Arthur Abele „König der Athleten“

Zu den Parade-Disziplinen deutscher Sportler gehört seit seiner Einführung im Jahre 1911 der Zehnkampf. Als Olympiasieger, Weltrekordler, Weltmeister und Europameister haben deutsche Allrounder dabei Geschichte geschrieben.

Über zwei Tage hinweg hatten sich die Athleten am 7. und 8. August 2018 in Berlin um den Titel eines Europameisters bis zum Äussersten verausgabt. Nach dem ersten Tag schien für den gebürtigen Mutlanger Arthur Abele (*30.7.1986) eine Medaille zwar in Reichweite, der Titel aber keineswegs sicher. Erst nach der vorletzten Disziplin kämpfte sich Abele durch einen famosen Speerwurf in die Pole Position. Aber erst wenn sich die Zehnkämpfer noch über die abschliessenden 1500 Meter schinden findet die Quälerei im Ziel ein erlösendes Ende. Abele war mit 4:30,84 schnell genug, um sich die chancenreichsten Konkurrenten aus Rußland und Weißrußland vom Leib zu halten. Mit 8431 hatte der Sportsoldat am Ende über 100 Punkte einen souveränen Vorsprung.

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Arthur Abele Europameister 2018 im Zehnkampf (c) Wikipedia

In der Chronik der seit 1934 ausgetragenen kontinentalen Titelkämpfe wurde Abele mit 32 Jahren der bis dato älteste Europameister.

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Arthur Abele beim Speerwurf Foto: Theo Kiefner

Seine Leistungen im Einzelnen:

10,86 (100m)
7,42 (Weitsprung)
15,64 (Kugelstoßen)
1,93 (Hochsprung)
48,01 (400m)

13,94  (110m Hürdenlauf)
45,42 (Diskuswurf)
4,60  (Stabhochsprung)
68,10 (Speerwurf)

4:30,84 (1500m)

 

Abele wurde in der Chronik der Europameisterschaften Nachfolger folgender früherer Titelträger:

1934  Turin  Hans-Heinrich Sievert                                               8103 Punkte

1966  Budapest     Graf Werner von Moltke                                 7740 Punkte

1969  Athen    Joachim Kirst                                                            8041 Punkte

1971  Helsinki    Joachim Kirst                                                        8196 Punkte

2012  Helsinki   Pascal Behrenbruch                                             8558 Punkte

Hans-Heinrich Sievert (1909-1963) wurde 1934 erster Europameister im Zehnkampf. Im selben Jahr verbesserte der Eutiner den Weltrekord auf 8790 Punkte. Tragischerweise verlor Sievert als Soldat 1945 in den letzten Kriegstagen sein linkes Bein durch eine Mine an der Ostfront bei den Abwehrkämpfen vor Wien. Der Jurist und Sportreferent im Bundesinnenministerium Sievert verstarb mit nur 53 Jahren.

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Hans-Heinrich Sievert (1909-1963) Weltrekord im Zehnkampf 1934

Die Europameisterschaften 1942 fielen dem Krieg zum Opfer. Im Jahr 1942 war Ernst Schmidt (1920-2000) mit 7280 Punkten weltbester Zehnkämpfer. Medaillen gewann dafür der Sohn von Ernst Schmidt: Wolfgang Schmidt verbesserte 1978 den Weltrekord im Diskuswerfen auf 71,16m.

In den Jahren 1946 und 1950 waren deutsche Sportler von Europameisterschaften ausgeschlossen. 1980 boykottierte die BRD die Olympischen Spiele in Moskau (für den Gold-Aspiranten Guido Kratschmer die Chance seines Lebens), 1984 boykottierte die DDR die Spiele in Los Angeles.

Bei den Olympischen Spielen 1964 in Tokyo siegte Willi Holdorf. 1988 in Seoul wurde Christian Schenk Olympiasieger.  Torsten Voss wurde 1987 Weltmeister im Zehnkampf.

Vier deutschen Zehnkämpfern gelang es, den Weltrekord im Zehnkampf zu verbessern: Hans-Heinrich Sievert (1934), Kurt Bendlin (1967) und in den 1980er Jahren Guido Kratschmer und Jürgen Hingsen.

 

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