Notre Dame – ein Wahrzeichen europäischer Kultur

von Daniel Matissek

Die Bilder der brennenden Notre-Dame de Paris rühren zu Tränen. Wenn Vertrautes, vermeintlich Ewiges von einem Moment auf den anderen zerfällt und Kulturschätze in Schutt und Asche versinken, ist es, als ob ein Teil von uns stirbt – etwas, das über unser belangloses Dasein weit hinausreicht. Der Grund des Untergangs ist dabei ganz gleichgültig. Sei es der Frevel von Fanatikern wie bei der Zerstörung historischer Buddha-Steinfiguren durch die Taliban oder bei der Vernichtung von Palmyra durch den IS, seien es Naturkatastrophen wie die Erdbebenschäden in Assisi, oder sei es menschliches Versagen wie im Fall des Einsturzes des Kölner Stadtarchivs: Wann immer Artefakte in Sekunden verlorengehen, reagieren wir schockiert.

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Notre Dame in Flammen Foto in ARD/ZDF nicht zu sehen

Im Falle von Notre-Dame allerdings ist eines doch sehr bemerkenswert: Es handelt sich um ein Bauwerk, das wie kaum ein anderes in Frankreich und ganz Europa sinnbildlich für den Kulturraum steht, der mit dem heute oft ins Lächerliche gezogenen Terminus„christliches Abendland“ beschrieben wird. Kollektiv scheinen sich viele Europäer aber erst dann auf die Wurzeln ihrer Kultur zu besinnen, wenn einzelne Wahrzeichen akut bedroht sind, etwa zum plakativen Raub der Flammen werden. Ansonsten haben sie, vor allem die jüngeren Generationen, zu ihrer Herkunft, ihrer eigenen Geschichte und deren Denkmälern so gut wie keinen Bezug und beklatschen sogar deren stetigen Bedeutungsverlust; auch deshalb hat der Konservatismus heutzutage einen so beispiellos schweren Stand.

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Notre Dame (c) n0by

Die Ursachen des gestrigen Pariser Großbrandes stehen natürlich noch nicht fest. Zunächst wird schonungslos – und von der Politik tunlichst unbehindert – zu ermitteln sein, ob hier ein Zusammenhang zu anderen, frankreichweit seit Monaten zu beklagenden diversen Fällen von Vandalismus und Brandstiftung gegen katholische Gotteshäuser besteht; insbesondere zum Brand der zweitgrößten Pariser Kirche Saint-Sulpice vor exakt einem Monat. Und doch kann man eines festhalten, ob der Grund nun Vorsatz oder (hoffentlich nur) ein Unglück war: Das Schicksal von Notre-Dame steht symbolisch für das europäische Christentum als Ganzes. Was mit einer brennenden Kathedrale binnen Stunden geschieht, vollzieht sich mit dem Fundament unserer Kultur über Jahre und Jahrzehnte – aber mit derselben zerstörerischen Unerbittlichkeit, nur ohne jede Restaurationschance: Nicht nur, dass die Bedeutung der christlichen Kirchen, vor allem der katholischen, infolge einer epochenlangen allmählichen Entfremdung von der Lebenswirklichkeit der Gläubigen stetig geschrumpft ist (von aktuellen Skandalen ganz abgesehen) und immer weniger Menschen die Kirche brauchen. Sondern zu der strukturellen Krise kommt vor allem die proaktive Ausbreitung des mohammedanischen Glaubens hinzu, durch ungehinderten Einstrom und faktische Landnahme von Zuwanderern aus islamischem Ländern – und diese „neuen Europäer“ halten, im Gegensatz zu den hier angestammten, auf ihre mitgebrachte Religion sehr wohl große Stücke. Man muss weder Hellseher, Demograph noch Zukunftsforscher sein um vorherzusagen, dass Länder wie Deutschland und Frankreich in zwei bis drei Generationen mehrheitlich muslimisch sein werden. Spätestens dann werden die großen christlichen Kulturdenkmäler ohnehin ihre Bedeutung eingebüßt haben. Und auch wenn unsere Kathedralen und Münster, anders als die Hagia Sophia, nicht zu Moscheen umgewidmet werden, so dürften sie in einem arabisierten, ethnisch zerrissenen Europa allenfalls noch kuriose Altbausubstanz darstellen.

