Jenseits des Ozeans steht der Schuldige

Mit Genehmigung des Autors erscheint in „Bayern ist frei“ ein Gast-Beitrag der Herausgebers der Zeitschrift „Deutsche Geschichte“.

Die Bilanz des Westens in Nahost ist ähnlich wie in Syrien nur noch viel verheerender. Man könnte bei den Westeuropäern von Schurkenstaaten auf dem Niveau von Bananenrepubliken sprechen, wo hinter humanitärer Kulisse schmutzigste Geschäfte betrieben werden. CIA, MI6 und DGSE waren direkt mit Muslimbrüdern im Bett und mit Gründung von Al Nusra, IS etc beschäftigt, sogar am Abschlachten von Christen, Alawiten und Jesiden beteiligt.

Man muß bei Terror in Frankreich noch davon ausgehen, daß das Verlängerungen dessen waren, was die französische Führung in Syrien vorexerzierte.
Darüber gibt es einige Bücher, die Michel Drac ausführlich besprochen hat.

 

Mit Erschrecken muß man feststellen, daß der Absturz und Sturzflug des Abendlandes steiler ist, als man sich das vor wenigen Jahren noch hätte vorstellen können.

Derweil werben Juncker, Merkel, Manfred Weber und Markus Söder für eine blauäugige Politik des „Weiter so!“.

Jenseits des Ozeans steht der Schuldige

von Gert Sudholt

 

Nur ein Unglück ist unheilbar:

wenn ein Volk sich selbst aufgibt<

        Johann Wolfgang von Goethe

 

Die Vereinigten Staaten begreifen  sich gerne als   Nachfolger des Römischen Reiches bzw. haben sich dieses  zum Vorbild genommen. Sie sahen  sich niemals als eine Demokratie, stets als eine Republik.  Das Parlament  erinnert  zwangsläufig an die Prachtbauten des antiken Roms. Die heutige Gestalt des Weißen Hauses weist durchaus klassische Maße auf, die an Herrscherhäuser des Imperium Romanum erinnern.  Neben den Abgeordneten des Kongresses  ist die wichtigere Kammer der Senat; seine Mitglieder bezeichnen sich stolz als Senatoren. Viele von ihnen hatten und haben den Schlüssel für das Weiße Haus nicht selten in der  Tasche.

Seit über eineinhalb Jahrhunderten sind sie in zwei  politische Gruppierungen geteilt: die  einen  sind die Demokraten und die anderen die Republikaner.

Nordamerika sieht sich gerne als Musterland der Demokratie. In Wirklichkeit halten jenseits des Atlantiks wenige die Macht in Händen und bestimmen über das Volk und seine Interessen hinweg die Politik. Außenpolitisch schwankt das Land  seit der Monroe Doktrin zwischen zwei Positionen. Galten  in der Vergangenheit die Demokraten eher international offensiv, wie etwa Woodrow Wilson oder Franklin D. Roosevelt, wurde den Republikanern  nicht selten eine isolationistische Grundeinstellung nachgesagt. Herbert Hoover  gehörte dazu  ebenso wie der US- Präsident Eisenhower oder auch  Richard Nixon. Dieser wurde seinerzeit vom tiefen Staat ebenso attackiert wie heute Donald Trump, der diesen Sumpf  auszutrocknen hofft.  Auch er  wird von vielen Experten als isolationistisch,  insbesondere auf dem Feld der Außen-und Rohstoffpolitik  eingeschätzt, nicht zuletzt wegen seines im letzten Wahlkampf verwendetem Slogans >America first- Amerika zuerst<. Auch wenn nicht formuliert, verfolgte jeder US- Präsident dieses  für jeden verantwortungsvollen Politiker selbstverständliche  Ziel, dass das Wohl des eigenen Volkes an der Spitze allen Wollens und Handelns steht. Nur  die Helotenstaaten westlicher, sprich amerikanischer,  Prägung nehmen sich hiervon bewusst aus und geben sich seit Jahrzehnten als die  gehorsamsten  Propagandisten des US-Establishments und des tiefen Staates.

Pentagon
(c) Wikipedia

Das Imperium Americanum,  – freilich befindet sich in einem Zustand, der dem des Römischen  Reiches  in seiner Endphase ähnelt: im Sinkflug.

Die Ursachen sind vielfältig. Entscheidend dürfte sein, dass ähnlich dem alten Rom Washington stets nach größerem  Einfluss sucht  trotz seiner weltweit über einhundert  Stützpunkte und dem  Besitz unzähliger  Rohstoffquellen. Was vor knapp 2 000 Jahren die Nahrungsmittel waren, die das wachsende Rom in immer größerer Menge benötigte, sind heute Erdöl, Erdgas, Wasser und seltene Erden. Dafür  sind die USA bereit fast jeden von ihnen angezettelten Krieg, fast jeden Staatsstreich und fast jede Revolution auf Kosten ihrer  >(V) erbündeten< zu riskieren. Sie wollten und wollen möglichst das Monopol auf alle lebenswichtigen Güter für Industrie und Wirtschaft  gewinnen. Um als einzige Weltmacht   ungehinderten Zugriff auf all das haben, was sie begehren, benötigen die USA ein geradezu unermessliches Potential an Waffensystemen  und Soldaten.

