Öffentlich-rechtlicher Mißbrauch von Umfragen

Vertrauensseligkeit schützt vor Mißbrauch nicht. Gerade der sich selbst mündig wähnende Bürger ist häufig nur ein kleines Rädchen in der Maschinerie des nützlichen Idioten.

Wenige Tage nach der Bayern-Wahl kommen zahlreiche Unstimmigkeiten ans Tageslicht. Im Vorfeld der Wahlen manipulieren Umfragen den Wähler bis zum letzten Augenblick.

Die Lektüre der „Nachdenkseiten“ hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack.

Öffentlich-rechtlicher Missbrauch von Umfragen. Und dies unentwegt.

Veröffentlicht in: Demoskopie/Umfragen, Medienkritik, Strategien der Meinungsmache, Wahlen

Sowohl die ARD als auch das ZDF haben gestern in ihren zentralen Sendungen Tagesthemen, Tagesschau in 100 Sekunden und ZDF heute mit Umfragen gearbeitet. Bei der ZDF heute Sendung vom 18.10.2018 war die Hessen-Umfrage der Aufmacher. Dort hieß es: „Hessen: Grüne legen stark zu; …“. So auch bei der Tagesschau um 18:00 Uhr, bei den Tagesthemen und auch bei der Tagesschau in 100 Sekunden. Ein wahres öffentlich-rechtliches Feuerwerk! Hier werden Umfragen dazu benutzt, um Stimmung in die gewollte Richtung zu machen. Albrecht Müller.

Im konkreten Fall ist schon seit einiger Zeit erkennbar, dass die Öffentlich-rechtlichen Meinungsmacher ein Faible für die Grünen haben (Siehe auch diesem Beitrag zur Wahl in Bayern) Als Kollateralschaden nehmen sie hin, dass auch die AfD mit nach oben gezogen wird.

Vorsicht wäre geboten. Es ist allgemein bekannt, dass Umfragen unsicher sind und allenfalls eine aktuelle Momentaufnahme darstellen können. In Nebensätzen wird das bei den oben zitierten Meldungen auch meist vermerkt. Wir wissen weiter, dass solche Umfrageergebnisse manipuliert sein können. Wir wissen, dass es so etwas wie einen durch Umfragen erzeugten Mitzieheffekt – in der Fachsprache Bandwaggon – gibt. Und wir wissen aus früheren Erfahrungen, dass solche Umfragen auch zur Mobilisierung zugunsten gefährdeter Parteien und Regierungen führen können. Das hat Frau Noelle-Neumann von Allensbach beispielhaft schon 1965 demonstriert. Da hat Allensbach mit Unterstützung der Medien ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen CDU/CSU und SPD und die Gefahr der Abwahl des CDU-Bundeskanzlers signalisiert; hinterher wurde dann zugegeben, dass das gar nicht stimmte. Im konkreten heutigen Fall könnte die massive Umfrage-Agitation dazu führen, dass CDU-Anhänger in Hessen mobilisiert werden und sich die Partei des hessischen Ministerpräsidenten, die CDU, doch noch und überraschend erholt.

Es ist vermutlich unvermeidbar, dass Umfragen veröffentlicht werden und dass auch öffentlich-rechtlichen Medien darüber berichten. Was im konkreten Fall auffällt, und darauf wollte ich hinweisen, ist die Prominenz und Penetranz der Berichterstattung über Umfragen. Auf der Basis dieser Umfragen werden lange Erwägungen über Koalitionen und über mögliche Ministerpräsidenten angestellt. Das ist grotesk und vor allem ein Zeichen des Niedergangs dieser Medien.

3 Kommentare zu „Öffentlich-rechtlicher Mißbrauch von Umfragen“

  1. Bei „Heute“ wurde sogar explizit ein Zusammenhang mit der Hessenwahl durch die sendungsgestaltende Chefideologin Petra Gerster ausgeschlossen. Die aus den Tarot-Karten gelesenen Wunsch-Ergebnisse haben also nix mit Hessen zu tun, genau so wenig wie die explodierende Gewalt in unserem Land mit den millonenfach Zugelaufenen und Hereingeschneiten.
    Gegenüber solchen „Nachrichtensendungen“ waren sogar die „Aktuelle Kamera“ und Schnitzlers „Schwarzer Kanal“ Musterbeispiele von Objektivität.

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  2. Nachlese: Interessant an den Hochrechnungen der Bayern-Wahl fand ich persönlich, dass die FDP die ganze Zeit nach 18:00 konstant bei 5,0-Prozent lag. Bei allen, mir bekannten Zwischenstäden veränderte sich dieser Wert nicht und ich frage mich, warum?

    Statistisch betrachtet hätte es da Varianzen geben müssen, normalerweise. Aber ich mag mich da ja auch irren und die FDP war der ganz große Ausreißer, der nur die Regel bestätigt.

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