Selbstläufer Nazi-Attacke. Das Messerattentat auf den Passauer Polizeichef Alois Mannichl vor 10 Jahren ist bis heute ungeklärt

Selbstläufer Naziattacke

Das Messerattentat auf den Passauer Polizeichef Alois Mannichl vor 10 Jahren ist bis heute ungeklärt

 

von Notan Dickerle,  Anwärter auf den Leuchtturmpreis für mutigen Journalismus gegen “Bunt”

Vor zehn Jahren, am 13. Dezember 2008, wurde auf den Polizeichef der niederbayerischen Stadt Passau, Alois Mannichl, ein Messeranschlag verübt, der in den Medien hohe Wellen schlug und weit über die Grenzen Deutschlands hinaus Beachtung fand: „Neonazi sticht Polizeichef nieder“ – so und ähnlich lauteten die Schlagzeilen. Mannichl war wegen seiner harten Haltung gegenüber Rechtsextremisten bekannt und bei diesen verhaßt.

Der Täter soll ihn eigenen Angaben zufolge nazistisch beschimpft und überdies die für diesen Personenkreis typische Glatze getragen haben. Eine 50-köpfige Sonderkommission wurde ins Leben gerufen, Lichterketten gegen Neonazis organisiert („Passau ist bunt!“ – damals fing die bunte Mode an…), gegen die der damalige bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer härter durchzugreifen versprach, nachdem SPD-Außenminister Steinmeier einen höheren Fahndungsdruck verlangt hatte. Der OB von München installierte damals die bis heute den „Kampf gegen Rechts“ steuernde und befeuernde, ihm direkt unterstellte „Fachstelle gegen Rechtsextremismus“.

Christian Ude (SPD)
Ex-OB München
(c) Wikipedia

Das Attentat auf Mannichl diente auch als Anlaß, ein erneutes NPD-Verbotsverfahren zu diskutieren, nachdem ein erstes zur Zeit der Regierung Schröder aufgrund der Durchsetzung der Partei mit V-Leuten wenig ehrenvoll gescheitert war.

Die SoKo wurde indes nicht fündig, der Fall von regulären Beamten des LKA München übernommen, die Zahl der befassten Mitarbeiter reduziert. Mögliche Verbindungen in die Eishockeyszene, ins österreichische Rockermilieu oder gar zur „Zwickauer Terrorzelle“ der NSU bestätigten sich nicht.  „Ein Attentat mutiert zum Rätsel“ titelte der „Spiegel“ noch vor Weihnachten und aus Ermittlerkreisen wurde eine Reihe von Ungereimtheiten bekannt: Die Tatwaffe, ein 12cm langes Küchenmesser, gehörte zu Mannichls Haushalt, lag zur Tatzeit auf dem Fensterbrett seines eigenen Hauses und wies keine Spuren auf. Die Fingernägel des Opfers wurden nicht nach DNS-Spuren untersucht. Der Stich war nicht mit Wucht geführt worden und auch nicht in unmittelbarer Nähe des Herzens, wie ursprünglich behauptet. Das Fehlen eines Bekennerschreibens war ebenso unüblich wie die Fahndung lediglich in eine Richtung, nämlich nach „rechts“. Mitglieder der SoKo klagten, sie konnten Möglichkeiten, die jenseits der offiziellen, vom eigenen Chef vorgegebenen Linie lagen, allenfalls intern besprechen, aber nicht verfolgen. Auch unabhängige Fahnder zeigten sich befremdet über die frühe Festlegung sowie die Abweichung vom Grundsatz, von innen nach außen zu ermitteln, d.h. zunächst das private Umfeld auszuleuchten. Der leitende Oberstaatsanwalt kritisierte Mannichls ungenaue Beschreibung des Täters und warf ihm widersprüchliches Verhalten vor. Einen gezielten Anschlag aus der rechtsradikalen Szene hielt er eher für unwahrscheinlich.

Zu diesem Zeitpunkt war das Kind aber bereits in den Brunnen gefallen und die rechtsextremistische Sau wieder einmal erfolgreich durch Deutsch-Naziland getrieben worden. Der Aufreger beherrschte zum Jahresende 2008 mit allen negativen Folgen für das Image Deutschlands die Schlagzeilen, die Entwarnung fand sich später im Lokalteil der Zeitungen wieder. Geklärt ist der Fall Mannichl bis heute nicht. Im Mai 2011 wurde die Akte offiziell geschlossen, nicht ohne die Zusage, sie im Falle neuer Hinweise zu überprüfen. Mitte dieses Jahres wurde der inzwischen 62-jährige Leitende Polizeidirektor Alois Mannichl vom bayerischen Ministerpräsidenten Söder zum Leiter der wieder errichteten Bayerischen Grenzpolizei ernannt – mit Sitz im heimatlichen Passau.

 

https://regiowiki.pnp.de/wiki/Attentat_auf_Alois_Mannichl

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