Eric Zemmour: nicht der FN sondern Marine Le Pen ist gescheitert

Eric Zemmour wäre vielleicht Präsident geworden, wenn er kandidiert hätte. Als Autor von Sachbüchern wie „Der Französische Selbstmord“ genießt er in Frankreich ein ähnliches Ansehen wie bei uns Thilo Sarrazin und eine höhere Glaubwürdigkeit als alle aktiven Politiker. Zugleich weiß er, dass Autoren ihre Glaubwürdigkeit verlieren, sobald sie in die Niederungen der Politik steigen. Politik ist eine Branche, zu der das Lügen gehört. Es fängt schon an mit dem Versprechen, dass man wesentliches ändern werde, wo doch die Schlüssel der Souveränität längst nach Brüssel und sonstwo hin abgetreten wurden. Wenn aber Präsident Hollande und Premininister Valls die Franzosen dazu aufrufen, die Bücher von Éric Zemmour nicht zu lesen und vom Fernsehen verlangen, ihm kein Podium zu bieten, ist das für Zemmour ein Ritterschlag. Bei seinem Hauptanliegen, der Sorge um Einwanderung, Identität und Islam, weiß Zemmour 70% der Franzosen hinter sich.   Zugleich vertritt in diesen Anliegen kaum jemand so klare und scharfe Positionen wie Eric Zemmour.   Auch der FN tritt weicher auf.

Umso enttäuschter ist Zemmour über Marine Le Pen. Sie bleibt jedes Mal nicht nur weit hinter den 70% sondern auch weit hinter den Erwartungen der Meinungsforscher zurück. Hierfür sieht Zemmour 2 Gründe: (1) die sozialstaatsfreundliche und bankenfeindliche Rhetorik, mit der sie die Sozialisten links überholt hat und ein Terrain der Sündenbock-Hetze betritt, welche nur Linken erlaubt ist, (2) Fehlende Bildung und fehlender Weitblick. Während Mittérand vor einem Technokraten wie Giscard d’Éstaing oder Raymond Barre ebenfalls als blutiger Laie erschien, verstand er es, sich von den Fragen, in denen er keine so gute Figur macht, zurück zu ziehen und sich auf strategische Fragen der Staatskunst zu verlegen, d.h. seinem Diskurs „Höhe“ (hauteur) zu verleihen. Diese Höhe verstehe Marine Le Pen nicht zu erklimmen.  Sogar ihr Vater Jean-Marie Le Pen habe das besser verstanden.   Durch linke Schlammschlachten gegen die Bankstermarionette Macron habe Marine sich nur immer weiter in die Schmuddelecke manövriert, statt Respektabilität zu gewinnen, um die es gerade den Dämonisierten vorrangig gehen muss.   Letzteres gelinge eben gerade nicht durch die vom Parteistrategen Florian Philippot empfohlene linke Linie. Der Vater von Marine Le Pen, Jean-Marie Le Pen, habe trotz unnötig aggressiver und rückwärtsgewandter Positionen mehr persönliche Kultur und Fähigkeit zu „Höhe“ gezeigt. Marine hingegen habe sich als höchst medioker/mittelmäßig  („médiocre“) erwiesen. Unfähig, die von ihrem Berater Florian Philippot verordnete linke Strategie wohldosiert einzusetzen. Die Schmuddelecke durch Weichspülen verlassen könne jeder, und es stehe ihr nicht zu, anderen jetzt dergleichen zu verordnen.
Daher fordert Zemmour von der „gescheiterten“ Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen, erst einmal in sich zu gehen und sich selber Reformen zu verordnen. Die Partei hingegen, brauche weder eine Reform noch eine Änderung ihres Namens oder ihrer Marke. Die Marke FN stehe für ein Kernanliegen mit Mehrheitspotenzial. Um es zu verwirklichen gelte es, zur bürgerlichen Rechten anschlussfähiger zu werden, indem man etwa auf wohlfeile linke Rhetorik verzichtet.  Umgekehrt müsse die bürgerliche Rechte die von den Linken verordnete Ausgrenzungsstrategie (barrage) aufgeben.   In der bürgerlichen Rechten gebe es zunehmend Leute wie Nicolas Dupont-Aignan, die das verstanden haben. Es sollte baldmöglichst eine rechte Allianz enststehen. Ähnlich wie es in dem 1980er Jahren eine gemeinsame Linke gab, an der auf Mittérands Einladung hin die sowjetophilen Kommunisten sich beteiligten. Die waren damals wie heute viel unbürgerlicher und extremer als der FN. Wenn heute nach der Präsidentschaftswahl gegen Macron aggressiv demonstriert wird, weiß jeder, dass der FN nicht dahinter steckt.  Der FN ist nämlich, wie jeder ehrliche Beobachter wissen muss, eine dem RPR der 1980er Jahre ähnliche bürgerliche Partei. Er brauche in den zentralen Fragen, um deretwegen man ihn wählt, nämlich Verhinderung der Abschaffung Frankreichs, keinerlei Weichspülung. Das sind Lektionen eines weisen Politik-Analysten, durch deren Beherzigung auch die AfD sich so manche überflüssige Strategie-Debatte ersparen könnte.


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