Papst Benedikt XVI. – ein großer Gelehrter und bayerischer Patriot

Benedikt XVI. beherrscht mehrere Sprachen (Deutsch, Italienisch, Französisch, Spanisch, Englisch und Latein) und liest darüberhinaus Altgriechisch und Hebräisch. Sein Leben war nicht auf Rosen gebettet, sondern gekennzeichnet durch Fleiß, Disziplin und Beharrlichkeit. Einfachen Verhältnissen entstammend erblickte der emeritierte Papst unter seinem bürgerlichen Namen Joseph Ratzinger am 16. April 1927 in der kleinen bayerischen Gemeinde Marktl am Inn das Licht der Welt.

Dieser Tage feierte der emerierte Papst, der sich statt der offiziellen Anrede „Heiliger Vater“ lieber ein „Vater Benedikt“ wünscht, seinen 90. Geburtstag zurückgezogen in seinem Alterssitz im vatikanischen Kloster Mater Ecclesiae.

In der öffentlichen Wahrnehmung dominieren Klischees über den ersten deutschen Papst seit dem Mittelalter. Sehr viel differenzierter wird das Bild, wenn man sich mit Person und Wirken eines Mannes beschäftigt, der weder Bischof, noch Kardinal oder Papst werden wollte. Seine eigenen Pläne, sich im Ruhestand dem Verfassen von Büchern zu widmen, gab er schweren Herzens auf, weil er in Ämter berufen wurde, um die er nie gebuhlt hatte. Das einzige Amt, das er in Rom hätte übernehmen wollen, war das Amt des Bibliothekars der Vatikanischen Bibliothek. Sich alten Büchern und Handschriften zu widmen, zu forschen und zu schreiben gehörte zu seinen grossen Passionen, ebenso wie die Liebe zur Musik.

Seine wunderschöne, geschliffene, durchdachte Sprache prädestinierte den Meister der Gedankenführung für das Lehramt. Vor seinem Studium wurde Joseph Ratzinger als Jugendlicher wie viele Altersgenossen auch als Flakhelfer in München eingesetzt, und hatte großes Glück, daß er einen direkten alliierten Bombenangrif auf seine Batterie 1944 überlebte. Mit 17 wurde Ratzinger zur Wehrmacht eingezogen; bis Juni 1945 befand er sich in Kriegsgefangenschaft. Der später Dogmatik-Professor begann sein Theologiestudium 1946, und machte bald eine steile Karriere. Über Dissertation und Habilitation kam er als Berater und Redenschreiber zu Kardinal Frings. Sein großes Potential erkennend ernannte Papst Paul VI. Ratzinger 1963 zum Konzilstheologen bei Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965), wo er reformerische Akzente setzte.

Schock durch die 68er-Bewegung

„Doch der vorsichtig liberale Kurs des Konzil-Teilnehmers wurde schnell beendet, als der Uni-Theologe mit der Studentenrevolte konfrontiert wurde. Der respektlose Umgang der Studenten mit der Kirche kränkte den Geistlichen, der sich in der Folgezeit vom Liberalen immer mehr zum Konservativen wandelte. Es war nur konsequent, dass konservative Papst Johannes Paul II. den Kardinal Ratzinger zum Präfekten der Glaubenskongregation machte – und damit zum obersten Glaubenshüter des Katholizismus.“

Am 25. März 1977 ernannte Papst Paul VI. Joseph Ratzinger zum Erzbischof von München. Der Professor folgte dem Ruf, er war „bereit“, obgleich ihn die Ernennung wie ein Fallbeil traf. Statt sich an seinem Wohnsitz in Pentling dem Schreiben von Büchern widmen zu können, gab Kardinal Ratzinger dem Insistieren von Papst Johannes Paul II. nach und übersiedelte 1982 als Präfekt der katholischen Glaubenskongregation in den Vatikan. Der neue Papst wollte Ratzinger das Amt bereits 1978 übertragen, aber seine Loyalität und das frisch angetretene Amt als Erzbischof waren die Gründe für Ratzingers erbetene Bedenkzeit. Tief im Herzen verortete Professor Ratzinger seine eigentliche Neigung und Berufung als Hochschullehrer.

