Deutschland will nicht auf strategische Allianz mit China in Industrie 4.0 verzichten, oder doch?

Der chinesische Telekomausrüster Huawei ist in Mobiltelefonie und Internet der 5. Generation (5G) führend und besitzt die meisten Patente und die besten Angebote:

Einhellige Marktmeinung ist, dass die Chinesen das Equipment billiger anbieten als die Konkurrenz. Nicht ganz so einhellig, aber auch weit verbreitet ist die Einschätzung, dass Huawei einen technologischen Vorsprung hat. „Heute gibt es nur einen echten 5G-Lieferanten, und das ist Huawei“, schwärmte beispielsweise Neil McRae, Chef des Netzaufbaus beim britischen Mobilfunker BT.

Huawei schützt die Privatheit seiner Kunden besonders gut und bietet der NSA keine Schlupflöcher. Huawei ist aktiv von NSA und anderen US-Geheimdiensten angegriffen worden und war selber defensiv. Man konnte ihnen nichts ernstes an Vergehen nachweisen, obwohl man sie intensiv ausspioniert hat. Deutschland pflegt mit China eine strategische Allianz in Industrie 4.0 und Made in China 2025 (beides bedeutet Verbreitung von immer autonomeren Robotern, die via 5G vernetzt sind) und befürchtet, dass es ohne diese Allianz global weit ins Hintertreffen geraten wird. Im Moment drängt die EU auf Boykott von Huawei im Einklang mit den USA, aber Deutschland und die Slowakei wollen nicht mitmachen. In diese Richtung argumentieren sowohl die Deutsche Telekom, Vodafone, O2/Telefonica und Deutsche Bahn, die seit Jahren eng mit Huawei zusammenarbeiten, als auch das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi), das die Allianz in Industrie 4.0 geschmiedet hat, und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), das in Huawei einen offenen, konstruktiven Partner sieht.
Viele Details erfährt man aus einem Artikel einer i.a. gut informierten Zeitschrift amerikanischer anti-globalistischer Konservativer.
Vielleicht näher an der Quelle ist der Blog German Foreign Policy.
GFP berichtet:

BDI-Präsident Dieter Kempf sprach sich bereits in der vergangenen Woche strikt dagegen aus, einem Konzern „ganz egal welcher Provenienz, welchen Namens, welcher Herkunft, per se eine Gefährdung zu unterstellen“. Die deutsche Wirtschaft rechnet zum einen damit, dass ein Ausschluss von Huawei zu einem teureren und zugleich langsameren Ausbau von 5G führen und damit deutschen Firmen strategisch schwerwiegende Nachteile bei einer zentralen Zukunftstechnologie einbrocken wird. Zudem haben mehrere deutsche Konzerne begonnen, in Bereichen wie autonomes Fahren und Künstliche Intelligenz, in denen die Bundesrepublik deutlich in Rückstand geraten ist, auf Kooperation mit Unternehmen aus der Volksrepublik zu setzen, darunter Huawei. Ob diese Kooperation die erhofften Profite hervorbringen kann, wenn Berlin sich parallel am Versuch beteiligt, einen der erfolgreichsten und populärsten chinesischen Konzerne zu ruinieren, steht in den Sternen.

Dennoch wird kolportiert, Deutschland werde womöglich doch die Partnerschaft mit Huawei aufgeben, um im Gegenzug seine Position innerhalb der westlichen „Fünf-Augen-Allianz“ zu stärken und zusammen mit Japan in diesen illustren inneren Kreis der Sicherheitsapparate einzutreten, der dann eine „Sieben-Augen-Allianz“ würde, die sicher stellt, dass eine möglichst weitgehende Kontrolle über alle Hintertüren der Kommunikationsnetzwerke in ihren Händen bleibt.







2 Kommentare zu „Deutschland will nicht auf strategische Allianz mit China in Industrie 4.0 verzichten, oder doch?“

  1. Ich rate zur Vorsicht, was die benutztern Quellen angeht. Zwar kenne ich die erstgenannte nicht, die zweite jedoch ist eine altkommunistische, antideutsche Redaktion, der ich kein Wort glaube. Die Frage, ob es sich bei der Aktion gegen Huawei um eine wirtschaftspolitische Aktion gegen Konkurrenten handelt, oder ob die Spionagevorwürfe korrekt sind, ist wohl so einfach nicht mit dem erstgenannten zu beantworten. Ist ein chinesisches Unternehmen denkbar, das nicht Befehlsempfänger der KP ist?

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