, machen reichlich von Holzknüppel, und Bajonett Gebrauch. Es wird geschossen, in Panik erdrücken oder trampeln Menschen einander zu Tode. Frauen springen in die nahe Drau, nehmen ihre Kinder mit in die reißende Flut. Auf Davonschwimmende und -getriebene wird geschossen, selbst die angeschwemmten Leichen angelt man aus dem Wasser und händigt sie sowjetischem Militär aus. Wer kann flieht, manche Geflohenen werden in den umliegenden Wäldern erhängt aufgefunden. Bis zum Mittag sind 1250, bis zum Abend zweieinhalbtausend Menschen auf Lastwagen gezerrt und in wartende Zugwaggons gepfercht.

Tragödie der Kosaken 1945 in Lienz

Ähnlich in Oberdrauburg, wo an demselben Tag 1750 Menschen weggeschafft werden. Der 1. Juni 1945 dürfte mehrere hundert Kosaken das Leben gekostet haben. Mitte Juni sind mehr als 22 000 Kosaken und Kaukasier der Sowjetarmee überstellt, davon mindestens 3000 „Altemigranten“, mithin im Zuge der Oktoberrevolution Emigrierte und deren Nachkommen, die nicht einmal aufgrund der Übereinkunft der „Großen Drei“ in Jalta hätten „repatriiert“ werden dürfen, geschweige denn nach Hager Landkriegsordnung respektive Genfer Konvention. Erst Mitte Juni beginnen die Briten mit der Überprüfung der Staatsbürgerschaft, den bereits Deportierten hilft das nicht mehr. Arbuthnott dankt seinen Soldaten: der Einsatz sei zwar „äußerst abscheulich, aber für den Frieden nicht nur notwendig, sondern sogar wünschenswert“; Musson befindet: „The whole thing had been very weIl done“.

Kosakenlager 1945 in Osttirol. Foto: BIK

In einem von dem Grazer Historiker Stefan Karner während seiner bahnbrechenden Archivstudien (zu den in sowjetische Gefangenschaft geratenen österreichischen Wehrmachtssoldaten und Zivilinternierten) in den nicht allzu lange zugänglichen Moskauer Sonderarchiven ans Licht gehobenen „streng geheimen Bericht“ vom 15. Juni 1945 ist von 42 913 „Heimatverrätern“ die Rede, die allein zwischen 28.Mai und 7. Juni 1945 „aus den Händen der Briten übernommen wurden“. Das von Karner zugänglich gemachte Moskauer Dokument unterscheidet (lediglich) zwischen zwei Nationalitäten: 42 258 Russen und 655 Deutsche; die Aufschlüsselung nennt 16 Generäle (15 russische, ein deutscher, nämlich Pannwitz) und 1410 Offiziere (1272 russische, 138 deutsche) sowie weitere 38 496 Männer (darunter sieben Popen), 2972 Frauen und 1445 Kinder. Jenseits registrierter, aber der Zahl nach nicht angegebener Selbstmorde vermerkt das Protokoll den Tod von 59 Personen, die an Ort und Stelle als „Heimatverräter“ oder „Agenten der deutschen Spionage“ liquidiert worden sind. Viele Kosaken, aber auch Angehörige der kaukasischen Legionen, die wie das XV. Kosaken-Kavallerie-Korps der Wehrmacht, respektive der Waffen-SS angegliedert waren, versuchen der Übergabe zu entgehen. Mitunter entkommen Flüchtige den Suchkommandos, wie der in Lienz verbliebene Sergej Ljaschenko, der „Wochen in Almhütten hauste“. Doch die meisten der gut 4000 zwischen Lienz und DeIlach in Wälder und Gebirg‘ Entwichenen werden gefasst und an die Sowjets überstellt. Bis 15. Juli 1945 sind die „Transferaktivitäten“, respektive die „Evakuierung“ abgeschlossen, wie Major Claude Hanbury-Tracy-Domville von der britischen Militärverwaltung im Bezirk Judenburg der damaligen Sprachregelung entsprechend die Vorgänge nennt.