2005-04-20 B - Wir sind Papst1

„WIR SIND PAPST“ titelte die BILD-Zeitung, als Joseph Ratzinger am 19. April 2005 zum ersten deutschen Papst seit Jahrhunderten gewählt wurde. Sein Pontifikat endete spektakulär durch den ersten Amtsverzicht seit 1294 am 28. Februar 2013. Gründe waren nicht zuletzt Erschöpfung und vermutlich Resignation.

Sein Pontifikat war spannend. Nicht zuletzt, weil sich an der Amtsführung des bayerischen Papstes ein durch die 68er-Bewegung degeneriertes gesellschaftliches Klima widerspiegelte.

Benedikt XVI. war ein stiller Papst zwischen zwei populären Päpsten. Ein Mann der leisen Töne, den Grandezza und Noblesse zieren. Die leisen Töne hört man besser als lautes Brüllen. Ein Anti-Populist. Ein hochsensibler, feiner Mann.

Der Zeitgeist hingegen kakophon. Bunt, schrill, aus dem Lot.

Eine rotgrünbunte Medienlandschaft stets in sprungbereiter Feindschaft lauernd, dem Repräsentaten eines konservativen Katholizismus aus jeder konkreten oder konstruierten Verfehlung einen Strick zu drehen. Eine Medienlandschaft, die nicht nur jeden Satz, sondern jedes Wort auf die Goldwaage legt, um sobald sich die Gelegenheit bietet, einen Sturm der Entrüstung zu entfachen.

Bei einer Vorlesung am 12.9.2006 in Regensburg zitierte Benedikt XVI. einen byzantinischen Kaiser, Manuell II., aus dem 14. Jahrhundert:

„Zeig mir doch, was Mohammed Neues gebracht hat, und da wirst du nur Schlechtes und Inhumanes finden wie dies, dass er vorgeschrieben hat, den Glauben, den er predigte, durch das Schwert zu verbreiten‘. Der Kaiser begründet, nachdem er so zugeschlagen hat, dann eingehend, warum Glaubensverbreitung durch Gewalt widersinnig ist.“

Die Reaktion war ähnlich wie nach der TV-Parodie 1987 über den Ayatollah durch Rudi Carrell. Hysterische Proteste, Mordaufrufe gegen den Papst, Verbrennungen von Papst-Puppen, krakelende Massen, Straßenkrawalle aufgebrachter Moslems.

Hochwillkommen für die Empörungsschickeria war die Aufhebung der 1988 erfolgten Exkommunikation von vier Bischöfen, darunter Richard Williamson (Stichwort Holocaustleugnung) im Januar 2009. Die dafür veranwortlichen Kardinäle haben sich zurückgezogen, als die Wogen der Entrüstung hochschlugen, und Benedikt in das offene Messer der Medien rennen lassen. Der Papst übernahm die Verantwortung, räumte die Panne ein und drückte in einem Hirtenbrief vom 10.3.2009 sein Bedauern darüber aus.

Interessant die Reaktionen von Politikern und Medienvertretern. Kanzlerin Angela Merkel übte sich in Papst-Schelte und untermauerte wie schon 1999 bei ihrem im Trommelfeuer der Presse stehenden Förderer und Ex-Kanzler Helmut Kohl, daß sie es widerwärtig meisterlich beherrscht, nach unten zu treten und nach oben zu buckeln. Was Harald Schmidt seinerseits so kommentierte:

„Das ist jetzt nach Luther schon das zweite Mal, daß ein Ossi gegenüber dem Papst frech wird.“          (Harald Schmidt; 7.2.2009)

Die Moderatorin der 3SAT-Sendung „Kulturzeit“ schnaubte

„Dieser Papst ist eine Zumutung!“        (Nina Mendelsohn; Kulturzeit 18.3.2009)

und gab für die einschlägigen Snobs der selbsternannten Kulturschickeria die Parolen des betreuten Denkens vor.

Die Moral- und Toleranz-Arier vom SPIEGEL suhlten sich in Unfehlbarkeit und sudelten:

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Gefundens Fressen waren auch zum Teil Jahre und Jahrzehnte zurückliegende Mißbrauchsskandale. Mißbrauch ist Unrecht. Notorische Skandalisierungen durch die Medien charakterisieren unsere Zeit. Unrechtsbewußtsein bei den Medienschaffenden ist Mangelware. Medien ersetzen Unrechtsbewußtsein durch Humanitärbigotterie und Egalitärfrömmelei. Der eigentliche Skandal sind verlogene und kaltschnäuzige Skandalasierer, die sich in der leitmedialen Kulturschickeria die Klinke in die Hand geben.

