Ötzi taut auf, Relotius taucht ab – im Feuchtgebiet

Otzi-Quinson

Von 120 – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=15370839

Was mir vielfach fehlt bei politischen, gesellschaftlichen, soziologischen, philosophischen, gendergerechten Diskussionen ist Biologie. Dabei waren meine eigenen Studien und Erfahrungen so simpel: All meine Frauen und Freundinnen mussten monatlich bluten. Derweil trieben mich täglich sich stauende Spermien zu seltsamen, oftmals selbst gefährdenden Spritztouren.

Einerseits ist Alter beschwerlich, andererseits schenkt Alter geruhsame Gelassenheit. Die Sucht schläft ein, sex- und liebessüchtigen Trieb befriedigen zu müssen. Eine wahre Wohltat, ausgenommen für Typen wie Bunga Berlusconi, sexsüchtigem Strauss-Kahn oder Baulöwe Lugner.  Mir hingegen bleibt Zeit und Muße, wieder eine Geschichte zu erzählen. Seid ihr noch alle da?

MultiKultiRausch

Da fühlt sich der Autor Philolaos bei „Bayer ist FREI“ unbehaglich. Andere fühlen sich dabei sauwohl. In der einen wie anderen Filterblase fühlen sich Menschen wohl und geschützt wie in Zellen mit Gummiwänden. Muttis Wähler, SPIEGEL Leser fühlen sich bestärkt und bestätigt. Für ihre Filterblase bestärkt sie ein anderer Titel:

 WOHLBEHAGEN IN MUTTIS-KULTI-RAUSCH

Man sollte sehen, wie wohl sich Mutti fühlt. Die erregende Energie wilder, schwarzer Männer vitalisiert Mutti und nicht nur sie.  Ihr ist behaglich, ihm ist unbehaglich. Die meisten Männer beschleicht ein ähnlich unbehagliches Gefühl, wenn einer allein in die Disco kommt, wo 50 brunftgeile Hengste um wenige brutbereite Weibchen balzen. Ober sticht Unter, Biologie sticht Ideologie.

BIF2012

Mein Verdacht: Auch in dieser Ankündigung hat derselbe Autor seine Finger im Spiel. Zwei Wörtchen ärgern am meisten: „anrüchige Feuchtgebiete„.  Nebenbei: Wo gibt es eine Weihnachtsmarkthütte, die Glühwein UND Jahresendflügelfiguren zusammen verkauft? Die gibt es nicht!

Schlimmstenfalls meint der Mann, was er schreibt. So was soll ja gelegentlich bei Schreibern passieren, wenn sie unbewusst ihr Inneres nach außen kehren. Er schreibt „anrüchig“ verbunden mit „Feuchtgebieten“, wo jedermann seine Nase, seine Finger und was-weiß-ich-noch reinstecken will im Taumel der Triebe. Frisch vom Duden:

anruechig

Weshalb kommen Wilde aus Afrika und Arabien und machen Mutti und viele mit ihr glücklich, wie Philolaos in seinem Beitragsbild beweist? Biologie bringt Menschen zusammen. Spermien zappeln schnell, weit und lang auf ihrem Weg zum Ei. Ewig lockt das Feuchtgebiet.

Wer den heißen Hauch südlich der Sahara nicht mag, der multikulti das Land der Bleichgesichter mit schwarzen, steifen Streifen ziert, hat wohl seine Gründe.

Afrika

Doch für die Filter in anderen Blasen zählen andere Gründe. Biologie träumt vom bunten Leben und blutet sterbend aus. Da spüren Blogger und alternative Medien eine Sau nach der anderen aus, treiben sie vor aller Augen durch’s Dorf, und? Es ändert sich – nichts. Gespenstisch steht über den wiederkehrenden Stories über gemesserte Mädchen der Satz:

Nur die allerblöd’sten Kälber,
wählen ihren Metzger selber.

 

Ötzi-Opa erinnert sich seiner jungen Jahre

In meinem Jahr in den USA und Mexiko haben mich 1983/84 meine schwarzen Freunde fasziniert. Ihre bewegliche Art, zu tanzen, sich zu bewegen, unterschied sich von den mir kulturell und gesellschaftlich konditionierten Verhaltensweisen.  Faszinierend die fröhlichen, jungen Schwarzen. Multikulti war zauberhaft. Doch stärker war später meine Verbindung zu Ureltern und Eltern unserer kriegerisch kämpfenden Art in der familiären Tradition.

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Väterchen selig, 1906-1997, in Paris als Oberstleutnant vor der Frankreichkarte – verantwortlich für die Feldpost der deutschen Soldaten in Frankreich

Dumm waren wir, damals im Alter von 20 Jahren wollten, mussten Millionen raus aus dem Gleichschritt der Nachkriegszeit. Woodstock, Jimi Hendrix, Doors – Rauschkraut und LSD, alle Dämme brachen. Flower Power und Minirock standen gegen Napalm in Vietnam. Meine Wahl fiel mir leicht: Die Gebiete waren feucht, lieber im Höschen daheim als im Dschungel in Asien.