In die Fänge des NKWD und ab nach Sibirien

Diese alles andere denn rühmliche Facette britischer Nachkriegspolitik ist von der Historikerzunft zunächst spärlich aufgegriffen worden. Lange Zeit ignorierte man die 1978 erschienene Monographie des russischstämmigen britischen Historikers Nikolai Tolstoy „Die Verratenen von Jalta. Englands Schuld vor der Geschichte“. Mit ähnlich spitzen Fingern hatte man die 1957 erschienene Darstellung des polnischen Schriftstellers Josef Mackiewicz angefasst, „Die Tragödie an der Drau. Die verratene Freiheit“. Auch die 1986 erschienene „Geschichte der Wlassow-Armee“ von Joachim Hoffmann vom Militärgeschichtlichen Forschungsamt (damals Freiburg/Breisgau), in der Kosaken und kaukasische Legionen naturgemäß berücksichtigt sind, fand kaum Resonanz. Ins Blickfeld rückte die Thematik 1987, als Tolstoy, Lord Toby Austin Richard William Low of Aldington, Mitglied des Oberhauses, vormals Abgeordneter der Konservativen, einen „großen Kriegsverbrecher“ nannte und dessen „Aktivitäten mit denen der schlimmsten Schlächter Nazi-Deutschlands“ verglich. Tolstoy, Großneffe des russischen Schriftstellers Lew Nikolajewitsch Graf Tolstoi (deutsche Nennung meist: Leo Tolstoi), war in einem seinerzeit aufsehenerregenden Prozess wegen „Verunglimpfung“ des Lords zu 1,5 Millionen Pfund Schadenersatz verurteilt worden. Als Generalstabschef des V. Britischen Korps dürfte Toby Low 1945 auch für die unter ebenso spektakulären Umständen vollzogene Auslieferung mehrerer Zehntausend Kroaten, slowenischer Domobranzen sowie serbischer und montenegrinischer Tschetniks aus Kärnten an die jugoslawische Partisanenarmee Titos Mitverantwortung getragen haben.

Auszug aus Wikipedia über die „Operation Keelhaul“

Author Nikolai Tolstoy described the scene of Americans returning to the internment camp after delivering a shipment of people to the Soviet authorities: „The Americans returned to Plattling visibly shamefaced. Before their departure from the rendezvous in the forest, many had seen rows of bodies already hanging from the branches of nearby trees.“[6]

Nigel Nicolson, a former British Army captain, was Nicolai Tolstoy’s chief witness in the libel action brought by Lord Aldington. In 1995, he wrote:

Fifty years ago I was a captain in the British Army, and with others I supervised the Jugoslav (Yugoslav) ‚repatriation‘, as it was euphemistically called. We were told not to use force, and forbidden to inform them of their true destination. When they asked us where they were going, we replied that we were transferring them to another British camp in Italy, and they mounted the trains without suspicion. As soon as the sliding doors of the cattle-trucks were padlocked, our soldiers withdrew and Tito’s partisans emerged from the station building where they had been hiding, and took over command of the train. The prisoners and refugees could see them through cracks in the boarding, and began hammering on the insides of the wagons, shouting abuse at us for having betrayed them, lied to them, and sentenced at least the men among them to a grotesque death. There is now no doubt about their hideous fate, and to those of us on the spot there was little doubt then. Shortly after the first trainloads had been despatched, we heard the stories of the few survivors who escaped back to Austria, and thousands of manacled skeletons have since been disinterred in Slovenian pits.[7]

Ghinghis Guirey, an American on one of the repatriation screening teams, reported:

The most unpleasant aspect of this unpleasant business was the fear these people displayed. Involuntarily one began to look over one’s shoulder. I heard so many threats to commit suicide from people who feared repatriation that it became almost commonplace. And they were not fooling.[2] Aleksandr Solzhenitsyn called this operation „the last secret of World War II.“[8] He contributed to a legal defense fund set up to help Tolstoy, who was charged with libel in a 1989 case brought by Lord Aldington over war crimes allegations made by Tolstoy related to this operation. Tolstoy lost the case in the British courts; he avoided paying damages by declaring bankruptcy.[9]

