Niklas Kaul – jüngster Weltmeister im Zehnkampf aller Zeiten

Sorry für die reisserische Schlagzeile, die ich mit Absicht übernommen hatte, um daran zu erinnern, daß es erst seit 1983 Weltmeisterschaften in der Leichtathletik gibt.

Ähnlich wie bei den angeblichen Allzeit-Temperatur-Rekorden im hitzigen Klima-Delirium gab es auch im Sport schon frühere oder noch bessere Highlights.

Mit 21 Jahren jüngster Weltmeister im Zehnkampf zu werden wie Niklas Kaul nötigt Respekt ab. Der Ehrlichkeit halber aber sollte angemerkt werden, daß Bob Mathias (USA) bei den Olympischen Spielen 1948 in London mit erst 17 Jahren (!) blutjung König der Athleten wurde. Und Olympische Spiele sind nichts anderes als Weltmeisterschaften in diversen Sportarten wie Leichtathletik, Schwimmen, Ringen, Gewichtheben, Reiten, Handball u.v.a. mehr.

Wissenslücken unter Journalisten sind heute eben kein Hindernis mehr der Welt deren Halbwissen angedeihen zu lassen.

Olympische Spiele aber gab es seit 776 v. Chr.  schon im antiken Griechenland, bevor sie 394 n. Chr. vom römischen Kaiser Theodosius als heidnische Zeremonie verboten wurden.

Bereits bei den Olympischen Spielen der Antike gab es Sieger im Mehrkampf (Pentathlon), dem Vorläufer des Zehnkampfs.

Mit der Renaissance der Olympischen Spiele der Neuzeit seit 1896 wurden auch wieder Mehrkämpfe angeboten, und zwar sowohl Fünfkampf (Weitsprung, Speerwurf, 200m, Diskuswurf, 1500m Lauf) und Zehnkampf. 1904 stand erstmals ein Zehnkampf im Programm, allerdings noch nicht in der heute praktizierten Variante.

Der in der heutigen Form durchgeführte Zehnkampf (100m/Weitsprung/Kugelstoßen/Hochsprung/400m und am zweiten Tag 110m Hürden, Diskuswurf, Stabhochsprung, Speerwurf, 1500m Lauf) erlebte seine Premiere 1911 in Schweden und Deutschland wo der Münchner Karl von Halt mit 19 Jahren bereits zur Weltspitze gehörte.

Erster Olympiasieger 1912 in Stockholm wurde der überragende Indianer Jim Thorpe (USA).

Bei den Olympischen Spielen 1948 in London errang der erst 17 jährige Bob Mathias (1930-2006) seine erste Goldmedaille im Zehnkampf. Vier Jahre später bei seiner zweiten Goldemedaille 1952 in Helsinki war Bob Mathias dann so alt wie Niklas Kaul jetzt.

Zum kurzen Gedächtnis der Medien gehört auch, daß Martin Lauer (Köln) bei den Olympischen Spielen 1956 in Melbourne mit erst 19 Jahren großartiger Fünfter wurde. Ein Erfolg, der höher einzuschätzen ist, als Kauls vierter Platz mit 20 Jahren bei den Europameisterschaften 2018 in Berlin. Dies soll mitnichten Kauls grandiose Leistung schmälern, aber die unechten Superlative in den Medien relativieren.

Niklas Kaul (*11. Februar 1998 in Mainz) wurde das Talent quasi in die Wiege gelegt. Sein Vater Michael Kaul war deutscher Meister im 400m Hürdenlauf, seine Mutter Stefanie österreichische Meisterin im 400m Hürdenlauf.

Eigentlicher Favorit bei den Weltmeisterschaften 2019 in Katar war der Weltrekordhalter Kevin Mayer (Frankreich). Wie der Name schon vermuten lässt, stammt Mayer aus dem einst deutschsprachigen Lothringen. Das alte deutsche Reichsland Elsaß-Lothringen gehörte bis 1918 zum Deutschen Reich. Das Elsaß wurde 1681 von Frankreich annektiert, Lothringen wurde 1766 französisch, ehe es durch Bismarck im deutsch-französischen Krieg 1870 wieder deutsch wurde, ebenso wie von 1940-1944.