Heute geifern frühreife Kindergreise gegen Alt68iger, denen viele Übel der Zeit anzulasten seien. Mit 20 Jahren war es für mich wie Millionen 1968 vorbei mit Strammstehen, mit dem pöbelnden Pack alter Säcke, die die Jungen drillen wollten, wie sie selbst gedrillt worden waren.

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Irgendwann war Schluss mit meinem Kulleräugigem Babyblick. Mit 20 trieb mich unbändige Lebensgier ran an den Speck. Von wem, wie sie hießen, ganz egal, Hauptsache da und nah: Elka, Eleonore, Erika, Monika, Gisela und Gabi. Und das sollen 50 Jahre später „anrüchige Feuchtgebiete“ gewesen sein? Niemals! Meine Nase witterte damals die zarte, fischige Süße an den öffentlichen Kampf- und Balzgebieten um des Leben Wesens Kern und Sinn: Cherchez la femme! Was sonst?

Die Musik der Schwarzen hat mich Jahrzehnte begeistert und begeistert mich heute. In meiner CD-Sammlung nehmen diese schwarzen, rauen Stimmen ein Regalbrett ein.

Mein Bild in sozialen Netzen schmückt mich mit dem T-Shirt von Public Enemy, einer schwarzen RAP-Band, höchst einflußreich in der Szene der Gangster-Rapper.

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Meine Sympathie mit solcher Szene hat anarchische Züge. Als 20jähriger Revoluzzer sog sich mein Umhang voll. Eine martialische Polizeimaschine schoss mit ihrer Wasserkanone in der Nacht vor Ostern 68 bei der Belagerung des Springerhochhauses in Hannover auf uns. Damals protestierte Jungvolk gegen die Regierung, heute pfeift Jungvolk zumeist für die Politik der Regierung. Den Protest gegen das Establishment tragen viele böse, weiße, alte Männer. Die meisten Jungen passen sich wie Köter kriechend an, wenn ihnen ihr Job und Fortkommen wichtig ist.

AntifaMerkel

Kriminelles Jungvolk zündelt verhasste Limousinen an, beschmiert Wände mit passenden Parolen, zerstört Denkmäler, ihr Irrsinn feiert mit fröhlichen Parolen. Philolaos hat mehr als Recht: Voll verkatert macht mir mein zauberhafter Traum von Multikulti mittlerweile Kopfweh. Damals hieß es: „Black is beautiful“. Und heute?

SchwarzAfikaner

So andersartig meine schwarzen Freunde in den USA sich verhielten und waren, blieb es bei meiner Bestimmung – krass kulturell konditioniert. Sorge für Frau und Kind haben mich in das Korsett eines arbeitsreichen Berufsleben gepresst, in dem kein Platz war für aufmüpfige, schon gar nicht für asoziale Tendenzen. Wer mich näher kennen lernen sollte oder musste, bemerkt bald meine destruktive Negativität, die sich Zwängen, Gruppendruck und Ordnungskräften widersetzt. Public Enemy eben. Meine Ansichten ändert die Zeit, meine Art bleibt.

Höchst einfühlsam spürt der Freund, den zu verärgern es mir bislang nicht gelang, meine Tendenz und beschreibt sie treffend:

„Seine Knechtschaft im Budenghetto kompensiert er als enfant terrible der Tastatur. Dann mutiert Dr. Jekyll zu Mr. Hyde. Weil der Anarcho-Blogger seine Nase auch in anrüchige Feuchtgebiete steckt, verwurstet N0by Tabus, Triebe, Sex and Crime zu einem subversiven Gesamtkunstwerk.“

Alles gut und recht. Doch die „anrüchigen Feuchtgebiete“ bringen mich auf die Palme. Wer Ereignisse mehr in den Eiern, mehr mit dem Bauch fühlt, als mit verkopfter Theorie über Ereignisse zu grübeln und sie schriftlich straubtrocken zu verwursten, begrüßt die neuen, jungen Wilden im Großstadtdschungel mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Ja, es kam soweit und schreitet voran, dass sich selbst die alternde Blondine im Bahnhofsbezirk nicht mehr abends auf die Straße traut, obgleich zwei kleine Kläffer sie schon einmal vor dem grabschenden Griff des „schwarzen Mann“ schützten. Und der war kein Schornsteinfeger!

In unserer feminisierten, bald matriarchalischen Gesellschaft gewinnen Damen als Quotenfrauen Macht und Einfluss. Sie sitzen lächelnd in Gremien, Ausschüssen, in Redaktionen, Parlamenten, sprechen mit gefühligen Sätzchen ihren Geschlechtsgenoss*Innen aus dem Herzen, und kämpfen wie Weibchen um ihre Brut so auch um Posten und Einfluss:

 Politik muss bunter und weiblicher werden!