Jüngere Forschungen, wie jene Karners, haben längst zweifelsfrei ergeben, dass viele der Kosaken-Offiziere entweder sogleich im Judenburger Stahlwerk, wo man sie zunächst festhielt, oder am Sammelplatz in Graz, respektive auf dem Transport nach Wien von Angehörigen sowjetischer Sondereinheiten liquidiert worden sind. (Stefan Karner: Zur Auslieferung der Kosaken an die Sowjets 1945; in: Judenburg 1945 in Augenzeugenberichten, 1994, S. 243–259). Dagegen macht man den Heerführern und Atamanen, die von Judenburg über Graz nach Wiener Neustadt und vom dortigen Militärflughafen nach Moskau verbracht werden, den Prozess. Das Urteil steht nicht nur wegen des Delikts „Vaterlandsverrat“ von vornherein fest, sondern auch weil es sich um „Weiße“ handelt. Darauf spielt schon die „streng geheime Mitteilung“ Wiktor Abakumow, Chef der NKWD-Hauptverwaltung SMERSch [Смерш; Akronym für Смерть шпионам! (SMERt Schpionam!“ übersetzt: „Tod den Spionen“)], an Innenminister Lawrentij Berija vom 16. Juni 1945 an, wonach „die Engländer Ende Mai auf dem Territorium Österreichs 20 Weißgardisten – die Führer des weißen Kosakentums, die einen aktiven Kampf gegen die Rote Armee geführt hatten – an das sowjetische Kommando übergaben, worauf diese von uns arrestiert und der Hauptverwaltung überbracht wurden“. Als die wichtigsten nennt Abakumow den General der Kavallerie Pjotr N. Krasnow, Generalleutnant Andrej G. Schkuro sowie die Generalmajore Semen N. Krasnow, Sultan-Girej Dmitrij A. Silkin, Pawel S. Esaulow, Jewgenij S. Tichotzkij und Nikolaj P. Woronin.

Pjotr Nikolajevic Krasnov (1869-1947); Bildquelle Wikipedia. Foto von 1917

Liquidation in den Kellern der Lubjanka

Stefan Karner, einer der sachkundigsten Kenner der Materie, hat nicht nur dieses Schriftstück in Moskau eingesehen, wo das von ihm bis 2019 geleitete „Ludwig Boltzmann-Instituts für Kriegsfolgenforschung“ (BIK) eine Außenstelle unterhielt. Er publizierte auch das direkt an Stalin, Außenminister Molotow und Berija übermittelte Protokoll der Vernehmung der in der Lubjanka Inhaftierten, welche Abakumow höchstpersönlich vornimmt. Am 16. Januar 1947 gibt Radio Moskau, tags darauf das Parteiorgan „Prawda“ den Urteilspruch bekannt, „den das Militärkollegium des Obersten Gerichts der UdSSR im Prozess gegen die ehemaligen Generale der Weißen Armeen Krasnow P.M., Schkuro A.G., Sultan Keletsch Girej, Krasnow S.M., Domanow T.I. sowie den deutschen General Helmuth von Pannwitz gefällt hat, die wegen Diversions- und Spionagetätigkeit sowie Beteiligung an einer Organisation zum bewaffneten Kampf gegen die UdSSR angeklagt waren. Alle Angeklagten bekannten sich schuldig. Aufgrund Artikel I des Ukas des Präsidiums des Obersten Sowjets vom 19.4.1943 wurden alle Angeklagten zum Tod durch den Strang verurteilt. Das Urteil wurde vollstreckt.“ Hingerichtet wurden sie am Morgen des 16. Januar 1947 im Keller der Lubjanka.

Andrej Schkuro 1947 vor seiner Hinrichtung. Bildquelle: Wikipedia

Am 23. April 1996 hat die Militärstaatsanwaltschaft der Russischen Föderation von Pannwitz rehabilitiert.

