Bayernwahl – da braut sich etwas zusammen

München ist bunt, aber Bayern ist frei.
Auf dem Land gibt es noch Gesellschaft statt Masse.
Wehe der Partei, die das Vertrauen dieser Gesellschaft verspielt.
Claudio Michele Mancini schreibt:

Ich will’s mal so sagen: Ich lebe in einer Postkartenidylle Bayerns, inmitten lieblicher Landschaften, dort wo die Berge am schönsten, die Wiesen am saftigsten, die Blumenkästen auf dem Balkonen die buntesten und ein Bayer am bayrischsten ist. Umzingelt von Seen und Wäldern, Wiesen und Kühen, in einem Ort, dessen Luft kuhstallgeschwängert die Nase umspielt und Hähne noch echte Gockel sind, dort ist die CSU zuhause. Sollte man meinen.

Bauernhaus in Oberbayern

Doch der Söder, unser Ministerpräsident, der wird sich wundern, wenn die Auszählung nächste Woche ein Ergebnis offenbart, das ihm die Tränen in die Augen treiben wird. Denn wenn man an den urigen Stammtischen der alten Wirtshäuser und altbayrischen Gasthöfen sitzt und den Bauern zuhört, fallen immer öfter die Stichworte „Freie Wähler“, „Bayernpartei“ und „AFD“. Da ist etwas im Umbruch.

Der trügerische Gedanke, die CSU-Welt sei in der beschaulichen Umgebung zwischen Zwiebeltürmen, Glockengeläut und Löwenzahnwiesen noch in Ordnung, weil man bei uns keine Moslems, keine Burkas und auch keine Nigerianer entdeckt, der täuscht darüber hinweg, dass die heimatliche Erde erodiert ist. Bereits der Gedanke, dass eine schwarz gewandete Muslima die liebliche Dorfidylle stören könnte, löst beim Urbayern höchstmögliche Ablehnung aus und er fühlt sich spontan bemüßigt, eine Mistgabel aus der Scheune zu holen.

So ist er eben, der Bayer. Alles was fremd ist, mag er nicht, es sei denn, es handelt sich um einen Touristen. Aber selbst da differenziert er, der Bayer. Eigentlich mag er nur dessen „Diridari“. Selbst der „Staderer aus Minga“ ist ihm suspekt, zumal die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass der Besucher aus der Landeshauptstadt aus Hamburg, Bremen oder Dortmund stammt, hochdeutsch spricht und so tut, als gehörten ihm die frisch gemähten Wiesen und das Alpenpanorama. Gschwerl, so nennt der Bayer diese Eindringlinge, auf die er gut verzichten könnte und die seine Heimat verhunzen.

Doch zurück zur anstehenden Wahl. Gefühlte 32 Prozent, mehr ist hier für die CSU nicht mehr zu holen. Längst haben die großen TV-Bildschirme in den gemütlichen Stuben die bajuwarische Seele in Aufruhr versetzt, obgleich sich die wahren Probleme in „Minga“ zeigen. „Noch mera bei’dn Preißen.“ Selbstredend brechen sich unterm Kruzifix in der Kuchel beim Schweinsbraten und Bier die Flüchtlinge aus Afrika bahn, zumeist vom Bauern kommentiert mit: Da Deifi sois hoin, kreizsacklzement.

Dass der Seehofer, der Dampfblaudara, in Berlin „a solches Gschiss“ wegen dem Maaßen macht und mit „dera Drudschn“ (Merkel) nicht fertig wird, treibt den krachledernen Bayern um. Was den Söder angeht, da scheiden sich am Biertisch ohnehin die Geister. Dem „Gschaffdlhuaba“ aus Franken, eigentlich schon Ausländer,  dem trauen sie mittlerweile nicht mehr viel zu“.  Ja, der Bayer, „der scheißt si nix“, der sagt laut, deutlich und unverblümt seine Meinung. Besonders, wenn im Fernsehen Andrea Nahles ihre Weisheiten von sich gibt. „Wos woas de scho, dees miserablige Bockfotzngsicht“,sagt es und nimmt einen tiefen Schluck aus dem Krug.

