W*Markt, welch‘ Mordsgeschäft!

n0by122016

Vor zwei Jahren hat mich die Terrorfahrt am Berliner Breitscheidplatz schwer erschüttert.  Damals hat mein Blog versucht, den mörderischen Terror mit vielen Wörtern und 72 Bildern zu verarbeiten. Die Nachrichten meldeten gestern Abend wieder mal Terror auf dem Weihnachtsmarkt. Es fällt mir schwerer, das Geschehen zu kommentieren. Es erscheint so sinnlos – wie im „Westen nichts Neues“.

BILD_TERROR1112.jpg

Die Mechanismen zur Schadensabwicklung sind eingelaufen. Die polit-klerikal-mediale Maschinerie dreht kunstvoll die immer gleiche Leier – keine neuen Erkenntnisse, keine neuen Einsichten.

NDS_Eisenberg

Wundersame Erklärungen über Terror erstaunten mich am Nachmittag vor dem Straßburger Terrorabend. Man sucht in dem NDS-Artikel vergeblich nach Ursachen, welche nicht nur mir eine Deutung wert wären wie
– koran-klerikale Konditionierung,
– Überbevölkerung oder
– Korruption in Staat und Verwaltung.

Dafür bietet Eisenberg brillant formulierte Erkenntnisse wie:

Der individuelle Amoklauf hänge viel enger mit dem „Amoklauf des globalisierten Kapitals“ zusammen, „als wir wahrhaben wollen“.

Unausweichlich landet Eisenberg bei „jenen Höheren Mächten, welche wir verehren“, mystifiziert Teilhaber westlicher Wohlstandsgesellschaften ins Sakrale und meint:

Der in den Rang einer Ersatzreligion erhobene Neoliberalismus greife alle Traditionen und sozialen Bindungen an,….

Da also liegt der Fehler, laut Eisenberg, im Ersatz einer Religion – anstatt der allein seligmachenden Sekte! Der neoliberale religiöse Ersatz, der kapitalistische Markt gehört zum Reich des Teufels, gleich in nächster Nähe zur heißesten Hölle, dem Faschismus im Dritten Reich – mit Höcke als Höllenhund!

AimanMazyek

Statt Halt, Hilfe, Nächstenliebe zerbricht die Gemeinschaft daran, dass lupus est homo homini, dass der Mensch dem Menschen ein Wolf und kein Mensch mehr ist.

Der Neoliberalismus, stellt er fest, habe „treibhausmäßig eine Atmosphäre der Konkurrenz und zwischenmenschlichen Feindseligkeit“ gezüchtet und die Herausbildung einer „Kultur des Hasses“ (Eric J. Hobsbawm) befördert.

Mein Bamberger Marktweiblein, welches 25 Jahre lang mit all ihrer Liebe, ihrer handwerklichen Kunstfertigkeit, ihrer freundlichen Geduld auf ihrem Markt zur Weihnachtszeit den Menschen „Glanz und Duft aus ihrer Hütte für Eure Hütte“ verkauft hat, will von „Neolibealismus“ nichts wissen, noch hören. Ihr reicht es, friedlich und fröhlich ein letztes Jahr ihr Geschäft abzuwickeln mit mir als ihrem Gehilfen.

Markthuette8

Im Geschäft an sieben Tagen der Woche von 9.00 bis 20.00 Uhr, Sonntags ab 11.30 Uhr, ist nichts mehr wie früher. Die Klänge von Blas- oder Chor-Konzerten am Weihnachtsmarktplatz überlagern häufig Martinshörner von Sicherheitskräften, Krankenwagen, Einsatzwagen der Polizei.

In ihrem mittelalterlichen, beschaulichen Bamberg blicken Bürger beunruhigt auf die Vorgänge im Ankerzentrum.

FraenkTag_Ankerzentrum

In der „Aufnahmeeinrichtung“ leben 1500 bis 2000 Menschen.

ba15.jpg

Der „Fränkische Tag“, die Bamberger Lokalzeitung, erklärt die Misere in der Einrichtung:

…“ viele Konflikte haben mit der Perspektivlosigkeit zu tun, wie vier Fälle zeigen.“

Man muss die Bezahlschranke der Zeitung nicht überwinden, um zu lesen, welch rührenden Geschichten der Redakteur sich aus den Fingern saugen wird.  Der Autor Floydmasika erklärt den Mechanismus. Ein Bekannter berichtet, dass einen Tag nach Brand und Randale immer noch eine Hundertschaft Polizei im Ankerzentrum für Ruhe sorgen müsse. Andere Bamberger Bekannte konnten mit dem Begriff „Ankerzentrum“ nichts anfangen – politisch hinter’m Mond. Einige wollen in Bamberg über das „peinliche“ Thema Ankerzentrum nicht sprechen, nicht daran denken.

