Die Angst des Humanitärstaates vor der Wahrheit

In Deutschland gibt es keine Zensur – oder die Angst des Staates, die Wahrheit zu sagen

Von Claudio Michele Mancini Mai 03, 2018

Mit diesem Leitthema begann das MoMa (Morgenmagazin) anlässlich des „Internationalen Tages der Pressefreiheit“ ihre Nachrichtensendung. Reporter ohne Grenzen machen seit 1994 auf Verletzungen der Pressfreiheit auf Willkür- und Gewaltmaßnahmen wie beispielsweise Verhinderung von Berichten, Regierungsklitterungen, Bagatellisierungen, Inhaftierungen oder Tötung von Journalisten aufmerksam. 

Bevor ich mich von dieser Headline erholen konnte, erfuhr ich und alle anderen Zuschauer, dass Deutschland im Ranking der Pressefreiheit auf Platz 15 steht.  Machen wir uns nichts vor, die Presse ist in jedem Land nur so frei, wie es die Politik zulässt, da beißt die Maus keinen Faden ab.

Bevor ich mich von dieser Headline erholen konnte, erfuhr ich und alle anderen Zuschauer, dass Deutschland im Ranking der Pressefreiheit auf Platz 15 steht. Bekannt ist allerdings nicht, auf welcher Grundlage Deutschlands Rang 15 zustande gekommen ist. Wer wissenschaftliches Arbeiten von der Pike auf gelernt hat, hinterfragt zunächst das Ergebnis, die Validität und Reliabilität der Testparameter, die die Situation für Journalisten und Medien in 180 Ländern und Territorien vergleicht. Immerhin sitzen 14 Journalisten im Gremium der Jury und keine Wissenschaftler, die trennscharf untersuchen und bewerten.

Sei‘s drum, ich bin dennoch der Meinung, dass der fünfzehnte Rang Deutschland ein ziemlich optimistisches Ergebnis ausweist. Die Lügenpresse ist nicht nur in den Netzwerken hierzulande in aller Munde. Sie gibt uns beinahe täglich Veranlassung, wie es in unseren Medien wirklich bestellt ist, wenngleich in der BRD noch kein Journalist umgebracht wurde. Nein, deutsche Medien machen das subtiler.

Seit drei Tagen kursiert in Facebook, Twitter, Instagram und Konsorten die Nachricht über den unglaublichen Vorgang in Ellwangen. Die Polizei wollte einen Togolesen seiner Abschiebung zuführen und den Flüchtling in Gewahrsam nehmen. Etwa 150 „Kollegen“ umzingelten die Polizisten, bedrohten sie und zwangen die Beamten unter Gewaltandrohung schlussendlich, den bereits arretierten Mann wieder freizulassen. Von offiziellen Medien hörte man weder etwas in den Abendnachrichten noch am nächsten Morgen über das Scheitern der Polizeimaßnahme.

Heute Morgen informierten NTV, WELT und die öffentlich-rechtlichen Sender im Laufband „EILMELDUNG“ über den massiven Polizei-Einsatz im Aufnahmelager Ellwangen. Schon der Terminus „braking news“ entlarvt die Medien im Zusammenhang mit längst bekannten Tatsachen als lächerliche Erfüllungsgehilfen politischer Interessen. Nun gut, man nahm heute mehrere Afrikaner fest, die sich bewaffnet hatten. Darunter befand sich auch der gesuchte 23 Jahre alte Asylsuchende aus Togo. Weitere 17 Bewohner, die nach Polizeiangaben in der Vergangenheit wiederholt als Unruhestifter aufgefallen waren, wurden inzwischen verhaftet und in andere Landesaufnahme-Einrichtungen verbracht.

