Eine folgenreiche Umarmung oder: Wie die AfD Broder in Bedrängnis bringt

AfD-Politiker bringen Selfies von sich und Henryk Broder in Umlauf, die Broder in Bedrängnis bringen. Broder hat sich schon für die Selfies, die ihm sichtlich missfielen, entschuldigt, aber es mangelt in der AfD offensichtlich an Personen, die „vom Ende her denken“, wie es Merkel in mancher Hinsicht durchaus beherrscht. Wir haben das hier auch immer mal wieder aufgezeigt.
Alice Weidel kann mit einer Umarmung vielleicht ihr „Charisma eines Eisschranks“ (Robin Alexander), das aus häufigen tagesaktuellen Meckersprüchen auf blauen Bildchen und negativem Redestil einschließlich Formulierungen wie „Kopftuchmädchen … und sonstige Taugenichtse“ herrührt, ein Stück weit auszugleichen, aber was hilft das, wenn man offensichtlich im Kernbereich des eigenen politischen Handelns dessen Folgen nicht einschätzen kann? Politik ist ein Wettbewerb in der Kunst, den Durchschnittsmenschen, der Ärger und Mündigkeit meidet, zum Folgen zu motivieren. Die Währung, in der es Punkte zu sammeln gilt, nennt sich „Vertrauen“ und „Prestige“ (S. „Psychologie der Massen“ von Le Bon). Die CDU hat schon immer gut verstanden, wie man Prestige aufbaut. Zwar hat sie jetzt viel davon eingebüßt, aber um Konkurrenz von seiten der AfD muss sie sich nicht allzu viel Sorgen machen Die AfD scheint ein gäriger Haufen zu sein, der sich damit begnügen will, einfach nur das Herz am rechten Fleck zu haben. Eine solche Gruppe kann nicht in dem von bunten Kronjuristen und Verfassungsschützern eigens für sie eingerichteten Haifischbecken bestehen. Wer wirklich unsere politische Freiheit erweitern will, braucht für sich selbst eiserne Disziplin.
Wie gierig und verlogen sich die Haifische auf Weidels Unprofessionalität stürzten, zeichnet Alexander Wendt bravourös nach.

3 Gedanken zu „Eine folgenreiche Umarmung oder: Wie die AfD Broder in Bedrängnis bringt“

  1. Mich hat gestern abend schon Fritzens Lektüre geärgert. JAfD – Juden in der AfD, was könnte besser sein? Doch was immer Funktionäre der AfD machen oder lassen, es war, ist und bleibt verkehrt. Dass Broder sich in der Redaktion der WELT, wo er als Autor hinter der Bezahlschranke seine Brötchen verdient, einen Anschiss für die „Nähe zur AfD“ im allgemeinen und zu Weidel im besonderen abholt, war absehbar. Der Alte wird das mit links wegstecken.

    Weidel, die AfD-Fraktion, haben sich über die Anerkennung des Premium-Redners, Autoren und Juden gefreut, Weidel hat werbewirksam das Bild mit Broder geschickt eingefädelt, die AfD hat das Bildchen unter die Leute gebracht. Der Ärger ist groß, ganz großes mediales Theater. Broder distanziert sich, Weidel desavouiert und wie das ganze Geschwätz jetzt landauf-ab das Weidel herzige Umarmen skandalisiert, die ja sonst wohl weniger auf Typen wie weißen, alten Männer steht. LOL!

    Fritz „verblogt“ mit Chupze die Story, Bayern-ist-Frei springt auf den Zug auf, Floydmasika spannt eine gelehrige polit-agitatorische Meinung vor – und wieder wundert sich ein böser, alter, weißer Mann, krümmt seine Finger über der Tastatur, kratzt sich den Kopf und fragt:

    „Was soll das überhaupt alles noch? Reicht es nicht einfach, als Mensch, Frau und Weidel sich über den seltenen Triumpf einmal zu freuen, dass ein alter Broder, Jude dazu, mit seinem Sermon eine Brücke bauen will von WELT-Lesern und – Bürgern zu AfD-Outlaws?“

    Nein, reicht natürlich nicht: Hier müssen politisches Kalkül und bedachtsame Voraussicht die Konsequenzen ahnen und planen bis zur nächsten Europa, Thüringen, Sachsen und gleich noch zur nächsten Bundestagswahl.

    Pffffffffffffffff…………

  2. @ Noby, besser hätte es man nicht formulieren können. Ein Kommentar mit Bodenhaftung und die passende Retourkutsche auf Floydmasikas Eingeweideschau.

    @ Floydmasika, Broder bezeichnet sich selbst als Brückenbauer und Versöhner. Daß Alice Weidel einen intellektuellen Eisbrecher wie Henryk M. Broder umarmt ist ein Bild mit Symbolcharakter.

    Alice Weidel eine Umarmung vorzuwerfen halte ich für Erbsenzählerei.

    Ich nehme die Argumente von Floydmasika und Jürgen Fritz zur Kenntnis. Die AfD hätte manches besser machen können, aber im Gegensatz zur CDU, CSU, SPD, Linken, FDP und GRÜNEN haben die Redner der AfD seit ihrer Premiere im Bundestag umwerfend gute Reden gehalten.

    Die Reden von Özdemir, Kahrs, Moll, Maas oder Merkel waren einfach nur peinlich. Von den Altparteien gelang es lediglich Sarah Wagenknecht und Christian Lindner, Reden von Format zu halten.

    Schon in der Causa Magnitz hatte Jürgen Fritz, den ich sonst durchaus schätze, ziemlich irritierende Kommentare vom Stapel gelassen.

    1. Viele AfDler sind halt nicht stubenrein, wie Philolaos sagen würde. Sicherlich halten sie viel bessere Reden als die Buntparteien, aber sie gehen ja, anders als jene, auch nicht den Weg des geringsten Widerstands. Sie müssen sich also an höheren Anspruchen messen lassen. Aber ihr Auftreten genügt in vielem noch nicht den niedrigeren Ansprüchen der Buntparteien an politische Professionalität. Man tut der AfD nichts gutes, wenn man das beschönigt. Es gilt, diese Dinge schonungslos auszusprechen und zugleich in prinzipiellen Fragen, wo z.B. Höcke wegen wahrer Aussagen angegriffen wurde, Paroli zu bieten. Jürgen Fritz macht das, anders als bisweilen in der JF Dieter Stein, m.E. sehr sachlich und klar. Er beklagt nicht fehlenden ideologischen Konformismus sondern fehlende politische Professionalität.

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