Journalismus am Tiefpunkt: Integrationsklima prima, Methode verheerend

Die Propagandisten des Merkel-Staates geizen nicht mit Wortschöpfungen und Neologismen der besonderen Art: es gibt kein Volk mehr, sondern nur noch jene, „die hier schon länger leben“.

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Robert Habeck (GRÜNE) „Es gibt kein Volk“

Aus Asyltourismus wird „Sekundärmigration“, aus Asylant „Schutzsuchender“. Nach der „Ehe für alle“ freuen wir uns jetzt über das „Integrationsbarometer„.

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Bild: ARD-Tagesschau Integrationsbarometer

ARD und ZDF präsentieren uns im Bahnhofsklatscher-TV ein fröhliches Gegackere auf dem Ponyhof, Kinder- und Kulleraugen und fußballspielende, ministrierende Senegalesen. Unterbrochen nur durch Werbespots für Nutella und Kinderüberraschung.

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„Das Schlimmste ist ein fußballspielender ministrierender Senegalese. Der ist drei Jahre in Deutschland — als Wirtschaftsflüchtling — den kriegen wir nie wieder los“  (Andreas Scheuer)

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Mit allen nur denkbaren Tricks will uns eine GEZ-finanzierte Staatspropaganda eintrichtern, daß alles im grünen Bereich sei und prima läuft. Deswegen wurde ein Beweis wie das Kaninchen aus dem Zylinder gezaubert: das Integrationsbarometer. Friede, Freude, Eierkuchen. Und Onkel Kleber und Tante Slomka aus dem ZDF grinsen dazu. Science files ist von Sommer Sonne Kaktus weniger überzeugt:

Journalismus am Tiefpunkt: Integrationsklima prima, Methode verheerend

„Es ist erschreckend, wie leicht es ist, deutschen Journalisten etwas vor die Nase zu setzen, das sie in einer Naivität und Unwissenheit verbreiten, die einem den Atem raubt. Voraussetzung: Es muss etwas politisch Korrektes sein. Wenn man jetzt zum Beispiel Daten zusammenschustert, um zu zeigen, dass Flüchtlinge in Deutschland auf Händen getragen werden oder Migranten sich in Deutschland super wohl fühlen, wohl fühlen an sich reicht hier nicht mehr, es muss schon super wohl sein, dann ist die Verbreitung gesichert.

Das muss sich auch der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen gedacht haben, von dem wir bis gestern nicht wussten, dass es ihn gibt und bis heute nicht glauben konnten, dass sich der Rat tatsächlich für kompetent in Sachen empirischer Sozialforschung hält. Stabiles Klima in der Integrationsrepublik Deutschland, so lautet der Titel einer „Studie“, in der Daten verarbeitet werden, die vom 19. Juli 2017 bis zum 31. Januar 2018 gesammelt wurden. Wenn man bedenkt, dass die Studie eine Querschnittstudie (jedem Befragten werden zu einem Zeitpunkt dieselben Fragen gestellt) ist, könnte der SVR-Integrationsbarometer, wie das Werk in der Hoffnung, vom Polit- und Eurobarometer ein paar Aufmerksamkeitspunkte abziehen zu können, genannt wurde, leicht in das Guinnessbuch der Rekorde für die längste Feldzeit in der Geschichte der Sozialforschung eingehen. Als beste empirische Studie wird er das mit Sicherheit nicht.

Was uns im Zusammenhang mit dem SVR-Integrationsbarometer am meisten fasziniert, ist, dass er von Journalisten landauf landab wiedergekaut wird, also seine ersten beiden Seiten, auf denen „Das Wichtigste in Kürze“ steht, ohne dass die nämlichen Journalisten auch nur eine Idee davon haben, was sie hier eigentlich verbreiten. Aber alle sind in naiver Begeisterung dabei, ein tolles, positives, schönes Ergebnis zu verbreiten: „Studie: Streit um Asylpolitik hat Integrationsklima nicht vergiftet“, schreibt ein Könner beim Tageblatt online und ein Spezialist bei der WELT übernimmt es. Kunststück: Der Streit um die Asylpolitik fand rund ein halbes Jahr nach der Befragung statt. Ein positives Integrationsklima hat die FAZ ausgemacht, RP Online erklärt seinen Lesern, die WELT weiß, dass die Stimmung gegenüber Zuwanderern weitgehend positiv ist, gleiches vermeldet das Hamburger Abendblatt. Auch beim ORF in Österreich weiß man, dass Deutsche die Integration positiv sehen und bei den Stuttgarter Nachrichten weiß man gar, wie Deutsche Integration wirklich sehen, während die Frankfurter Rundschau berichtet, dass Bürger bei der Integration gegen Seehofer stehen.