Die Stimmungsmache der Medien zeitigte pogromähnliche neurotische Schlagseiten. 2009 riss eine Frau den gebrechlichen Papst zu Boden (siehe Foto unten):

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Anlässlich seines Deutschlandsbesuchs 2011 empfing der damalige Bundespräsident Christian Wulff den greisen Papst Benedikt. Am Rednerpult stehend verstieg sich Wulff in seiner Rede an den Papst, der wie ein armer Sünder auf einem Stuhl lauschend neben ihm kauerte, zur Hybris, der moralisch Überlegene zu sein.  Der Papst mußte sich von Präsident Wulff belehren und mahnen lassen:

„Wie geht die Kiche um mit dem Fehlverhalten von Amtsträgern?“ (Christian Wulff)

Erst später kamen Details über das Fehlverhalten von Bundes-, Glamour und Hochglanz-Präsident Wulff ans Licht, dessen Eskapaden samt Entourage um Herrn Maschmeyer keine Indizien für nennenswerte Redlichkeit waren.

In der sogenannten Vatileaks-Affäre sind seit 2011 immer wieder interne Dokumente des Vatikans in die Medien gelangt. 01-U1-Titel-Papst-201207_01

Interessant wiederum was deutsche Journalisten daraus konstruiert haben. In der Vatileaks-Affäre ging es in erster Linie um Missmanagement. Peanuts im Vergleich mit dem alltäglichen Terror überall in der Welt:  Islamisten köpfen Journalisten, verüben Massaker an Unschuldigen, und quittieren Karikaturen mit MG-Salven. Bemerkenswert die „Zivilcourage“ deutscher Journalisten im Fall islamistischer Verbrechen, deren Spektrum bei Vergewaltigungen nicht beginnt und bei Selbstmordanschlägen nicht endet. Die „Zivilcourage“ deutscher Journalisten drückt sich aus durch Schweigen, Verniedlichen oder Schönreden.

Die Strapazen durch weite Reisen, u.a. 2012 zum ebenfalls schon greisen Fidel Castro nach Kuba, setzten dem Papst zu sehr zu.

Am 11. Februar 2013 gab Benedikt XVI seinen Amtsverzicht und das Ende seines Pontifikats am 28.2.2013 bekannt. Er sei „zur Gewissheit gelangt“, dass seine Kräfte infolge des vorgerückten Alters nicht mehr geeignet seien, „um in angemessener Weise den Petrusdienst auszuüben“.

Die „Süddeutsche Zeitung“ brachte zum 90. Geburtstag des emeritierten Papstes einen Artikel. Aufschlußreich zur geistig-moralischen Verfassung der Gesellschaft sind auch Leserkommentare wie jene, die erkennen lassen, daß alles was deutsch, katholisch und konservativ ist, quasi vogelfrei ist und ungestraft herabgewürdigt werden darf. Genau das ist das Publikum, das ständig von „Menschenrechten“  palaviert und bei jeder Gelegenheit den Glaubenssatz „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ in grenzenlosem moralischem Imperialismus in die Welt hinaus posaunt.

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Exemplarisch für die geistige Pogromstimmung gegen den KIrchenmann sind Leserkommentare wie jene rechts oben in der „SZ“:

„ein selbstherrliches, weltfremdes, kleinkariertes A …… Möge ihn bald der Teufel holen“  (Max E.)

Wohltuend davon hebt sich das Niveau in der „Jungen Freiheit“ ab. In einer ausführlichen Würdigung schreibt Matthias Matussek am 14.4.2017:

„Die Welt reagierte schockiert, und den deutschen Medien war ein Feindbild abhanden gekommen. Wie kommt der Heilige Vater dazu, das Amt niederzulegen, wo man ihn doch längst als „unbelehrbar“ und „starrköpfig“, vor allem aber „machtbewußt“ (Hans Küng) karikiert hat? Benedikt XVI. sprach im Konsistorium von der Kraft, die es braucht, das „Schifflein Petri zu steuern“, eine Kraft, die in den „vergangenen Monaten derart abgenommen hat, daß ich mein Unvermögen erkennen muß, den mir anvertrauten Dienst gut auszuführen“.

