Wer rettet den Westen?

Wer rettet den Westen oder „Hey, Captain Starlight!“

Von Notan Dickerle, Anwärter auf den Leuchtturmpreis für mutigen Journalismus gegen „Bunt“

Könnt Ihr Euch noch an die „Neue deutsche Welle“ erinnern? Die gab es Ende der 70-er, Anfang der 80-er Jahre des vergangenen Jahrhunderts und war eine erfolgreiche, leicht schräge Art deutschsprachiger Popmusik, angesiedelt irgendwo zwischen Schlager und Rap. Frank Zander war einer ihrer Hauptvertreter, sein Song mit dem Titel „Hey, Captain Starlight!“ hatte damals einen Riesenerfolg. Wer ihn nicht kennt oder vergessen hat: Youtube macht’s möglich!

Das Titelblatt der aktuellen Ausgabe (Nr. 17) des „Spiegel“ hat den in die hintersten Gedächtniszellen entschwundenen Käpt’n wieder nach vorne gespült: „Wer rettet den Westen?“ heißt es da vor einer dramatischen Bildmontage, das eine verängstigte Kanzlerin neben einem souverän zwinkernden Macron und vor einer flammensprühenden Trump-Fratze zeigt. Der französische Präsident hält einen Feuerlöscher in der Hand mit der Aufschrift „J’aime l‘Europe“, ich liebe Europa. Unter der Schlagzeile konstatiert das „im Zweifel linke“ Magazin aus Hamburg: „Es geht um Freiheit und Demokratie – Macron braucht Hilfe, doch Deutschland versagt“.

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SPIEGEL Cover

„Wieder einmal“ ist man versucht, zu ergänzen. So ähnlich, wie bei „Captain Starlight“ vor fast 40 Jahren. Da geht es um ein Raumschiff, das nach einer „Explosion in der Reaktorkammer“ durch „die blauen Galaxien“ irrt. Auch der Hochleistungsbordcomputer, genannt „der ratlose Rudi“, kann nicht helfen, denn er hat „was abgekriegt“. Seine Reaktionen auf die angstvollen Fragen der Besatzung werden immer absurder und enden schließlich mit der Feststellung „Wir haben alle versagt. Wir haben ja so versagt!“

Womit wir wieder beim „Spiegel“ wären. Für den versagt Deutschland regelmäßig dann, wenn es sich weigert, fremde Zumutungen widerspruchslos hinzunehmen und sich klaglos in europäische Zuckerwatte (bzw. Salzsäure) aufzulösen. Wenn das Land trotz einmalig bitterböser Nazi-Vergangenheit Spurenelemente nationaler Selbstbehauptung erkennen lässt. So wie neulich beim Besuch des Hoffnungsträgers Macron in Berlin, als Merkel zu keinen substantiellen Zugeständnissen in Sachen (noch) mehr Europa bereit war, weder in Richtung einer „Bankenunion“ noch hinsichtlich des von Frankreich propagierten EU-Finanzministers mit eigenem Budget – und das, obwohl doch beim EU-Gipfel im Juni ein „Zukunftsplan“ vorgelegt werden muß und doch jeder weiß, daß das ohne „Souveränitätsverzicht“ nicht geht. – Das Raumschiff des „Captain Starlight“ irrte wohl eher wegen eines Souveränitätsdefekts durch die blauen Galaxien, das Ergebnis ist aber bei jeder Aufgabe von Souveränität ähnlich: das eigene Schicksal hängt nicht mehr von einem selbst, sondern von den Fähigkeiten bzw. dem guten Willen anderer ab, ob von Rothschild-Boy Macron, dem Brüsseler Apparat, der strukturellen Mehrheit des „Club Med“ in der EU oder dem „ratlosen Rudi“… Und wer die Souveränität einmal aus der Hand gegeben hat, der kriegt sie so leicht nicht mehr wieder.

