Grosse Säuberung ante portas

Erdogan und Stalin teilen nicht nur die Affinität zu Säuberungen. Erdogan und Stalin stammen aus dem Kaukasus. Genauer gesagt aus Georgien.

Die Hintergründe des möglicherweise inszenierten Putsches kennen die wenigsten. Aber es bedarf nicht viel Phantasie, um sich auszurechnen, wohin die Reise gehen wird. Den Putsch bezeichnete Erdigan selbst als „Geschenk Gottes“. Die Gelegenheit um gnadenlos durchzugreifen. Der Kairos, um alle Dissidenten im Militär und in der Justiz auszusortieren. Wenn dies erledigt ist, werden sich die Kurden in ihrer Haut nicht mehr sicher sein.

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Dem Soldaten steht die Angst vor dem entfesselten Pöbel ins Gesicht geschrieben

 

Gegenwärtig meldet der BR:

Nach dem gescheiterten Putschversuch in der Türkei sind nach Angaben der Regierung inzwischen 6000 Verdächtige festgenommen worden. Diese Zahl werde sich noch erhöhen, sagte Justizminister Bozdag. Genauere Angaben machte er nicht. Bisher hatte es geheißen, rund 3000 Soldaten seien im Zusammenhang mit dem Putschversuch festgenommen worden. Unter ihnen sind mehrere Generäle, etwa die Chefs der 2. Armee, der 3. Armee und der Luftwaffe. Sie sollen den Umsturzversuch angeführt haben. Gescheitert ist er nach Informationen türkischer Medien vor allem aus zwei Gründen: Zum einen sei die Armeeführung nicht mehrheitlich hinter dem Vorhaben gestanden, zum anderen habe der Geheimdienst Wind von der Sache bekommen. Deshalb sei der Putschversuch vorgezogen worden.

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Die 1953 in Istanbul geborene Dr. Lale Akgün (SPD) mutmaßt über die undurchsichtigen Ereignisse in der Türkei:

Ich bin mit militärischen Gegebenheiten nicht besonders vertraut, aber der „Ablauf“dieses Militärputsches erscheint sehr seltsam. Die Militärs besetzen den unwichtigen Staatssender TRT, während alle AKP-POLITIKER, einschließlich Erdogan, auf den privaten Sendern Interviews geben. Erdogan ist sechs Tage weg und taucht dann auf, macht ein Interview aus seinem Versteck und fordert alle auf, auf die Straße zu gehen, was seine Anhänger auch sofort befolgen. Dazu die stark religiöse Komponente des „Widerstands“.Um 22.00 Uhr wird geputscht, um 1.00 Uhr ist die demokratische Ordnung wieder hergestellt. Wenn ich eins +eins zusammen zähle, komme ich nicht umhin, denen Recht zu geben, die schon um 23.00 Uhr des 15. Juli von einer „Inszenierung “ der Regierung sprachen.
Die Gründe liegen auf der Hand:
1. Die Zivildiktatur voran treiben.
2. Die immer stärker werdende Kritik aus dem Ausland zum Schweigen bringen.
3. Eine Säuberungsaktion beim Militär durchführen, um die verbliebenen Gülen Anhänger zu eliminieren. Diese Säuberungsaktion wird auch die Justiz und die Polizei betreffen.
Ich nehme an, Erdogan wird in den nächsten Stunden als strahlender Held in Istanbul ankommen, gestärkt wie nie zuvor. (Wäre das nicht eine gute Gelegenheit, Istanbul wieder zur Hauptstadt zu erklären? Das Parlamentsgebäude in Ankara ist wohl auch angegriffen worden).
Die Opfer der gestrigen Nacht nennt man wohl menschenverachtend und zynisch „Kollateralschaden“. Wie schade um die jungen Menschen, die man verführt hat, gestern Nacht „Militärputsch “ zu spielen. Meine Gedanken sind bei den Demokraten in der Türkei. Nach der Machtdemonstration des sunnitischen Islam gestern Nacht, ganz besonders bei den alevitischen Bürgerinnen und Bürgern. Auf sie warten ganz besonders schwere Zeiten.

P.S im Moment bekommen alle Bürgerinnen und Bürger eine SMS von Erdogan auf ihre Mobiltelefone, mit dem Inhalt, daß der Putschversuch niedergeschlagen worden ist.

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Der BR berichtet über Lynchjustiz:

Türkei: Berichte über Lynchjustiz

Während des Putschversuchs sollen nach  unbestätigten Berichten Soldaten miss-
handelt oder sogar gelyncht worden sein
Auf einem Video, das offenbar auf einer der Bosporus-Brücken in Istanbul aufge-
nommen wurde, ist ein Soldat zu sehen,  auf den mehrere Menschen eintreten. Das
Video wurde via Twitter verbreitet.
Auf weiteren Aufnahmen ist zu sehen,
wie ein Demonstrant vom Dach eines Panzers auf einen Soldaten in der Luke
eintritt. Die Zeitung „Sözcü“ berichtete zudem, ein Mob habe einem Soldaten ..

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Unterdessen haben Angela Merkel und EU-Politiker, allen voran Martin Schulz (SPD), nachdem erkennbar wurde, daß der Putsch in der Türkei gescheitert ist, nichts besseres zu verkünden, als den Putsch gegen den Autokraten, Chauvinisten und Fundamentalisten Erdogan „auf das Schärfste“ zu verurteilen.

http://web.de/magazine/politik/putsch-tuerkei/angela-merkel-verurteilt-putschversuch-tuerkei-schaerfste-31689756

Angela Merkel zu zitieren ist nur noch peinlich. Ein Armutszeugnis. Face palm.