US-Flugzeugträger
(c) Wikipedia

Rom ist letztendlich an der Überdehnung seiner Kräfte  ab dem dritten Jahrhundert gescheitert.  Das amerikanische Weltreich zeigt deutliche  Risse auf, die ein Menetekel für die zukünftige Politik sind. Die USA werden sich bescheiden müssen. Das Wort >America first< gewinnt eine doppelte Bedeutung. Der Rückzug auf den großen Kontinent zwischen den  zwei Weltmeeren ist eine  realistische Alternative, die der amtierende US-Präsident  durchaus richtig erkannt hat. Sein Amerika steht mit dem Rücken zur Wand – er weiß das  und seine Wähler wissen das auch.

Noch geht  es freilich  auch darum, ein bisschen Weltordnungsmacht zu spielen, was vielleicht nur dazu dienen mag, bewusste Kritiker  im eigenen Land zu beruhigen. So versucht das Weiße Haus, die  durch die Ergebnisse des Zweiten Weltkrieges  der Weltmacht verpflichteten Staaten, wie  Deutschland und Japan sowie jene Staaten, die   sich mehr oder wenig freiwillig  der nordamerikanischen Vormachtstellung unterordnen  musste , in die Pflicht zu nehmen. Jüngste Beispiele sind die wohl verpackten  Befehle, dass die NATO-Staaten zwei Prozent des Bruttosozialproduktes für Verteidigung auszugeben haben. Damit soll fraglos die US-Rüstungsindustrie noch größere Gewinne erwirtschaften.

Dann die geradezu ultimative Forderung den Europäern  umweltfeindliches, teures  verflüssigtes Fracking-Gas im Tausch zur Northstream 2 Pipeline aufzuzwingen. Und drittens: Deutsche und europäische Soldaten mussten und müssen im Rahmen des NATO-Bündnisses auf eigene Kosten Kriege für die USA führen, z.B. in Afghanistan. Hatten die Römer einst Auxiliares, militärische Hilfskräfte, die für die schwächelnde Weltmacht Kriegsdienste leisten mussten, sind es heute die NATO-Staaten, die den USA die schmutzige  und aufwändige Kriegsarbeit abzunehmen haben.  Ein weiteres Merkmal dafür, dass von einer Unabhängigkeit des alten Kontinents keine Rede sein kann.

 

Auf die Dauer ist dies  für die betroffenen Staaten und Völker ein unhaltbarer Zustand. Wer Augen hat, zu sehen, kann erkennen, dass die USA sich von Europa verabschieden und vielmehr im pazifischen Raum ihr Heil oder Unheil für die Zukunft suchen. Eine nüchterne Analyse zeigt, dass es  für Europa und insbesondere für die europäische Mitte  höchste Zeit ist, nach neuen Ufern und neuen Partnern   Ausschau zu halten.

Die Abkehr vom gegenwärtigen Zustand  könnte mit einer Absage all jene Medien beginnen, die dem  tiefen Staat in den USA verbunden,  bzw. verpflichtet sind. Mancher wird dagegenhalten und sagen: Das geht nicht. Dieser  ahnt nicht, wie gut das geht. Eine Woche einmal keine ehemalige Lizenzpresse lesen, wie sie von den Engländern oder Amerikanern nach 1945 installiert worden ist, tut gut. Es  waren die Lautsprecher der  Umerzieher, die systematisch die Deutschen auf den >American way of life< eingeschworen hatten. An den Folgen knabbern wir  bis heute.

Theodor W. Adorno
geistiger Vater der 68er
(c) Wikipedia

Zu den Vorreitern dieser für Europa und seine Freiheit katastrophalen  Politik zählten neben >Radio Free Europe< auch jene Professoren, die  in den USA  umgedreht   oder  willige Studenten, die über die Fulbright Stipendien oder Atlantik-Brücke  sich  zu eifrigen Predigern  der US- amerikanischen Politik und des >American way of life<  wurden.

Daniel Cohn-Bendit
„Studenten-Führer“
(c) Wikipedia

Dieser entsprach durchaus der amerikanischen Kulturhöhe, aber keineswegs mitteleuropäischen Maßstäben. Nicht wenige dieser Studenten   landeten schließlich bei den 68ern und sind  in den vergangenen Jahrzehnten die Karriereleiter emporgeklettert. Parallel zum Aufstieg der 68er ging es – von den meisten scheinbar noch unbemerkt mit Europas  politischer Kultur steil bergab.

