Einige Gedanken, nicht nur zum Jahresausklang …

Einige Gedanken, nicht nur zum Jahresausklang…

 

von Daniel Matissek

Als unter Stalin willkürlich verhaftete leidenschaftliche Kommunisten, Parteigenossen und Anhänger zusammen mit Millionen anderer Opfer in den Geheimdienstgefängnissen an die Wand gestellt wurden, da kam es nicht selten vor, dass die Delinquenten – bis zuletzt im unverbrüchlichen Glauben an die reine Lehre und die Makellosigkeit der ihnen eingehämmerten eigenen Ideale – laut ausriefen: „Lang lebe unser geliebter Genosse Stalin“, ehe sie den Genickschuss empfingen. Bis zuletzt erkannten sie in ihrem gerechten Wahn nicht den mörderischen Irrtum und die Tragweite der Lüge, auf die sie ihr inneres Koordinatensystem gegründet hatten.

Stalin – Genickschuß
aus dem Film „Katyn“

Etwas ganz ähnliches, jedenfalls was den Grad der Realitätsblindheit betrifft, erleben wir seit 2015 auch bei uns. Es begann recht bald, nachdem Merkel Deutschland buchstäblich innerlich wie äußerlich entgrenzt hatte, und setzt sich in zuletzt rasch akzelerierender Folge fort: Die Entzauberung eines Märchens, die unvermeidliche Kollision der idealisierten Vision mit der Wirklichkeit. Nach und nach wird deutlich, dass die Warner und Skeptiker der gesellschaftspolitischen Versuchsanordnung, Menschen aus vormittelalterlichen Kulturräumen in beliebiger Zahl und gänzlich barrierefrei in einen hochentwickelten Rechts- und Sozialstaat einströmen zu lassen, eben nicht allesamt Spielverderber, Ewiggestrige, Angstbürger, Besitzstandswahrer, Kleingeister oder rechtsnationalen Spießer waren. Sondern ihre Prognosen traten und treten nach und nach unerbittlich und unverleugbar ein.

Die Reaktion der guten Menschen, der Bahnhofsklatscher, der Teddybärenwerfer, der Ballonsteigenlasser, der Flüchtlings-AG-Schulvertreter, der andächtigen Pfarrer auf den Kanzeln und in den Eine-Welt-Läden – sie besteht angesichts täglich neuer verstörender Meldungen über kriminelle „Schutzsuchende“ oder die generalstabsmäßig betriebene Ausplünderung von Asyl- und Sozialsystemen nicht etwa in Selbstkritik oder Revision der eigenen womöglich zu blauäugigen Weltsicht. Im Gegenteil: Sie beharren trotzig – und hier liegt die Parallele zu den glühenden Stalinisten – auf der unbedingten Richtigkeit ihrer Überzeugungen.

Das Repertoire, das sie zur Aufrechterhaltung des Elfenbeinturms oder zumindest aus Gründen der eigenen Psychohygiene aufbieten, ist beeindruckend. Im harmlosesten Fall schweigen sie betreten, sobald sie mit unliebsamen Wahrheiten konfrontiert werden – etwa wenn sprachlos machende Grotesken bekannt werden wie die jenes Kameruners, der erst im Juni wegen Landfriedensbruch, gewalttätigen Angriffen auf Polizisten und Anzettelung eines Aufstands in der Ellwanger Asylunterkunft abgeschoben worden war (die Unruhen konnten erst durch Einsatz einiger Hundertschaften niedergeschlagen werden), doch inzwischen nach neuerlichem Asylantrag wieder ganz regulär in Deutschland weilt. Solche unfassbaren Vorgänge demontieren nicht nur den Rechtsstaat und zeigen das völlige Staatsversagen Merkeldeutschlands auf; sie lassen selbst naivste Systemverteidiger in ratloser Verlegenheit zurück.