Erst, als der massive Widerstand von Flüchtlingen als Nachricht nicht mehr zu verhindern war, gingen unsere Medien in die Offensive, freilich mit dem hehren Anspruch einer freien Presse. Bei vielen Bürgern aber entsteht der Eindruck, dass sich Medien wie ein manischer Lügner verhalten, die erst dann etwas zugeben (berichten), wenn es gar nicht mehr anders geht. Was der TV-Konsument bereits schon vor drei Tagen wusste, dem wird nun mit einer erweiterten Berichterstattung Rechnung getragen. Doch dieser Umgang der Zurückhaltung von Vorfällen mit gravierender Bedeutung ist nur ein Beispiel von Hunderten in diesen Tagen. Da nützen auch keine Headlines, keine Werbeständer und eigens ins Programm genommene Beteuerungen, man berichte frei und unabhängig

Denken wir an die Verbrechen in Freiburg, Berlin oder München, mit welcher Zähigkeit Nachrichten und Informationen, auf die man sich hätte verlassen können, dem Bürger oft Wochen später offeriert wurden. Ich erinnere nur an Anis Amri und seine Mörderfahrt, bei Presse und Politik im Konzert vertuscht, gelogen, betrogen, geschönt und bagatellisiert wurde. Ich erinnere an die Freiburger Studentin, deren Mörder, wie Amri von Rechts wegen nicht in unserem Land hätten sein dürfen. Das massive Staatsversagen insbesondere, wenn es um die Thematik Flüchtlinge geht, darf unter keinen Umständen unbequeme Fragen nach der Kompetenz oder Glaubwürdigkeit unserer Politiker provozieren. Über den Weg der Minister über die Partei dominierten Intendanzen unserer öffentlich-rechtlichen Medien, bis hin zu den rotgebürsteten Redaktionsleitern wird Staatsraison ausgeübt.

Das hat natürlich auch gravierende Auswirkungen auf die Verkaufszahlen der Printmedien. Die nämlich verzeichnen nicht nur dramatische Absatzeinbrüche sondern auch qualitative Abstürze, wie zum Beispiel SPIEGEL. Die BILD verkauft von ehemals 5 Millionen Exemplaren heute nur noch 1 Million. Die FAZ verlor in den letzten drei Jahren um die 60% aller Abonnenten. STERN, SPIEGEL oder WELT haben Hundertschaften von Redakteuren entlassen. SÜDDEUTSCHE, ständig am Rande der Pleite, schickte reihenweise Festangestellte Mitarbeiter nach Hause und bedient sich freier, billiger Mitarbeiter. Focus wird dem Vernehmen nach die Print-Ausgaben bald einstellen. Diese Entwicklung kann man nicht nur der veränderten Verbraucher-Entwicklung zugunsten des Internets zuschreiben. Ganz und gar nicht. Willfährige Berichterstattung hat den Opportunisten im schreibenden Geschäft den Garaus gemacht. Genauer ausgedrückt, prinzipienlose Schreiberlinge haben sich selbst erledigt. Gut so!

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Es ist ja nicht so, als wäre es noch niemandem aufgefallen. Das politisch linkslastige Mainstreamdenken ist nicht etwa die Erfindung des Normalbürgers von heute, sie ist vielmehr das Ergebnis einer politisch angeordneten und lang angelegten Denk- und Sprachsäuberung, die in den 60er Jahren ihren Anfang genommen hat. Die Umerziehung in der damaligen Bildungspolitik zeigt sich heute insbesondere im Bereich der Print- und TV-Medien. Wenn sich heute Journalisten über die Begriffe Lügenpresse, Gesinnungsterroristen oder „Lückenpresse“ lautstark echauffieren, fühlen sich diese Genossen in die Enge getrieben oder gar zu Unrecht diffamiert. Selbst der Genderwahn ist bei vielen links-grün-orientierten Journalisten auf fruchtbaren Boden gefunden. Bedauerlicherweise mischt selbst unsere Kanzlerin aktiv mit, da sie nichts mehr hasst, als Kritik an ihrer Regierungsarbeit.

Eine fatale Mischung von Selbstprofilierung, „political correctness“ und Selbsterhaltung hat sich in den letzten Jahren in fast allen renommierten Redaktionen massiv etabliert und zu einer Haltung geführt, bei dem sich unsere Medienmacher verpflichtet fühlen, dem Bürger Nachhilfeunterricht in Demokratie zu erteilen. Sie selbst haben den Geist aus der Flasche gelassen und jetzt, da die Bürger nicht mehr alles hinnehmen, reagieren sie aggressiv demagogisch, belehrend und agitatorisch. Völlig gleichgültig ob es um Flüchtlinge, Kriege, gesellschaftliche Ungerechtigkeiten oder Wahlen geht, stets wird zu suggestiven Informations-Strategien gegriffen, die den Bürger zu angepasstem Wohlverhalten veranlassen soll. Und wehe, jemand hinterfragt die weich gespülte Pseudo-Moral eines arrivierten Medienvertreters, wehe er schert aus oder äußert seine „eigene“ Sicht der Dinge.