Nein danke! Willkommen daheim: Das wilde Afrika, das weite Arabien dringt mit Macht ins faule Fleisch des willigen, weichen Europas. Zangen aus Afrika und Arabien umarmen das alte Europa, quetschen Saft aus der alten, faulen Frucht. Und vom Messer im Fleisch fließt Blut.

Dichter ahnen, was kommt. Man liest es mit Grausen, bringt den Stoff auf die Bühne.  Der Dichter kassiert Beifall und Geld.

Ich wartete seit zwei oder drei Minuten, als sich links eine Tür öffnete und ein ungefähr fünfzehnjähriges Mädchen in einer tief sitzenden Jeans und einem Hello-Kitty-T-Shirt den Raum betrat; ihre offenen langen, schwarzen Haare fielen ihr über die Schultern.
»Das ist Aïcha, meine neue Ehefrau. Sie wird sich sehr schämen, weil Sie sie nicht unverschleiert hätten sehen sollen.«

»Das ist Malika, meine erste Frau«, sagte er zu mir, nachdem sie den Raum wieder verlassen hatte. »Es scheint heute Ihr Schicksal zu sein, meinen Frauen zu begegnen. Ich habe sie geheiratet, als ich noch in Belgien lebte. Ja, ich stamme aus Belgien … Ich bin übrigens immer noch Belgier, ich habe mich nie einbürgern lassen, obwohl ich seit mittlerweile zwanzig Jahren in Frankreich bin.«

Er lächelte wieder. »Wissen Sie … an dem Nachmittag bei mir zu Hause haben wir über Metaphysik, die Entstehung des Universums und so weiter geredet. Ich bin mir sehr wohl im Klaren darüber, dass das nicht das ist, was die Menschen im Allgemeinen wirklich interessiert, aber wenn man die eigentlichen Themen anspricht, ist das, wie Sie gesagt haben, peinlicher. Übrigens reden auch wir noch immer recht abstrakt von natürlicher Selektion, wir versuchen das Gespräch auf einem angemessen hohen Niveau zu halten. Es ist ganz offenbar schwierig, direkt zu fragen:

Wie hoch wird mein Gehalt sein? Wie viele Frauen darf ich haben?«

»Beim Gehalt habe ich schon eine ungefähre Vorstellung.«

»Nun, die Anzahl der Frauen ergibt sich mehr oder weniger daraus. Das islamische Gesetz verlangt, dass die Ehefrauen gleich behandelt werden, woraus sich schon gewisse Notwendigkeiten ableiten, und sei es auch nur hinsichtlich der Wohnsituation. Was Sie betrifft, so denke ich, dass Sie ohne große Probleme drei Frauen haben könnten – aber natürlich sind Sie dazu keineswegs verpflichtet.«

Unterwerfung Houellebecq, Michel

Unterwerfung

Der Dichter fantasiert von Feuchtgebieten. Biologie bringen Aicha und Malika unverschleiert auf die Bühne, verschämt, fast nackt. Die Sau wird durch’s globale Dorf getrieben….

Relotius

Die nächste Sau, der nächste Messermord folgt wie das Amen in der Kirche. Und? Nix und! Bestenfalls wird es nicht schlimmer.

Ötzi dankt inspirierenden Freunden von „Bayern ist FREI“ und vom Gelben Forum. Ötzi versumpft in den Feuchtgebieten seiner Fantasie. Relotius war ein gefeierter Journalist, jetzt verdammen sie seine Dichtkunst, die Millionen Herzen erwärmte. Der Kopf kriegt die Krise. WählerInnen und LeserInnen brauchen etwas für’s Herz, den Bauch, das Gefühl. Auch wenn das Alter die Feuchtgebiete längst ausgetrocknet hat, der biologische Mechanismus bleibt.

Der Kopf erkennt die Lügen. Doch Herz, Bauch und Gefühl haben daran geglaubt und glauben immer noch. Man hat sich wohl  gefühlt und will sich weiter wohl fühlen. Wohlgefühl mit Muttikulti ändern Fakten erst, wenn eine stärke Macht Unterwerfung fordert. Die Macht der Biologie unterwirft die Ohnmacht von Ideologie. Staubtrockne Theorie beklagt das „Unbehagen im Multi-Kulti-Rausch“. Trocknende Gebiete dürsten nach Durchfeuchtung. Der Rausch hat erst begonnen. Der Rausch von …

Muttikulti

https://transformier.wordpress.com/2016/07/15/moral-und-abstraktes-denken-wie-afrikaner-sich-von-westlern-unterscheiden-moegen/

https://deutsch.rt.com/afrika/77634-suedafrikas-zulu-schliessen-sich-weissen-farmern-an/

https://fassadenkratzer.wordpress.com/2018/08/13/vom-anderssein-des-schwarz-afrikaners/

 

 

 

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