Helmuth von Pannwitz (1898-1947). Bildquelle: Wikipedia

Die „Repatriierten“ und das deutsche Rahmenpersonal der vormaligen Militärverbände verbringt man in unwirtliche Gebiete Sibiriens, wie etwa zum Kältepol Workuta, wo die Sterblichkeitsrate besonders hoch war. Karner hat die entscheidende Anordnung des Staatlichen Verteidigungskomitees (GOKO), des höchsten Organs der sowjetischen Kriegswirtschaft, vom 18. August 1945 eingesehen. Daraus geht hervor, dass „alle bei der Registrierung und Auslese von NKWD, NKGB und SMERSch ausgesonderten, in speziellen deutschen Formationen dienenden Militärangehörigen nicht in Bataillone zusammenzufassen, sondern dem Volkskommissariat für Inneres zur Arbeitsleistung im Kohlenbergbau und in der Holzwirtschaft zu übergeben sind“; das heißt, sie wurden NKWD-eigenen Betrieben zur Verfügung gestellt und „im GULag verarbeitet“, wie Solschenizyn die Ausbeutung ihrer Arbeitskraft bis zum kalkulierten Tod nannte. 807 der in Judenburg übergebenen Frauen und Kinder konnte Karner im „Speziallager 525/9“ in Kemerowo bei Tomsk nachweisen. Die dortige Verwaltung bestand seit 7. Juli 1945 aufgrund des NKWD-Befehls 277 vom 6. April 1945; die Einrichtung selbst wurde auf dem Gelände des früheren Lagers 142 (Prokopjewsk) zur „Unterbringung einer Sondergruppe des Spezialkontingents der Gruppe B“ [gemeint sind NS-Funktionäre] neu errichtet.

Allem Anschein nach war 1945 innerhalb dieses der „Hauptverwaltung für Kriegsgefangene und Internierte“ (GUPVI) zugehörigen Lagers ein Speziallager (SpezLag) für Kosaken und Angehörige der Wlassow-Armee eingerichtet worden. Denn für den 1. Oktober 1945 weist das NKWD-Lagerbuch von den insgesamt 17.330 Gefangenen 3540 als „Wlassow-Leute und weiße Emigranten“ aus. SpezLag 525/9, in welches die 807 Kosakenfrauen und -kinder verbracht werden, befand sich seinerzeit in der Stadt Stalinsk und weist ein Belegungslimit von 1600 Personen auf, die im Kohlebergbau(kombinat) „Kujbyschewugol“ arbeiten mussten. Am 1. September 1946 registriert die Lagerverwaltung 525, die im Frühjahr über 15 Einrichtungen mit zusammen 8253 Insassen gebietet, noch 1188 „Wlassow-Leute“ und 372 internierte Frauen. Danach wird sie sich erheblich ausweiten: bis zur Auflösung am 6. August 1949 unterstehen ihr 27 Lager.

Gedenkstein der ROA in Prag

Selbst in Darstellungen des NKWD (Volkskommissariat für Innere Angelegenheiten; sowjetisches Innenministerium) ist von „schrecklichen Lebensbedingungen“ die Rede: Enge Baracken; Erdhütten als Behausungen; zwei, meist drei Bettkojen übereinander, „äußerst niedrige Raumtemperaturen in den Wohnstätten, keine Krankenabteilungen, keine Sanitäranlagen, keine Genesungsmöglichkeiten“. Zudem „täglich die gleiche dürftige Nahrung, zuwenig warme Bekleidung sowie Bettwäsche und wegen der schwierigen Transportwege keine Möglichkeit, fehlende Ausrüstungsgegenstände zu beschaffen“; dementsprechend die Sterblichkeitsrate. Wieviele die Strapazen überlebten, lässt sich wohl nicht mehr exakt feststellen, viele dürften es nicht gewesen sein.

Zuvor publiziert auf CONSERVO
https://conservo.wordpress.com/2020/06/01/kosaken-tragoedie-an-der-drau/

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*) Prof. Dr. Reinhard Olt ist deutsch-österreichischer Historiker und Publizist

Anhang

Pannwitz vs Wlassow: „Vae Victis“ vs „Vae Traditoribus“

Eine Prager Bezirksregierung nutzte die Corona-Ausgangssperre, um den sowjetischen Marschall Konew zu entsorgen, der an Stelle der Wlassow-Armee in Prag einrückte.