Und wer da glaubt, der Landwirt auf dem lauschigen Wiesengrund sei „deppad“ und könnte nicht beurteilen, dass er im Vergleich zu seinen Kollegen in Frankreich, Italien, Schweiz oder Österreich digital abgehängt ist, der irrt sich gewaltig. Alois, Korbinian oder Sepp, sie wissen, dass sie für ihre Milch weniger bekommen, als die Nachbarn in der EU. Sie erinnern sich auch noch genau an das Glyphosat-Debakel. Taucht dann eine dieser militant-grünen Weltverbesserinnen auf, die einem „gstandenen“ Bauern die Leviten lesen will, weil er mit seinem Dieseltraktor 20 Tonnen Gülle in die Wiesen pflügt, presst er am Stammtisch beim Maß Bier wütend durch die Zähne: „Schaug’s o, de zammgveglde Kuabritschn. A sechana Krampfhenna kohst do need wäln.“

Natürlich spielen dort auch die Wahlverluste der vergangenen Jahre eine Rolle. Bei der Bundestagswahl 2017 verlor die CSU in erheblichen Maße Stimmen an die AfD, die in Bayern mit 12,4 Prozent ihr bestes Ergebnis in den westlichen Bundesländern und den stärksten Stimmenzuwachs im Vergleich zur vorangegangenen Wahl verzeichnete. Dass die Oberbayern, was die Flüchtlinge angeht, misstrauisch in Richtung österreichische Grenze schielen, hat man in der Staatskanzlei noch nicht so richtig auf dem Schirm. Der Bauer auf dem Land sehr wohl, denn ihm entfleucht bei jedem muselmanischen Mord ein deftiges „Krutzitiakn“.

Im Biergarten weiß man selbstredend auch über den Diesel Bescheid, fühlt sich „bschissen“ und hadert damit, den alten Benz oder Audi möglicherweise verschrotten zu müssen. Den hätte man noch gerne 15 Jahre gefahren. Und nun kämpfen die wackeren CSU-Vasallen in den Landkreisen um die wichtigste Zielgruppe, die ihnen mehr und mehr abhanden kommt. Typische CSU-Wähler sind älter als der Bevölkerungsdurchschnitt, weisen eine größere Nähe zur Kirche auf und leben häufiger auf dem Land. Genau jene verstehen aber auch keinen Spaß. Sie bewerten Leistungen kritischer als die Städter. Tja, da braut sich etwas zusammen.

Auf dem Land versteht man noch den Zusammenhang zwischen der individuellen und der kollektiven Freiheit.
Letztere nennt sich auch „Souveränität“.
Es ist die Freiheit, die die alten Griechen oder auch die Revolutionäre Amerikas und anderer neuzeitlicher Staaten meinten, wenn sie von Freiheit sprachen.
Um Herr im Hause zu sein, bedarf es eines Kollektivs, das sagt, wer dazugehört und wer Gschwerl ist.
Diese ländliche Gesellschaft ist manchmal nervig.
Der Stadtbewohner freut sich an seinem anonymen Leben, wo er machen kann, was ihm gefällt, ohne dass eine „geschlossene Gesellschaft“ ihn beobachtet.
Für ihn ist jeder Assimilationsdruck eine „Diskriminierung“, eine „Menschenrechtsverletzung“.
Er verwechselt Freiheit mit der Abwesenheit von sozialer Kontrolle.
Die „moderne Großstadtgesellschaft“, nach der die CDU/CSU sich zu orientieren versucht, ist keine Gesellschaft und schon gar nicht nachhaltig.
In der ländlichen Gesellschaft gibt es keinen Parteienstreit, weil man sich zu gut kennt.
Die ländliche Gesellschaft einigt sich eher informell auf eine Partei.
Das war lange die CSU, aber die Stimmung ist offensichtlich gekippt.





15 Kommentare zu „Bayernwahl – da braut sich etwas zusammen“

  1. Literarisch pfundiger Text, im vorausgesehenen Ergebnis wohl auch zutreffend. Aber ob der Alois, der Korbinian und der Sepp das alles so durchschauen, wie Claudio Michele meint, da bin ich mir nicht so sicher. Gibt es die drei überhaupt noch? Die sind doch inzwischen auch schon IT-Spezialisten (müssen sie auch sein, für die EU-Agrarsubventionen, von denen sie leben). Der erste grüne Bürgermeister in D war nicht von ungefähr der Daxenberger in idyllischen Waging am See!

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  2. Lieber Philolaos (oder lieber doch Claudio?), danke für den herrlich derben Text und Deine Mühe, a Saupreißn ein wenig Integrationshilfe bezüglich der herrlichen bayrischen Mundart zu leisten.
    Ja, das wird sehr ernst, wir haben da schon einige Male regen Austausch darüber gehabt. Wie ich schon gefühlte 300 Mal bemerkte, kann ich bis heute nicht glauben, das so Leute wie die Schulzen-Schnepfe bei Euch fast 18 Prozent der Stimmen holen sollen. Das ist ja ein derartiger Hype, nur das der Schulz(e) (Sic!)- Zug dieses Mal nicht rot, sondern grün angemalt ist. Wir können nur hoffen, dass die ganze Geschichte wie bei der deppadn SPD nur hochgeschriam (?) ist und der Zug am Prellbock der Bayern krachend zerschellt. Wenn nicht, dann müssen wir Rechten halt tapfer sein und Ihr könnt auch dann schon mal mit dem Dialekt des Ruhrpottes, der (echten) Berliner Saupreißn, und der vereinigten hanseatischen Bunten in HB und HH vertraut machen. Dies “ Geschwerl“ wird dann über Euch herfallen und das Land kahlfressen.Angeführt von der Östrogen-Ökonomin, Muschi-Marxistin und Titten-Sozialistin Schulze. Gott bewahre Euch davor.
    Aber noch ist („Polen“) /Bayern nicht verloren. Wie mein Vater (WK II Veteran) immer sagte: Die Toten werden erst nach der Schlacht gezählt.
    Ich kann hier als Nordlicht außer Teilen und Psycho-Beistand leider nicht viel mehr machen, Und zum Herrgott beten, dass er uns erhört und die Gottlosen zumindest dem Fegefeuer überantwortet. Bin bei Euch….

