Orbán empört mit Russophilie

Beim Staatsbesuch des russischen Präsidenten Wladimir Putin mit Delegation in Budapest demonstrierten der ungarische Premierminister ORBÁN Viktor und seine Minister in diesen Tagen besondere Nähe zu Russland. Dies zeigte sich nicht nur in überschwänglichen Worten sondern in Weichenstellungen für umfangreiche Wirtschaftszusammenarbeit wie z.B. Mitwirkung an der Gasleitung Turkstream und Beauftragung von Rosatom mit dem Bau von ungarischen Kernkraftwerken. Offenbar zu Putins Ehren wurde in Budapest ein besonders großes Judo-Zentrum eröffnet.

Wie schon bei Orbáns Führungsrolle in der strategischen Partnerschaft Osteuropas mit China und den besonders guten Beziehungen Ungarns zu Ankara, stößt die demonstrierte Nähe zu den geopolitischen Konkurrenten dem Wertewesten sauer auf. Dabei betreibt Ungarn einfach eine normale neutrale Politik, wie wir sie auch von der Schweiz kennen. Bezüglich Russland geht die gegenseitige Sympathie sicherlich noch ein Stück weiter, was sich auch etwa an dem Bemühen von Außenminister Szijárto um Kommunikation in russischer Sprache zeigt. Budapest und Moskau teilen ein Stück weit gemeinsame Kultur und Werte. Dies gibt auch das russische Staatsfernsehen in seiner Ungarnberichterstattung zum letzten Europa-Wahlkampf zu erkennen:

Besonders das folgende Programm zeigt auf, dass Ungarn zwar aus Brüssel Subventionen erhalten hat, dafür aber seine Wirtschaft von Westeuropa überrollen lassen musste und nicht unbedingt dort guten Zugang zum Absatz seiner Produkte fand. Zugleich verloren ungarische Produkte angestammte östliche Märkte. Deshalb ist die westliche Sanktionspolitik gegenüber Russland in Ungarn besonders unbeliebt.

Westliche Medien spucken daher Gift und Galle, beschreiben Orbán als Putins trojanisches Pferd und raunen von „Putinisierung Ungarns“. Ukrainische Extremisten, die man aufgrund ihrer Uniformen und Symbole wirklich als „Neonazis“ bezeichnen kann und die noch immer großen Einfluss auf die Kiewer Politik ausüben, haben schon letztes Jahr Kopfgeld auf Mitglieder der Budapester Regierung (und auch auf Gerd Schröder) wegen deren Russophilie ausgesetzt.
Ähnlich sauer muss vielen der Besuch des CSU-Ehrenvorsitzenden Edmund Stoiber in Budapest aufgestoßen sein. Der Ehrenvorsitzende hält an einem empörend freundlichen Kurs der CSU gegenüber Orbán fest, den Seehofer und Weber inzwischen beerdigt haben.

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