Nachdenken über Jörg Haider

In den bleiernen Jahren von RAF und Tschernobyl usurpierten linkslastige Alt 68er und Grüne wie Joschka Fischer aus der Garde der Steinewerfer auch die Macht in Parlamenten und Redaktionen. Seither nehmen „humanitäre Einsätze“ – die man früher „Kriege“ nannte zu. Ob im Kosovo, Serbien, Afghanistan, Libyen, Syrien oder Mali. Wir – die Guten – verteidigen Deutschland nun auch am Hindukush oder in der Sahara.

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Jörg Haider Foto: Eleonora Crupi

Just zum Zeitpunkt, als in den Medien eine rotgrüne Übermacht zu greifen begann, echauffierten sich linksverpeilte Journalisten über einen jungen Kärntner Politiker namens Jörg Haider (FPÖ) oft bis zum Siedepunkt. Selbstbewusst, gutaussehend, geistreich, schlagfertig. Alexandra Bader erinnert an einen Pionier der konservativen Gegen-Revolte, der nie ein Blatt vor den Mund nahm. Am 11. Oktober jährt sich Haiders Todestag, der erst 58 jährig unter mysteriösen Umständen im Herbst 2008 verstarb, zum zehnten Mal:

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Grabmal Jörg Haider Foto: Eleonora Crupi

 

Nachdenken über Jörg Haider

Am 11. Oktober jährt sich der Todestag von Jörg Haider zum zehnten Mal; Anlaß für Diskussionen und Interviews, die zeigen, wie sehr der stets umstrittene Politiker immer noch die Gemüter bewegt. Er habe die österreichische Politik ein Vierteljahrhundert lang geprägt. sei den Menschen nahe gewesen, habe aber auch vielen Angst gemacht; so wird die Diskussion bei „Im Zentrum“ am 7. Oktober 2018 eingeleitet, mit Gästen, die mit ihm befreundet waren oder ihn bekämpften – es gab für die meisten nur diese Extreme. Deshalb lud man Vizekanzler Heinz Christian Strache, Ex-Justizminister Dieter Böhmdorfer, Ex-Haider-Sprecher Stefan Petzner, Ex-SPÖ-Klubobmann Josef Cap und die Autorin Eva Rossmann ein. Strache fühlte sich lange verraten, weil sich Haider und andere 2005 von der FPÖ abspalteten; aber drei Tage vor Haiders Tod kam es zur Aussprache, bei der anfangs auch Herbert Kickl und Petzner dabei waren. Das BZÖ wurde gegründet, weil man weiter mit der ÖVP regieren wollte; außerdem waren laut Petzner einige in der FPÖ „zu national“. Josef Cap beschreibt Haider hingegen als jemanden, der einen Opfermythos zelebriert, doch man konnte dem zuwenig entgegensetzen, was das Gewinnen der Wähler betrifft. Haider sei physisch tot, aber er lebe politisch fort, mit Mißtrauen gegen Politik, Spaltung der Gesellschaft, Umgang mit Minderheiten und Migration usw. Natürlich versucht Cap, den medialen Spin jetzt gegen Innenminister Kickl in der Diskussion unterzubringen, weil dieser doch an Haider erinnere. 

Böhmdorfer wandte sich gegen die Einstiegssequenz, die in einer Minute im Zeitraffer „nur Negatives“ zeigte; Haider sei extrem loyal zu seiner Partei gewesen, war sicher von seinem (NS-belasteten) Elternhaus geprägt, wollte aber Österreich wirklich verändern und war zunächst sozialpolitisch engagiert. Haider sei dafür gewesen, dass sich Parteichef Norbert Steger von rechten Rändern trennt; freilich löste er diesen im Herbst 1986 an der Parteispitze ab, was zum Bruch der Koalition mit der SPÖ und zu Neuwahlen führte. Rossmann wehrt sich dagegen, dass Haider nun beinahe heiliggesprochen wird; Böhmdorfer unterbricht sie, weil sie dem Verstorbenen das Debakel der Hypo Alpe Adria umhängen will. Sie erinnert sich dann, wie sie Haider als junge Journalistin kritische Fragen stellte und er sagte, dass er Material über sie hätte; es irritierte sie auch, dass er Medienleute stets duzte, diese aber mit ihm per Sie waren. Cap sagt, Haider sei als junger Abgeordneter zwischen links- und rechtspopulistisch gependelt, habe sich dann aber nach Rechts gewendet, sodass er im Vorspann korrekt gezeigt wird. Strache sieht Haider als einen greifbaren Politiker, der zu den Menschen hinging und dem die Niederungen nicht zu schade waren wie etwa dem kurzzeitigen SPÖ-Chef Christian Kern. Kurz wird angesprochen, dass die FPÖ ja so medienkritisch sei, wobei interessanter Weise Norbert Steger jetzt Vorsitzender des ORF-Stiftungsrates ist.

