Ein Dreschflegel namens „Menschlichkeit“

Der von Egalitärfrömmlern inflationär als Waffe mißbrauchte und instrumentalisierte Begriff von der „Menschlichkeit“ oder seinen Varianten „Barmherzigkeit“ oder „Nächstenliebe“ strapaziert die Empathie für Humanitärbigotte und sprengt das Gefüge des rationales Denkens.

 

Der Wiener Arzt Dr. Marcus Franz macht sich Gedanken über die gerade in der bunten Schickeria penetrant als Munition im Munde geführten humanitären Imperative:

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Ein Dreschflegel namens „Menschlichkeit“

Es gibt eine ganze Reihe von rationalen und objektivierbaren Gründen, prinzipiell gegen die unkontrollierte Massenmigration aus Afrika und dem Orient zu sein. Einer der wichtigsten ist, dass entwickelte Sozialsysteme wie die europäischen ihre physischen bzw. nationalen Grenzen brauchen, um funktionieren zu können.

 

Ebenso können unsere Strukturen auch nur einer begrenzten Anzahl von Leuten (=Staatsbürgern) zur Verfügung stehen, weil es eine definierte Menge von Leistungserbringern und -empfängern geben muss, um die Ausgewogenheit und Finanzierbarkeit der Systeme zu gewährleisten. Offene Grenzen gefährden diese Bedingungen. Der weltberühmte Ökonom Milton Friedman fasste diese unwiderlegbare Tatsache schon vor vielen Jahren mit einem treffenden Satz zusammen: „You can have a welfare state or you can have open borders. But you can`t have both.“

 

Die Gesamtheit sehen

Es geht bei der Frage der Massenmigration aber nicht nur um die rational begründbaren und legitimen Interessen der Zielländer, sondern es geht natürlich auch um die Migranten. Man kann deren Schicksale nicht einfach ausblenden oder ignorieren. Man kann aber auch nicht so tun, als ob statt Vernunft und Objektivität eine emotionale Herangehensweise an die Problematik der Schlüssel zur Lösung derselben sei. Wer das aus einer verantwortlichen Position heraus tut, führt sich selbst, sein Land und auch die Migranten in die Irre.

 

Die Menschlichkeit als Phrase

Die sogenannte „Menschlichkeit“ und alle ihr verwandten Begriffe wie die „Barmherzigkeit“ oder die „Nächstenliebe“ werden in der großen europäischen Krise aus den verschiedensten Motiven ge- und vor allem missbraucht, um die dringend notwendige rationale und nachhaltige Wende in der Migrationspolitik zu verhindern. Sobald diese Begriffe in der Diskussion auftauchen, wirken sie als Totschlag-Argumente und viele Leute haben deswegen noch immer Scheu, auf dem Boden der intellektuellen Redlichkeit weiter zu debattieren – eben weil die Menschlichkeits-Prediger die Vernünftigen in eine moralisch unterlegene Position drängen wollen. 

 

Das Gegenteil ist wahr

Es ist jedoch genau umgekehrt: Moralisch unterlegen sind am Ende stets diejenigen, die heute als Hypermoralisten daherkommen. Man kann nachweisen, dass die als „human“ bezeichnete permissive Flüchtlings- und Migrationspolitik im Grunde das Gegenteil von humanem Denken darstellt. Sie verursacht nämlich genau das, wogegen sie angeblich auftritt: Die zur Genüge kritisierte Einladungs-Politik von 2015/16 und die jetzt etwa in Spanien ventilierten „menschlichen“ Ideen, die Migration zu erleichtern (dort sollen die Grenzzäune reduziert werden), stellen fatale Signale dar. Und erst durch solche Zeichen sowie durch die unverändert offenen Migrationsrouten werden die illegalen Migranten in großer Zahl angelockt.

 

Das Risiko steigt – und die Schuld wird größer

Je mehr Leute das Risiko der Migration auf sich nehmen und den Schleppern samt ihren desolaten Booten vertrauen, desto mehr tragische Seenotfälle gibt es. Die selbsternannten „Humanisten“ müssen in Wirklichkeit mit einer ungeheuren Schuld leben: Sie begünstigen die tödlichen Risiko-Situation am Meer und sie gefährden ihre eigenen Nationen.

 

Die Speerspitzen dieser pervertierten „Menschlichkeit“ sind die vielzitierten NGO-„Rettungs“-Schiffe, die vor der libyschen Küste kreuzen. Sie sind ein Garant dafür, dass Migranten aus den Häfen Nordafrikas aufbrechen, um sich ein paar Kilometer vom Ufer entfernt von den Zeloten der Hilfsorganisationen auflesen zu lassen.

 

Unverdrossen das Falsche tun

Trotzdem wird von linksgerichteten Politikern, linken Medien und verschiedenen christlichen Kirchenvertretern noch immer und oft mit Verve behauptet, diese Art von „Flüchtlingspolitik“ würde die einzig menschliche sein und wir als Europäer seien geradezu verpflichtet, die herannahenden Massen aus den südlichen Ländern mit offenen Armen zu empfangen und ihnen jede Unterstützung angedeihen zu lassen. Im Rahmen dieser falschen Sichtweise kommt es mitunter zu krassen Verurteilungen von Leuten, denen die eigene Nation wichtig ist. Politisch aktive Bischöfe und Caritas-Vertreter sind dabei stets für vorwurfsvolle Worte gut. Der deutsche Kardinal Marx verstieg sich sogar zu der Behauptung, Nationalisten könnten gar keine Katholiken sein.

 

Was steckt dahinter?

Man muss sich natürlich fragen, was die wahren Motive dieser gegen jede Rationalität ankämpfenden Interessensvertreter sind. Es liegt die Vermutung nahe, dass es den Vernunftgegnern vor allem um das eigene Prestige, den eigenen Vorteil und um pekuniäre Zuwendungen geht. Die NGOs leben zu einem großen Teil von staatlichen Mitteln und können diese nur lukrieren, wenn sie entsprechend viele Migranten versorgen.

 

Linke Politiker hoffen auf neue Wähler und wünschen sich die Entstehung eines neuen, importierten Proletariats (das aber in Wirklichkeit nur ein Lumpenproletariat werden kann). Und Personen des öffentlichen Lebens sowie viele Medien-Leute neigen generell dazu, das gemeine Volk erziehen zu wollen und brüsten sich deswegen gerne mit der „Menschlichkeit“ und richten grandiose Appelle an die Menschheit überhaupt.

 

Insgesamt erinnert dieses endlose und gar nicht authentische Humanitäts-Getue an ein Zitat des umstrittenen, aber höchst luziden Denkers und Rechtsphilosophen Carl Schmitt, der einmal messerscharf feststellte: „Wer Menschheit sagt, der will betrügen.“

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