Alle diese Niederlagen des deutschen Qualitätsjournalismus leben ihre Begeisterung darüber, dass eine Studie herausgefunden haben will, was sie denken, in freudiger Unkenntnis dessen aus, was die Spezialisten vom SVR-Integrationsbarometer in ihren sechs Monaten Feldzeit eigentlich getrieben haben. Und besser als Christoph Käppler vom ARD-Hauptstadtstudio kann man seine komplette Unkenntnis darüber, was es eigentlich ist, was man hier bejubelt, nicht in Worte fassen. Käppler schreibt:

„Das zentrale Ergebnis ist, dass das Integrationsklima in Deutschland insgesamt bei allen Befragungsgruppen stabil bleibt mit Werten zwischen 64 und 70“.

Nun wissen wir es. Werte zwischen 64 und 70 sind nicht nur stabil, sondern auch gut oder positiv, wie auch immer, sie sind in jedem Fall hoch, denn die zugrunde liegende Skala, sie reicht von 0 bis 100.

Wir verschaffen den angeblichen Qualitätsjournalisten nun ein böses Erwachen.

Der von allen zitierte SVR-Integrationsbarometer basiert auf einem Index, der sich wiederum aus 16 Aussagen /F ragen zusammensetzt, die wiederum 4 Bereichen zugeordnet werden.

Bereich 1: Erfahrungen mit Migranten (bzw. mit Deutschen, wenn die Befragten selbst Migrant sind). Vier Fragen, die sich auf Erfahrungen

  • im Bekanntenkreis,
  • am Arbeitsplatz,
  • in der Nachbarschaft
  • an der Schule / Ausbildungsstelle / Universität bzw. Schule / Ausbildungsstelle / Universität der Kinder

beziehen.

Antwortmöglichkeiten: sehr positiv, eher positiv, eher negativ, sehr negativ;


Bereich 2: Ausmaß der Zustimmung zu 6 Aussagen:

  • Deutsche und Migranten leben in Nachbarschaft ungestört miteinander.
  • In der Nachbarschaft helfen sich Deutsche und Migranten gegenseitig.
  • Deutsche Schüler und Schüler mit Migrationshintergrund werden bei gleicher Schulleistung gleich benotet.
  • In Schulen mit vielen Migranten Kindern lernen alle Schüler weniger.
  • In Unternehmen arbeiten Deutsche und Migranten problemlos zusammen.
  • Deutsche und Migranten haben auf dem Arbeitsmarkt bei gleicher Qualifikation die gleichen Chancen.

Antwortmöglichkeiten: Trifft voll und ganz zu, trifft eher zu, trifft eher nicht zu, trifft gar nicht zu.


Bereich 3: Zwei Aussagen, von denen wir und die Autoren nicht so wirklich wissen, was sie eigentlich messen.

  • Bei persönlichen Problemen kann man sich auf deutsche Freunde weniger verlassen als auf Freunde mit Migrationshintergrund.
  • Deutsche Freunde verstehen einen genauso gut wie Freunde mit Migrationshintergrund.
  • Antwortmöglichkeiten: Trifft voll und ganz zu, trifft eher zu, trifft eher nicht zu, trifft gar nicht zu.

Bereich 4: Vier Fragen zum potentiellen Verhalten.

Würden Sie

  • in eine Nachbarschaft ziehen, in der viele Menschen ganz unterschiedlicher Herkunft leben?
  • Ihr Kind an einer Schule mit hohem Migranten-Anteil anmelden?
  • Sie es befürworten, wenn ein Mensch anderer Herkunft in ihre Familie einheiratet?
  • in einem Unternehmen arbeiten, in dem viele Menschen ganz unterschiedlicher Herkunft beschäftigt sind?

Antwortmöglichkeiten: Ja, auf jeden Fall, eher ja, eher nein, auf keinen Fall.


Aus diesen 16 Fragen / Aussagen basteln die Autoren des SVR-Integrationsbarometers den Index des „Integrationsklima“, von dem Christoph Käppler in der ARD berichtet, dass er von 0 bis 100 reicht.

Wie kommt man von den 16 Aussagen / Fragen zu einer Skala, die von 0 bis 100 reicht?

