Infektions-Obergrenze bringt Rationalität in die Politik

Die Landesregierungen schwenken in der Coronakrise mithin immer mehr auf die FDP-, AfD- und Laschet-Linie ein, also gegen die vor- und umsichtige Merkel-Söder-Strategie. Das wird von vielen Fachleuten, wie Prof. Christian Drosten, Prof. Melanie Brinkmann, Prof. Karl Lauterbach, führenden außeruniversitären Forschungsorganisationen, wie der Fraunhofer-Gesellschaft, der Helmholtz-Gemeinschaft, der Leibniz-Gemeinschaft, der Max-Planck-Gesellschaft sowie Wissenschaftsjournalisten, wie Dr. Mai Thi Nguyen-Kim, Ranga Yogeshwar und vielen anderen, also von tausenden mit der Materie beschäftigten Wissenschaftlern eher skeptisch gesehen. Aber was tun, wenn die Leute nur noch fragen, wann sie dies oder jenes wieder dürfen?
Kurz nach der Bundeswahl 2017 sangen wir das Loblied auf die Zuwanderungs-Obergrenze. Die Regionalpartei CSU hatte damals die richtigen Fragen gestellt und drohte, humanitäre Diskussionsorgien in vernunftgeleitete Bahnen zu lenken. Doch ein Breites Bündnis merkeltreuer Menschenrechtsmedien schlug den bayrischen Aufstand nieder, und aus Seehofer wurde Seenothofer. Das Bild hat sich seitdem nicht verbessert.
Bei der Seuchenbekämpfung stehen die Chancen, mithilfe von Obergrenzen Vernunft in die Diskussion zu bringen, für Regionalparteien wohl etwas besser. Merkur berichtet, Söder habe sich mit Merkel auf eine, so wörtlich, „Infektions-Obergrenze“ geeinigt.

In der Corona-Krise bekommen die Länder weitgehende Verantwortung für die Lockerung von Beschränkungen – sie sollen aber auch eventuell wieder nötige Verschärfungen garantieren. Die Länder sollen sicherstellen, dass in Landkreisen oder kreisfreien Städten mit mehr als 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern in den letzten sieben Tagen sofort wieder ein konsequentes Beschränkungskonzept umgesetzt wird. Darüber verständigten sich Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten bei Beratungen am Mittwoch, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Teilnehmerkreisen erfuhr.


In Japan führt sind es gerade heute ehrgeizige Regionalpolitiker, die mithilfe von Obergrenzen Ordnung in die öffentliche Diskussion über den Corona-Notstand bringen.
Voran ging dabei die Region Osaka, die schon lange latentes Unabhängigkeitstreben zeigt, mit folgenden Obergrenzen:

  • Seit 7 Tagen durchschnittlich 10 nicht-rückverfolgbare Fälle und seit 4 Tagen unter 7,29.
  • Bei Tests seit 10 Tagen durchschnittlich 7% positiv und seit 4 Tagen 4,5%.
  • Belegung der Betten für Schwerkranke seit 10 Tagen durchschnittlich 60% und seit 4 Tagen 33%.

Sobald all diese Bedingungen erfüllt sind, darf eine vorsichtige Lockerungsmaßnahme 14 Tage lang ausprobiert werden.

Die Hauptstadt Tokio will sich auch an diesem „Osaka-Modell“ orientieren.
Sowohl in Japan als auch in Deutschland mangelte es bei den führenden Politikern und Epidemiologen auf der nationalen Ebene an solcher klarer, transparenter, an numerischen Vorgaben orientierter Kommunikation. Deshalb sprang die regionale Ebene ein. Die AfD hatte die Chance, solche wegweisenden Diskussionen anzuführen. Aber Fachkompetenz wie etwa von Bayerns Hygiene-Referenten Roland Magerl hat im Gärigen Haufen einen noch schwereren Stand als Söder im Kreis der Landesfürsten und Wirtschaftslobbyisten.
Osaka zeigt seinen Bürgern die aktuellen maßgeblichen Werte in einer Ampel-Form, wie die EU sie für den Nährwert von Nahrungsmitteln einführen wollte.
Das erlaubt den Bürgern, einen Zusammenhang zwischen ihrer Quarantänemoral und ihren Wirtschaftsinteressen zu erkennen und entsprechend mitzudenken und zu handeln.
Ein lasche Obergrenze kann Laschet-Diskussionssorgien in rationale Diskussionen umwandeln. In deren Verlauf fassen die Leute dann leichter den nötigen Mut zu heftigerem und kürzerem Schmerz.
Je ungeduldiger man ist, desto länger wird die „Quarantaine“, die laut dem französischen Wortlaut eine 40-Tage-Frist sein sollte.
Ungeduld ist kein guter Ratgeber. Zu ihrer Überwindung hilft wahlweise Angst oder Vernunft. Ratio kommt von Rationierung i.e. Obergrenzen.

3 Gedanken zu „Infektions-Obergrenze bringt Rationalität in die Politik“

  1. Ob der von mir wegen hoch geschätzte Floydmasika sich freut, dass jemand über seinen Schreibsalat noch seine Schreibsoße schüttet, oder ob er mich lieber wegen ihm politisch unkorrekter Anmaßung lieber sperrt, ist mir eins wie das andere, schnurz piep egal.

    Schon sein Titel fordert meinen Widerspruch. Es ist weniger die Infektions-Obergrenze, welche „Rationalität“ einfordert, es ist schlicht Wegs Gevatter Tod, welcher unser Leben „rationiert“. Auf Seehofers Obergrenze bei einfallenden Flütilanten war schnell doch gepfiffen, da war dann die Flütitlanten-Flut nicht mehr „die Mutter aller Probleme“, weil es ihm den Job gekostet hätte.

    Nun wärmt Merkel-Majestix mit ihren Hofschranzen mal wieder „Obergrenze“ auf, weil die Motzerei gegen Masken überhand nimmt, weil sich Krämer am Rand des Konkurs nicht mehr anders zu helfen wissen, als volles Risiko zu fahren. Wie mosert ein Kommentator hier: „Lieber stehen sterben, als kniend leben“.

    Sinn meines Sermons: Auf Rationalität ist schon in Friedenszeit, exponentiell gesteigert in Krise und Krieg gepfiffen! Wer hier der Politik „Sinn und Verstand“ beibringt, wer Leben „rationiert“, ist allein Gevatter Tod. Mäht dessen Sense mehr, auch Junge aus ihrem blühenden Leben, steigt die „Rationalität“.

    Gibt’s kaum mehr Tote, dann vergiss die „Obergrenze“, dann folgen Flütilanten und Viren die Menge.

    https://n0by.blogspot.com/2020/05/mein-letzter-wille-sterbehilfe-ja.html

    Mein Rat, „Obergrenze, Rationalität“ hin oder her, hinterlegt notariell Eure Patientenverfügung und erweitert sie um den Punkt:
    Sterbehilfe JA, Intubieren – NEIN …. warum? Siehe Link 🙂

    1. Gegen Ungeduld helfen wiegesagt wahlweise Angst oder Ratio. Wer sich selbst rationieren kann, bei dem tut es nicht Gevatter Tod. Man nennt das auch die Fähigkeit zum Vergnügensaufschub (delay of gratification). Sie hängt auch mit dem IQ zusammen und erklärt womöglich gar die unterschiedlichen Herangehensweisen in Ostasien, Europa und Afrika.

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