Der greise aber weise Benedikt nötigt Respekt ab. Ein Fels in der Brandung. Wellenbrecher und Sündenbock zugleich. In der heutigen Zeit an seiner Überzeugung fest zu halten, und obendrein konservativ und katholisch zu sein, kann im Zeichen der Luft- und Deutungshoheit der im deutschen Sprachraum fest im Sattel sitzenden Pogrom-Presse erfordern, eine Haut wie ein Elefant und ein Rückgrat wie ein Märtyrer zu haben. Als Zielscheibe eines institutionalisierten Pinocchio zu fungieren,  und im Fadenkreuz des Übergutmenschen zu stehen, zeitigt Verunglimpfungen, Schmähungen und Gehässigkeizen in einem vulgären Ausmaß. Mediale Hinrichtungen sind Programm und Legion. Eva Herman, Jürgen Möllemann, Kurt Waldheim, Franz Schönhuber, Ernst Nolte, Brigitte Bardot oder mysteriöse Todesfälle wie bei Uwe Barschel oder Jörg Haider dokumentieren, wohin moralischer Imperialismus führt.

Oft sind es die Redlichsten und Aufrechtesten, die der bunten Kulturschickeria ein Dorn im Auge sind. Federführend in der 3-D-Technologie (Diffamieren, Dämonisieren, Denunzieren) sind Parteien wie die GRÜNEN oder die SPD.

Die „sprungbereite Feindseligkeit“ – eine geniale Wortschöpfung von Papst Benedikt – nimmt alle ins Visier, die sich als unbunt outen. Wer sich gegen den mainstream stellt, gerät ins Visier linksextremer Netzwerke, einer Art „Buntstasi“, deren willige Helfer an fast jeder Ecke stehen und in allen Kanälen sprungbereit lauern.

„J´accuse!“

11 Kommentare zu „Papst Benedikt XVI. – ein großer Gelehrter und bayerischer Patriot“

  1. Der Autor hat sich engagiert und bewundernswerter Mühe einem Thema gewidmet, für welches – eingestanden – mein Interesse in etwa gleichermaßen entflammt wie für Prediger anderer Sekten. Gerade fällt mir hier nur Pierre Vogel, doch auch den Dalai Lama oder auch Bhagwan, später Osho, haben mir in der Bütt schon ergreifende Erkenntnis geschenkt.

    So hat auch der Autor, dessen Arbeit wie diese stets von großer Sorgfalt und tiefer Kenntnis sprechen, einem Sektenprediger gehuldigt, der – wie Millionen anderer Menschen – meinem kleinen Horizont um ein Vielfaches überlegen ist. Dennoch wagt sich meine über Jahrzehnte eingeübte Renitenz auch jetzt wieder als APO-OPA daran, weniger die einzelne aufrechte Person in dem klerikalen Klüngel anzugreifen, die der Autor glaubhaft als integren Menschen zeichnet, nein mir geht es um eine fundamentale Kritik am gesamt repressiven, verlogenen, naturwidrigem, perversen Klerikal-Knast, gleichgültig ob der sich auf religiotische Büchlein wie Bibel, Talmud oder Koran gründet.

    Mit ersten Schritten zum selbstständigen Denken gelang es mir deshalb auch schon 1966 aus diesem christlichen Club auszutreten, über den mir dann im Laufe meiner Jahrzehnte kriminelle Machenschaften bewusst wurden, die meine Abneigung gegen Klerikal-Autoritäten ins Grenzenlose wachsen ließ.

    Wenn sich der Autor in religiotischen Gefühlen soweit mit den Klerikalen Komikern in ihren clownesken Kostümen identifiziert hat, dass ihn jetzt meine Fingerübung hier zutiefst verletzten, so gelingt es mir nicht in schleimschleckendem Kriechen irgendetwas Positives an der Lubhudelei auf einen Popen zu entdecken, und spräche er neben allen Sprachen der Welt auch noch in Engelszungen!

    Zur Hölle mit diesem klerikalen Gesocks, gleichgültig von welcher Sekte auch immer – Religiot bleibt Religiot!