Da, wo kein Journalist mehr liest, auf Seite 6 des Berichts, wird es erklärt: Die vier Bereiche werden zunächst zu Teilindizes erklärt, für jeden der vier Teilindizes und jeden Befragten ein Mittelwert errechnet, die vier Mittelwerte gehen dann mit gleichem Gewicht in den „SVR-Integrationsklima-Index“ ein, von dem wir wissen, dass er einen Wertebereich von 0 bis 100 hat.

Zunächst einmal kann man trefflich darüber streiten, ob „ja, in jedem Fall“, äquivalent zu „trifft voll und ganz zu“ und „sehr positiv“ ist. Diese Äquivalenz setzen die Autoren stillschweigend voraus. Dann kann man weiterstreiten, ob man Teilindizes, die sich aus zwischen 2 und 6 Fragen / Aussagen zusammensetzen, gleichbehandeln kann oder ob man sie nicht zunächst standardisieren und mit der unterschiedlichen Anzahl von Antwortmöglichkeiten gewichten muss. Beide Streits können wir hinten anstellen, denn wir werden nun zeigen, dass der SVR-Integrationsklimaindex nicht wirklich etwas misst.

Dazu haben wir uns auf Basis unserer Kenntnisse empirischer Sozialforschung und dessen, was die Autoren von ihrem Index preisgeben, zurückgetastet.

Es gibt natürlich überhaupt keinen Grund anzunehmen, dass die 16 Aussagen / Fragen, die zu einem Integrationsklima-Index zusammengefasst werden, auch eine gemeinsame Dimension bilden, die man als „Integrationsklima“ bezeichnen kann. Normalerweise prüft man mit Reliabilitätstests und Faktorenanalysen, ob die 16 Aussagen / Fragen eine gemeinsame Dimension bilden oder nicht. Man tut dies dann, wenn man die Frage beantworten will, ob es sinnvoll ist 16 Aussagen / Fragen als Integrationsindex zusammenzufassen. Man tut es nicht, wenn man einfach nur behaupten will, dass das, was man zusammengeschustert hat, ein Integrationsklima-Index sei.

Der Index hat einen Wertebereich von 0 bis 100.

Jeder Teilindex geht mit gleichem Gewicht in den Index ein.

Es gibt 4 Teilindices, also hat jeder ein Gewicht von 25%.

Jede Frage hat vier valide Antwortkatgeorien, die mit den Codes von 0 bis 3 versehen sind. Da eine metrische Verteilung angenommen wird, hat ein Befragter, der auf die sechs Aussagen von Bereich 2 immer gesagt hat, dass er „voll und ganz zustimmt“, ein Gewicht von 25% im Gesamtindex, einer, der immer gesagt hat, dass er überhaupt nicht zustimmt, eines von 6,25%. Das ist der erste Fehler im Index. Er geht nicht von 0 bis 100, sondern von 6.25 bis 100. Aber geschenkt (zunächst).

Wenn nun ein Befragter auf alle 16 Aussagen / Fragen konstant sagt, eher negativ, trifft eher nicht zu und eher nein, dann erreicht er die Grenze von 50, ab der die Autoren davon ausgehen, dass der Index im positiven Bereich sei und ein positives Integrationsklima abbilde. Der Unsinn hinter dieser Behauptung wird daran deutlich, dass ein Befragter, der 15 Mal eher nicht, trifft eher nicht zu und einmal „eher positiv“ gesagt hat, als Befragter gezählt wird, der das Integrationsklima in Deutschland positiv einschätzt.

Befragte, die zu acht Fragen / Aussagen „trifft eher nicht zu“, „eher nein“ oder „eher negativ“ sagen und zu acht Fragen / Aussage „trifft eher zu“, „eher ja“ oder „eher positiv“ erreichen auf dem Index einen Wert von 62,5. Um einen Wert von 70 zu erreichen, ist es ausreichend zu einer Aussage zu erklären, dass sie voll und ganz zutreffe, 12 Aussagen / Fragen „eher“ positiv zu beantworten und drei Aussagen „eher“ negativ zu beantworten.

Es ist somit sehr leicht, ein positives Integrationsklima zu errechnen, schon weil der Index einen Bias in den positiven Bereich hat, den man dadurch beheben müsste, dass man alle Werte des Index um den Faktor 6,25 reduziert, um ihn tatsächlich und nicht nur theoretisch bei 0 beginnen zu lassen. D.h. alle in den Medien berichteten Werte müssten eigentlich um den Faktor 6,25 reduziert werden, was einen Wertebereich für die ARD-Berichterstattung von 57,75 bis 63,75 übrig ließe.