Aus „Spiegel“-Perspektive erscheint die rot-grün gewendete Kanzlerin plötzlich wieder fast konservativ, wenn sie – und sei es nur aus wahltaktischen Gründen und entgegen den expliziten Aussagen im Koalitionsvertrag – auf Abgeordnete Rücksicht nimmt, „die nichts mehr fürchten, als daß Deutschland künftig ein paar Milliarden Euro mehr in die europäische Gemeinschaft investieren könnte.“ – Ein paar Milliarden Euro mehr – zynischer kann man es eigentlich nicht ausdrücken in einem Land, dessen Staatsapparat gesetzlich nach wie vor eigentlich auf sparsame Haushaltsführung festgelegt ist. „Bitte nehm‘ Se die Million, bitte nehm‘ Se die Million, denn wir haben ja genug davon!“ sang einst das „Medium-Terzett“, als in der Bonner Republik das spendable Entwicklungshilfeministerium alias Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit erschaffen wurde, um den sich zierenden Koalitionspartner FDP mit einem Bonbon in Form eines weiteren Ministersessels zu ködern (bzw. in die Fortsetzung der Adenauer-Koalition zu „nudgen“). Damals ging es um DM-Millionen, heute um Euro-Milliarden, wenn das kein Fortschritt ist! Nur gut, daß es das „Medium-Terzett“ nicht mehr gibt. Eine besorgte Öffentlichkeit hätte diese Jungs sonst wahrscheinlich wegen „staatsgefährdender Hetze“ (§ 106 Strafgesetzbuch der DDR) in Tateinheit mit „gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“ aus dem Verkehr gezogen…

So geschieht es der Kanzlerin laut „Spiegel“ nur Recht, daß sie sich außenpolitisch „an der Seitenlinie“ befindet, Macrönchen inzwischen Busenfreund von Trumpel-Boy ist, und sich die Bundesregierung „ihren Platz beim Anti-Assad-Gipfel…in Brüssel regelrecht erkämpfen“ muß. Selbst die unter Verbündeten obligatorische Ausweisung russischer Diplomaten im Gefolge des Falles Skripal sei in Berlin nur halbherzig erfolgt. Da kann es doch nur eine Diagnose geben: „Deutschland versagt“!

War das jemals anders? Seit Arminius alias Hermann dem Cherusker haben die Deutschen den Rest der Menschheit gequält und mit Kriegen überzogen, eine fette Nation wurde im Herzen Europas auf Kosten anderer installiert, und bekanntlich kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt. Der böse Nachbar, das war selbstverständlich immer Deutschland. Nicht einmal den guten, allzu milden Versailler Vertrag wollte es akzeptieren, als Diktatfrieden haben die Deutschen ihn denunziert, mit den nur allzu bekannten Folgen. Und nach dem zweiten von ihnen entfachten Weltenbrand haben sie sich der konsequenten Entnazifizierung verweigert. Darf es da eine andere Lehre aus der Geschichte geben, als dieser Nation des Unfriedens und der Gewalt die Gefolgschaft zu verweigern? Die Vereinigten Staaten von Europa bieten endlich Erlösung an und was macht die Bundesregierung? Sie taktiert, anstatt kraftvoll zuzubeißen und den alten deutschen Adam „nachhaltig“ auf Kosten des Steuerzahlers zu entsorgen. Mit anderen Worten: sie versagt!

So ähnlich dürfte jedenfalls die Logik aussehen, die den „Spiegel“- Aufmacher dieser Woche bestimmt und den polit-medialen Mainstream unserer Tage umtreibt: innerhalb ihrer Blase empfinden sich die Antideutschen als Protagonisten einer Leitkultur, die das Narrativ der historischen Gegner Deutschlands übernommen hat. Zu ihrem Entsetzen folgt ihnen die Mehrheit im Lande aber nicht; die möchte vielmehr, „daß Deutschland Deutschland bleibt“ (so der ehemalige sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich). Die Politik der Kanzlerin, insbesondere ihre Flüchtlings- und Europapolitik zur „Rettung des Westens“ (und seiner vielbeschworenen „Werte“ des universalistischen Humanitarismus), über die das Staatsvolk meist nicht informiert geschweige denn befragt wird, kommt vielen eher wie das Szenario bei „Captain Starlight“ vor: als vermeidbarer Weg in den Untergang, der trotz „Alarmstufe rot!“ und „Explosion in der Reaktorkammer“ erst beklagt werden wird, wenn es zu spät ist, wenn Deutschland im Wahn von Multikulti, „Relocation“ und „Resettlement“ seine Seele als Nation ausgehaucht haben wird, ohne nochmals neue deutsche Wellen zu schlagen. Ob das dann auch Versagen war? Der „Spiegel“ wird es voraussichtlich als Weitblick rühmen, sofern es ihn dann noch geben sollte…

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