Meinungsfreiheit? Ja, wenn es um den Kaffeegeschmack geht – oder ob auf der Wiesn der Maßkrug richtig gefüllt ist. Beim Flüchtling, beim Amoklauf, beim Versagen eines Ministers oder bei der Verhaftung eines türkischen Journalisten, da hört der Spaß auf. In solchen Fragen hat der Bürger gefälligst konform zu denken und sich angepasst zu äußern. Anderenfalls wird er mit maximaler Heuchelei medienwirksam gegeißelt, in Firmen gemobbt oder gesellschaftlich ausgegrenzt. Und wenn das alles nichts nutzt, dann werden sogenannte Experten vor die Mikrofone und Kameras gezerrt, die keiner kennt, bei denen weitgehend unklar ist, was sie denn nun als Experten ausweist. Andersdenkende werden verbal niedergeknüppelt, sie werden lächerlich gemacht, diffamiert und im schlimmsten Falle auch verhaftet – nur um eine abwegige These zu stützen. Die Leute merken so etwas, und das macht sie wirklich wütend, wenngleich die meisten auf ihren Sofas sitzen bleiben und eine Tüte Chips konsumieren.

Kaum anzunehmen, dass die mittlerweile aufgebrachten Bürger den Terminus Lügenpresse wortwörtlich nehmen. Es ist vielmehr das weit verbreitete Gefühl, von einer staatlich gesteuerten Presse auf eine Weise informiert zu werden, die ausschließlich der Selbstbeweihräucherung und dem Wohle politischer Interessen dient, nicht etwa dem einfachen Mann auf der Straße. Dennoch, die These: „Linke lügen nicht“, und da nehme ich selbstredend die einschlägig bekannten Redakteure und Moderatoren nicht aus, dürfte selbst bei einem pseudo-liberalen Herrn Claus Kleber im ZDF ein betretenes Schweigen hervorrufen.

Anhang

Von der dummdreisten Wahrheitsscheu des GEZ-Funkes bei Fragen der Kriminalstatistik berichtet Michael Klonovsky gerade. Er schließt mit einem Zitat von Arnold Gehlen aus“Moral und Hypermoral”:

“Teuflisch ist, wer das Reich der Lüge aufrichtet und andere Menschen zwingt, in ihm zu leben. (…) Der Teufel ist nicht der Töter, er ist Diabolos, der Verleumder, ist der Gott, in dem die Lüge nicht Feigheit ist, wie im Menschen, sondern Herrschaft. Er verschüttet den letzten Ausweg der Verzweiflung, die Erkenntnis, er stiftet das Reich der Verrücktheit, denn es ist Wahnsinn, sich in der Lüge einzurichten.”

Mundus vult decipi. Der Spiegel verkauft fromme Märchen und scheint damit auf private Nachfrage zu stoßen.
Diabolischer sieht es Jan Böhmermann, Patrick Gensing und GEZ-Medien insgesamt aus. Man findet durchgängige kriminelle Muster und kann auch produktive Nazi-Vergleiche anstellen. Der Begriff „Lügenpresse“ wirkt harmlos für diese Zwangs-Standleitungen in die Klapsmühle.
Marco Gallina hat Böhmermann unter die Lupe genommen und kommt zum Schluss:

Böhmermann zelebriert sich als Vorkämpfer gegen die fiesen Rechten im Internet, im Hintergrund hallt das „nie wieder“. Dabei ist fraglich, wie sehr man eine Heldenpose einnehmen kann, wenn man mit Unterstützung des Staatsfunks Proskriptionslisten gegen jene erstellt, die sich gegen das System stemmen. Denn nicht nur die Sendung von Rayk Anders,* auf der Böhmermann aufbaut, wurde vom staatlichen Jugendprogramm „Funk“ unterstützt, sondern natürlich staubt Böhmi auch unsere Gebührengelder ab – und auch die jener Leute, die er bekämpft. Anstatt dass ARD und ZDF ihren außer Rand und Band geratenen Hofnarren die Schellen an die Beine binden, wird das Geschehen wohlwollend kommentiert. Und auch bei den übrigen Medien bejubelt man das mutige Vorpreschen Böhmermanns. Während der Spiegel neuerlich auf Orban einschlägt, weil in Ungarn eine regierungsnahe Zeitschrift zweihundert Namen von Soros-Anhängern nennt, ist die Denunziation von 1.500 Internetusern wegen Gedankenverbrechens vonseiten eines staatsmedialen Vertreters das normalste Vorgehen der Welt.

