24.000 Rechtsextreme in Deutschland und über 18.000 Mitglieder der türkischen Grauen Wölfe – eine wasserdichte Statistik?

Michael Klonovsky schrieb am 3. Juli in sein Tagebuch:

3. Juli 2019

Es ist nichts Neues, dass die Parteien ihr minderbegabtes Personal in die EU-Gremien entsenden, doch die Nominierung der Ursula von der Leyen zur künftigen Kommissionschefin hat eine neue Qualität; ich möchte von einer Verwesungspersonalie sprechen (und ich habe keineswegs den Reichsverweser im Sinn).***

 

„Weltoffen“: anderes Wort für sturmreif (hier).

 

***

 

„Wenn ausländerfeindliche Taten ‚rechts‘ sind, sind dann Taten, die auf eine individuelle Spontanenteignung abzielen (Raub, Diebstahl etc.), ‚links‘?“
(Leser ***)***Einige „Anmerkungen zu den rechtsradikalen Morden“, sendet Leser *** (Acta von gestern). „Generell ist die Liste der Antonio Amadeu Stiftung detailliert und daher nicht schlecht. Auffällig ist, dass, obwohl sie bei Wikipedia als Quelle genannt wird, die Eintragung der letzten Jahre teilweise fehlen, in Relation zu Wikipedia. Fast so, als hätte man die Lust verloren. Es kann festgestellt werden, dass in den letzten 10 Jahren rund 20 Tote mit rechtsradikalem Täterhintergrund zu beklagen sind. So weit so schlecht. Ab 2009 fallen aber folgende Fälle auf (nach der Nummerierung der Antonio Amadeo Stiftung):176: Zuwandererin von Zuwanderer getötet
177: Nazi tötet Nazi
182: Nazi tötet Vater seiner Freundin, weil diese ihn des Missbrauchs bezichtigt
184-192: Zuwanderer aus dem Iran tötet Zuwanderer aus anderen LändernWeiterhin 2014, wenn auch nicht gezählt: ‚In dem 40-seitigen Dokument gab Ibrahim B. an, die beiden Kinder aus Hass auf Albaner getötet zu haben.‘
Des Weiteren noch einige Fälle mit Tätern und Opfern aus jeweils schwierigen Verhältnissen, um es mal freundlich auszudrücken.Generell lässt sich feststellen: Rund die Hälfte der Nazitoten der letzten 10 Jahre geht auf das Konto von Beutenazis, bei den anderen sind Nazis als Opfer sicherlich überrepräsentiert. Das Problem bei Statistiken ist meist die Interpretation, weniger die Statistik selbst. Es bleibt etwa ein vollendetes Tötungsdelikt pro Jahr und Nazi (nach den Nürnberger Rassengesetzen) als Täter. Setzt man das in Relation zu Tötungsdelikten im allgemeinen, so ist man im Promillebereich. Setzt man es zu den Tötungsdelikten von Zuwanderern, bleibt man ebenfalls im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Wie dem auch immer sei, der Kampf gegen rechts hat seine Grenze erreicht, selbst wenn man die Zahl pro Jahr auf null drücken könnte, es wäre nicht statistisch relevant.

Graue Wölfe
Wolfsgruß
Bild: Wikipedia

Ähnliches Beispiel, ganz aktuell: Es gibt 24000 Rechtsradikale in Deutschland. Die größte rechtsextreme Vereinigung, laut Bundeszentrale für politische Bildung, sind die Grauen Wölfe, mit über 18000 Mitgliedern (Anhänger? Ich habe auch noch andere Dinge zu tun). Also entweder sind 3/4 aller Rechtsextremenradikalen in Deutschland Türken (der Sprachfamilie, nicht des Passes, nach) oder hier stimmt was nicht.“

6 Kommentare zu „24.000 Rechtsextreme in Deutschland und über 18.000 Mitglieder der türkischen Grauen Wölfe – eine wasserdichte Statistik?“

  1. „Straftaten beispielsweise aus der Szene der Grauen Wölfe werden – trotz rechtsextremer Ideologie – unter „ausländische Ideologie“ erfasst, weil die Szene ihren Ursprung in der Türkei hat.“ (bpb)

    Mir scheint, die Sache ist noch ziemlich unklar, villeicht mit Absicht. Weitere Untersuchungen wären prima.

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  2. Im Verfassungsschutzbericht werden auch die dem Rechtsextremismus zugeordenten Organisationen nicht mit denen der „ausländischen Ideologie“ (hier PKK oder graue Wölfe oder alle möglichen anderen bis hin zu Sikhs) erfasst.
    Woher habt ihr das mit den 18000 Grauen Wölfen als Teil der Rechtsextremisten? Quelle?

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  3. An dem Punkt hat Klonovsky nicht recht, wenn auch natürlich die Darstellung rechtsradikaler Morde fragwürdig, oder besser gesagt, falsch ist.
    Doch die Grauen Wölfe sind in den 24.000 vom BKA erfassten Rechtsextremisten NICHT eingeschlossen! (Siehe Verfassungsschutzbericht 2018 Seite 50) Sie sind vielmehr dem Bereich „ausländische Ideologie“ zugeordnet und werden dort auch nicht mit der Zahl ihrer Anhänger aufgeführt, wie sie in einem Artikel der bpb mit 18.000 auftaucht, sondern mit der Zahl der Mitglieder, die dort mit 7.000 angegeben ist. (Verfassungsschutzbericht 2018, Seite 235, Spalte Rechtsextremismus; und Seite 260 über die ADÜTDF ‚Graue Wölfe‘).
    Insgesamt ist das ein sehr interessantes Feld und wer weiß schon, was da gefälscht wird, doch sollte Philolaos seine Darstellung der 18.000 von 24.000 nicht stehen lassen, das ist falsch.

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