Das Küken-Urteil: Profit geht vor Ethik. Niedere Instinkte sind mächtiger als die Ehrfurcht vor dem Leben

„Die Würde des Menschen ist unantastbar“ konstatierten die Mütter und Väter des Grundgesetzes.

Aber wie steht es mit der Würde von anderen Lebewesen?

Im Tierschutzgesetz von 1972 lesen wir:

§ 1 Grundsatz:

„Zweck dieses Gesetzes ist es, aus der Verantwortung des Menschen für das Tier als Mitgeschöpf dessen Leben und Wohlbefinden zu schützen. Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.“

„Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.“

Für meine Wenigkeit eine ziemlich präzise Festlegung, die ich teile. Zum Mißmut meiner Partnerin übergebe ich uneingeladene Gäste im Speicher oder Keller wie Marienkäfer oder harmlose Spinnentiere wie Weberknechte traditionell geeigneten Biotopen in Mutter Natur.

Bundesverwaltungsgericht
screenshot ARD

Das Urteil des Bundesverwaltungsgericht vom 13. Juni 2019  zum Töten männlicher Küken sorgt nicht nur bei Tierschützern für Irritationen. Von wegen in dubio pro reo. Sogar für Serienmörder gibt es in der BRD keine Todesstrafe. Aber für Küken, die kaum das Licht der Welt erblickt haben.

Vernünftige Gründe„, die im Ermessensspielraum von Richtern liegen, aber nicht einfach nachvollziehbar sind. Das Bundesverwaltungsgericht hat sich mit einem uncouragierten und fragwürdigen Urteil aus dem Staub gemacht und sich in den dehnbaren Begriff einer nicht verbindlich festgelegten schwammigen „Frist“ gerettet.

Kükentöten ist ethisch zweifellos nicht vertretbar.

Das Kükenurteil ist daher einer Kulturnation nicht würdig. Ein Hohn für die Sonntagsreden und eine Pervertierung des vielstrapazierten Begriffs vom Rechtstaat, der in der Theorie stets unantastbar scheint, aber in der Praxis zum Komplizen der Täter wird,  statt die Opfer zu schützen.

Das Kükenurteil betrachte ich als verwerflich und Armutszeugnis für die deutsche Justiz. Das Bundesverwaltungsgericht hat sich am 13. Juni 2019 vor seiner Verantwortung gedrückt, den schönen Worten vom Tierschutzgesetz Leben einzuhauchen.

Von wegen Leben einhauchen.

Männliche Küken dürfen laut Gerichtsbeschluß weiterhin ihr Leben qualvoll in der Gas-Schleuse aushauchen, weil sie weder rentabel sind noch für ein paar Momente als Gaumengenuß für die „Verbraucher“ taugen.

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Kükenschreddern screenshot Tagesthemen 13.6.2019

Pro Jahr werden in Deutsch-Buntland 45 Millionen männliche Küken vergast, geschreddert und entsorgt, weil sie weder Eier legen noch eine Perspktive als Chicken McNuggets mitbringen.

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Dankenswerterweise haben Tierschützer vor dem Bundesverwaltungsgericht durch eine Protestaktion gegen das Gerichtsurteil Flagge gezeigt. Noch rangiert der Tierschutz weit hinter den penetranten „Klimaschutz“-Populisten wie die „scientists for future“ und ihre Vordenker**Innen Greta und Luisa.

Im übrigen gibt es keinen „Klimaschutz“ – wer sich einbildet, diesen durch spartanisches Frieren bewerkstelligen zu können, kompensiert entweder flagellantoide Ambitionen, religiöse Geborgenheitssehnsüchte, oder ist schlichtweg Opfer von hausierenden Hirngespinsten und seiner eigenen Hybris.