Danisch bemerkt Zusammenhänge zu vorigen ZDF-Praktiken und einen neuen Tiefstand:

Könnt Ihr Euch noch an das Ziegenficker-Gedicht von Jan Böhmermann erinnern? Für sich selbst nimmt er sich ziemliche Freiheiten heraus. Bei anderen ist er da wohl nicht so tolerant. Zu den seltsamen Aktionen, mit denen er da aus seinem Nachtprogrammssendeplatz heraus versucht, Publizität zu erzwingen, gehört jetzt wohl, Menschenjagden zu veranstalten. Verschiedene Webseiten berichten – mit Videoausschnitt aus Neo Magazin Royale, es ist also keine Privataktion Böhmermanns, sondern steht in Verbindung mit dem ZDF – dass der nun versucht, irgendwelchen Leuten, die nach seiner persönlichen Rechtsprechung für Rechts erklärt werden, die Accounts wegzuschießen. Siehe etwa Bento oder diese Webseite. Und Böhmermann fordert nun dazu auf, die zu trollen und zu melden, um sie mundtot zu machen.
Beachtlicherweise passt die Beschreibung der Handlungen, mit der Böhmermann seine Aktion rechtfertigen will, exakt auf das Verhalten von Feministinnen, etwa bei #Aufschrei. Und dafür gab es damals – auch vom ZDF – den Grimme-Preis.

Angesichts der Vermählung von humanitären Hetzmedien mit politischer Macht zu einem von Medienbildern getriebenen Humanitärstaat, dessen Regierung selber kaum noch mehr als PR betreibt, ist das auch keine Überraschung.
Jasinna widmet der leitmedialen Irrenanstalt ein schönes Video:
Die Delirien des Heribert Prantl und anderer Volkspädagogen lassen sich bisweilen aus Bildern erahnen.
Mithilfe von Drohnen hat der ARD-Rechtsextremismusexperte Björn Ahrend Fotobeweise gesammelt, die zeigen, wie Familien im ländlichen Raum völkische Bräuche pflegen und undemokratische Werte an ihre Kinder weitergeben. Ähnliche Sorgen kotzt eine 16-jährige gerade im Münchner Merkur aus. Die 26jährige ARD-Rechtsextremismus-Expertin Julia Ebner infiltrierte die Identitäre Bewegung und stellte fest, dass sie wie der IS tickt.
Psychopathische Skrupellosigkeit bringt mitunter evolutionäre Vorteile und prägt daher regelmäßig Machtstrukturen. Über die Entstehung und das Fortschreiten einer bösartigen Herrschaft mehr oder weniger geisteskranker KonformistInnen hat der polnische Psychiater Andrzej Lobaczewski aufgrund von Anschauungsmaterial des kommunistischen Polens die Studie „Politische Ponerologie“ geschrieben, die auf viel guter Beobachtung beruht.





2 Kommentare zu „Die Angst des Humanitärstaates vor der Wahrheit“

  1. Ich verstehe nicht, warum das Wort Lügenpresse ständig relativiert wird. Gerade heute las ich wieder in der ZEIT, dass Donald Trump angeblich einen Terroranschlag in Schweden behauptet hätte, der nicht stattgefunden habe. Okay, das ist eine Lüge. In der betreffenden Rede ging es gar nicht um Terroranschläge. Er stammelte nur sowas wie, „habt ihr gesehen, gestern, was los ist in Schweden. Schweden!“ Damit war das Thema Schweden durch. Kein Terror. Nur ein Beispiel für eine Lüge. Eigentlich ist das ein Dauerzustand.

    Hier Link zu ZEITartikel:
    https://www.zeit.de/kultur/literatur/2018-04/der-selbstmord-europas-douglas-murray-einwanderungskritik-liberal-rechts/komplettansicht

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