Nach sechs Disziplinen lag der Favorit Kevin Mayer mit 6310 Punkten vorne, Niklas Kaul mit 5912 Punkten auf Rang neun noch 400 Punkte zurück. Im Stabhochsprung zerplatzen alle Träume des Weltrekordhalters Kevin Mayer (9126). Niklas Kaul dagegen begann seine spektakuläre Aufholjagd und arbeitete sich über Platz sechs und drei immer mehr nach vorne. Die Stärken des Meisters des Crescendos lagen bekanntermaßen in den beiden abschließenden Disziplinen des Zehnkampfs.

In der vorletzten Diszplin Speerwurf erreichte Niklas Kaul mit 79,05 Metern eine noch bessere Leistung als der Österreicher Georg Werthner (Linz), der in den 1980er Jahren ähnlich wie Kaul seine Trümpfe in den abschließenden Disziplinen Speerwurf und 1500m Lauf ausspielte. Vorm abschließenden 1500m Lauf mußte Niklas Kaul seinen noch vor ihm liegenden Rivalen Maicel Uibo (Estland) und Damian Warner (Kanada) noch einige Sekunden abnehmen – ein Krimi wie mit dem Olympiasieger Willi Holdorf 1964 in Tokyo –  was er dann auch bravourös tat. Der Este wehrte sich bis 1000 Meter tapfer, der Kanadier wusste bereits im Vorfeld, daß er gegen den im 1500m Lauf enorm starken Niklas Kaul keine Chance mehr hatte. In hochklassigen 4:15,70 Minuten deklassierte Niklas Kaul geradezu die restliche Konkurrenz. Schnellere Zeiten über diese Distanz im Zehnkampf erzielten nur noch Georg Werthner und der Münchner Polizist Herbert Peter in den 1980er Jahren.

Das Endergebnis im Zehnkampf der Weltmeisterschaften 2019 in Doha (Katar):

  1. Niklas Kaul (Deutschland)  8691 Punkte
  2. Maicel Uibo (Estland)            8604 Punkte
  3. Damian Warner (Kanada)  8529 Punkte

Platz 10. Tim Nowak (Deutschland) 8122 Punkte

Platz 17. Kai Kazmirek (Deutschland) 7414 Punkte

Kai Kazmirek strauchelte im 110m Hürdenlauf, daher beruhen seine 7414 Punkte auf nur 9 Disziplinen. Ansonsten hätte man den Polizeikommissar vermutlich auf Platz sechs verorten dürfen.

Die Einzelleistungen von Niklas Kaul:

100m 11,27

Weitsprung 7,19m

Kugelstoßen 15,10m

Hochsprung 2,02m

400m 48,48 sec

110m Hürden 14,64

Diskuswurf 49,20m

Stabhochsprung 5,00m

Speerwurf 79,05m

1500m Lauf  4:15,70

Niklas Kaul bezeichnete sich selbst als „konstantester Zehnkämpfer“ im Feld, wohlwissend, daß er gegen Kevin Mayer möglicherweise nicht hätte bestehen können, wäre Mayer das Mißgeschick im Stabhochsprung nicht passiert.

Nicht in Doha dabei war Arthur Abele, der bei den Europameisterschaften 2018 mit 8431 Punkten siegte.

Niklas Kaul war am späten Abend des 5. Oktober 2019 Gast des ZDF-Sportstudios. Das ZDF genießt bereits einen zweifelhaften Ruf durch Moderatoren wie Claus Kleber, die sich vor einem Millionenpublikum als Oberlehrer, wie zuletzt vor dem designierten österreichischen Kanzler Sebastian Kurz aufzuspielen versuchen.

Ähnlich penetrant agierte die Moderation von Kathrin Müller-Hohenstein, die es nicht unterlassen konnte, Bundeskanzlerin Angela Merkel ins Gespräch zu bringen wie weiland das DDR-Fernsehen Erich Honecker und Erich Mielke als Gönner des Sports zelebrierte.