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  3. Jeder kann doch an einem Finger abzählen, dass die Bayern-Schlächter die Wahlergebnisse fälschen werden.

    Es ist schon absurd, anzunehmen, dass die analo- und grünophilen Deutschen-Hasser auf 17% kommen sollen.

    Aber selbst, wenn die AfD in den bunten Landtag einzieht, ist sie momentan vollauf beschäftigt, „Freundeskreise“ IsraHells zu gründen, bevor sie sich in einigen Jahren entschließen wird, die „nicht integrierten“ gedungenen Söldner der millionenstarken Migratten-Armeen zu bitten, gefälligst auf ihre versprochenen Beute zu verzichten und wieder in ihr heimatliches Loch zu kriechen.

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    1. Ich glaube auch nicht, dass die grünen Deutschenhasser gerade in Bayern 17% erreichen. Das wird wohl dann auf Wahlfälschung bzw. Wahlbetrug beruhen. Wenn die AfD in den Landtag einzieht… und das wird sie, wird es in Bayern ebenso kontrovers zugehen wie jetzt im Buntestag. Das ist doch schon mal eine Option zum „bunten“ Einheitsbrei der Altparteien.
      Liebe Bayern: Seid mutig und wählt eine Alternative zur CSU; aber nicht die Grünen „Weltverbesserer“.

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  4. Die eventuellen 18 Prozent für die Grünen erklären sich aus der Dauerpropaganda in Sachen Klimawandel den ganzen Sommer über. Längerfristig stehen sich die Grünen (Globalisierer) und die Patrioten gegenüber, wie man in Österreich schon bei der Wahl zum Präsidenten (van der Bellen gegen Hofer) sehen konnte.

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    1. So eine Propaganda kann nur bei ungefestigten, unsicheren Wählern funktionieren. Wenn ich für Marktwirtschaft, Heimat, Tradition Familie und anderes einstehe, kann man über Funk, Fernsehen und Lumpenpresse Tag und Nacht versuchen, mich zu indoktrinieren, es wird nicht funktionieren. Ebenso wie Du einem Hetero nicht das Schwulsein beibringen kannst. Da ist nämlich ein biologischer Riegel, der Ekel, davor.

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      1. Funktioniert es nicht bei allen, so doch bei vielen, um nicht zu sagen bei den meisten. In Bayern ist es vielleicht sogar ein Dorfbewohner, der der Meinung ist, dass die Menschen mit Co2 den Planeten zerstören. Die Grünen und die Globalisierer haben hier ein Thema gefunden, dass sie bis in die Hautkapillaren des Volkes hineintreiben. Indem in den Medien von morgens bis abends der „Klimawandel“ rauf und runter gespielt wird (was einen mit der Zeit zermürbt), braucht es schon Kraft und Mut, sich einen freien Kopf zu bewahren, ganz im Sinne Kants: sapere aude.

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  5. Fahrt zur Höllenwahl und Türkei im Wohnmobil 2018

    http://n0by.blogspot.com/2018/10/fahrt-zur-hollenwahl-und-turkei-im.html

    Die 25 Blogs meiner 10.000 Kilometer langen Türkeireise in fünfzehn Frühjahrswochen liegen nun als Buch vor. Ohne polit-satirische Spitzen fokussiert sich mein Buch mehr auf Land und Leute. Abstand von Politik tut dem Buch und mir gut. Frei von Politik lassen sich Formen und Farben auf dem Oktoberfest genießen. Doch dann wirft die Sonntagswahl ihre Schatten voraus: In Bayern sollten Wähler mit Sinn und Verstand ihre Politprofis zur Hölle fahren lassen. Doch verständige Wähler sind selten.

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  6. Der CSU muss es gar nicht besser gehen!! Ich bin der Meinung, dass heutzutage keine Politik mehr für den Bürger gemacht wird, es geht nur noch um die eigenen Befindlichkeiten der Parteien oder Parteimitglieder. Der Bürger steht doch schon langen nicht mehr im Mittelpunkt. Das ganze Desaster fing mit der letzten Bundestagswahl an.

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