Berichterstattung zur Verabschiedung Haiders

Bei Gast Petzner ist natürlich von Belang, dass er sich im Lauf der Zeit vom Erbe Haiders abwandte und zum Populismuskritiker wurde. Er meint, dass er vor Entwicklungen wie in Ungarn warnt, wobei er „die Ausschaltung der Justiz und der Medien“ anführt. Er wolle wegen seiner Erfahrungen aufklären, wie man auch an einem Buch über den US-Präsidenten Donald Trump sehen kann. Haider sei der Gründer des klassischen modernen Rechtspopulismus, worauf er selbst ja durchaus stolz war, doch er hat unseren Diskurs verändert. Rossmann erinnert an die gesellschaftliche Spaltung als da die einen – dort die anderen, was ein sehr einfaches Konzept ist und leider funktioniere. Die Autorin wird sofort von Petzner und Böhmdorfer unterbrochen; Haiders Ex-Anwalt meinte, Haider habe nicht gespalten, aber Menschen Gehör verschafft, die von anderen Lagern übersehen wurden. Er hat nicht unrecht, wenn er darauf hinweist, dass es in den 1980er Jahren nur den ORF und weniger Medien gab; bei drei Parteien im Parlament war politische Vielfalt auch weniger gegeben. Cap und Böhmdorfer sind sich nicht einig, wer 1986 die Regierung sprengte, sondern sehen es genau gegensätzlich; Strache meint, die Ausgrenzung seitens der Vranitzky-SPÖ habe begonnen, als Haider Parteiobmann wurde. Petzner sagt, dass Haider auf hohes Tempo setzte und dafür auch eine hohe Landesverschuldung in Kauf genommen hat. Die Hypo Alpe Adria kann man ihm allein umhängen, blendet dann aber die Rolle schwarzer und roter Politiker aus.

Rossmann und Strache matchen sich über die Folgen einer Masseneinwanderung, vor denen Haider ja tatsächlich warnte, jedoch in einer anderen Situation, was vielen Unrecht getan hatte. Weit mehr als Migration regt aber die Hypo auf, wo Böhmdorfer auf die Rolle von Ex-Finanzminister Josef Pröll hinweist (dessen Staatssekretär Andreas Schieder jetzt SPÖ-EU-Spitzenkandidat ist). Als einzige Frau in der Runde hat Rossmann Schwierigkeiten, zu Wort zu kommen, spricht dann aber über Tierschutz und meint, es sei Tierquälerei, berittene Polizei einzuführen; darauf springt dann Cap gerne an. Abseits dieser etwas chaotischen Runde bleibt aber, dass man weder ein Haider-Freund noch -Feind sein muss, um sich dem Geschehen 2008 neu mit heutigem Wissen zu nähern. Es ist sogar weitaus besser, emotional wenn, dann auf die Ereignisse zu reagieren, die in zahlreichen Videos und Dokumentationen präsent sind. Dazu kommt, dass Haider für seine Weggefährten prägend und mehr als ein Politiker war, was man vor zehn Jahren auch merkte; andererseis kam ja niemand von einer anderen Partei in gestaltender Funktion ums Leben. Vielleicht ist es ein Zeichen, dass ein Interview von oe24 mit Claudia Haider meistgeklickt ist, obwohl es erst am Abend des 7. Oktober 2018 stattfand.

