Belehrungsdemokratie am Beispiel der SZ

Zu den einflussreichsten Printmedien der Belehrungsdemokratie gehört die „Süddeutsche Zeitung“. Angepriesen als Lektüre für „Anspruchsvolle“. Diese Meinung teilen die Autoren von „science files“ mitnichten. Im Gegenteil. Der Spötter genießt und analysiert die Beiträge der auch als „Alpenprawda“ und „Prantlhausener Pinocchio- und Pest-Postille“ bekannten Münchner Tageszeitung, indem er Inhalt und Autoren nach dem Motto „Wo Süddeutsche drauf steht, steckt meist Pinocchio drin“ durch den Kakao zieht.

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Humor gehört nicht zu den Stärken der „Süddeutschen Zeitung“. Eher schon der unfreiwillige Humor. Fest verankert im verknöcherten Weltbild sklerotisch gewordener Frontkämpfer des paramilitärischen Belehrungsjournalismus obsiegen SZ-Redakteure in ihrer Einbildung tagtäglich in ideologischen Frontbegradigungen und dogmatischen Kesselschlachten. Neostalinistische Verbissenheit und Humorlosigkeit zieht sich wie ein roter Faden durch Leitartikel, Kommentare und Analysen. Fähige Karikaturisten werden in vorauseilendem Opportunismus gefeuert und genau so entsorgt wie nicht linientreue oder kritische Leserbriefe. Wer nicht spurt, der fliegt.

SZ-Daumen-nach-unten

Auch in Talkshows lassen SZ-Redakteure keine Zweifel aufkommen, daß sie sich moralisch überlegen fühlen.

Der wohl wegen seines unverkennbar völkischen Namens leicht entflammbare Beobachter Heribert Prantl pflegt offensichtlich eine spezielle Beziehung zu Läusen, die ihm über die Leber laufen. Besonders bei Rechtsabbiegern rastet der Jurist ostentativ aus und um im nächsten Moment mit lyrisch-spartakistischen Nachrufen auf verblichene RAF-Protagonisten zu verblüffen.

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Die SZ beklagt einen Verlust an Empathie für Flüchtlinge im Mittelmeer

Nach Martins Halbwahrheiten aus dem Bernsteinzimmer widmen wir uns via science files nun der ideologischen Enklave, in der Matthias Drobinski dem Leser mit seinem Steckenpferd „Mitleid“ an die Wäsche geht.

„Gleiches Mitleid für alle! Alpenprawda fordert Gleichstellung in Mitleid

Es war vorherzusehen, dass diejenigen, die immer zur Stelle sind, um Moral von anderen zu fordern, im Krieg um die Hoheit im öffentlichen Diskurs nicht passiv am Rand stehen würden, wenn die Medien in einem Livestream nach dem anderen den Mitfiebernden die Rettung von 12 Jungen und ihrem Trainer in die erste Reihe liefern.

Das konnte nicht so bleiben.

Schon weil Genderisten schäumen müssen, ob der Tatsache, dass die Schlagzeilen von männlichen Hauptdarstellern monopolisiert werden, 12 Jungen, ein männlicher Trainer und 90 männliche Taucher. Wo immer Kompetenz und Fähigkeit verlangt werden, bleibt Gleichstellung auf der Strecke. Vielleicht schäumen die Genderisten deshalb bislang im Stillen.

Nicht mehr ausgehalten hat das passive am-Rand-Stehen Matthias Drobinski von der Süddeutschen Zeitung. Wie so oft, wenn es darum geht, eine bislang normale Berichterstattung zu etwas Unerquicklichem fortzuentwickeln, ihr eine gehörige Portion dessen, was Gutmenschen für Moral halten, beizumischen, und sie zu einer nicht mehr erträglichen Darbietung in „wer-ist-der-bessere-Mensch“ zu degenerieren, ist die Alpenprawda in erster Frontlinie.

Und dieses Mal hat die Alpenprawda „zweierlei Maß von Mitleid“ erkannt.

Drobinski will es erkannt haben.

Einerseits gebe es viel Mitgefühl für die „Jungs in der Höhle in Thailand“, andererseits „einen Verlust an Empathie mit den Flüchtlingen im Mittelmeer“.