Viele Kommentatoren haben sich auf ein Ergebnis gestürzt, das die gute alte Kontakthypothese aufwärmt. Personen, die Kontakt mit Migranten haben, haben die Tendenz, Migranten positiver zu betrachten als die, die keinen Kontakt haben. Die These ist so alt, dass sie zwischenzeitlich belegt und widerlegt und wieder belegt und wieder widerlegt wurde, wie der aktuelle Stand der Bestätigung ist, wissen wir im Moment nicht, aber die Autoren des SVR-Integrationsbarometer 2018 wollen sie angeblich wieder bestätigt haben. Auf Seite 12 findet sich die verhängnisvolle Abbildung, die zeigt, dass mit zunehmendem Kontakt der Wert auf dem SVR-Integrationsklima-Index steigt.

Dieses Ergebnis, auf das sich viele der Gutmenschen, die wenig Ahnung haben, aber viel Ahnung vortäuschen, gestürzt haben, ist ein Paradebeispiel für ein statistisches Artefakt. Wer eines für seinen Methodenkurs sucht, hier ist es.

Ein statistisches Artefakt ist ein Ergebnis, das sich aus der Art der Messung ergibt, nicht aus dem, was gemessen wurde. Wer sich an ein paar Sätze zurück erinnert, der weiß, dass vier Fragen und 25% des Integrationsindex Fragen zu Erfahrungen sind, die man mit Migranten gemacht hat. Um Erfahrungen mit Migranten gemacht zu haben, muss man KONTAKT zu Migranten haben. Bei Erstellung des Fragebogens haben die Autoren das noch gewusst, denn sie haben eine Filterführung eingebaut, so dass die Frage, welche Erfahrungen man mit Migranten am Arbeitsplatz gemacht habe, nur denen gestellt wurde, die am Arbeitsplatz auch Kontakt mit Migranten hatten.

Bei der Konstruktion des Index ist das vergessen. Alle Bereiche gehen, wie die Autoren erklären (siehe oben) mit gleicher Stärke in den Index ein, was zur Konsequenz hat, dass Personen, die keinen Kontakt zu Migranten haben, per se 25% weniger Punkte auf dem Index erreichen können. Kein Wunder also, dass die Autoren dann, wenn sie eine Kreuztabelle berechnen, die die Kontakthäufigkeit als unabhängige Variable beinhaltet, zu dem Ergebnis kommen, dass Personen, die keinen Kontakt mit Migranten haben, auch einen geringeren Wert auf dem Integrationsindex erreichen. Das ist ein Effekt ihrer Konstruktion des Indexes, ein statistisches Artefakt, kein empirisches Ergebnis, und es hat zur Folge, dass sich Annette Widmann-Mauz in der ARD ganz umsonst ereifert und ganz umsonst behauptet, dass „direkter Kontakt“ für eine „positive Einstellung zur Integration“ maßgeblich sei. Ob direkter Kontakt die Einstellung zu Migranten positiv oder negativ oder überhaupt beeinflusst, ist nach wie vor eine offene Frage. Das SVR-Integrationsbarometer hat überhaupt nichts zur Beantwortung beigetragen.

Kurz: Der SVR-Integrationsklima-Index ist ein Index, der so viele Probleme zur Zahl gemacht hat, dass man ihn besser dem Vergessen anheim stellt, um sich nicht vor der Zunft der empirischen Sozialforscher, die noch Ahnung von Methoden haben, lächerlich zu machen. Es reicht natürlich immer, um viele Journalisten, die sich wohl durch keinerlei Kenntnis in irgendeinem Feld auszeichnen, zu beeindrucken und bei ihren Vorurteilen abzuholen.

Nach so viel Negativem, wollen wir diesen Post konstruktiv beenden, nicht, indem wir den Machern des Index empfehlen, weniger Wert auf beeindruckende Formeln und mehr Wert auf methodische Grundlagen zu legen, sondern dadurch, dass wir ein Ergebnis präsentieren, das in der öffentlichen Diskussion untergegangen ist, was kaum erklärlich ist, oder vielleicht doch?

Die folgende Abbildung ist Seite 14 des Berichts zum SVR-Integrationsklima-Index entnommen. Gefragt wurde danach, ob die „aufgenommenen Flüchtlinge“ die Kriminalität in Deutschland erhöhen. Eine knappe Mehrheit der Befragten stimmt dieser Aussage eher oder voll und ganz zu.

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