Der Schutz von Tieren, Pflanzen und der Natur generell dagegen tut not. Nicht nur, weil menschliches Leben ohne Pflanzen und Tiere gar nicht möglich wäre. Auch weil es dem Menschen – sofern der Grundsatz von der Würde des Menschen nicht nur eine Worthülse ist – gut anstünde, seine schützende Hand über Lebewesen zu halten statt Tiere zu quälen (Hahnenschaukämpfe, Stierkampf) oder Bäume für Projekte der GRÜNEN (Radfahrwege in der  Münchner Elsenheimerstraße) zu fällen oder gedankenlos Blumen aus einer Laune heraus zu pflücken statt sie Profis wie Bienen und Hummeln zu überlassen.

Je mehr man sich mit dem Mikrokosmos von Lebewesen beschäftigt, um so mehr gerät man ins Staunen. Das geht bis über den Stoffwechsel einer Zelle und ihren Organellen hinaus. Die Dechiffrierung von Genen, Photosynthese, Osmose, Immunsystem, Zellteilung, Apoptose erfordern ein sorgfältiges Studium von Biochemie und Physik.

Je mehr man über das Phänomem Leben weiß, desto größer wird die Ehrfurcht vor dem Leben, wie es Albert Schweitzer so großartig formulierte.

„Der wahrhaft Ethische nimmt sich die Zeit, einem Insekt, das in einen Tümpel gefallen ist, ein Blatt oder einen Halm zur Rettung hinzuhalten. Und er fürchtet sich nicht, als sentimental belächelt zu werden.“ (Albert Schweitzer)

„Die Blumen haben ebensoviel Recht zu leben wie wir.“ (Albert Schweitzer)

Ein italienischer Agrarökonom verneigt sich vor seinen Olivenbäumen mit folgendem Denkanstoß:

„Es ist eine Ehre für uns, diese Bläume pflegen zu dürfen.“

Arthur Schopenhauer (1788-1860) stimmt ein in diesen Tenor mit der auch nach 200 Jahren noch gültigen Feststellung:

„Jeder dumme Junge kann einen Käfer zertreten.
Aber alle Professoren der Welt können keinen herstellen.“

Der Gedanke, daß Tiere für uns gestorben sind, wenn wir im Supermarkt ein in Folien verpacktes Billig-Steak aus der Kühltruhe entnehmen, dürfte meistens nicht ins Bewußtsein dringen. In der Regel zählt eher, wieviel das Produkt kostet.

Daß Tierkinder für uns in Schlachthöfen ihr kurzes Leben aushauchen, damit wir unser Spanferkel, Kalbsschnitzel oder Lammsteak auf dem Teller oder Grill haben, scheint nur wenige wirklich zu tangieren. Oder daß Kühe ihre Milch eigentlich für ihre Kälber – und nicht für die „Verbraucher“ – geben, hätten wir deren Existenz nicht als Lebensmittelquelle zweckentfremdet, verdrängen wir mit einer erschreckenden Perfektion. Eigentlich müßte das Tier in uns dagegen revoltieren.

Eine innere Stimme bleibt ununterdrückbar: etwas ist faul im Staate Dänemark, bzw. aktuell in Deutsch-Buntland.

Das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts öffnet dem Mißbrauch weiterhin Tür und Tor.

Die Judikative verkommt zur Dekorative.

 

 

Anhang:

Isabella Klais schreibt zum Thema Küken-Urteil:

https://vk.com/@-163464132-nicht-in-meinem-namen-gierschutz-statt-tierschutz-die-fortse

 

 

 

9 Kommentare zu „Das Küken-Urteil: Profit geht vor Ethik. Niedere Instinkte sind mächtiger als die Ehrfurcht vor dem Leben“

  1. „Das Kükenurteil ist daher einer Kulturnation nicht würdig.“ Guter Philolaos, lass Dir trotzdem Dein Brathähnchen schmecken. weiblich, fettfleischig und am Bratspieß gedreht. Millionen Menschen im Lande stehen auf dieser Art Eiweißzufuhr. Du nicht?

    Was „einer Kulturnation nicht würdig“ ist, ist Menschenfresserei. Doch selbst die letzte Hürde und Würde fällt, wenn vom Menschen vom Hunger irre ihren Mitmenschen fressen.

