Friede und Metaphysik

Abseits vom medialen Rummel und von globalen Anschlägen, völkerrechtswidrigen Überfällen und Bombardierungen souveräner Staaten durch waffenstrotzende Staaten und Bündnisse machen sich Philosophen Gedanken über Grundsätzliches.

 

Friede und Metaphysik

 von Dr. Wolfgang Caspart

Die Ausrichtung aller Teile des Seienden auf die Einheit, das Ziel, auf Gott ist nach Augustinus der wahre Friede. Der Friede ist die Ruhe der Ordnung, welche den Dingen den ihnen entsprechende Platz zuteilt. Die Harmonie mit Gott und die Einheit in der Vielheit bilden den wirklichen Frieden, der allein aus dem Streben nach Eintracht, Ordnung und Schönheit auch in der Zeit erwächst. Der „Große Friede“ im Sinne der „Harmonie mit Gott“ stellt also die Voraussetzung des „Kleinen Friedens“ im Sinne der bloßen „Abwesenheit von Krieg“ dar.

 

Vom Absoluten schlechthin, der höchsten Idee, können sich Menschen, die nun einmal ihrer „kognitiven Nische“ verhaftet sind, nur relative Begriffe machen. Die höchste Idee pflegt man mit dem Synonym „Gott“ zu bezeichnen und mit Attributen wie Absolutheit, Unsterblichkeit, Unendlichkeit, Allmacht, umfassende Weisheit und ähnlichem zu umschreiben. Auch in der Summe der uns (gerade) faßbaren Erscheinungen und der Natur ist der Begriff der höchsten Idee noch nicht hinlänglich beschrieben, sie enthält zudem das noch nicht und das überhaupt nicht Faßbare. Damit wird die höchste Idee zur Summe des menschlichen Ausdrucks für das Maximum einer allumfassenden Ganzheit. Sie selbst ist zwar menschlich formuliert, meint in ihrem eigentlichen Gehalt ein numinoses Ganzes, welches mehr ist als die beschriebene Summe der sie beschreibenden „Teile“.

 

Die Harmonie ist nicht nur für den Idealismus und das Christentum, sondern auch für alle anderen großen Weltreligionen die Begleiterscheinung der Ruhe des Absoluten. Den „Großen Frieden“, den „ewigen Frieden“ oder den „Weltfrieden“ wird das mühsame Geschäfte diplomatischer Abrüstungsverhandlungen zur Erzielung künstlicher Gleichgewichte nie erreichen lassen. Er ist ein eschatologisches Ziel und wird auf transzendentalem, aber nicht auf ideologischem, utopischen oder klerikalen Weg erreicht. Von chiliastischen Zielen zu träumen, sie gar mit aller Gewalt erkämpfen zu wollen, aber zugleich mit der Metaphysik auf Kriegsfuß zu stehen, ist Ausdruck tiefster Entfremdung. In ihr spiegelt sich die Unterdrückung der metaphysischen Dimension des Menschseins wieder.

 

Alleine weil das Zeitlose auch im Zeitlichen zur Geltung kommt, ist es überhaupt sinnvoll, sich mit dem Frieden zu befassen. Jede Erlösung und alle Heilserfahrungen finden im Geistigen statt, mit dem Frieden ist es nicht anders. Die „benefits“ im Immanenten ernten zu wollen, ohne vorher transzendental gesät zu haben, ist unmöglich und gleicht dem Wunsch nach dem Waschen des Pelzes, ohne nass zu werden. Ein „Friedensengagement“ materialistischer Ideologen ist noch immer gescheitert und dient bestenfalls zur Einlullung ideologischer Gegner. Deshalb ist der nur aufs Immanente gerichtete Pazifismus ein völlig vergebliches Werk und trotz aller Rhetorik das Papier nicht wert, auf dem seine Resolutionen stehen. Um der reinen Immanenz willen mit bloß materiellen Mittel erstrebt, wird der wahre Friede nie zu erreichen sein. Friede ist eine transzendentale Begleitkategorie, und wer ihn im Kleinen haben will, kommt um die metaphysische Konsequenz im Großen nicht herum.

(In: Fakten 3/18, Seebarn März 2018, S. 15)

 

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