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  2. Denk ich an den bunten Klerus in der Nacht ….
    Der Artikel war eine Würdigung eines Mannes, dem es wohl im Gegensatz zu bunten Würdenträgern wie Marx, Bedford-Strohm oder Woelki nicht um die Befriedigung anderer Bedürfnisse geht. Es ist ein Unterschied, einem stereotypen Gebrabbel eines Kardinal Marx Zeit zu widmen oder die triefenden Pussy-Ergüsse eines Bedford-Strohmanns erdulden zu müssen. Die Ikonen der Humanitärbigotterie Marx und der Egalitärfrömmelei, nämlich Bedford-Strohm pflegen eine obsessive Beziehung zu den Mikrophonen des Willkommens-TV. Nicht die Robe ist entscheidend, sondern was hinter der Robe steckt.

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  3. Danke, werter Philolaos, ein großartiger Kommentar mit Tiefgang – und weitab von Gesäusel und Lobhudelei. Es spricht nur für den herrschenden Zeitgeist, daß er sich an Oberflächlichem festbeißt, aber die intellektuelle Größe Ratzingers nicht erkennt.
    (Leser Erhard Thomas richtet sich mit seinen verbalen Ausrutschern selbst. Ich habe schon Seriöseres von Antichristen gelesen.)
    Dieser Papst gilt wohl zu Recht bei Freund und (aufgeschlossenem) Gegner als einer der bedeutendsten Geister unserer Zeit. Um das zu erkennen, braucht man nicht in die Kirche einzutreten. Aber man sollte zumindest seine Hauptwerke gelesen (und verstanden) haben.

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  4. „Seriös“ wird kaum jemand seinen Schwaber in sozialen Netzen ablassen – für „Gottes Lohn“ – für nix und wieder nix. Nein, wer sich hier aus mährt, will Frust oder Freude verarbeiten, lechzt nach Zustimmung oder Aufmerksamkeit durch Ablehnung.

    Professionelle Popen-Propaganda zu studieren, reichen mir weder Zeit noch Kräfte. Wenn diese Propaganda Feuilletons, Bibliotheken und angeregte Diskussionen der Küss-die-Hand-Marionetten beflügeln und befeuern, nun gut. Wer vom klerikalen Kuchen den eine oder anderen Krümel abstaubt, soll in Gott’s Namen jubilieren und Hallelujah-Heil heulen. Wer dran glaubt, muss dran glauben. Gott ist nicht einmal tot, weil er nie anders „gelebt“ hat als in der Fantasie professioneller Schwafeler. Seriös in Rechtschreibung und Zeichensetzung.

    Mir macht das leider keinen Spass!

    Wie jetzt im klerikalen Kriechgang die sakralen Schönschreiber die Freiheit von Religion umdeuten in Religionsfreiheit, dazu mit Zensur und Gotteslästerparagraphen die klerikale Kakophonie mit Koran, Bibel und Talmud zum perversen, menschenverachtenden, heuchelnden, gesinnungsfrömmelndem Dogma diktatorischen Politik verrühren, ist Politik purer Pestilenz.

    Mir macht das leider keinen Spass!

    Für jeden Popen aus dem klerikalen Verbrechersyndikat lassen sich Fans finden, am Beispiel dieses Netzauftritts gefiel der Mann mit leis lispelnder Islamkritik, Heimatliebe – aufgebretztel mit BILD chauvinistischem Nationalismus: „Wir sind Papst!“