68er-Bewegung
(c) Wikipedia

Um den Gedanken von  oben  weiter zu verfolgen.  Nach einer Woche ohne Lizenzpresse  wird man befreit aufwachen; in einer zweiten  empfiehlt es sich auf  einen Großteil der Fernsehsendungen zu verzichten. Am wichtigsten  an diesen Geräten  ist noch immer der Knopf zum Ausschalten. Wenn wir nämlich   einen neuen Anfang machen wollen, müssen  wir  an jenen Wurzeln  beginnen, an denen alles begann und die   unschwer zu beseitigen  sind.

 

Wer Amerika zum Freund hat, braucht keinen Feind mehr < lautet ein  böses Wort, das in  jener Epoche der Nachkriegszeit geprägt wurde, als die USA scheibchenweise  ihre  Schutzbefohlenen dem  Sowjetkommunismus preisgaben. Die sowjetische Bedrohung von einst bzw. eine russische Bedrohung Europas besteht heute nicht mehr. Muss man da nicht die Frage stellen, warum  wir dann  die Stationierung von etwa 60 000 GIs  in Deutschland zu unserer Sicherheit brauchen  oder dienen sie etwa der Kontrolle und Erpressung diese noch immer aktivsten Volkes inmitten Europas?  Welche Alternative haben wir?

Die Alternative  kann nur eine europäische sein. Bekanntlich gibt es, und da hat der größte deutsche Staatsmann, der alte Bismarck, wieder einmal recht, in der Politik keine Freunde, sondern ausschließlich Partner und Gegner. Selbstverständlich können Moskau, Peking oder Neu Delhi wichtige Partner sein.

Europa ist freilich derzeit der Wurmfortsatz der asiatischen Landmasse

Dies besagt nicht mehr und nicht weniger, dass sich die Europäer zunächst einmal darauf besinnen sollten, was sie eigentlich wirklich wollen .Dies wurde nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges  bis heute versäumt. Aus den USA  kamen seit damals alle Initiativen bzw. Vorgaben. Europa hat seit dem letzten Weltkrieg offenbar seine Handlungsfreiheit verloren. Bezeichnend ist auch, dass die Überlegung  zur Gründung einer Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft zu einem Zeitpunkt kam, als  Deutschland und Europa eine Nahtstelle eines  möglichen künftigen Krieges erschienen. Der Osten bedrohte den Westen- oder umgekehrt. Man brauchte dieses Westeuropa  und  durch eine Einbindung der Deutschen war  – und  ist – dieses letztendlich unbequeme Volk in der Mitte  Europas kontrollierbar. Adenauers Nachfolger von Erhard bis Merkel, vertraten und vertreten  eine Politik, die US -amerikanische Wünsche in vorauseilendem Gehorsam  erfüllt. Man faselte und faselt von einer westlichen Wertegemeinschaft. Gemeint aber  sind   immer die  US-amerikanischen Wünsche, also letztendlich einer simulierten Demokratie.

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Schlacht um Verdun 14. März 1916 (c) Wikipedia

Dieses Europa, dieser geschundene Kontinent, der sich in drei Jahrhunderten unnötigen Bruderkriegen  beinahe selbst zerfleischt hat, braucht  keine  Kontrolle aus Washington und New York  sondern Selbstbewusstsein und Eigenverantwortung. Dieses Europa muss  wieder  zu sich selbst finden, zu seinen Kraftquellen, die wir in seiner Kultur und Wissenschaft finden, zu seiner politischen Wirklichkeit, die sich in seinen Naturgesetzen wie etwa in seinen  Völkern und Volksgruppen  spiegelt.  Und schließlich liegt unser Wohl in der Überwindung der   gegenwärtigen Europapolitik, deren Endziel ein Phantasieprodukt der > Vereinigten Staaten von Europa<  nach dem Vorbild der Vereinigten Staaten von Nordamerika  ist.

Dieser >American way of life<  ist freilich der Todesengel  für die Stammvölker  dieses Kontinents, die verschwinden werden, wenn Europa zu einem >melting pot< mutieren sollte.

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Forum Romanum Die Ruinen des Imperum Romanum (c) Wikipedia

Das Imperium Romanum versank in der Dämmerung der Geschichte, als es von  fremden Stämmen überrannt  und bald  darauf von diesen beherrscht wurde. Dem heutigen Europa droht Ähnliches. Wie sagte schon  Joachim Fernau in seinem  Bestseller >Halleluja <: Jenseits des Ozeans steht der Schuldige!<

Ein Gedanke zu „Jenseits des Ozeans steht der Schuldige“

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