Radiomeldungen am 11.10.2008

Viele Menschen nicht nur aus Haiders politischem Umfeld wissen noch, wie sie es am Morgen des 11. Oktober 2008 erfahren haben; manche konnten es nicht glauben, fanden dann aber im Radio siehe oben merkwürdige Berichterstattung vor. Zuerst eine kurze Meldung um 5 Uhr, dann um 6 Uhr mit einem Dialekt sprechenden Polizisten, und im Morgenjournal um 7 geschäftsmäßiger Ton samt Reaktionen von Weggefährten und einer Analyse, was das jetzt für die Regierungsverhandlungen bedeutet. Denn da das BZÖ mit mehr als 11 % einen („unerwarteten“ c Morgenjournal) Achtungserfolg errungen hatte, wäre mit einer Wiedervereinigung mit der FPÖ der Weg zum Ballhausplatz wieder frei. Man muss nicht wissen, wer einem damals wann eine SMS schickte oder anrief (heute wäre alles in Windeseile über Facebook und Twitter verbreite), aber Stefan Petzners Weinen um seinen „Lebensmenschen“ ist ebenso präsent wie dass in Kärnten die Sonne vom Himmel gefallen sei (Gerhard Dörfler). Damals wurde Petzner sofort interviewt, er übernahm vorübergehend die Führung des BZÖ und sprach für die Haider-Familie, die wohl zu geschockt war, um dies selbst zu tun. Damit wurden aber schon Fakten gesetzt, weil so ausgeschlossen wurde, dass sich die Parteien wieder zusammentun und Rot-Schwarz die einzige Option war.

In den ersten Stunden werden vollendete Tatsachen geschaffen, was man auch an Reaktionen und daran erkennen kann, wie berichtet wird. Bald sprach sich herum, dass Haider alkoholisiert gewesen sein soll, was u.a. Angehörige bis heute bestreiten, und dass er zuletzt in einem „Schwulenlokal“ war. Es dauert naturgemäß, bis ein Unfallgeschehen analysiert wird, bis Fotos vom Wrack gecheckt werden und bis eine Timeline erstellt wird – dies umso mehr, wenn offiziell alles als Unfall ad acta gelegt wird. Das letzte und live gesendete Radiointerview fand um 23:15 Uhr am 10. Oktober im „Le Cabaret“ in Velden statt; zu dieser Zeit soll Haider aber im „Stadtkrämer“ in Klagenfurt gewesen sein. Manche sagen, dass es einer jener Läden sei, in die Schwule zwar gerne gehen, die aber auch anderes Publikum haben; für die Familie waren lancierte Gerüchte jedenfalls unerträglich. Hier scheint es aber öffentliches Interesse zu geben, das sich jedoch nicht auf Widersprüche und Ungereimtheiten erstreckt, wie sie etwa die Seite „Fall Haider“ seit Jahren auch in Videos thematisiert. Wo kamen Papiere hin, die Haider neben sich liegen hatte, oder wie landete die selten verwendete K 1-Nummerntafel auf dem Rücksitz? Es bleibt immer auch die Frage, wie ein VW Phaeton derartige Zerstörungen aufweisen kann, wenn er nicht gerade gegen eine Betonmauer geprallt ist; immerhin wurden Autotüren weggerissen. Nun mag man um ein Unfallauto und in diesem aufräumen, wenn feststeht, dass es sich um einen Unfall handelte; hier aber erfolgte dies vielleicht mit unbekannter Absicht.

Vor der Rückbank (von Fall Haider)

Strache wies einmal darauf hin, dass Haider vor seinem Tod zur begonnenen Finanzmarktkrise Stellung nahm und spekulierte über die Akten, die er dazu vielleicht hatte. Es gab keine haltbare gerichtsmedizinische Untersuchung, da in Österreich Walter Rabl aus Innsbruck praktisch das letzte Wort hat, dem immer wieder gravierende Fehler unterlaufen. Zuerst sah sich Kathrin Yen den Leichnam an, die keine Qualifikation zur Untersuchung der Blutalkoholkonzentrationen hatte; man mumifizierte Haider bald und äscherte ihn ein. Strache sagte auch, dass Claudia Haider vergeblich darauf hoffte, dass sich eine Unfallzeugin meldet, die von Haider noch überholt wurde. 2009 veröffentlichte Gerhard Wisnewski ein Buch nach Recherchen in Kärnten, das immerhin auf einige Widersprüche hinweis, wenngleich es politisch eher spekulativ ist; sofort stieg Petzner darauf ein. Straches Erinnerung trog in einem Detail, da die Zeugin nach zwei Monaten doch mit der Witwe sprach und Haider entgegengekommen sei, ihn nicht überholt habe, deshalb auch zuerst als Beschuldigte geführt wurde. Wisnewski produzierte auch ein Video, für das er sich auf die Spuren der Zeugin heftete, die sich aber in ihrem Haus verbarrikadierte. Die Anrainer, die alle nur wenige Meter von der Straße entfernt wohnten, haben übrigens allesamt nichts mitbekommen; nur einer meinte, er habe „einen Klescher“ gehört.

