Orban, der Tumor und der Bayerische Rundfunk

Montag mittag, Bayern Eins, am Tag nach der Wahl in Ungarn. Wichtige Meldung in den 3-Minuten Nachrichten: Jean Asselborn hat den Wahlsieg Victor Orbans als „Wertetumor“ disqualifiziert. Jean Asselborn, seit 2004 Außenminister im Großherzogtum Luxemburg und seit 2014 auch Minister für Immigration und Asyl von der „Letzebuerger Sozialistesch Aarbechterpartei“ diagnostiziert die Wahlentscheidung der Volksmehrheit im EU-Partnerland Ungarn als eine Art Krebsgeschwür. Für den BR und seinen Intendanten Ulrich Wilhelm offensichtlich kein Problem, vielmehr der entscheidende Aspekt der Ungarnwahl, sonst hätte man einen anderen Aufmacher gewählt. Schon fast widerwillig folgte die Zusatzmeldung, CSU-Chef und Innenminister Seehofer habe Orban zum Wahlsieg gratuliert – trotz der Verurteilung durch den EU-Granden aus Letzebuerg und weitere EU-Autoritäten. Wilhelm ist übrigens CSU-Mann und war von 2005 bis 2010 Regierungssprecher von Merkel. Zur Belohnung gab es dann den Intendantenposten in München. Irgendwann sind in dieser Zeit die politischen Koordinaten verrutscht und alle Parteien wurden irgendwie zur SPD. Entsprechend wurde aus dem früher von Linken als „Schwarzfunk“ geschmähten BR ein politisch korrektes ARD-Kuscheltier, das sich dem „Aufstand der Anständigen“ ebenso wenig verweigerte wie der von unserer Miriam Heigl und ihrer „Fachstelle“ initiierten Kampagne „Laut gegen Brauntöne“. 2013 wurde Intendant Wilhelm mit dem „Tutzinger Löwen“ ausgezeichnet, dem Preis der Evangelischen Akademie für „Toleranz, Weltoffenheit und visionären Gestaltungswillen“…

An diesem „visionären Gestaltungswillen“ fehlt es Wahlsieger Viktor Orban offenbar gewaltig: Er will einfach keinen EU-Superstaat, verweigert sich der von Gesellschaftsklempnerin Merkel seit ihrer Schleusenöffnung im September 2015 angemahnten europäischen Asylsolidarität, will von „Resettlement“ ebenso wenig wissen wie von „Relocation“ und ist zu allem Überfluss auch noch böse zum gütigen Philantropen Georges Soros alias György Schwarz, seinem ehemaligen Landsmann! Aber nicht nur diesem Orban fehlt die globale Vision – das gesamte ungarische Wahlvolk muß sich an der Nase packen lassen! Gut, es ist durch die lange Zeit sowjetischer Bevormundung noch etwas ungeübt in Demokratie, die „Druschba Narodow“, die zwangsweise verordnete Völkerfreundschaft, hat den ungarischen Sinn für Solidarität möglicherweise deformiert, und bei über 105 Einwohnern pro Quadratkilometern – Ungarn liegt bei der Bevölkerungdichte weltweit auf Platz 36 – bietet sich das Land nicht unbedingt für die Einwanderung an. Das Bevölkerungswachstum war aber zuletzt leicht negativ und überhaupt: was sollten denn die Deutschen dann sagen, die liegen nämlich auf einem championsleague-verdächtigen Platz 19 mit 229 Einwohnern pro qkm! Im Vergleich hierzu erscheint Ungarn geradezu unterbesiedelt – die Weite der Puszta grüßt von fern!

Ja, was sollen die Deutschen dazu sagen! Es gibt zwei Möglichkeiten: entweder sie beklagen sich über den ungarischen Souverän und seine Wertevergessenheit, so wie das der letzebuergische Minister tat, und wie es unsere Mainstreammedien nahelegen. Oder sie sagen: bravo, gut gemacht, Ihr Ungarn! Ihr habt trotz internationaler Anfeindungen einen Präsidenten wiedergewählt, der Eure Interessen vertritt anstatt sich von seinem Wahlvolk zu entfremden und sein Heil im Niemandsland des Globalismus zu suchen. Dem Realpolitik wichtiger ist als verblasste Humanitäre Imperative, Visionen von Multikulti und Umvolkung alias Ersetzungsmigration (Replacement Migration). Vielleicht sollten sich der deutsche Michel und das deutsche Gretchen (auch wenn sie heute eher Kevin, Maik, Chantal oder Luna-Lena heißen) angesichts der Wahlen in Ungarn einmal überlegen, wo der Tumor wirklich steckt, welches die Krankheit ist und welches die Medizin. „Diese Werte“, von denen die Funktionseliten des polit-medialen Komplexes in unserem Lande bis zum Erbrechen schwadronieren, haben den Gedanken der Demokratie vollkommen pervertiert und sind schon allein aus diesem Grund äußerst fragwürdig geworden. In Mitteleuropa (einschließlich „Dunkeldeutschlands“) hat man sich glücklicherweise trotz EU-Mitgliedschaft einen natürlicheren, unverkrampften Zugang zum republikanischen System der Volksherrschaft erhalten, allen Unken und Kellerasseln zum Trotz. „Wertetumor“ – gar keine so schlechte Idee! Vielleicht hilft er uns Deutschen gegen die grassierende Autoimmunerkrankung…

(Von Notan Dickerle, Anwärter auf den Leuchtturmpreis für mutigen Journalismus gegen Bunt)




2 Kommentare zu „Orban, der Tumor und der Bayerische Rundfunk“

  1. „….das gesamte ungarische Wahlvolk muß sich an der Nase packen lassen! Gut, es ist durch die lange Zeit sowjetischer Bevormundung noch etwas ungeübt in Demokratie“
    Ich habe diesen sehr guten Artikel schmunzelnd gelesen. An dieser Stelle möchte ich hinzufügen daß die Ungarn schon immer einen Instinkt für Gut und Böse – Richtig und Falsch hatten. Zu sowjetischer Zeit waren sie ein Stachel im Fleisch, mal mehr mal weniger tief und verstanden es sich nicht zu sehr vereinnahmen zu lassen. Heute ist es wieder so. Sie sind ein Stachel im Fleisch der EU und lassen sich von ihr nicht für völkerfeindliche Ideen vereinnahmen.

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