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Notre Dame (c) n0by

So gesehen ist es fast schon tröstlich, dass im Angesicht einstürzender Dachreiter und brennender Kirchenschiffe eines so bedeutenden Weltkulturerbes dann plötzlich auch jene Zeitgenossen eine kulturelle Verlusterfahrung spüren, einen Hauch von Ohnmacht im Angesicht der drohenden Unwiederbringlichkeit von Vertrautem, die für derartige Empfindungen sonst immer nur Hohn und Spott übrig haben und sie ins dumpfe Reich von Populismus und angestaubtem Traditionalismus abschieben. Vielleicht dämmert es dem einen oder anderen ja, dass unsere Kultur nicht nur in Gestalt brennender mittelalterlicher Sakralbauten bedroht ist. Notre Dame steht für Notre Culture.

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Notre Dame (c) n0by

 

Titelbild ARD Tagesthemen 15.4.2019 screenshot

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5 Kommentare zu „Notre Dame – ein Wahrzeichen europäischer Kultur“

    1. Auf der Facebook-Seite von „Deutschland mon amour“ finden sich ähnliche Einschätzungen:

      „Mit dem Feuer in Notre Dame ist ein Nerv voller Symbolik tief getroffen worden. EU und UN stehen betroffen vor einem beschädigten Baudenkmal. Allein es ist DIE große Kirche Europas, vor Rom, die Wiege der abendländischen, mehrstimmigen Musik. Und es geschah in der Karwoche, in der englischen Übersetzung „Holy Week“ genannt.

      Schon zwei Stunden nach Beginn des Feuers und noch im lichterlohen Brande gab die Staatsanwaltschaft bekannt, sie ermittle nicht wegen Brandstiftung. Spekulationen verbieten sich eigentlich derzeit.
      Eigentlich.

      Das Thema ist brisant und verlässliche Quellen sind rar. Das hier hat Roland Tichy dazu gefunden:
      „Allerdings brachte erst vor knapp einer Woche die FAZ einen Bericht darüber, wie sich Brandstiftungen und Vandalismus in französischen Kirchen häufen, die an diesem Abend ebenfalls in den sozialen Medien geteilt werden und Gegenstand zahlreicher Diskussionen sind. „Die Kirche brennt“ lautete die bezeichnende Überschrift der FAZ. Täglich würden in Frankreich durchschnittlich drei Gotteshäuser beschädigt, und die Täter sind oft genug arabisch-muslimischen Ursprungs. Mal werden Skulpturen zertrümmert, mal ein Altartuch oder eine Türe angezündet. „Von der katholischen Kirche wurden die Vorfälle lange nicht an die große Glocke gehängt“, schrieb die FAZ „ – jetzt finden sie größere Aufmerksamkeit.“

      Anfang März wurde die Kirche von Reichstett im Elsass geschändet, Kirchenfenster zerschlagen, mit Satanszeichen beschmiert; in Saint Gilles-Croix-deVie an der Atlantikküste wurde einer Christusfigur des Hochaltars der Kopf abgeschlagen.

      Dieser Vandalismus ist längst auch in Deutschland Alltag. Feldkreuze werden gefällt, Gipfelkreuze gestürzt, Altäre beschmutzt. Nicht um Diebstahl geht es, sondern um Herabwürdigung. Es sind symbolische Akte. Meist schweigt die Kirche. Sie ist längst kleinmütig und verängstigt.

      Andere sind laut.

      Was auch auffällt: Während heute Abend auf der ganzen Welt Tausende Menschen in sozialen Medien mit tiefer Betroffenheit und Trauer den verheerenden Brand in Notre Dame kommentieren, gibt es auch andere Reaktionen voll boshafter Schadenfreude. Es finden sich hundertfach hämische Reaktionen auf Facebook mit dicken Zwinker-Smileys – fast ausschließlich von Nutzern mit arabisch-muslimischen Namen.“ (Tichy‘s Einblick)

      Leider kommen in Frankreich in diesen Zeiten auch linksextreme Gruppen in Betracht. Sie führen einen Mehrfrontenkrieg gegen Kirche und Staat.

      Macron wird die schrecklichen Bilder wiederum nutzen, um die Franzosen hinter sich zu scharen. Er hat eine solche Gelegenheit nötiger als jemals zuvor – alle anderen Offerten aus seinem Munde blieben ohne Wirkung auf die Verwerfungen im Land.

      Was auch immer passiert ist, es geht nicht einfach um einen Kirchenbrand. Derlei Dinge sind nie ohne Bezug.“

      Gefällt mir

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