Jubelpresse

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Facebookfreund Volker, selbst einst honoriger Chefredakteur, hat mir am 19. Oktober 1990 einen Job als Redakteur gegeben. Zwanzig Jahre, acht Monate und 12 Tage gab mir der Job bis zur Ruhephase Altersteilzeit Spass und Strapazen gleichermaßen. Politik war tabu im Fachmagazin für uns als Fachredakteure. Das hat sich auf unsere alten Tage geändert.

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Der Blogger Paul Schreyer zitiert Bestsellerautor Dirk Müller. Freund Volker schreibt sich seinen Frust von der Feder über die Jubelpresse aus München. Diese ist als „Süddeutscher Beobachter“ oder als „Prantlhausener Pest- und Pinocchio-Postille“ berüchtigt.

Weshalb solche Schimpf-, Schmäh- und Schand–Attribute durch die Szene geistern, erklärt Volker – frisch, frank und frei.

von

Volker Everts 

Der gute alte Karl Marx hatte doch recht: Das Sein bestimmt das Bewusstsein. Und Brecht hatte auch recht: Erst kommt das Fressen, und dann kommt die Moral.

Beides passt 100prozentig auf die Süddeutsche Zeitung und auf andere große Medien. In einer Republik, die völlig besoffen ist vom eigenen Gutmenschentum, davon, dass man als in Deutschland lebender Mensch zum ersten mal seit über 100 Jahren bei „den Guten“ ist, bei diesen hellen Lichtgestalten, für die Gesetze und Verfassung keine Bedeutung mehr haben, wenn es darum geht, die ganze Welt zu umarmen (und auch zu versorgen), in so einer Republik kann es passieren, dass jeder, der eine etwas differenzierte Meinung zu alledem hat, auf jede nur denkbare Art ausgegrenzt wird. Denn jeder, der eine andere Meinung hat, will doch nur dieses tolle Gefühl kaputtmachen, dass wir alle endlich, endlich einmal bei den Guten sind.

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Der tolle Nebeneffekt: Man muss die durchaus vorhandenen dunklen Kapitel, die die deutsche Geschichte genauso wie die Geschichte der meisten großen Staaten aufweist, nicht selbst mittragen. Man kann sich die deutsche kleine Welt einteilen in das gute Deutschland und das dunkle Deutschland. Dunkeldeutschland, das ist der gedachte Ort, wo alle diese Rechtspopulisten, Fremden- und Frauenfeinde, Neo-Nazis, Hetzer und Pöbler zusammenkommen, um gemeinsam fröhlich zu hetzen und zu pöbeln.

In diesem Kontext wundert es nicht, dass eine früher einmal journalistisch renommierte Zeitung wie die Süddeutsche zu Methoden greift, die auch das „Neue Deutschland“ und der „Völkische Beobachter“ schon erfolgreich angewandt haben: Statt über Inhalte zu diskutieren, wird versucht, Personen, die solche Inhalte transportieren, auf jede denkbare Weise zu diskreditieren. Anrufe bei Kollegen und Verwandten, um die „Staatsfeindlichkeit“ eines Subjekts belegen zu können, waren übrigens eine Spezialität der Stasi. Und wie die Stasi treiben es heute auch unsere regierungstreuen Medien. Die Methode, die dabei eingesetzt wird, nennt sich „Zersetzung“.