Die Wehrmacht suchte lange händeringend nach einem Offizier der Sowjetarmee, den sie als Führer einer phantomatischen Russischen Befreiungsarmee (ROA) aufbauen konnte. Als ihr der verdiente Oberst Wlassow, der von Stalin persönlich geehrt worden war, bei Leningrad in die Hände fiel, umwarb sie ihn äußerst zuvorkommend monatelang, bis er sich erweichen ließ. So wurde zunächst eine nur auf dem Papier bestehende Formation zu Propagandazwecken aufgebaut. Ähnliches betrieb die Sowjetunion auch mit gefangenen Deutschen. Man setzte die Kriegsgefangenen unter Druck, Vaterlandsverräter zu werden, um es auf diese Weise besser zu haben und einem womöglich schlimmen Schicksal zu entgehen. Ansonsten galt ja z.B. Hitlers Befehl, alle kommunistischen Kommissare zu erschießen. Wlassows Phantom-Armee existierte lange Zeit nur auf Flugblättern, die  deutsche Flugzeuge über russischem Gebiet abwarfen. Wlassows angebliche Soldaten waren überlebenswillige Gefangene; die antikommunistischen Überläufer-Bataillone gab es nur auf den Flugblättern. Erst im November 1944, als Deutschland den Krieg längst verloren hatte, bewaffnete man Wlassows Leute wirklich, und zum Schluss versuchte man, ihnen Prag zu überlassen, auf dass sie dort einen Puffer zwischen Sowjets und Deutschen bilden mögen. Das funktionierte jedoch nicht, und Wlassow wollte auch weder gegen den einrückenden Sowjetmarschall Konew noch gegen die Deutschen kämpfen, denen er Treue geschworen hatte. Aus Sicht der tapfer gebliebenen Sowjetsoldaten blieben die Wlassow-Leute wiederum Verräter, die man als solche behandeln musste. Der grausamen Logik des Krieges konnten sich letztlich auch nicht die Westalliierten entziehen, die sich in der Pflicht sahen, die Verräter an ihre Henker auszuliefern. General Wlassows Sohn erfuhr erst sehr spät, wer er war, und in einer aktuellen russischen Fernsehdokumentation zeigt er, dass er seinen Vater zwar als Verräter aber auch als einen sehr intelligenten und tüchtigen Mann sieht, auf dessen Erbe er irgendwie stolz ist.   Er stützt sich dabei auf Tagebücher und Führungsakten, aus denen sich das Bild eines überaus gewissenhaften und ehrgeizigen und zugleich ziemlich unpolitischen Soldaten ergibt, der auch über sein Treffen mit Stalin im Tagebuch so schrieb, wie man es von einem Sowjetmenschen erwartete.   Wie aus ihm der antitotalitäre Ideologe geworden sein könnte, den manche Historiker aus ihm zu machen versuchen, bleibt seinem Sohn ein Rätsel. 
Nach dem Krieg bestand für viele Deutsche die Versuchung, die eigene unrühmliche Rolle als Verlierer eines ungerechten Krieges dadurch schön zu reden, dass man die Nationen und ihre Interessen ausblendete und stattdessen einen Krieg zwischen dem westlichen Guten und dem totalitaristischen Bösen konstruierte. In diesem Geiste versuchen auch heute noch viele Leute in Polen und Tschechien die Geschichte zu deuten. So kann dann auch Wlassow als ein Verbündeter im anti-sowjetischen europäischen Bürgerkrieg erscheinen, und die NATO wird insgeheim auch ein Erbe einer guten Sache, an der das Dritte Reich einen Anteil hatte. Eine „braun eingefärbte NATO-Philosophie“ nannte Jürgen Habermas das im „Historikerstreit“. Tatsächlich erfüllte Hitler in den 1930er Jahren die Rolle eines westlichen Rammbocks in diesem Bürgerkrieg. Der Westen konnte ihn eine Weile gut gebrauchen und ließ in aus diesem Grunde gewähren.  Im Geiste der altehrwürdigen britischen Gleichgewichtspolitik setzte man auf gegenseitige Zerstörung von Hitler und Stalin und wollte die eigenen Kräfte schonen. Putin hat sich im Vorfeld der 75-Jahres-Feier besonders intensiv mit dieser gefährlichen antirussischen Tradition beschäftigt und die Siegesfeiern ganz in ihr Zeichen gestellt. Um den russischen Interessen Rechnung zu tragen, müssten wir bei der Frage, in wie weit wir „befreit“ wurden, zwischen „Wehe Uns Besiegten“ („Vae Victis“) und „Wehe Wlassows Verrätern“ („Vae Traditoribus“) unterscheiden. Doch nationalen Loyalitäten auf diese nüchterne harte Weise Rechnung zu tragen, hat uns die Bunte Republik abgewöhnt. Da Russland sich treu bleibt, rehabilitiert es Pannwitz aber nicht Wlassow.

Ein Gedanke zu „Vae Victis: Die Tragödie der Kosaken 1945 an der Drau“

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