Wiesn-Zaun: Operation gelungen, Patient tot?

Wir haben erst kürzlich über die angespannte Lage am Oktoberfest berichtet. Anti-Terror-Zaun, Kameras, Taschendurchsuchungen, Rucksackverbote, Sicherheitsmaßnahmen und Sicherheitslogistik. All dies ist gut begründet, denn erst kürzlich kam es im bayrischen Ansbauch auf einem ähnlichen Fest zu einem islamistischen Anschlag, der dank effektiver Sicherheitskontrollen immerhin in einen Bereich abgedrängt werden konnte, wo der Schaden sich in Grenzen hielt. Während es anderswo regelmäßig bei Volksfesten zu Antänzereien und Vergewaltigungen gekommen ist, halten sich vergleichbare Berichte vom Oktoberfest in sehr engen Grenzen. Es gab einen Bericht von einer versuchten Gruppenvergewaltigung durch drei Männer ungenannter Physiognomie, doch diese ereignete sich außerhalb des kontrollierten Bereiches.

Somit kann Bürgermeister Josef Schmid (CSU) zu Recht einen Erfolg des Sicherheitskonzeptes konstatieren:

Das Zutrittskonzept Wochenende hat hervorragend funktioniert. Auch in den Stoßzeiten. Es kam weder zu großen Rückstaus, noch hat das System irgendwo nicht funktioniert. Hundertprozentige Sicherheit gibt es nie. Dass der eine oder andere mal durchrutscht, ist normal. Auch die Gäste nehmen das Sicherheitskonzept an und fühlen sich sicher.“

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Oktoberfestimpressionen 2016 – Sicherheitsvorkehrungen erfolgreich aber umstritten

Da gezieltes Durchsuchen verdächtige aussehender Personen zu Rassismus-Vorwürfen seitens des Europarates („racial profilng“, rassenbasierte Täterprofilpflege) führen würde, müssen unsere Politiker auf Leibesvisitation von friedlichen Bürgern in Trachten setzen. So wurden zu Begin des traditionellen Oktoberfestumzuges nicht nur in die Taschen und unter die Röcke von uns Einheimischen geschaut. Aber um der Sicherheit und politischen Korrektheit willen kann man ein paar kleine Einschränkungen ruhig über sich ergehen lassen.

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Trachtler erfahren Leibesvisitation zur Terrorbekämpfung

Etwas ungehaltener reagieren linke Milieus, die gegenüber dem „Überwachungsstaat“ gerne Null Toleranz fordern. Ein SPD-Mitglied und echtes Münchner Kindl findet die Sicherheitsvorkehrungen unerträglich und schreibt dem Oktoberfest einen offenen und zugleich sehr persönlichen Abschiedsbrief:

Liebe Wiesn, dies ist mein Abschiedsbrief
[…]
Von Terrorgefahr war die Rede, auch wenn es dafür keine konkreten Anhaltspunkte gibt. Von Zugangskontrollen und Sicherheitsanweisungen. Überwachung mit Bodycams. Vorgeschriebene Taschengrößen.
Alte Freunde haben sich von dir abgewandt. Aber du hast nur genickt und dich freiwillig in einen Käfig sperren lassen.
Die Leichtigkeit und Spontanität ist dir genommen worden. Du versteckst dich nun hinter einem ausgerollten Zaun. Machst es mir beinahe unmöglich, dir nahe zu kommen.
Sie haben uns das genommen, was wir uns doch niemals wegnehmen lassen wollten: unsere Freiheit. Ist es uns das wirklich wert für ein kleines bisschen mehr Sicherheit?
Nicht der Terror hat dich zu der gemacht, die du heute bist, sondern die Angst.
Einmal noch ohne Einlasskontrolle vor der Arbeit mit meinem Rucksack auf dem Rücken durch deine Gassen laufen, auf ein Feierabendbier noch schnell vorbeiradeln – damit ist es vorbei.
Ich kann nicht verhindern, dass wir uns begegnen. Jeden Tag werde ich an dir vorbeiradeln. Es wird eine peinliche Stille geben – den Blick fest auf der Straße.
Vielleicht verabreden wir uns ein letztes Mal.
Ich werde auf dem Weg zu dir mit Herzklopfen deine bunten Lichter bewundern und mich fragen, ob es für uns nicht doch noch eine Chance gibt.
Während die quarzbeschuhte Hand eines Mannes in meiner 2,8 Liter Tasche nach drei Tüten Milch wühlt und ich mich in der Frontkamera seiner Bodycam betrachte, wird mir allerdings eines klar:
Du bist zu weit gegangen, liebe Wiesn.
Für uns gibt es keine Zukunft mehr. Melde dich, wenn du wieder die Wiesn bist, die ich mal geliebt habe.

