„Für die Erde ins All“ – Erinnerung an Sigmund Jähn (1937-2019)

„Für die Erde ins All“ war das Motto von Sigmund Jähn, dem deutschen Raumfahrtpionier. Damit warb er für die friedliche Eroberung des Weltraumes, dessen Erschließung weder als Alternative zur von Menschenhand verwüsteten Erde, noch als Ausgangspunkt für die Bedrohung von Teilen der Erde aus dem All heraus dienen sollte.

Isabella Klais schreibt:


Sigmund Jähn

Sigmund Jähn brach 1978 vom sowjetischen Raumfahrtzentrum Baikonur aus zur sowjetischen Raumfahrtstation Mir auf. Dem Generalmajor der Nationalen Volksarmee der DDR folgte aus Westdeutschland erst 1983 Ulf Merbold als zweiter Deutscher ins All.

„Die Stimme des Flugleiters im Kopfhörer klang fast feierlich: ‚Podjom – Aufstieg!‘ Es war zuerst, als würde es in weiter Ferne donnern. Das dumpfe Grollen kam schnell näher und näher. Die Rakete begann zu vibrieren, als zitterte sie, so schnell wie möglich vom Krater des Vulkans wegzukommen, auf dem sie saß. Ich sah es zwar nicht aus unserer Kapsel 50 Meter über der Erde, aber Augenzeugen berichteten mir später von diesem einmaligen Schauspiel. Es sah aus wie ein feuerspeiender Drachen, der ein Meer aus Flammen und Rauch ausstieß. Rot, gelb, blau und violett tobten die Strahlen aus den fünf Triebwerken. Ein faszinierender Anblick. Meine Pulswerte waren erhöht. Aber dieses Herzklopfen war keine Angst, eher anregend. Und was ich dann sah, war totale Glückseligkeit: Unsere Erde, in leuchtendes Blau gehüllt. Einfach traumhaft.“

Sigmund Jähn: in einem Interview mit Superillu 1998
Sigmund Jähn (1937-2019)

Sigmund Jähn hatte sich schon früh der SED angeschlossen, was für seine Auswahl zur Teilnahme am sowjetischen Raumfahrtprogramm, neben seinen soliden Russischkenntnissen, sicher nicht hinderlich war. Das sollte sein Verdienst jedoch nicht schmälern. Jähn war ein ehrgeiziger Mensch mit hohen Ansprüchen an sich selbst. Die berufliche Leistung stand bei ihm absolut im Vordergrund. Sein Talent hätte er ohne die Parteimitgliedschaft nicht ausleben können. Wer dem in vergleichbarer Situation widerstanden hätte, werfe den ersten Stein.

Nach seiner erfolgreichen Mission im All wurde Jähn als Held der DDR und Held der Sowjetunion in der DDR frenetisch gefeiert. Ihm, dem es ausschließlich um die Sache ging, war dies nachhaltig peinlich. Seine persönliche Bescheidenheit bewahrte ihm die Bodenhaftung. Einige Jahrzehnte später wäre ihm der Titel „Astro-Sigi“ kaum erspart geblieben.

Nach der Wende faßte Sigmund Jähn schnell im gesamtdeutschen und europäischen System wieder Fuß. Er arbeitete fortan als Berater der deutschen Luft~ und Raumfahrtorganisation und der European Space Agency. Unter westlichen Kollegen erfreute er sich großer Wertschätzung und Beliebtheit.

Dies beweist, daß Integrationsprobleme denen vorbehalten sind, die bereits Leistungsdefizite mitbringen. Brillante Köpfe finden mühelos überall wieder Anschluß.

Nun hat Sigmund Jähn im Alter von 82 Jahren seine letzte Raumfahrt angetreten.

Wir verneigen uns und wünschen ihm gute Reise zu den Sternen, die sein Leben waren. Mögen sie ihm jetzt zur letzten Heimat werden. Sigmund Jähn – ein großer Deutscher, der sich um unser Land und die Weltraumforschung verdient gemacht hat.

Anhang

S. auch den Nachruf der Europäischen Raumfahrtagentur und
Focus-Artikel.
Wie viele große Deutsche die postnationale Endzeit, in der Carola Rackete als Heldin gefeiert wird, noch entstehen werden, steht auch in den Sternen. Den Statistiken von Dutton & Woodley (Buch „At our Wit’s End“) zufolge schreitet der Verfall der Gruppen- und Individualselektion etwa seit 150 Jahren voran und beschleunigt sich zur Zeit. Dies spiegelt sich auch in den „Europäischen Werten“ wieder. Etwas optimistischer können China und Russland in die Zukunft blicken, zumal sie viel in technisch-wissenschaftliche Großprojekte (wie z.B. Kernfusion im Weltall) investieren, die bei uns nach dem 2. Weltkrieg von Jahrzehnt zu Jahrzehnt schrumpften.

Ein Gedanke zu „„Für die Erde ins All“ – Erinnerung an Sigmund Jähn (1937-2019)“

Kommentare sind geschlossen.