Nichts und niemand ist frei – auch Bayern nicht

Bei minus 10 Grad Celsius in meinem kleinen Womo schützt die fast dauernd laufend Gasheizung VOR dem Klima. Schnee treibt um das Auto. Ohne Gas kühlt das Auto in etwa einer Stunde aus. Ohne Diesel, keine Fahrt, ohne Werkstatt keine Reparatur, ohne Moos nichts los. Freiheit? Eine Illusion! FAKT ist, wir sind von 1001 Dingen bei Tag und bei Nacht abhängig. Du etwa nicht?

Das Sein macht das Bewusstsein.
Oder macht das Bewusstsein das Sein?

 

Ohne Strom, Gas, Wasser und Lebensmittel können wir im Auto nicht leben. Das Auto steht allein auf weiter Flur. Die Sanitäranlagen am Stellplatz sind wegen des Frostes geschlossen. Die Wasseranlage mit der Pumpe für die Toilette und den Wasserhahn liegt noch still, damit sie nicht einfriert. Wir behelfen uns mit Leitungswasser aus Plastikflaschen. Im Dezember 2010 nach dem Weihnachtsmarkt hatten wir noch mehr Lust und Kraft auf  kleine Abenteuer im Winter.

Im Dezember 2010 war es in Bad Rodach 20 Grad minus, im Auto 20 Grad plus. Nach vier Tagen und Nächten hatte sich soviel Eis innen auf der Frontscheibe angesammelt, dass wir es abkratzen mussten.

 

Acht Jahre später und etwa 175.000 Kilometer weiter kostet es einige Überwindung, sich aus dem warmen Fernsehsessel, vom heimischen Schreibtisch mit WiFi, von unserem Luxus daheim zu trennen und in die Kälte zu reisen, und gemeinsam die Enge unseres Sechs-Meter-Gefährts zu teilen.

Meersburg

Die Weinstöcke stehen auf frostigem Grund. Der Blick über den Bodensee ist frei, immerhin gibt es keinen Nebel. Dies stimmt den Leser darauf ein, dass dies höchste Gut von Freiheit doch immer und überall nur höchst beschränkt zu haben ist. Gäbe es wenigstens Meinungsfreiheit, könnte man sagen, schreiben, was man meint, selbst auf die Gefahr Blödsinn zu verzapfen, wäre mir wohler. Aber ach! Ist das erlaubt? In der Stille des Abends, die im Herbst neu installierte SAT-Anlage verweigert wieder die Arbeit, fällt mein Augenmerk auf bedenkenswerte Zeilen von Fleischhauer bei SPON.

 „Intelligenz und Bildung begünstigen nicht Selbstkritik und Erkenntnisfähigkeit, sie verstärken, was ohnehin im menschlichen Gehirn steckt: kognitive Verbohrtheit.“

“ Die menschliche Vernunft ist so beschaffen, dass sie jedes Schlupfloch nutzt, um an der einmal gefassten Meinung festhalten zu können.“

Nun wäre es ein leichtes, durch das winterliche, für Fastnacht geschmückte Meersburg an den Bodensee zu spazieren, Gott, Allah und sonstige Heilige einen guten Mann und Maria eine gute Frau sein zu lassen, und bescheiden in Stille meinen Gedanken nachzuhängen. Doch es juckt mich in den Fingern, zumindest den geringen Rest an Luxus in meiner Situation zu beanspruchen, der mir bleibt:

Meine Meinungsfreiheit in Meersburg

Nun gibt es Menschen mit einer besonderen Begabung, wie Pirincci als bestes Beispiel beweist, die einfach geborene Armleuchter sind. Solche Menschen können sagen und meinen, was sie wollen. Sie machen Ärger, nichts als Ärger. Als mir diese meine Begabung schon früh klar wurde, eröffnete mir eine alte Schreibmaschine und ein Büchlein zum „Schreiben mit Zehn-Finger-Blind-System“ schon als Schüler den Weg, meine Sermone aufzuschreiben. Im Laufe der Jahrzehnte, als mich mittlerweile die Reaktionen meiner lieben Mitmenschen von der Nutzlosigkeit überzeugt hatten, dass mein Reden sinnlos sei, war es für mich wie für andere besser, zu schweigen und zu schreiben.

Bayern ist frei?  Was für ein Schwindel!

Diesmal juckt es mich, meinen Freunden des opulenten Web-Auftritts „Bayern ist FREI“ etwas in ihr Pussy-Album zu pinnen, was zwar meine Wahrheit ist, aber als pestende Provokation das Ende der Freundschaft besiegeln könnte – sofern mein Text bissig genug.

„Freunde“ sind, wie Fleischhauer anmerkt, jene, welche in gemeinsamer Ansicht und Vernunft harmonieren, also alles füreinander in ihrer „Ehrenwerten Gesellschaft“ tun,

„um an der einmal gefassten Meinung festhalten zu können.“

Egal in welcher Filterblase Freunde miteinander ihre Gemeinschaft teilen, wer die Filterblase ansticht, ist raus aus dem köstlichen Kreis froher Freunde. Also doch besser durch Meersburg spazieren, weiterhin das Wohlwollen von „Freunden“ genießen?