Und laut „Bild“ gab es ab 2009 auch kein „Zeitloch“ mehr, weil Haider seine letzten Stunden mit Petzner verbracht habe. Sehr selten gab es bislang Zugang zum sicher verwahrten Wrack; als das Team von „Fall Haider“ einmal Gelegenheit hatte, es ausgiebig zu fotografieren, fallen z.B. wie arrangiert Wahlkampfbroschüren von 2006 auf. Man sieht, dass eine Persiflage auf Gusenbauer-Werbung offenbar die Rückseite zierte, nun aber zuoberst zu liegen kam, als wenn Gusenbauer(s Leute) „triumphierte(n)“. 2008 war Gusenbauer bereits scheidender Kanzler, da Werner Faymann die SPÖ-Liste anführte; 2006 setzte Gusenbauer im Wahlkampf bekanntlich auf Tal Silberstein. Man muss sich noch einmal an die heftigen Reaktionen im Jahr 2000 u.a. in Israel auf die schwarzblaue Regierung erinnern; Ministerpräsident Ehud Barak (Armeegeneral und erster Kommandant von Caesarea, später Kidon) wurde 1999 übrigens von Stanley Greenberg mit Silberstein beraten wie danach die SPÖ. Als Schwarzblau so viel Gegenwind hatte, soll übrigens Martin Schlaff als Vermittler aufgetreten sein, der später dann ein kleines intimes Fest ausrichtete, als Gusenbauer Kanzler wurde: „Jetzt wird Gusenbauer hofiert. Vom Multimillionär Martin Schlaff etwa, der auch die Kaution für Helmut Elsner bezahlt hatte. Schon im Mai vergangenen Jahres hatte Schlaff Gusenbauer seinen Privatjet zur Verfügung gestellt, damit dieser vom Champions-League-Finale in Paris rechtzeitig zu einer Nationalratssitzung wieder in Wien war. Über Schlaff lernte Gusenbauer auch Anna Netrebko kennen. Um ein Dinner am Abend von Gusenbauers Angelobung ranken sich eigenartige Gerüchte. Aus der Umgebung von Schlaff heißt es, man habe ein Dutzend Personen zu Ehren Gusenbauers eingeladen. Der Startenor Neil Shicoff soll dort ‚Kleinzack‘ aus ‚Hoffmanns Erzählungen‘ zum Besten gegeben haben. Der Kanzler selbst erzählt, es habe keine Party gegeben.“

Armin Wolf am 11.10.2008

Neil Shicoff ist einer jener jüdischen Opernsänger, welche die Schlaffs fördern; er trat auch z.B. bei der Hochzeit eines Schlaff-Sohnes auf, bei der Gusenbauer natürlich unter den Gästen war. 2006 erwarb Schlaff Anteile am Feuerfest-Konzern RHI, in dem Gusenbauer dann lange im Aufsichtsrat sitzen sollte. Bekanntlich investierte Schlaff nicht nur in die israelische Firma Foresight von Frau Kern, sondern Herr Kern hatte auch einen 2 Millionen Euro-Vertrag als RHI-Vorstandsvorsitzender in der Tasche, als er 2016 doch lieber Bundeskanzler wurde. Bei Petzner-Auftritten wie oben an Haiders Todestag muss man abwägen, ob man ihm mehr Glauben schenkt oder Familienangehörigen; es mag so sein, dass er aus seiner Perspektive nach vier Jahren beruflich an Haiders Seite einen „Lebensmenschen“ verloren hat, die Familie darunter aber etwas anderes versteht. Als der ehemalige kasachische Botschafter Rachat Alijew 2015 in U-Haft verstarb (und ein Gutachen später von Mord ausging), machte Haiders Schwester Ursula Haubner Medien zufolge mit „Verschwörungstheorien“ von sich reden. „Bis heute gibt es keine Erkenntnisse darüber, ob sich im Blut des Landeshauptmannes verbotene Betäubungsmittel befunden haben“, stellte sie etwa fest und wies darauf hin, dass Haider ohne Information der Familie einbalsamiert wurde, was eine weitere Blutuntersuchung verunmöglicht.

