Hat Salvini zu hoch gepokert oder war das Kalkül?

Hat Salvini der Hafer gestochen, als er Neuwahlen forderte, weil die Cinque Stelle seine Projekte blockierten? Realistisch gesehen hatte die LEGA so gute Chancen wie noch nie, die Richtlinien der Politik als stärkste politische Kraft in Italien zu bestimmen. Satte Zugewinne in den Umfragen dürften für Salvini verlockend gewesen sein, die Gelegenheit am Schopf zu packen, um vom Innenminister zum Regierungschef aufzusteigen.

Politik ist die Kunst des Möglichen. Besonnene Politiker wie Putin oder früher Bismarck haben durch eine Politik der Konsolidierung der Versuchung widerstanden, den Bogen zu überspannen.

Wer den Bogen überspannt wie weiland Napoleon oder Hitler provoziert den Untergang.

Salvinis Kurs in der Asylpolitik war die adaequate Antwort auf die stümperhafte Politik humanitärbigotter Regierungen der sogenannten „westlichen Wertegemeinschaft“, die de facto nur noch ein Destillat der Dekadenz darstellen.

Die Einschätzung von „Journalistenwatch“ zur Situation in Italien klingt plausibel:

„Rom – Die Linken triumphieren, glauben, Salvini hätte sich verzockt. Zumindest haben die Fünf-Sterne-Bewegung und die sozialdemokratische Partito Democratico (PD) in Italien eine Einigung über eine Regierungskoalition erzielt. An der Spitze der künftigen Regierung solle der bisherige italienische Ministerpräsident Giuseppe Conte stehen, teilte Luigi Di Maio, der Chef der Fünf-Sterne-Bewegung, am Mittwochabend in Rom mit. Italiens Staatspräsident Sergio Mattarella hatte den Parteien eine Frist bis zum Abend gesetzt, um Neuwahlen abzuwenden.

„Wir haben dem Staatspräsidenten heute gesagt, dass es eine politische Einigung mit den Sozialdemokraten gibt, damit Conte erneut den Regierungsauftrag bekommen kann“, so Di Maio weiter. Mattarella will noch am Mittwochabend die Konsultationen mit den Parteien beenden. Seine Partei habe den Vorschlag der Fünf-Sterne-Bewegung akzeptiert, wonach Conte abermals italienischer Regierungschef werden soll, sagte PD-Chef Nicola Zingaretti.

Die Regierung aus Fünf-Sterne-Bewegung und der Lega von Italiens Innenminister Matteo Salvini war in der vergangenen Woche endgültig zerbrochen. Conte hatte daraufhin am 20. August seinen Rücktritt angekündigt.

Kann man für Europa nur hoffen, dass Salvini noch ein Ass im Ärmel hat, die Bürger Italiens wurden auf jeden Fall mit diesem neuen Bündnis total verarscht. Und so könnte das ein raffinierter Plan sein, denn wenn zwei sich hassende Parteien Italien in Grund und Boden regieren, gäbe es noch mehr Zuspruch für Salvini. (Quelle: dts)

Hier noch ein Facebook-Kommentar:

Bildschirmfoto 2019-08-28 um 20.01.25
Facebook-Kommentare screenshot FB Matteo Salvini

Ich fasse zusammen: Salvini verprellt die EU, verspricht Milliardengeschenke, dämmt die Migration ein – die Zustimmung bei den Wählern wächst. Salvini fordert Neuwahlen, wird durch einen überraschenden Deal zweier Parteien, die sich auf den Tod nicht ausstehen können, aus dem Feld gekegelt, Italien wird wieder braver EU-Gläubiger, kassiert alte Wahlversprechen, öffnet seine Häfen und Carola Rackete in Marmor ersetzt Marc Aurels Reiterstandbild auf dem Capitol. In dieser Situation wäre ich in den nächsten Monaten lieber ein Soufflé bei Zugluft als „Cinque Stelle“ oder PD. Armes Italien, das hast du nicht verdient. All das nicht.“

 

Andere Stimmen:

Marco Gallina bewertet die Situation als Kenner der italienischen Politik so:

Italienkrise: Die alte Kaste greift nach der Macht

Der Autor von Pi-news rechnet mit einer Renaissance des Zustroms an Schiffbruchwilligen nach Italien und damit auch nach Österreich und Deutschland.

Neue Regierung in Italien: Häfen für Flüchtlinge bald wieder offen

COMPACT rechnet damit, daß mit der Horror-Koaltion Cinque Stelle-PD (die es vorher kategorisch abgelehnt hatte NO NO NO mit den Cinque Stelle zu koalieren) die Mittelmeerroute bald wieder offen sein wird:

https://www.compact-online.de/drohende-horrorkoalition-in-italien-ist-die-mittelmeerroute-bald-wieder-offen/

4 Gedanken zu „Hat Salvini zu hoch gepokert oder war das Kalkül?“

  1. „Destillat der Dekandenz“. Würde das gern in meine Zitatesammlung aufnehmen, hervorragend. In ganz Europa, überall, nicht nur in Italien, müssen die Volker die Zügel wieder in die Hand nehmen. Ansonsten machen die „Breilibüs“ (A. Wendt) was sie wollen. Siehe GroKo (Kotz..), Bautzen (Spei..) und Brandenburg-Nuthe (Göbel…) was sie wollen. Kriechen miteinander ins Bett, um ja den Wählerwillen zu torpedieren und sich die erschlichene Macht in alle Ewigkeit zu sichern. Schwarze, Rote, Grüne und Gelbe vereint im Kampf gegen den Bürger, der die ganze verlogene Chose auch noch zu bezahlen hat. Ich hoffe, dass die Italiener , die ja für ihre Widerborstigkeit gegenüber “ Il Stato“ berühmt sind, den ganzen roten Klüngel entlarven und die neue „GroKo“ in Rom zum Teifi jagen.

    1. Danke für´s Kompliment, Herr Stüve. Die Formulierung „Destillat der Dekadenz“ habe ich bei keinem anderen Autor plagiiert. Habe aber nichts gegen eine Aufnahme in den Wortschatz – im Gegenteil, ich betrachte das als Ehre. Die Autoren von BAYERN IST FREI wie noby („Buntblödel“), Floydmasika („Schiffbruchwillige“, „Egalitärfrömmler“, „Humanitärbigotterie“) oder Pfundshamel („Buntstasi“) haben seit 2016 etliche neue Begriffe lanciert.

  2. Ob vielleicht doch alles abgekartet bzw. von langer (zittriger) Hand gelenkt wurde? (FPÖ/Strache lassen grüßen)

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