Peter Zangerl weist das Kindl liebevoll auf die Widersprüchlichkeit seiner Position hin:

Liebe Vanessa Fonth, schön hast Du das geschrieben. Eigentlich. Denn tatsächlich machst Du die Wiesn für etwas verantwortlich, das Du als waschechtes SPD-Gewächs, als stramme Genossin aus München-Schwabing, mit verschuldet hast. Politisch. Die Wiesn kann nichts dafür dass man sie hinter Gitter sperrt und wenn Du die schönen Zeiten beschreibst, als du als kleines Mädchen im Dunkeln an der Hand der Mama von der Wiesn heim gingst, dann muss man dir vorhalten dass es auch nicht die Schuld des Oktoberfests ist, dass eine Mami mit einem kleinen Mädchen an der Hand heute nicht mehr sicher allein in den Straßen um die Wiesen oder in der U-Bahn unterwegs sein kann. Dass kleine Mädchen diesen Traum heute nicht mehr leben können liegt in der Schuld der Politik und wenn ich Deinen an den Ursachen vorbei phantasierenden „Abschiedsbrief“ lese weiß ich, dass auch Du nichts daran ändern wirst. Schade.

Den Zusammenhang zwischen der eigenen Völkerwanderungspolitik und dem Schwinden des Vertrauenskapitals zu begreifen, übersteigt offensichtlich den Horizont eines Münchner Kindls und SPD-Mitglieds.  Ähnliches gilt wohl für die politische Führung unseres Landes insgesamt. Sie versteckt sich hinter humanitären Imperativen, navigiert auf Sicht, interessiert sich nur dafür, was man sagen darf und wer die Deutungshoheit hat.    So kann sie nur auf stärkere Sicherheitsmaßnahmen, erhöhte Überwachung und nach innen aufgerichtete Zäune setzen.    Denn die Alternative, das eigene funktionierende Sozialgefüge nach außen mit Zäunen zu schützen, widerspräche ja den humanitären und euro-globalistischen Imperativen.  Auch die Linksgrünen finden an dem „Polizeistaat“ insoweit Gefallen, wie sie ihn gegen „Rechts“ einsetzen können.

Das Oktoberfest hat diesmal massiv an Besuchern verloren.   Wirte, die gemeinsam mit der Stadt für offene Grenzen kämpfen und Andersdenkenden mit  Aufklebern wie „München ist Bunt“ die rote Karte zeigen, klagen bitter über ihre Umsatzverluste. Lokalpolitiker beschwichtigen, dass dies nichts mit nichts zu tun habe. Insbesondere nicht mit dem Sicherheitskonzept. Vielleicht haben sie insoweit sogar Recht. Die Toleranz gegenüber Sicherheitskontrollen ist unter Normalbürgern inzwischen sehr hoch. Wir akzeptieren sie am Flughafen, im Gerichtsgebäude, gern auch am Eingang eines gehobenen Wohnkomplexes. Auch auf einem Volksfest können die meisten von uns das ohne weiteres erdulden. Aber wozu dann noch auf das Fest gehen? Die ausgelassene Feststimmung früherer Zeiten hatte wohl etwas mit Vertrauen zu tun. Dieses Vertrauen wurde durch die seit der Silvesternacht häufigen Antänzereien und Terroranschläge untergraben. NSeit Monaten bleiben deshalb viele Touristen München fern. Geschäftsreisen werden reduziert und gemieden. Die Sicherheitsvorkehrungen sind daran nicht schuld. Sie genügen nur nicht, um die Attraktivität wiederherzustellen.

Auch dieses Jahr kann man auf dem Oktoberfest noch eine grenzenlose Bierseligkeit erfahren. In Bierzelten begegnen Unbekannte jedweder Herkunft einander im allgemeinen nach wie vor rücksichtsvoll, und man spürt bisweilen einen Geist der Brüderlichkeit wie den der Ode an die Freude. Aber niemand weiß so genau, wie weit man darauf bauen kann und ob nicht doch plötzlich irgendwo ein Grabscher, Messerstecher oder Attentäter die Menge in Schrecken verstetzen könnte. Das Sicherheitskonzept hat die Risiken erfolgreich reduziert, aber auch versinnbildlicht.

dsc_0476.jpgEs ist vornehmste Aufgabe der Politik, den Nutzen des Volkes zu mehren und Schaden von ihm abzuwenden. Unsere Politiker kleben jedoch nur unter Verweis auf höhere Imperative auf ihren Sesseln. Die Polizei versteht ihr Handwerk, aber die Politik kümmert sich nur um Deutungshoheit und Politikverhütung. Unsere österreichische Kassandra fasst es so zusammen:

Die Regierungen haben sich erübrigt. Tatenlosigkeit ist keine Regierungsarbeit, sondern Wellness auf Kosten des Steuerzahlers. Man muss die Regierungen auffordern, abzutreten. Und zwar sofort. Sie sind die noch größere Gefahr als das, was durch ihr Laisser-faire an Unheil verursacht wird. Die Totalparalyse ist kein brauchbares, konstruktives politisches Angebot an die Bürger, sondern eine Einladung für Chaos und Anarchie.

Anhang


Bayern ist frei. Bunte Kartelle passen nicht zu uns. Wir diskutieren auch auf FB, VK, G+ und GG. Wir fördern die Volksbildung im Sinne einer Befähigung des Souveräns zur Artikulation seiner Interessen.Helfen Sie uns dabei!





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