Akuell sagt Haubner: „Von Verschwörungstheorien halte ich grundsätzlich nichts. Allerdings gibt es für mich persönlich sehr wohl einige Ungereimtheiten.“ Sie bezieht sich vor allem darauf, wie sie ihn erlebt hat: „Der Alkoholgehalt in dieser Höhe ist für mich absolut nicht nachvollziehbar. Vor allem, wenn man Jörg gekannt hat. Den Bergsteiger, Sportler, Marathonläufer, einen, der jede freie Minute ausgenützt hat, um sich körperlich fit zu halten und zu trainieren. Das passt einfach nicht zusammen.“ Und sie sagt:“Ich glaube einfach, dass ihm vielleicht, aus welchen Gründen immer, andere Substanzen in ein Getränk beigemischt wurden. Das sind meine Vermutungen, ich habe dafür keine Beweise. Aber bei 1,8 Promille hätte er in kurzer Zeit nur harte Getränke zu sich nehmen müssen. Das ist etwas, was bis heute offen ist und gerade Ungereimtheiten sind immer ein Nährboden für Verschwörungstheorien“, auch weil die Justiz den Akt zu schnell geschlossen habe. Beim Fall Aliyew denkt man auch an Lobbying für den kasachischen Diktator Nasarbajew, das bekanntlich Gabriel Lansky u.a. mit Gusenbauer betrieb, mit dem er schon lange befreundet ist: „Kulturschaffende, die nach der Präsentation des Koalitionsabkommens ihrerseits zu Gusenbauer auf Distanz gingen, sollen nun von Freund Lansky in gestaffelten Abendessen von der Sinnhaftigkeit des Vereinbarten überzeugt werden. Drei Dutzend Kontakte habe es bereits gegeben. Ein Zwischenbericht über den Erfolg der Überzeugungsarbeit liegt noch nicht vor.“

Petzner am 15.10. 2008

In einer ATV-Doku (hier Ausschnitte) kam Peter Westenthaler zu Wort, der wenige Tage vor Haiders Tod mit ihm bei einer Essenseinladung von Bundespräsident Heinz Fischer war; und da frage jemand (er sage den Namen nicht) Haider nach seinem Dienstwagen; dieser schwärmte dann von dessen Eigenschaften. Ein wenig Phaeton haben übrigens all jene Politiker, deren Dienstwagen ein Audi A 8 ist, dessen Technikkomponenten man auch im Phaeton findet. Als Westenthaler kürzlich von oe24 interviewt wurde, erzählte er wieder von jener Runde bei Fischer (auch Herbert Scheibner stand Rede und Antwort). Zur wahrhaft pompösen Verabschiedung Haiders meinten israeĺische Medien, dass viele Österreicher sich halt nach dem Dritten Reich sehnen würden. Nicht sehr freundlich war der „Standard“, indem er befand, dass die Trauerfeier den Charakter einer Heiligsprechung hatte. Unter den Rednern war auch der designierte Landeshauptmann Gerhard Dörfler, dessen Bruder Manfred bei der Polizei war, sich mit Haider-Ermittlungen befassen und Selbstmord begehen sollte. Und Gusenbauer trat auf, der sich vorher immer wieder mit Haider befetzt hatte, und er meinte u.a.: „Es ist traurig, wenn jemand viel zu früh aus dem Leben gerissen wird, von dem wir wissen, dass er noch vieles vor hatte – von dem wir wissen, dass er noch vieles schaffen und verändern wollte. Gerade wenn es jemand war, der so viele auf und nieder in seinem Leben erlebt hat und trotzdem immer wieder mit großer Kraft zurückgekommen ist.

Ja, am heutigen Tag sollte man sagen über alle politischen Lager und Unterschiedlichkeiten hinweg: Respekt und Anerkennung. Jörg Haider: Du hast vieles gewollt, nicht alles aber sehr vieles erreicht.Und viele, viele Menschen danken es Dir. Und viele werden vielleicht die Größe aufbringen, Deinen Tod zum Anlass zu nehmen, sich mit Dir als Mensch zu versöhnen.“ War das wirklich so versöhnlich, wie manche Gusenbauer attestierten, oder ging es darum, vollendete Fakten festzustellen: es würde lange brauchen, bis ÖVP und FPÖ wieder gemeinsam regieren sollten? Als Haider 2000 nicht in die Regierung ging und die BZÖ-Führung an Susanne Riess abtrat (die man später wie Gusenbauer im Aufsichtsrat von Rene Benkos Signa finden sollte), waren seinem Umfeld zufolge ausschließlich persönliche Gründe ausschlaggebend. Doch vor der Wahl 2002 sprach er davon, bedroht worden zu sein und spielte auf den wenige Monate zuvor ermordeten Rechtspopulisten Pim Fortuyn an, der gegen holländische Investitionen in den Joint Strike Fighter von Lockheed war. Manche sehen dies gemäß dem seit Jahren gepflegten Narrativ als Beweis für die Verderbtheit des Eurofighter-Anbieters EADS an, doch vielleicht sollte man es direkter verstehen. Dies umso mehr, als dass SPÖ-Verteidigungsminister Norbert Darabos auch zur Zeit des Todes von Jörg Haider abgeschottet, überwacht, unter Druck gesetzt wurde; er sollte bloßer Statist sein, während andere die Fäden ziehen (er fuhr übrigens lange einen Audi A ().