Die etwas Streitlustigeren räumen immerhin schon ein, dass es zwar Missbrauch und Fehler seitens der Neubürger gibt, diese aber vernachlässigbare Ausnahmen seien (dies ist die „Einzelfall“-Didaktik), häufig ergänzt um den Hinweis, dass auch Deutsche straffällig werden oder parasitär auftreten. Das sind meist die, die die frisierte und ohne Begleitinformationen ins Land posaunten Kriminalstatistiken mitsamt der Fabel von den rückläufigen Fallzahlen, die nur die halbe Wahrheit darstellen, triumphierend den virtuellen Stammtischen, on- und offline, entgegenhalten.

Die höchste Stufe der Wahrheitsresistenz aber haben jene erreicht, die sich mit den Störfällen und Zumutungen ihrer Lieblingsklientel, jenen abstrakt förderungs- und beschützenswerten Flüchtlingen und/oder muslimischen Migranten bzw. Migrationsstämmigen, überhaupt nicht mehr auseinandersetzen, sondern die Fälle schlicht ignorieren und bereits die alltägliche gesellschaftliche Debatte über sie als „Hetze“, als „Wasser auf die Mühlen der Rechten“ und das „Bedienen rechtspopulistischer Vorurteile“ verteufelt. Chemnitz lässt grüßen. Vergangene Woche erst ließ sich wieder eindrucksvoll an zwei Fallbeispielen demonstrieren, zu welchen Verirrungen diese Fehljustierung führt: In der Nähe von Husum bekritzelte ein Asylbewerber eine Kirche mit islamistischen Parolen und drohte, die Kirche niederzubrennen. Prompt bildete sich ein „ziviler Wachdienst“ besorgter Bürger – und zwar mit dem erklärten Zweck, „rechte Demonstranten“ oder „Nazi-Aufmärsche“ zu verhindern, die aus dem Vorfall womöglich Kapital schlagen wollten. Und nachdem vorgestern ein Vielvölkergemisch traumatisierender Flüchtlinge durch die Amberger Innenstadt zog und wahllos, extrem gewalttätig, beliebige Passanten attackierte – im Gegensatz zu Chemnitz also eine reale Hetzjagd – , da wetterte sogleich ein Bündnis „Buntes Amberg“ in Eintracht mit einer besorgten Lokalpolitik gegen den rechten Mob, der den harmlosen Vorfall „einiger Burschen, die über die Stränge schlugen“, für sich instrumentalisierte.

In besonders hartnäckigen Fällen bleiben sogar die von den Kollateralschäden einer entgrenzten Willkommenskultur leidvoll und direkt Betroffenen über die persönliche Katastrophe hinaus ihrem Weltbild treu.

Maria L. (+) aus Freiburg

Die Eltern von Maria Ladenburger aus Freiburg oder von Sophia Lösche, die von afghanischen bzw. marokkanischen Schwerkriminellen geschändet und ermordet wurden, die in beiden Fällen hierzulande nichts verloren hatten, sehen bis heute anscheinend die Haupttragik ihrer Verluste in dem Umstand, dass selbige bis heute den „Rechten“ als Argument dient. Sie reflektierten nicht etwa darüber, dass womöglich ein ihren Töchtern anerzogenes gesundes Misstrauen gegenüber Fremden (im Doppelsinne) deren Leben hätte retten können. Sondern sie propagieren einen xenophilen Wahn, der dieses natürliche Misstrauen mit Fremdenhass und Rassismus gleichsetzt; im Falle Ladenburger geschah dies gar durch die Gründung einer Stiftung, die gegen „Fremdenhass“, „Vorurteile“ und „Populismus“ ankämpft – nicht aber gegen Kriminelle, Vergewaltiger oder Terroristen, die ihre per se ja gutgemeinte Grundhaltung breit grinsend ausnutzen.

