In memoriam Kurt Waldheim

Zum Höhepunkt der „Spanischen Grippe“ kamen vor hundert Jahren innerhalb weniger Tage drei Babies zur Welt, die später in die Geschichte eingingen:

*21.12. 1918   Dr. Kurt Waldheim  (Präsident Österreichs, UN-Generalsekretär)

*23.12.1918   Helmut Schmidt (deutscher Bundeskanzler)

*25.12.1918   Anwar el-Sadat  (ägyptischer Präsident)

 

Während der 100. Geburtstag von Helmut Schmidt in den Medien gewürdigt wurde, war zum 100. Geburtstag Kurt Waldheims fast nichts zu lesen. Isabella Klais, die bei ihrer Tätigkeit bei der UNO Personen, wie den russischen Außenminister Sergej Lavrov, den sie im direkten Umgang als sehr liebenswürdig beschreibt, persönlich kennenlernte, verfügt auch über sehr lesenswerte Erfahrungen mit dem UN-Generalsekretär Waldheim, die ich dem geneigten Leser nicht vorenthalten möchte. Ich habe diese Informationen jedenfalls mit großem Gewinn gelesen.

 

In memoriam Kurt Waldheim

von Isabella Klais

Dr. Kurt Waldheim hätte am 21. Dezember 2018 seinen 100sten Geburtstag begangen. Leider war ihm dies nicht vergönnt, was gleich in mehrfacher Hinsicht bedauerlich ist.

Ich selbst lernte Herrn Dr. Waldheim als Professor für das Fach Verhandlungstechnik an der Diplomatischen Akademie Wien nicht nur als hervorragenden Lehrer, sondern auch als äußerst liebenswerten und völlig unprätentiösen Menschen kennen.

Seine immense Erfahrung als Generalsekretär der Vereinten Nationen gestaltete den Unterricht bei ihm interessant, lebendig und praxisnah. Die Lehrtätigkeit an der Diplomatischen Akademie hatte er nach seiner Rückkehr aus New York aufgenommen. Während dieser Zeit entstand sein Buch „Im Glaspalast der Weltpolitik“, in dem er seine Arbeit am New Yorker East River und den Brennpunkten dieser Welt schilderte.

Herr Dr. Waldheim bewohnte zunächst ein Zimmer im Internat der Akademie mitten unter uns Studierenden, was wir zunächst für ein Gerücht, bzw. einen Witz gehalten hatten. Als auf dem Flur eines Tages das Telephon klingelte, rief ein Kollege zum Spaß: „Kurti, Telephon!“ Wir staunten nicht schlecht, als sich die Tür eines Zimmers öffnete, und niemand anders als der ehemalige Generalsekretär der Vereinten Nationen heraustrat. Die Mahlzeiten nahm er im Speisesaal gemeinsam mit uns ein, was weitere Gelegenheit zu spannenden Gesprächen mit ihm bot. Bei Tisch richtete er eines Tages an mich die Aufforderung: „Isabelle, Du mußt mehr essen!“ Das unter allen Studierenden und Absolventen (Auch er selbst hatte einst die Akademie besucht.) übliche „Du“ praktizierte er ganz selbstverständlich.

Daß man ihm gerne mehr als 89 Lebensjahre gewünscht hätte, versteht sich bei einer solchen Persönlichkeit von selbst. Einer wie er geht immer zu früh.

Dann setzte die unsägliche Schmutz-Kampagne gegen ihn ein. Für Details dazu verweise ich auf die anhängenden Berichte.

Man hätte ihm gewünscht, daß er die Widerlegung der gegen ihn gerichteten Anschuldigungen und seine Rehabilitation noch hätte erleben dürfen.

Österreich hatte sich mit der Diffamierung seines größten Sohnes selbst in den Fuß geschossen.

Als österreichischer Bundespräsident war Kurt Waldheim in der Wahrnehmung der Möglichkeiten dieses Amtes schwer eingeschränkt – zum Schaden Österreichs.

Das Vienna International Center – eine der europäischen Zweigstellen der Vereinten Nationen – war ursprünglich als Wirkungsstätte für ihn konzipiert. Welches Land hatte schon einen mit einem ehemaligen Generalsekretär besetzten Ableger der Vereinten Nationen zu bieten? Das hätte eine echte Besonderheit werden können. Nach der Rufmordkampagne schaffte es dieses Zentrum nie aus der Drittklassigkeit heraus. Architektonisch mißlungen und auf dem anderen Ufer der Donau fern der Stadtmitte abgelegen platziert, fehlte ihm fortan „das Herzstück“. Kurt Waldheim hätte es durch seine Persönlichkeit und seine Kontakte mit Leben erfüllen können. So aber fristet es noch immer das Dasein eines bei Diplomaten unbeliebten Provisoriums ohne eigenen Charakter. Es fehlen ihm die Imposanz der Schaltzentrale in New York und der Charme des alten Völkerbundpalastes in Genf.

An der Diplomatischen Akademie galt Kurt Waldheim stets als das große Vorbild aller Studierenden, dessen Berufsweg natürlich der Traum schlechthin war. In der Praxis wurde das Jungdiplomaten oft schon mal vorgehalten („Alles kleine Waldheims, die sich bereits als VN-Generalsekretäre sehen!“).

Wir waren ausgesprochen stolz auf ihn – zu Recht! Einer von uns, der uns bewiesen hatte, was man mit dieser Ausbildung erreichen konnte.

Schon seinerzeit erstaunten die gegen Kurt Waldheim erhobenen Vorwürfe vor dem Hintergrund der Vita Richard von Weizsäckers, die ganz andere Verstrickungen aufwies, ohne daß ihm das jemals geschadet hätte.

Ich selbst blicke gerne und mit Dankbarkeit auf die Ausbildung bei Herrn Dr. Waldheim zurück, der mich vieles gelehrt hat. Es war eine Ehre und Freude mit ihm arbeiten, und ein Privileg, ihn kennenlernen zu dürfen.

Kurt Waldheim: Späte Genugtuung für den zu Unrecht Verfemten

https://www.theeuropean.de/reinhard-olt/15138-am-21-dezember-2018-waere-kurt-waldheim-100

https://www.tichyseinblick.de/meinungen/spaete-genugtuung-fuer-den-zu-unrecht-verfemten/

https://www.unsertirol24.com/blog/spaete-genugtuung-fuer-den-zu-unrecht-verfemten/

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