Wikipedia schreibt dazu:
(Zersetzung ist die) „systematische Diskreditierung des öffentlichen Rufes, des Ansehens und des Prestiges auf der Grundlage miteinander verbundener wahrer, überprüfbarer und diskreditierender, sowie unwahrer, glaubhafter, nicht widerlegbarer und damit ebenfalls diskreditierender Angaben; systematische Organisierung beruflicher und gesellschaftlicher Misserfolge zur Untergrabung des Selbstvertrauens einzelner Personen; […] Erzeugung von Zweifeln an der persönlichen Perspektive; Erzeugen von Misstrauen und gegenseitigen Verdächtigungen innerhalb von Gruppen […]“

Kommt das jemanden bekannt vor? Hören wir nicht gelegentlich mal, dass ein Bestseller aus der Spiegel-Bestsellerliste „entfernt“ wurde? Gibt es da nicht einen SPD-Politiker und Bestsellerautor, der für sein neues Buch gegen die Islamisierung lange keinen Verlag finden konnte? Gibt es nicht eine Liste der Gewerkschaft Verdi, wie man als „rechtspopulistisch“ identifizierte Kollegen am besten bei der Geschäftsleitung anschwärzt mit dem Ziel der Entlassung? Gibt es keine „Mahnwachen“ im Stil der SA von 1933 vor den Häusern missliebiger Politiker? Hat sich nicht die Hotelkette „Maritim“ dadurch hervorgetan, dass sie keine Zimmer an AfD-Mitglieder vermietet?

Ich könnte diese Liste endlos fortsetzen. Nebenbei bemerkt: Jeder, der schon einmal mit einem Gutmenschen diskutiert hat, kennt das aus eigener Erfahrung: Man bringt eine Reihe von Fakten, belegt diese mit Quellen – und was man als Antwort bekommt, hat nicht etwa etwas mit dem Thema der Diskussion zu tun, sondern man bekommt eine akribische Auflistung, wieso sich die eigenen Quellen komplett diskreditiert haben. Zersetzung eben, keine Diskussion über Inhalte. Niemals.

Fakt ist: Wir leben nicht nur in einer Zeit des völligen Versagens der Politik, wir müssen nicht nur feststellen, dass auch unsere Verwaltung und unsere Justiz, die eigentlich an Recht und Gesetz gebunden sind, sich auf politische Weisung darüberhinwegsetzen, nein, das Schlimmste ist: Die Presse, die Medien, der Journalismus waren schon immer, selbst schon im Kaiserreich, diejenigen, die Politik kritisierten, Misstände anprangerten, eben ein Korrektiv zur Macht der Regierenden waren. Und eben diese Presse, Medien, Journalisten nehmen diese Aufgabe nicht mehr wahr, sondern schreiben am Hohelied der Regierung, in dieser Hinsicht weniger weit entfernt von der Presse in China, Saudi-Arabien oder Nordkorea, als man selbst wahrhaben möchte.

In der jüngeren deutschen Geschichte kennen wir zwei Phasen, wo die Presse diese Funktion nicht mehr wahrgenommen hat: Das Dritte Reich und die DDR. Konsequenz aus diesen Erfahrungen müsste doch eigentlich sein, dass unsere Presse, unsere Journalisten selbstbewusst, offen, kritisch, investigativ und parteipolitisch neutral berichten. Aber das Gegenteil ist der Fall. Hofberichterstattung ist angesagt, „Regimegegener“, die heute „Rechtspopulisten“ genannt werden, werden wie in unseligen alten Zeiten denunziert, mit faktischem Berufsverbot belegt, ihr Privatleben wird ausspioniert, ihr Ruf zerstört, die Person wird, dem Stasi-Jargon folgend, „zersetzt“.

Und jetzt antworte mir bitte keiner, dass das alles so richtig ist, wie es ist, weil es ja gegen die Dunkeldeutschen, gegen Nazis und Rechtspopulisten geht. Wer so argumentiert, argumentiert genauso wie weiland die echten Nazis: Der Zweck heiligt jedes Mittel, hieß es damals von rechts so wie heute wieder von links. Nein, tut er nicht. Tut er nie.

Wenn es keine Freiheit für Andersdenkende gibt, dann gibt es überhaupt keine Freiheit.

Und deshalb ist auch nichts mehr richtig bei uns.

Anhang:

https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2015/09/24/sueddeutsche-zeitung-stellt-realitaet-auf-den-kopf/

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