Peter Westenthaler

Für Lockheed lobbyierte bis zur Ukraine-Affäre im Herbst 2017 die Podesta-Group; John Podesta war immer mit Stanley Greenberg verbunden, dessen Firma nach dem SPÖ-Wahlkampf 2006 in den Besitz von Tal Silberstein überging, weil Greenberg dessen Methoden zu skrupellos waren. Auch Gusenbauer arbeitete ja zeitweise für die frühere ukrainische Regierung, sodass sich auch da der Kreis schließt. Außerdem sieht man am Beispiel Rumänien, dass ein Silberstein-Kunde und -Freund, Ex-Staatspräsident Traian Basescu, die Entscheidung für F-16 statt Eurofighter durchsetzte, ein CIA-Geheimgefängnis und den Raketenschild (System Aegis von Lockheed) ermöglichte. Immer ist auch eine eigenständige Politik z.B. gegenüber dem Iran im Visier oder wenn ein Konzern wie Airbus bereit ist, mit dem Iran Geschäfte zu machen. Wenig erfreut wird die Familie sein, wenn von Briefkastenfirmen in Liechtenstein die Rede ist, doch ansonsten wird zumindest Claudia Haider mit Respekt behandelt. Nur ganz kurz wollte Ulrike Querica-Haider BZÖ-Spitzenkandidatin bei der EU-Wahl 2014 sein; sie sprach auch an, dass einiges nicht stimmig ist beim Tod ihres Vaters und legte nach Querelen die Kandidatur zurück. Es ist absolut spekulativ, wie ein Interview mit einer Witwe verlaufen würde, deren Mann nicht bekannt war und wo keine Zweifel bestehen, dass es sich wirklich um einen tragischen Unfall handelte.

Und doch hat man bei Claudia Haider den Eindruck, dass sie zwar sehr gefasst ist und weiss, dass sie damit leben muss, es aber niemals wird abschließen können. Es ist wie ein Nachhall der Erschütterung eines Gefüges vieler Menschen, als Haider ihrer Wahrnehmung nach so brutal aus dem Leben gerissen wurde. Heute ist unumstritten, dass Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) an einer Kranzniederlegung am Grab Haiders teilnimmt. Damals gewann man den Eindruck, dass die psychische Ausnahmesituation benutzt wurde, in der sich Stefan Petzner befand, der auch nicht verstand, dass er auf seine Weise gerade Haiders Andenken beschädigte. Man sehe sich das Interview mit Armin Wolf am Haider-Todestag an und erinnere sich z.B. daran, dass Wolf mit einem „witzig“ gemeinten „Django, die Totengräber warten schon“ 2017 zum Rücktritt von Reinhold Mitterlehner beigetragen hat. Als Petzner wieder an die Reihe kam, wurde er zum angeblichen Blutalkoholwert von 1,8 Promille befragt und konnte als Häufchen Elend nur daran appellieren, die Privatsphäre Haiders zu respektieren, weil er ohnehin den höchsten Preis bezahlt habe; es sei ja sonst niemand zu Schaden gekommen. Legendär ist ein Ö3-Interview, in dem Petzner Haider als seinen „Lebensmenschen“ outete; übrigens versuchten Medien mit viel Aufwand vergeblich, Haider Homo- oder Bisexualität nachzuweisen.