    Um Kultur in einer Nation zur Blüte zu bringen, unterliegt die Nahrungsproduktion, die Gesundheitsindustrie, die Buch-, Musik-, Kulturproduktion seit Jahrhunderten sich verschärfenden wirtschaftlichen Zwängen. Um die Millionen hungriger Mäuler zu stopfen, dazu luxuriös mit Mobilität, Energie, Nahrung, Daten, Wasser und sauberer Luft zu versorgen, macht dem Kultur und Umwelt beflissenen Feingeist Kummer, Sorgen und schlechtes Gewissen. Doch deshalb vergeht ihm noch lange nicht sein Appetit auf gebratene Leichen, deshalb verzichtet er doch nicht auf Flüge in die weite Welt, auf Kreuzfahrten, wie es mir im Traum nicht einfällt, auf den Diesel für meine rollende Klause zu verzichten. Predigen sind leicht, Verzicht ist schwer.

    Gruss von Weser, Werra, Fulda, Pegnitz plus politpestilenter Pöbelei

    https://n0by.blogspot.com/2019/06/von-weser-werra-fulda-main-regnitz-plus.html

    ….wie auch in diesem Kommentar 🙂

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  2. n0by, als Nicht-Vegetarier sitze ich im Glashaus. Auch wenn ich im Vergleich mit der Großeltern und Eltern-Generation deutlich weniger Fleisch konsumiere als die Vorfahren.
    Kannibalismus und Kulturnation schließen einander aus. Soweit sind wir uns einig. Aber wenn die Justiz einer vermeintlichen Kulturnation das Töten von Tieren ohne vernünftigen Grund hochoffiziell absegnet, dann kannst Du Dich damit entweder arrangieren oder Du sagst „not in my name!“. Nicht in meinem Namen!
    Ich lebe grüner als die Galionsfiguren der GRÜNEN. In 20 Jahren vier mal geflogen. In fünf Jahren 31.000km mit dem Auto. Könnte mir aber mindestens soviel leisten wie Kerosina Schulze.

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    1. @ Islamnixgut: wer sagt denn, daß wir immer mehr produzieren müssen? Die Regale der Supermärkte sind übervoll. Die Dunkelziffer, wieviel weggeworfen wird, wird uns nicht unter die Nase gerieben.
      Würde man alle männlichen Küken am Leben lassen, würden es sich die Bauern mit wenigen Cent pro Ei wieder herein holen. Ich wäre bereit, dies zu bezahlen.

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      1. Philolaos, aber was machst du mit den Millionen männlichen Küken? Lässt du sie mit den weiblichen Hühnern zusammen leben, die schon nach wenigen Monaten in die Schlachtung gehen? Am Ende stürzen sich 10 männliche Hühner, die ein wesentlich längeres Leben haben dürften, auf ein Huhn. Oder sollte man die männlichen Hühner generell von den weiblichen trennen? Ich habe das Gefühl, wenn man die männlichen Hühner am Leben lässt, verdoppelt sich das Leid der Tiere, denn das Leben auf einem konventionellen Hühnerhof erscheint mir nicht tiergerecht. Da ist es wohl besser, man trifft vor dem Ausschlüpfen eine Vorauswahl und verkauft die Eier der männlichen Hühner.

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  3. Liebe Patrioten,
    Profit geht vor Ethik. Niedere Instinkte sind mächtiger als die Ehrfurcht vor dem Leben. Das gilt leider oft. Unterschreibt und verbreitet bitte die Petition:
    Retten Sie den Rotmilan und andere von der Ausrottung bedrohte Arten!
    https://www.change.org/p/f%C3%BCr-landwirtschaft-und-umwelt-mecklenburg-vorpommern-retten-sie-den-rotmilan-und-andere-von-der-ausrottung-bedrohte-arten-0dab0be9-2465-4cbe-93f0-84b5430b0d8f

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