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  5. Kritik ist das Salz in der Suppe. Die sehr – sagen wir mal – „temperamentvolle“ Kritik von Erhard Thomas/N0by erheitert meinen Horizont. Skurrile Symbiose aus Terminator-Sehnsucht, Sumo-Ringer-Poesie und dem Pragmatismus eines HB-Männchens.
    Am grobschlächtigem Rundumschlag unschwer zu erkennen, daß der Klerus für ETN ein dunkelrotes Tuch darstellt. Einige seiner Argumente teile ich durchaus. Der Artikel über einen Papst in seiner inneren Zerrissenheit ist mitnichten eine Ode an die Kirche. An keiner Stelle finden sich im Artikel Lobeshymnen an die Kirche als Institution.
    Da ETN den Artikel vermutlich nur quergelesen hat: es geht um ein Leben im Spannungsbogen zwischen innerer Berufung, Neigung, gesellschaftlichen Zwängen und einer immanenten sprungbereiten Feindseligkeit aus dem atavistischen Kulturprekariat. Der musische Mensch Joseph Ratzinger und der ins kalte Wasser der Ämter gestoßene pflichtbewußte Diener stand vor einer fast unlösbaren Aufgabe. Dennoch hat Benedikt XVI. einen Spagat vollbracht, den auch ein religiösen Allüren oder gar Eifer völlig abholder Autor mit nüchterner Bewunderung rezipiert.
    Egal ob Kirche (Benedikt XVI.), SPD (Sarrazin), LINKE (Wagenknecht) oder andere Gruppierungen, denen der Autor eher kritisch gegenübersteht: es ist keine Kunst, Klischees und Vorurteile zu pflegen. Es ist aber nie verkehrt, über den Schatten seiner Vorurteile zu springen, die Filterblase zu verlassen, oder bis zum Äussersten zu gehen: mit dem politischen oder militärischen Gegner zu reden.
    Aversionen und Ressentiments gehören zur Natur des Menschen. Die Dosis macht das Gift. Ich teile eine gewisse Abneigung des Kritkers Erhard Thomas gegen die Amtskirche und gegen gewisse Figuren des Bodenpersonals.
    Was ETN hingegen mit Schaum vor dem Mund zu Wut komprimiert, ficht mich nicht an. Im Gegenteil: Humoresquen der Tobsucht funkeln durch einen Rest an Charme und Eigenfluoreszenz. Daher nehme ich brodelnde Lava und kochende Lyrik ziemlich unaufgeregt zur Kenntnis. Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Beim nächsten Spargel oder Espresso ist alles wieder im Lot.
    Besonders gefreut haben mich die wohlwollenden Rezensionen von CONSERVO und ALPENALLIANZ, die ich als profunde Kenner der Materie meinerseits sehr schätze. Danke!

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  6. Auch mich erheitern die Schriften unseres geschätzten Autors Philolaus wieder und wieder. Da es mir selten gelingt, in seine tiefen geistigen Höhlen abzusteigen, lässt mich der Autor oft ratlos zurück. Wie bei seiner gelungenen Replik, wenn er denn klügelt:

    „Der Artikel über einen Papst in seiner inneren Zerrissenheit ist mitnichten eine Ode an die Kirche. An keiner Stelle finden sich im Artikel Lobeshymnen an die Kirche als Institution.“

    In meiner simplen Auffassung repräsentiert ein Papst als sogenannter „Gottes Stellvertreter“ die Kirche, exakter die katholische Sekte. Ohne mich weiter als mit BILD oder TITANIC mit diesem präsentablen Spitzenprodukt Papst der Kirchenhierarchie zu beschäftigen, steht für mich – wie andere – der Mann an der Spitze der Institution. Was ist Kirche, exakter die katholische Sekte, denn anderes als Institution? Wer ist Papst sonst, als institutionelle Spitzenkraft seines Vereins?

    Wer in dieser Institution etwas Positives findet, egal ob als intellektuellen Hochgenuß repräsentativer Propagandisten oder doch eher als körperlichen Hochgenuß einer gefallene Nonne, mag entrückt entzückt sich wie andere jubelnd erheitern. Für beide Arten von Vergnügen ist meine Zeit abgelaufen.

    Gibt es ein weiteres As im klerikalen Kultklüngel der Buchreligioten, mit dem unser geschätzter Autor Philolaos hier in Wort und Bild seinen nächsten Stich macht?

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  7. Adhoc keine Pläne in dieser Richtung. Die nervöse Republik zieht die Daumenschrauben enger. Auch bei vorlauten Rentnern. Der Papst vergibt. Heiko Maas nicht. Heute wurde ein Rentner (65) in Traunstein zu 2200.-Euro Geldstrafe verurteilt, weil er „Schutzsuchende“ als Invasoren und rapefugees bezeichnet und Dunya Hayali beleidigt hat. Hayali hat Strafanzeige gestellt. Die Gefahr kommt nicht von den Überbringern der schlechten Nachricht, sondern von den Denunzianten.