ORF-Report

Man fragt sich, warum kein der Sache besser gewachsener Haider-Weggefährte an die Öffentlichkeit trat, doch mit Petzner war die Möglichkeit verstrichen, dennoch mit der FPÖ wieder zusammenzugehen und eine Regierung mit der ÖVP zu bilden. Er meinte nach einer Woche einsichtig, dass er sich nur selbst schade, doch es folgte dann später eine Abrechnung mit Haider in Buchform und schließlich der Weg in „linke“ Formate wie „Willkommen Österreich„, was ihm Häme u.a. von Ex-BZÖ-Chef Gerald Grosz einbrachte. Petzner gibt es auch im Falter-Radio und er hätte beinahe beim letzten SPÖ-Wahlkampf mitgemischt (wo es eh schon wurscht war mit Silberstein, Leuten von den NEOS usw.). Petzner war der letzte typische Vertreter der Buberlpartie, jener jungen Männer, die Haider in die Politik holte und die ohne ihn wohl nie dort gelandet wären. Einer der „Buben“ war Gerry Mischka, der 2004 untertauchte, nachdem er nach dem Ausscheiden aus der Politik Probleme mit der Justiz bekam. Mit ihm wird u.a. die Pleite des Internetproviders YLine in Verbindung gebracht und er machte 2004 noch Geschäfte mit „Börsenguru“ Mike Lielacher, der enge Kontakte zum BZÖ hatte. Später arbeitete Lielacher mit (Gusenbauer-Fan) Rudi Fussi zusammen, der wiederum 2017 im SPÖ-Wahlkampf mit Tal Silberstein kooperierte und sich jeden Dienstag bei oe24 mit Grosz matcht (kürzlich auch mit kleiner „Haider schwul“-Provokation). Es versteht sich von selbst, dass Petzner dieser Tage wieder ein besonders gefragter Gesprächspartner ist.

PS: Beim Petzner-Interview vom 15.10.2008 meinen viele User/innen, dass er große Angst habe, dauernd nach unten sieht und sich permanen widerspricht, Haider war einmal alkoholisiert (weil es so festgestellt wurde) und dann wieder nicht. Auf der Webseite Schlaglichter erinnert sich gerade Peter Sichrovsky an seine Zeit in der FPÖ und die Begegnungen mit Haider. Wenn wir aus heutiger Sicht die von mir verlinkten ORF-Beiträge ansehen oder hören, wird klar, dass hier keine objektive Berichterstattung erfolgte; beim Ö1-Nachruf am 11.10. 2008 um 7 Uhr ging es vor allem darum, ob sein Job nicht eine große Belastung für die Familie war; Gesprächspartner wurden nur zu Negativem befragt. In Kärnten ist der Tag der Einheit des Landes, der 10. Oktober von großer Bedeutung; deshalb wurden die meisten Fotos von Haider am 10.10.2008 auch bei einer Feier mit Bundesheer, Schülergruppen, Musik usw. aufgenommen. Nicht von ungefähr steht in Petzners Wikipedia-Eintrag: „Nach Haiders Unfalltod wurde Petzner vom Parteivorstand des BZÖ am 12. Oktober 2008 einstimmig zum neuen Parteichef nominiert. Er trat für die Eigenständigkeit seiner Partei und gegen eine Vereinigung mit der FPÖ ein. Als erstes Ziel nannte er das Verhindern einer Neuauflage der rot-schwarzen Koalition in Österreich.“ Man beachte, dass der eine Satz dem anderen widerspricht, das Erreichen des Zieles verhindert. Und so ging es weiter: „Petzner galt zunächst auch als alleiniger Kandidat für die Position des Klubobmanns im Nationalrat. Nach emotionalen Statements und Interviews, in denen er Jörg Haider nach dessen Tod unter anderem als seinen ‚Lebensmenschen‚ bezeichnet hatte, geriet Petzner jedoch in die parteiinterne Kritik. Am 22. Oktober 2008 wurde in der Folge Josef Bucher einstimmig zum Klubobmann gewählt. Petzner erklärte nach der Abstimmung, er selbst habe Bucher vorgeschlagen.“ Parteichef blieb er auch nicht lange und wurde von Herbert Scheibner abgelöst.

 

Anhang:
Zitate

„Was wir brauchen, ist eine klare und ehrliche Rückbesinnung auf jene Werte und Tugenden, die uns im Wohlfahrts- und Wachstumstaumel der Vergangenheit ein bisschen abhanden gekommen sind. Ich meine Werte wie Fleiß, Leistungswillen, Arbeitsmoral, Disziplin und Ordnung. Ich meine Tugenden wie Bescheidenheit, Gemeinsinn, Sparsamkeit und vor allem Anständigkeit.“ – (Jörg Haider, 5. September 1994)

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