Sogar ein wenig Sonne spitzt durch die kalten Wolken! Wäre meine Weisheit weiter, würde es mir gelingen zu schweigen, wären mir viele Freunde geblieben. D’rauf gepfiffen!

Hier hat Herr „PFUNDSHAMMEL“ ein eindrucksvolles Video ausgegraben, welches mir bei den Online-Kosten für T-Mobile erst später vor Augen kommen kann. Hier reicht es  mir, die Kommentare zu dem fulminanten Beitrag des Herrn Pfundshammel zu untersuchen. Bevor jetzt meine „Freunde“ das Entsetzen packt über meinen niederträchtigen Verrat an ihrer Vernunft und ihrer Kunst

an der einmal gefassten Meinung festzuhalten,

sollte nichts unversucht bleiben,  schonend in die Filterblase dieser Freunde mich einzuschmeicheln. Dazu hilft, wenn schon nicht mein Geschreibsel vielleicht ein Zitat von Nietzsche?

Die Erfahrung des Sokrates. – Ist man in einer Sache Meister geworden, so ist man gewöhnlich eben dadurch in den meisten andern Sachen ein völliger Stümper geblieben; aber man urtheilt gerade umgekehrt, wie diess schon Sokrates erfuhr. Diess ist der Uebelstand, welcher den Umgang mit Meistern unangenehm macht.

Nun liegt meiner beschränkter Begabung nichts ferner als Geistergrößen wie Nietzsche oder gar Sokrates, allerdings das Wort „Meister“ im Nietzsche-Zitat erinnert mich an einen Freund, der einst Jahre mir mir musiziert hat. Der Man adelte mich schon vor Jahrzehnten mit dem „MdgW„, was bedeutet:

Meister der geschwollenen Worte.

Mittlerweile ist der Mann kein „Freund“ mehr. Vielleicht können meine „Freunde“ in ihrer Filterblase nun meine Kritik entschlüsseln, die sich an den Kommentaren zu Herrn Pfundshammels Beitrag entzündet? Doch bevor meine Fingerübung sich an den vollkommen unwichtigen Kommentaren abarbeitet, sollte der Leser sich mit den Gedanken des österreichischen Innenministers vertraut machen:

 

 

 

Da mir mein Bewusstsein als Rentner nur ein karges Sein gestattet, welches mit Wasser im WoMo wie mit Daten meiner T-Mobil-Anbindung sparen, ja geizen muss, wird mir das Filmchen erst bei einem Stellplatz mit WiFi vor Augen kommen können. Um den Text der Kommentare zu zerpflücken, reicht mein Datenvolumen. Mein erstes Augenmerk gebührt der Dame „Catwoman“, welche mit ihrem ersten Kommentar die Richtung der folgenden vorgibt.

Man könnte den Satz  lächelnd übergehen im Sinne des hübschen Liedes: „Was eine Frau im Frühling träumt, ist – ach – so süß und ungereimt“ – doch man sollte den Satz tief in sich sinken lassen.

Die Lösung für Bayern wäre die Abtrennung von Deutschland, um dann ein neues Bundesland von Österreich zu werden.

Nun ist mir Österreich mit seinem Land Tirol gerade als Einstieg 1972 und 1976 in mein Berufsleben in bester Erinnerung. Hat mir doch das Leben zwei unvergesslich schöne Sommer als Almhirte in Tirol geschenkt, wo es mir als Preuße im Laufe der Wochen sogar gelang, die Sprache der Tiroler Eingeborenen zu verstehen.

Die Hütte in 1881 Meter Höhe hat mittlerweile ein neues Dach. Die Holzbalken, das Fundament sind geblieben, wie sie seit Jahrhunderten waren. Weitere Helden des Bayern-freien Geistes stimmen in den Wunsch von Catwoman ein. Als erster schließt sich der Autor Pfundshammel an, der eine „Alpenrepublik“ erträumt. Immerhin erkennt er die Abhängigkeit von Berlin und Brüssel, die er wohl gegen eine Abhängigkeit von Wien tauschen würde. Viel Glück!

Catwoman kommt frühlingsfrisch in Fahrt und gibt Berlin gleich ganz verloren. Wenn das mein Väterchen selig wüsste, der als Berliner besser die Mundart der Berliner Eingeborenen sprach, als es mir in meinem bald 30jährigen bayerischen Exil gelungen wäre, die Mundart bayerischer Eingeborener zu sprechen. Jetzt bereichert der Herr Philolaos die Kommunikation, welcher als gelehrter Autor von Bayern-ist-FREI schon häufig mein Wohlgefallen – heute „Like“ genannt – fand.