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  8. Rainer Rothfuß – ein mehr oder minder frommer Mann – meint dazu:

    Feindbild Putin nach ukrainischem Kirchengeschmack.
    Unglaublich, was Kirchen – angeblich im Namen Jesu – noch heute im 21. Jahrhundert anrichten. Wie war nochmal die Lehre Jesu? „Ich aber sage euch: Liebet eure Feinde; segnet, die euch fluchen; tut wohl denen, die euch hassen; bittet für die, so euch beleidigen und verfolgen“ (Matthäus 5,44). Um das Lieblingsfeindbild der damaligen Juden zu entzaubern, nahm er bewusst den (eigentlich verhassten) Samariter, um beispielhafte Nächstenliebe aufzuzeigen – der „fromme“ hartherzige Priester kam im Gleichnis nicht gut weg…:

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  9. Wer ist unfehlbar? Menschen jedenfalls nicht.
    Damit kann keine Institution unfehlbar sein.
    Ich verstehe Deine Argumente sehr wohl.
    Erlaube mir aber trotzdem eine Gegenfrage.
    Bin ich in Propagandist der Monarchie, wenn ich in einem Artikel den Philosophen-Kaiser Marc Aurel würdige?
    Marc Aurel war oberster Repräsentant der Monarchie …..

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  10. @Philolaos,noby: Es ist aufmerksamen Lesern gewiß nicht entgangen, daß ich beide „Kommentaristen“ ob ihrer intellektuellen Frische und Qualität schätze – was nicht heißt, daß ich die oder alle Positionen teile.

    „Nobys“ Kritik kann ich verstehen Wer leugnete etwa nicht die Frevel der „hl. Mutter Kirche“? Aber „noby“ übergeht nonchalant, daß eben diese Kirche auch Erkenntnis und(!) Reue zeigt. Man sollte zumindest den guten Willen dazu anerkennen. Und auch anerkennen, daß diese Frevel – ob von Kirche oder Einzelpersonen – NIEMALS mit dem echten Glauben hätten begründet werden können/dürfen. (Übrigens anders als im Islam: Dort fordert die Lehre (Koran, Hadithe) z. B., Ungläubige zu töten. Und wer´s tut, kommt ins Paradies, wo ihn 7 Jungfrauen freudig erwarten. Kreuzzüge kann ich im Namen Gottes veranstalten, aber deren Mord und Totschlag lassen sich nicht durch die reine Lehre begründen.

    Wo ich „noby“ nicht folge, ist eine „alte“ Erfahrung: Die Kirche von außen kritisieren, ohne sich mit den Regeln des Inneren zu beschäftigen. Deutlich ausgedrückt:

    Jeder kann „die Kirche“ von außen kritisieren – und erst recht als Atheist deren Grundlage verteufeln. Wenn ich aber Systemkritik (an der Kirche) übe, muß ich bereit sein, mich mit dem innerkirchlichen Gefüge zu beschäftigen. Ich kann´s auch theologisch sagen: Es gibt keinen Gottesbeweis (im materiellen Sinne), sondern nur den Glauben. Wenn ich diesen Glauben nicht habe – und das sei jedem unbenommen – sollte ich aber nicht verurteilen, daß Gläubige von ihrem Glauben überzeugt sind und danach leben.

    Und wo ich „noby“ gar nicht verstehe: Warum beschimpft er den Begriff Institution? Natürlich ist Kirche eine Institution, die dazu da ist, den (christlichen) Glauben zu verkünden. Der Papst – ganz weltlich ausgedrückt – ist das Oberhaupt dieser Kirche. Soweit die sachliche Ebene. Die metaphysische geht weiter, als ein Atheist anerkennen wird/kann: Nach dem katholischen Glauben ist der Papst (in Glaubensdingen) der Stellvertreter Gottes auf Erden. Muß „noby“ ja nicht glauben – aber das ist nunmal die Verfaßtheit der Kirche. Diese Verfaßtheit muß ich nicht mögen. Aber wenn ich Teil dieser Kirche bin, gehört sie als Wesensmerkmal zu meinem Glauben.

    Zusammengefaßt: Ich lasse einem Atheisten seinen Nichtglauben. Aber er möge uns für unseren Glauben bitte nicht durch den Kakao ziehen. Das ist intellektuell unredlich und klingt nach: „Atheisten sind redlich, Christen sind unredlich!“

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