Dass es irgendwann einen geben würde, der es nicht mehr aushält, der vor Gutmenschensaft schier platzt und sich entsprechend erleichtern muss, ob der täglichen Schlagzeile für Jungen, das war klar, und nun wissen wir auch, in welcher Weise der Schlag gegen das falsche Mitleid erfolgen würde, mit logischen Fehlschlüssen und der absurden Vorstellung, man müsse als Mensch mit allen dieselbe Menge und genau dieselbe Art von Mitleid haben.

Auf dieser Prämisse basiert der Text von Drobinski. Er schiebt sie seinen Lesern unter und verurteilt jeden, der sie nicht mit ihm teilt.

Wir teilen Sie nicht.

Wir gehören zu denen, die nicht denken, alle Menschen verdienten dieselbe Art von Mitleid. Wir wehren uns gegen diese Nivellierung von Unterschieden zwischen Menschen und dagegen, die unter Linken so beliebte Ergebnisgleichheit ungeachtet aller relevanten Variablen, die einen Unterschied im Ergebnis bewirken, vorzunehmen.

  • Menschen sind nicht gleich.
  • Menschen haben unterschiedliche Motive.
  • Menschen haben unterschiedliche Kompetenzen.
  • Menschen haben unterschiedliche Präferenzen.

Deshalb fiebern viele mit den Jungen in der Höhle in Thailand und hoffen auf deren Rettung.

Und deshalb kommen nur am Versuch, eine tragfähige Moral aufzubauen Gescheiterte, wie Drobinski auf die Idee, das Mitleid mit den Jungen in Thailand gegen das aus seiner Sicht nicht vorhandene Mitleid mit Flüchtlingen im Mittelmeer, sofern es sie derzeit gibt, aufzurechnen.

Wie muss es in einem Kopf aussehen, der es nicht ertragen kann, dass Menschen ihr Mitleid nicht mit der Gießkanne über die Welt verbreiten, der denkt, man dürfe nicht mit A Mitleid haben, wenn man nicht auch mit B Mitleid habe?

Das ist so krank, dass man Mühe hat, die grundlegenden Fehler in Worte zu packen, es ist, als wollte man dem Schüler, der sich über die Eins in Mathematik freut, vorwerfen, dass er sich nicht gleichermaßen darüber gefreut habe, dass Deutschland bei der Fußball-WM ausgeschieden ist.

Es hat nichts miteinander zu tun. Lediglich im Kopf von Drobinski, in dem es furchtbar aussehen muss, wird es zusammengebracht auf Basis seiner Aufrechnungsmentalität.

Aber da Drobinski diesen Zusammenhang zwischen Flüchtlingen im Mittelmeer und Jungen in Thailand herstellen will, ist es notwendig, seine vielen logischen Fehler zu benennen.

Die versteckte Prämisse, die falsche versteckte Prämisse, auf der sein gesamter Text basiert, haben wir oben bereits angesprochen. Für den weiteren Text wollen wir es bei der Darstellung der vier offenkundigsten logischen Fehlern belassen:

  1. Falsche Äquivalenz

Die Flüchtlinge im Mittelmeer und die Jungen in einer Höhle in Thailand können nicht gleichgesetzt werden, schon weil erstere sich freiwillig auf ein nicht seetüchtiges Boot setzen, während Letztere in einer öffentlich zugänglichen Schauhöhle von den plötzlich einbrechenden Fluten eines Monsunregens überrascht wurden.

  1. Unvollständiger Vergleich

Wenn man beide vergleichen will, dann muss man auch die Folgen der Rettung beider Gruppen in Rechnung stellen. Die Jungen werden nach ihrer Rettung wieder ihr normales Leben in Thailand leben, vermutlich mit ein paar qualitativen Veränderungen, die in ihrer Persönlichkeit liegen, die Flüchtlinge, die sich im Mittelmeer retten lassen wollen, werden nach ihrer Rettung und für etliche Zeit auf Kosten einer Allgemeinheit leben, von der sich Drobinski fragt, warum sie kein Mitleid mit den Flüchtlingen hat.