Vergewaltiger, Messerstecher, Mörder

Und dann gibt es da noch die, die nach dem St.-Florians-Prinzip solange Solidarität, „Empathie“, Hilfs- und Gastfreundschaft im Sinne bedingungsloser, kapazitätenverkennender Aufnahmebereitschaft lautstark einfordern, doch als erste auf die Barrikaden gehen, wenn sie mit den praktischen Konsequenzen ihrer Haltung in Berührung kommen. Solange die nächste Erstaufnahmeeinrichtung 150 Kilometer entfernt liegt, ist die Welt bunt, doch eröffnet das nächste Flüchtlingsheim in der Nachbarschaft, geht die Heulerei los. Einzelhändler, die vor einigen Jahren noch in ihren Schaufenstern bereitwillig Propagandaplakate mit anrührenden Bildbeispielen tatsächlich oder nur angeblich gelungener Integration („Willkommen / Angekommen in XY“) oder Fotos von Flüchtlings-Paten in die Schaufenster hängten, jammern plötzlich lautstark, wenn die Ladendiebstahlszahlen zunehmen oder multikulturelle Landstreicherei vor dem eigenen Geschäft die Kunden abschreckt. Beispiel für diese Sorte ambivalenter Bessermenschen sind auch jene „Flüchtlingsbürgen“ landauf-landab, die sich vor drei Jahren öffentlich für ihre Selbstlosigkeit feiern ließen, solange ihre Bürgschaften nur auf dem Papier bestanden – die jetzt aber empört aufschreien, dass sie tatsächlich bürgen müssen. Am Ende wird ohnehin die Gemeinschaft für ihren „Altruismus“ blechen müssen; den billigen Lohn selbstgerechter Nächstenliebe haben sie immerhin längst eingestrichen.

Vielleicht sollte man zu Silvester ja eine Messe lesen, eine Kerze anzünden oder Fürbitten für den gesunden Menschenverstand sprechen – doch es wird nichts helfen. Ich habe jede Hoffnung aufgegeben, dass Rationalität ín dieser Bundesrepublik jemals wieder Grundlage des politischen Handelns sein wird. Dass man einsieht, dass zwar der Grundgedanke richtig ist, politisch Verfolgten und Menschen in akuter Not Asyl und Hilfestellung zu gewähren – aber nicht auf deren bloßes einseitiges Begehren hin, sondern zu präzise geregelten Bedingungen. Dass man die in der ökologischen Debatte inzwischen weitgehend akzeptierte Tatsache begrenzter Ressourcen endlich auch für Rechtsstaat und Sozialsysteme anerkennt und einsieht, dass niemandem geholfen ist, wenn man Wohlstand, Zivilisationsgrad und damit überhaupt Hilfefähigkeit aus einem grundfalschen Menschenbild heraus übernutzt, pervertiert und letztlich vernichtet. Man darf gespannt sein, wie viel Wirklichkeit auch 2019 wieder geklittert und verdrängt werden wird, damit der deutsche Wahnsinn weiter Kurs halten kann.

 

Anhang:

https://www.welt.de/geschichte/article167845373/Als-Stalin-die-Quoten-fuer-Todesurteile-erhoehte.html

http://www.radiodienst.pl/der-gute-mensch-vom-kgb/

Daniel Matissek scheint nicht nur bei mir, sondern auch bei N0by einen Stein im Brett zu haben. So liegen von Daniel Matisseks Aufsatz zwei Versionen vor:

https://bayernistfrei.com/2019/01/01/von-daniel-matissek-einem-rufer-in-der-wueste-wie-viel-mehr/

3 Kommentare zu „Einige Gedanken, nicht nur zum Jahresausklang …“

    1. Never mind, Noby. Deine Version mit Bardot und Fallaci ist sehr geschmeidig. Gefällt mir besser als meine Version.

      Wäre schade gewesen, sie nicht zu veröffentlichen, nur weil ich Matissek schon vorher in der Reissn hatte.

      Gefällt mir

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