Besser man zitiert Cahit Kaya:

„Erdogans Botschaft war klar: wer ihn kritisiert, soll nicht mehr einfach nur von der Justiz abgestraft werden, sondern getötet werden. Daher sein Wunsch, die Todesstrafe erneut einzuführen.

Das klingt auch nach einer Botschaft an seine teilweise völlig jenseitigen Anhänger. Darunter werden sich genug Verrückte finden (man liest es täglich, dass es eine ganze Menge davon gibt), die dies ebenfalls als Aufforderung auffassen könnten und von Erdogans Wahn ermuntert, im Glauben, es könne ihnen nichts geschehen, solche Taten begehen. Auch hier.

Augen und Ohren auf! Wir erleben gerade live, wie Millionen Menschen einer Nation sich bereitwillig dem Faschismus hingeben und feiern, wenn ihnen unliebsame Menschen getötet werden (sollen). Jeder der diese Leute unterstützt, macht sich mitschuldig! Allen voran die Politiker, die den Kurs der Erdogan-Türkei nach wie vor verteidigen und der Türkei materiell und diplomatisch bestehen. Und natürlich jeder seiner Landsleute, die Erdogan unterstützen.“

 

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Erdogan hat seinen „Reichtstagsbrand“. Damit sind Erdogan nicht mehr die Hände gebunden. Unter moralischer Deckung von Angela Merkel.

„Dieser Anschlag ist für uns eine Gabe Gottes, denn er liefert uns den Grund, die Armee zu säubern.“ (Recep Tayyip Erdoğan)

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Eingekerkerte Journalisten, Juristen, Militärs und Andersdenkende können so beseitigt werden. Zur Not und zur Abschreckung mit Schauprozessen.

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Moskauer Schauprozesse

Erdogan braucht die NATO nicht, aber die NATO braucht Erdogan. Deshalb kann Erdogan machen, was er will. Und genau das tut er!  (Leserkommentar)

Der Willkür sind Tür und Tor geöffnet.  Angela Merkel kann nur nicken.  Erdoğan wird in der Region als Torwächter der europäischen Werte gebraucht.  In Libyen wäre man froh, so einen zu haben.

Im Mai 2016 hat das türkische Parlament die Immunität von mehr als einem Viertel seiner Abgeordneten aufgehoben.

Wir werden uns noch wundern, wozu Millionen Erdogan-Anhänger in der Lage sein werden.

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Ossip Mandelstam. Opfer der Grossen Säuberung

Tausende Richter wurden bereits entlassen.  Vielleicht werden sie zu Scharfrichtern umgeschult.

Die Lynchwelle ebbt ab, die Verhaftungswelle rollt an.

 

3 Kommentare zu “Grosse Säuberung ante portas”

  1. Herbert Gaiser schreibt in der BAMS:
    Leserbrief zu Bild am Sonntag vom17.07.2016, Seite 1,
    „Türkei am Abgrund“

    Das war der trickreiche Versuch eines Diktators die schon lange geplanten “ Säuberungsaktionen“ zur Vernichtung der Opposition moralisch zu rechtfertigen. Hitler und Genossen haben dies schon praktiziert. Und eine in Dummheit erstarrte Welt schaut tatenlos zu. Klar ist jedenfalls, dass weder die Türkei noch der Islam zu Deutschland gehören. Wir würden damit nicht nur unsere Kultur zerstören, sondern uns damit auch einen Dauer-Terror ins Land holen.

    Gefällt mir

    1. Mir fällt es immer schwerer, zu irgendeiner Position klar Stellung zu beziehen. Zum einen sah meine Begeisterung für „Befreiungsbewegungen“ wie damals, als wir als Studenten den Shah als US-Operettenpotentat zur Hölle wünschten, staunten wir über einen Ayatollah nach dem andren. Auch zu Saddam Hussein und Gaddafi kann man durchaus verschiedene Positionen recht glaubhaft vertreten. Alfred Röck sieht in Saddam Hussein den verruchten Massenmörder, der mit den Segnungen des US-Kampfes beseitigt worden sei. Andere sehen in der US-Invasion die Ursache für den IS. Ähnliche kontroverse Standpunkte beziehen verschiedene Nachrichtendienste zu Gaddafi. Russia Today wird nicht müde, die Invasion der Allierten für den failed state Libyen zu verantworten.

      So auch jetzt wieder:
      http://russophilus.diary.ru/p209793804.htm

      Während diese Meldung eine Annäherung zwischen Erdogan und Russland zur geopolitischen Friedensstrategie Richtung Syrien vermuten lässt, verteufeln andere Mainstream-Medien, die in „unseren Kreisen“ sonst eher als Lücken-, Lügen-, Pinochio- oder Pest-Postillen verrufen sind, Erdogan als den IS-Drahtzieher erster Güte – aus kurdischer Sicht bei der ZEIT:

      http://www.zeit.de/politik/ausland/2014-12/pkk-erdogan-is

      Die begeisterten, türkischen AKP-Anhänger, die sich nach dem Handy-Aufruf ihres Führers den Panzern und Gewehren entgegen stellten, beweisen doch eindeutig, wie folgsam tapfere Türken ihrem Führer Erdogan folgen. Auch in Marokko verehren die Massen ihren König M6 (Mohammed, der Sechste) als direkten Nachfahren irgendeines Propheten und sind zufrieden mit einer Staatsgewalt, die mir klerikal-faschistisch vorkommt. Wenn es denn Moslems so mögen, was soll meine Wenigkeit daran ändern? Und dann unisono in den Chor der Massenmeinung mit den manipulativen Medien einzustimmen, das ist nicht mein Ding, überhaupt nicht!

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