  1. Fehlschluss der Psychologen

So wie Psychologen denken, sie seien über jeden psychologischen Schaden, den sie bei anderen diagnostizieren, erhaben, so denkt Drobinski von sich, er sei über jede Fehlzuweisung seines Mitleids erhaben und könne andere auf ihre Fehlzuweisung von Mitleid hinweisen. Indes spricht die Art und Weise, in der er von den „Jungs“ schreibt, mit denen man „hoffen und bangen“ MUSS, also es nicht etwa freiwillig tut, dafür, dass er klare Präferenzen hat, und nur deshalb Mitleid für die Jungen in Thailand empfinden will, weil sie ihm als Vorstufe für das größere Mitleid, das er mit den Flüchtlingen im Mittelmeer einfordert, dienen. Der Mann kann in seinem Leben noch nie Mitleid für ein Lebewesen gehabt haben, sonst wüsste er, dass Mitleid eine höchst individuelle Angelegenheit zwischen konkreten Lebewesen ist und kein kollektiver Sport zwischen Gruppen.

  1. Kafka Falle

Die Kafka-Falle wird gerne von denen aufgestellt, die sich anderen für moralisch überlegen halten oder doch zumindest inszenieren wollen. Sie basiert darauf, dass man versucht, seinem Gegenüber Schuld einzureden, z.B. weil es nicht in gleicher Weise Mitleid für die Jungen in Thailand und die Flüchtlinge im Mittelmeer habe (wobei die meisten – wie gesagt – gar nie auf die Idee kämen, beide in Verbindung zu bringen), um ihm dann, wenn er die entsprechende Schuld nicht für sich zulassen will, mit noch mehr Schuld zu beladen, bei Drobinski in der Form „Die Flüchtlinge sind den Europäern zu nahe gerückt mit ihrem Elend“, deshalb hätten Europäer kein Mitleid mehr mit den Flüchtlingen.

Derartige Habermaskeraden, die darin bestehen, begriffliche Wolkenkuckucksheime aufzubauen, sie auf andere anzuwenden und sich dann zu echauffieren, wenn diese anderen die Wolkenkuckucksheime nicht bewohnen wollen, sind leider sehr häufig in der deutschen Presselandschaft, in der die Zahl der Erregungs-, Wut- und Hassjournalisten jeden Tag zu wachsen scheint. Man fasst sie unter dem Fehlschluss der Reifikation zusammen.

Zeit, Mitleid zu haben, Mitleid mit Drobinski, der sich nicht mehr freuen kann, weil alle Ereignisse in seiner ideologischen Enklave so miteinander verwoben sind, dass er nicht anders kann, als anderen mit seiner moralischen Mission auf die Nerven zu gehen und im Gegensatz zu den Zeugen Jehovas geht er nicht, wenn man ihm gesagt hat, dass er sich trollen soll.

Übrigens finden wir, dass Matthias Drobinski zweierlei Maß von Mitleid hat, denn es macht ihm offensichtlich nichts aus, dass im Schlachthaus um die Ecke jeden Tag hunderte von Tieren umgebracht werden, damit Menschen wie er – Menschen mit multiplem Maß – ihr Dasein fristen und sich über zweierlei Maß ereifern können.“

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Ein Gedanke zu „Belehrungsdemokratie am Beispiel der SZ“

  1. Ich sehe das mit dem Mittelmeer ganz pragmatisch: Jedes Boot, welches nicht an der Libyschen Küste wieder abgeliefert wird, sondern schlicht und einfach nicht eingesammelt wurde, dass ist eine Schlauch-Ladung Probleme für Europa weniger.

    Da ist, leider leider, liebe SZ keinerlei Platz für gutmenschliches Mitleid. Denn die Ausgangsbedingungen können unterschiedlicher nicht sein und es macht eben einen Unterschied, ob man sich wissentlich in Gefahr begibt oder ungewollt in solch eine Situation hineingerät.

    Das wollen die selbsternannten Rettungsritter auf dem Mittelmeer aber nicht erkennen und versuchen sich weiter in ihrer Mission, die diese Minder-IQler aus den Savannen überhaupt erst auf die Idee bringt, so eine selbstmörderische Aktion zu starten.

    Insofern jammern da die ganz Falschen Fünfziger, wenn es wieder mal über das Beklagen Ertrunkener geht – denn es sind die von ihnen verursachten Toten, die sie mit ihrem Gekreuze überhaupt erst verursachten!

    Aber sie sind selbst zu dumm, diese simple Kausalität zu begreifen.

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