JF-Umfrage: Bürger würden bunte AfD wählen

AfD-Chef Prof. Jörg Meuthen regt an, die AfD in zwei Parteien zu spalten: die Geachteten und die Geächteten.
JF-Schriftleiter Dieter Stein leitartikelt schon seit 5 Jahren regelmäßig dafür.
Das gleiche wünscht sich jetzt laut einer von der JF in Auftrag gegebenen INSA-Umfrage das Gros der potenziellen und die Hälfte der aktuellen AfD-Wähler: endlich mal eine AfD, die man mit Segen des Breiten Bündnisses der Besten der Guten wählen darf.
Diogenes bringt es im JF-Forum auf den Punkt:

Hach ja … Wie sagte doch Karl Valentin: „Mögen hätte ich schon wollen aber dürfen hab ich mich nicht getraut“
Ich habe ja ungeteiltes Verständnis dafür, wenn einer von diesen „Potentiellen“ sich nicht als einer von denen zu „outen“ wagt, die mit der vom Gesellschaftlichen Mainstream und seinem politischen Arm (CDUSPDFDPGrüneLinke) betriebenen Deutschland-Abschaffung nicht glücklich sind.
Denn ihm droht die Soziale Ächtung.
Ich habe auch ungeteiltes Verständnis für AFD-Mitglieder, bei denen die Soziale Ächtung sich nicht darin erschöpft, daß ihre Freunde sie nicht mehr lieb haben, sondern die konkret materiell bedroht sind. Etwa wenn Beamte „entfernt“ werden, weil man ihnen Aktivitäten zur Errichtung eines Führer-Staates unterstellt.
Noch aber sind Wahlen geheim.
Wer sein Keuzchen bei der AFD macht, der riskiert Null !
Wer trotzdem sein Kreuzchen wieder bei CDUSPDFDPGrüneLinke macht, der ist für mich kein „Potentieller“, tut mir leid.
Um der Sozialen Ächtung zu entgehen, müßte die AFD sich nach Links bewegen.
Und zwar so weit, bis die Deutschland-Abschaffer sagen: „Willkommen im Club. Setzt euch da in die Ecke und seid still.“
Wer braucht dann noch so eine AFD?

Auch Leser Ralf Deiss sagt das wesentliche prägnant:

Die AfD bleibt für die Etablierten ein unliebsamer Konkurrent, da kann man noch so sehr betonen, dass man sich von gewissen Strömungen abgrenzt. Spaltung heißt Schwächung, und auch gegen eine „gereinigte“ AfD würden schnell wieder die altbekannten Diffamierungen ausgepackt. Am Ende steht die politische Bedeutungslosigkeit.
Wenn Parteiausschlüsse im Einzelfall geboten erscheinen, dann kann man entsprechende Verfahren einleiten. Aber bitte nicht auf Druck von außen und erst recht nicht um sich anzubiedern.

In Tichys Einblick, wo Alexander Wendt mit Jörg Meuthen über mögliche Vor- und Nachteile einer Parteispaltung diskutiert, scheint das Gros der Leser es ähnlich zu sehen. Dabei ist die TE-Leserschaft sicherlich eher die Klientel der Geachteten, zu denen Meuthen und Stein sich rechnen möchten, als die eines „völkisch-nationalen paternalistischen Flügels“, gegen den der bürgerliche Wähler in spe laut JF-INSA gerne soziale Distanzierung praktizieren möchte.

6 Gedanken zu „JF-Umfrage: Bürger würden bunte AfD wählen“

  1. „Lucke, Petry, Poggenburg, alle mit dem Versuch einer Ausgründung komplett gescheitert“,

    meint behäbig mit professoralem Gelehrtengehabe der Herr Bundessprecher und EU-Parlamentarier Meuthen. Und mit dieser schier unangreifbaren Gelehrsamkeit klügelt Meister Meuthen messerscharf gleichsam von „AfD light“ und „AfD right“, wie er bei Tichy doziert:

    „Insgesamt ließen sich so mehr und nicht etwa weniger Wähler erreichen als in der derzeitigen, wenn man einmal ehrlich ist, permanent konfliktträchtigen Konstellation.“

    Gefallsüchtige, Beifall, Zustimmung und Aufmerksamkeit erheischende Politprofis brauchen für ihre Sandkastenspiele Claqueure. Zwar bringt eine „permanent konfliktträchtige Konstellation“ feurige Diskussionen, meist böse und wenig zustimmende Presse, hält aber gleichsam die „Lokomotive-unter-Dampf“. Dass es Meuthen in seiner Konditionierung als deutscher Professor und EU-Parlamentarier mit Höcke als Heizer zu heiß auf der Lokomotive wird, Wähler zu ziehen, liegt wohl im Naturell derer wie Meuthen und Lucke. Meine Empfehlung für egomanische Einzelkämpfer: Einfach Bücher, Texte schreiben, als Talkshow-Star avancieren, da kann Meuthen meinen, was er will, der Kunde kann seine Sermone kaufen oder nicht.