Unser Menschen freundlicher Philolaos will, wenn schon nicht die Welt, zumindest die

Alpenrepublik Bayern-Österreich-Südtirol

retten. Väterchen aus Berlin und Mütterchen aus Danzig müssen mich doch irgendwie mit dem „preußischen Virus“ infiziert haben. Zuerst sackten diese Kommentare tief in mich ein. Nach der ersten Nacht im Womo packt mich das Verlangen, diese vergnüglichen Gedanken wie ein altes Rindvieh wieder und wieder zu käuen und zu verdauen. So soll am Ende mein platschender Haufen als duftender Blog die Filterblase meiner „Freunde“ durchziehen. Dass der Österreichische Innenminister Kickl die Leser von Bayern-ist-FREI begeistert, begeistert auch mich, ohne sein Video gesehen zu haben. Denn Catwoman hat aus dem YouTube-Interview Kickls Gedanken ab- und aufgeschrieben.

O-Ton von Kickl ab dem Zeitstempel 21:00: „Wenn wir von Asyl reden, reden wir eigentlich von einem Edward Snowden … das sind Einzelpersonen. Alles andere, was als „Flüchtling“ auftritt, sind transkontinentale Bewegungen, mit denen wir es zu tun haben, das ist etwas ganz anderes als die Flüchtlingsbewegungen gewesen sind, mit denen wir als Österreicher historisch konfrontiert gewesen sind … das waren unsere Nachbarn.

Unser Problem ist, dass wir mit einer Rechtsordnung, das auf diese Flucht für unsere Nachbarn zugeschnitten ist, in einer vordigitalisierten Welt, ohne diese ganzen Kommunikationsmittel, mit diesen Rechtsinstrumentarien versucht man diese Massenwanderungen quer über Kontinente in den Griff zu kriegen.

Wir müssen auch über die europarechtlichen und menschenrechtlichen Vorgaben diskutieren können: Ist das auf der Höhe der Zeit oder ist es das nicht mehr?“

Was Kickl sagt und fragt, macht für mich Sinn, Sinn aber für alle Deutschen, selbst für Berliner! Philolaos weiß wohl, was Frauen träumen. Jedenfalls schiebt er mit seinem Kommentar geschickt seinen Stein ins Brett von Catwoman. Und sie gleich wieder „In dulce Jubilo“:

Und hier in der Kälte und Abhängigkeit aller von allen, wie meiner Abhängigkeit von Gas, Strom, Wasser, Lebensmitteln und Diesel sind für mich die Meisten in Deutschland willkommen. Wenn die Menschen in unserem Vaterland, auch wenn sie Deutsch als Fremdsprache erlernen müssen, sich mit mir in unserer Muttersprache verständlich machen können, sollen sie mir willkommen sein und bleiben. Nachdem noch ein Kommentator mit dem viel versprechenden Namen „Totdemislam“ zu Kickls Video seinen Senf dazu gegeben hat, gelangt der neunzehn Mal kommentierte Beitrag endgültig in Bereiche, wo Verfassungsschützer solche Art von Meinungsfreiheit fleißig sammeln, um Verfassungsfeindlichkeit zu konstatieren.

Eingedenk der Wörtchen wie „Vogelschissperiode“ und dem „Denkmal der Schande“ endet Cora DeClerk die Kommentare.

Soll jede ihre „Wahrheit“ meinen, wie’s gefällt. Mir gefällt es mit meiner Frau „daheim“, auch wenn das Heim nicht mehr Platz als sechs mal zwei Meter beansprucht. Die helfenden Hände, die ihrer 91jährigen Tante die letzten Jahre erleichtern, kommen wie viele andere Arbeitskräfte aus aller Herren Länder. Wer hier im Land mitmacht, ist mir willkommen. Es gibt viel zu tun. Worte machen nicht satt.

Mein lieber Wisch-, Wasch-, Nähr- und Plärrbär hat wieder ein gutes Mahl gezaubert, sich zum Mittagsschlaf verzogen und mir meine Ruhe gelassen. Nachrichten kommen von „rechts“ und von „links“, gerne auch von den Nachdenkseiten Albrecht Müllers.

Meine „Wahrheit“ ist und bleibt, dass nicht alle nach Deutschland, nach Europa kommen können, dass Deutschland aber viele junge Menschen und Mitarbeiter braucht.

Denn dass die „Wut alter, weißer Männer“ die Entwicklung ändern oder auch nur aufhalten kann, scheint mir ausgeschlossen.

Meines Erachtens geht es weniger um „links oder rechts“, viel mehr geht es um „oben oder unten“. „Oben“ bleiben wir beispielsweise im Womo nur, solange uns Gas, Wasser, Strom, Diesel, Lebensmittel und Geld reichen. Frei zu fahren, wohin wir wollen, doch abhängig von

All und Allem

 
 
P.S.: Bei „Bayern-ist-FREI“ erscheint dieser Blog besser nicht wie vorige zuvor – oder doch?

 

Ein Gedanke zu „Nichts und niemand ist frei – auch Bayern nicht“

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