Das Straßenbild hier in Bamberg bereichern häufig junge Gäste aus fernen Ländern, erkenntlich an Aussehen, Statur und manche auch an ihrer Vormittagsfreizeit. Manche trinken fröhlich ein, zwei, drei Fläschchen Bier auf Bänken, wenn Sonneschein das romantische, bunte, mittelalterliche Stadtbild vergoldet. Radfahrer müssen auf Scherben achten.

Wenn mehrere flinke, junge, fremde Burschen in kleinen Gruppen durch die Budengassen auf dem Weihnachtsmarkt schlendern, behalten die Budenverkäufer ihre Waren besser im Auge. Nach der Lektüre von Eisenberg, fällt es mir wie Schuppen aus den Haaren, wieso die Marktverkäufer sich dann so verkrampfen:

„Die gesellschaftliche Atmosphäre reichert sich mit Spannungen und Aggressionen an und es wächst das Bedürfnis der Menschen nach Sündenböcken, auf die sich ihre Malaise verschieben lässt.“

Wer, wenn nicht mein Marktweiblein mit mir als ihrem Weihnachtsmarkthüttenknecht gehören nicht zur gesellschaftlichen Schicht der Kleinbürger, der ganz kleinen Kleinbürger? Endlich erklärt Eisenberg, wie wir sind:

Als solche Sündenböcke würden dem verängstigten Kleinbürger Flüchtlinge und Migranten hingestellt. Eisenberg:

„Sie verkörpern all das Flüchtige und Fremde, unter dem die Menschen zu leiden haben.“

Wohl wahr! Bleibt nur zu hoffen, dass der Straßburger Weihnachtsmarktmörder ein Franzose war, einer von uns aus Europa.

Noch ist es in Bambeg weitaus erträglicher als in der furchtbaren Situation vor zwei Jahren, als Männer mit Maschinenpistolen den Zugang zum Markt sicherten.

Mein Marktweiblein schließt ihr Geschäft –

für immer.  

4 Kommentare zu „W*Markt, welch‘ Mordsgeschäft!“

  1. Sehr geehrter „Noby“

    Ja, wir als sehr ältere Menschen – mit der zweifellosen Gnade der frühen Geburt – tun gut daran, uns an den letzten Sonnenstrahlen (sprich: noch einigermaßen ruhige Zeiten bei uns) möglichst gelassen und entspannt zu erfreuen.

    Wir halten nichts mehr auf!!!

    Unsere Meinung (oftmals mehr oder weniger über Jahrzehnte gereifte Erkenntnis und gesammeltes Wissen, darüber wie die menschliche Welt tatsächlich funktioniert) ist nicht gefragt.

    Wir sollten auch nicht mehr versuchen, diese anderen – und vor allem den Jungen – mitzuteilen.
    Statt dessen sollten wir mit den Jungen – und auch mit den ganz nicht mehr so Jungen – Nachsicht üben und ihnen, für die bereits vor der Tür stehenden neuen Zeiten viel Glück und Gnade im dramatischen und epochalen Geschehen wünschen . Sie werden dieses Glück in den aufziehenden sehr, sehr schweren Zeiten dringend brauchen.

    Wenn die Menschheit insgesamt noch eine Verschnaufpause hat, dann gibt es mit Gewissheit noch ein kurzes Vorspiel speziell in Deutschland, bis dann global zum Finale furioso für die Menschheit geblasen wird.

    Wie dies enden wird: keine Ahnung.
    Aber so wie heute wird nichts mehr sein.

    Ihnen und Ihrer Frau alles denkbar Gute.
    Herzlichen Dank für Ihre Beiträge, die ich immer mit Vergnügen und viel Erkenntnisgewinn gelesen habe.

    Herzliche Grüße aus Oberschwaben

    beschäftigen wir uns vorrangig mit dem was wir gerne tun
    (bei mir : Sport/Wandern und Mathematik)

    Peter

    Gefällt 2 Personen

  2. Lieber n0by,
    tapferer und wackerer Dokumentarist einer aus den Fugen geratenden Welt,
    ich wünsche Dir weiterhin Weihnachtsmarkt-Tage in Frieden
    und guten Gesprächen.
    Die Stimmung in Straßburg soll laut Korrespondenten des Bunten Rotfunks (BR) „gespenstisch“ gewesen sein.
    Aber genau das haben diese Journalisten herbei geschrieben,
    und nun sammeln sie zwischen Blutlachen Katzenjammer und Katerstimmung zerfetzte Fleißbildchen ihrer Arrative.
    Ph.

    Gefällt 1 Person

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