    Doch wer in einer Partei mit mehr als zwei Leuten keine „permanent konfliktträchtige Konstellation“ aushält, soll egomanischer Einzelkämpfer sein und bleiben. Jedenfalls ist das meine Erfahrung in unserer Partei, die aus mir und meiner Frau besteht. Noch mehr Partei und Politik wäre mir auch unerträglich.

  2. Man sollte die Überlegungen Meuthens nicht so einfach abtun. Denn unter dem Motto: Getrennt marschieren – vereint schlagen, könnte eine solche Strategie zweier konservativer Parteien durchaus Erfolg versprechen, sofern beide in den Parlamenten über die 5%-Hürde kommen. Indessen: Ausgangspunkt sind ja Bestrebungen des Flügels, durch orchestriertes Abstimmungsverhalten auf Parteitagen die bürgerlichen in der jetzigen AfD zu marginalisieren. Das erzeugt Abwehrreaktionen. Die Idee, daß diejenigen, die in Höcke den Heilsbringer des deutschen Volkes sehen und obendrein seine Sympathie für die wirtschaftspolitischen Konzepten einer Sarah Wagenknecht teilen, daß eben die einen eigenen Laden aufmachen sollen, hat durchaus etwas für sich. Auf diese Weise hätte der Zank ein Ende. Aber natürlich ist die Gefahr gegeben, daß damit das Projekt AfD komplett gegen die Wand fährt. Von daher verstehe ich Meuthens Gedankenspiele eher als einen Versuch, das lästig schnatternde Geflügel zu disziplinieren. Hoffen wir, daß es ihm gelingt.

    1. Ich habe nichts gegen Diskussionen dieser Art, aber es ist schon ungünstig, wenn sie von ganz oben angestoßen werden. Da stimmt etwas mit der Arbeitsteilung nicht. Die Diskussion ist ja nicht neu. Meine Antwort darauf ist, dass das Phantom von einer „paternalistischen“, sozialstaatslastigen Ost-AfD im wesentlichen der Fantasie von selbststilisierten „Liberalen“ entstammt, die glauben, dass sie sich durch liberale Bekenntnisse (Individualismus, Marktwirtschaft, Menschenrechte) einen Platz auf der Seite der Geachteten sichern können, indem sie andere der Abweichung von der reinen Lehre von Friedrich Hayek oder anderen geachteten historischen Figuren bezichtigen. Es geht nur vordergründig um Liberalität und primär um Hexenjagd. Mit reeller Politik hat das nichts zu tun, und das Kalkül geht auch nicht auf. Auch die Anhänger von Hayek werden bei Bedarf auf ganz ähnliche Weise stigmatisiert und in den Bereich der Verfassungsfeinde abgedrängt. Ein Hayek würde heute nicht mehr entstehen. Er ist nur als historische Figur geachtet.

  3. „….lästig schnatterndes Geflügel zu disziplinieren….“ ist seit jeher die Aufgabe des Fuchses im Hühnerstall. Wer in dem Stall als Hahn geachtet krähen will, bis der Fuchs ihn holt, viel Glück! Mir macht das leider keinen Spass. Meine Devise: Besser geächtet als von Idioten geachtet.

    Danke Floydmasika und Philolaos für die Inspirationen … und natürlich Meuthen, der in diesen Zeiten endlich mal wieder die AfD in die Schlagzeilen bringt…. Hahaha….

    https://n0by.blogspot.com/2020/04/afd-auf-dem-teufelsholzweg-bei-lauscha.html

    Schlaflos. In der nächtliche Stille hört man seinen Atem. Einatmen, ausatmen. Dazu spürt man den Herzschlag. Das Uhrwerk des Lebens schlägt. Gedanken kommen und gehen. Der Körper sitzt oder liegt, rührt sich nicht. Jede Bewegung stört die Betrachtung. Einatmen, ausatmen, den Herzschlag spüren. Das reicht. Mir. No more politix. Doch dann spricht Meuthen davon, die AfD zu spalten. Das ist mir zuviel. Dann doch wieder Politix….

  4. Nachdem wir gestern Herrn Professor Meuthen lauschen dürfen, kommt heute Höcke:

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