Kathrin Müller-Hohensteins hakte bei Kaul penetrant nach, ob denn die Bundeskanzlerin Angela Merkel zum großen Erfolg schon gratuliert hätte. Kauls Antwort war nein, denn er habe Angela Merkel nicht seine e-mail oder Handynummer gegeben, aber per Brief könnte sei ein Glückwunschschreiben nicht ausgeschlossen.

Angela Merkel zeigt sich gerne mit Siegern und Fußballern, solange sie Erfolg haben. Im Falle von Anschlägen wie am Berliner Breitscheidplatz wird Merkel oft erst nach massiven öffentlichen Druck vorstellig.

Bleibt die Frage, ob es tatsächlich erstrebenswert ist, von einer Bundeskanzlerin, die für 55 tote Soldaten in Afghanistan und für unzählige Tote und eine unkontrollierte illegale Zuwanderungverantwortlich ist, Glückwünsche anzunehmen.

Talente sind zum Fördern da – das Motiv mit Zehnkämpfer Niklas Kaul ist Teil der aktuellen Markenkampagne der Deutschen Sporthilfe. Weiterer Text über ots und http://www.presseportal.de/nr/51413 / Die Verwendung dieses Bildes ist für redaktionelle Zwecke honorarfrei. Veröffentlichung bitte unter Quellenangabe: „obs/Stiftung Deutsche Sporthilfe/Foto-Credit: picture alliance“ Weiterer Text über ots und http://www.presseportal.de/nr/51413 / Die Verwendung dieses Bildes ist für redaktionelle Zwecke honorarfrei. Veröffentlichung bitte unter Quellenangabe: „obs/Stiftung Deutsche Sporthilfe/Foto-Credit: picture alliance“

Anhang:

Ergänzend ein Text der Deutschen Sporthilfe:

„Vierter bei der EM 2018 in Berlin, U23-Europameister 2019 in Schweden und die Olympia-Quali für Tokio 2020 bereits in der Tasche: Zehnkämpfer Niklas Kaul, Juniorsportlers des Jahres 2017, verfolgt einen klaren Karriereplan – behält seine Duale Karriere dabei aber weiter fest im Blick.

Montags-Blues an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz: Draußen pfeift der Wind um die Leichtathletikhalle, drinnen quält sich Niklas Kaul gerade über die überdimensionale Gymnastikmatte, die seine Mutter und Trainerin ausgerollt hat. Stabilisationsübungen stehen auf dem Trainingsplan, nicht gerade die Lieblingsdisziplin des 21-jährigen Top-Talents. Schon mit den Stabhochsprüngen davor war er heute nicht zufrieden. Und überhaupt: „Es ist 10:30 Uhr an einem Montag und ich bin schon seit vier Stunden auf den Beinen. Irgendetwas mache ich falsch“, schimpft Kaul. Halb im Spaß, halb im Ernst.

Tatsächlich sieht ein typisches Studentenleben anders aus. Doch der Lehramtsstudent für Physik und Sport ist eben kein typischer Vertreter seiner Art. In seiner Freizeit mache er „ganz gern mal Zehnkampf“, sagt Kaul und hier ist klar: natürlich purer Spaß. U20-Weltrekordler ist er, 2017 war er Juniorsportler des Jahres, im Juli gewann er mit persönlicher Bestleistung den U23-EM-Titel und qualifizierte sich damit für die Olympischen Spiele 2020. Inzwischen steht er bei den „Großen“ auf Rang zwei der Weltjahresbestenliste – ein Erfolg, der sich vergangenen Sommer mit Platz vier bei der EM in Berlin bereits angedeutet hatte. Und das damals quasi ohne Vorbereitung.

Rückblende: Eine Woche vor der EM ist Kaul Teil einer Pressekonferenz der Deutschen Sporthilfe. Thema ist das zehnjährige Jubiläum der Partnerschaft mit der DFL Stiftung, die den Sporthilfe-Förderbaustein Nachwuchselite-Förderung ermöglicht. Kaul profitiert seit 2017 davon, doch heute spricht er auch über die verpasste Qualifikation für den Saisonhöhepunkt in Berlin. Trotz einer starken Saison waren in seinem ersten Jahr bei den Männern drei andere Deutsche besser. Noch während der PK versucht sein Vater ihn zu erreichen, denn nach der verletzungsbedingten Absage von Kai Kazmirek soll Kaul nachnominiert werden. Dann, nach der Fragerunde, der Rückruf. Der junge Sportler ist total perplex, verfährt sich auf dem Heimweg nach Mainz gleich dreimal. Und fliegt schon am nächsten Tag nach Berlin.

Am Ende stand dort sensationell Rang vier. „Damit hätte ich nie gerechnet. Natürlich hat mir auch das Wetter etwas in die Karten gespielt – und natürlich das Publikum, das hinter einem stand“, sagt Kaul rückblickend. Den anfänglichen Montags-Blues hat er da schon wieder vergessen, die Augen leuchten, wenn er über Berlin 2018 spricht. Beim sensationellen Triumph von Arthur Abele, 32 Jahre alt, hatten einige Athleten Probleme mit der großen Hitze. Kaul, zwölf Jahre jünger, nicht. Vor allem in seiner Paradedisziplin Speerwurf und beim abschließenden 1500 Meter-Lauf machte der Youngster mächtig Boden gut.

Eingeplant war die EM-Teilnahme im ersten Männer-Jahr nicht unbedingt, aber natürlich nimmt Kaul die im Olympiastadion gesammelten Erfahrungen dankend mit – genauso verhält es mit der Leichtathletik-WM im Herbst dieses Jahres in Katar. Ausgerichtet ist seine Karriereplanung jedoch zu allererst auf die Olympischen Spiele in Tokio 2020, für die er die Norm bereits überraschend früh erfüllt hat. „Die deutsche Konkurrenz ist richtig gut. Aber dann macht es ja auch erst richtig Spaß“, sagt der Athlet mit der Bestleistung von 8572 Punkten. Im besten Zehnkampf-Alter von Mitte bis Ende 20 befindet er sich ohnehin erst zu den Olympischen Spielen in Paris 2024.

Bis dahin ist es noch ein weiter Weg, dessen ist sich der Sohn eines ebenso sportlichen wie erfolgreichen Ehepaares – Vater Michael war deutscher Meister über die 400 Meter Hürden und von 1992 bis 1995 Sporthilfe-gefördert, Mutter Stefanie war österreichische Meisterin über die gleiche Distanz – bewusst. Die coachenden Eltern achten auch darauf, dass das Studium nicht unter der Trainingsbelastung eines Zehnkämpfers leidet.

Kaul weiß um die Wichtigkeit der Dualen Karriere und hat schon in frühen Jahren seine berufliche Zukunft im Blick. „Ich sehe die Uni aber auch als wichtigen Ausgleich, wenn es im Sport mal nicht so gut läuft.“ Vor allem sein zweites Fach Physik sei eine ganz andere Welt als die des Leistungssports. Belastet mit manchem Klischee, das auch Kaul bestätigen kann. „Schülern aber irgendwann zeigen zu können, wie schön dieses Fach ist, motiviert mich sehr“, sagt der 21-Jährige. Deshalb hat er auch nicht nur ein sportliches, sondern auch ein berufliches Fernziel. Mit Mitte 30 montagmorgens als Olympia-Medaillengewinner vor einer Klasse zu stehen statt als Trainingsweltmeister in der Uni-Halle, das wär’s – das frühe Aufstehen wird bis dahin vermutlich kein Problem mehr sein.

„Nationale Förderer“ sind Mercedes-Benz, Deutsche Bank, Deutsche Telekom, Deutsche Post und Allianz. Sie unterstützen die Deutsche Sporthilfe, die von ihr betreuten Sportlerinnen und Sportler und die gesellschaftspolitischen Ziele der Stiftung in herausragender Weise.“

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