Kositza über Sarrazins Buch „Wunschdenken“

Akribischer und systematischer als Thilo Sarrazin kann man die aktuellen Probleme kaum durchdenken.  Niemand verbindet derart wissenschaftliche Methodik, politische Erfahrung und Mut zur Wahrheit.   Sarrazin gibt den Kanon des Wissens und Denkens vor, hinter den niemand zurückfallen sollte, der über die Lage der Nation und Europas redet und dabei ernst genommen werden will.  Merkel disqualifizierte sich in dieser Rolle schon als sie das erste Buch als „nicht hilfreich“ bezeichnete, und zuletzt hob sie so weit in die Spären des Irrealen ab, dass eine Landung nunmehr  unmöglich erscheint.  Das neue Buch ist ebenso wiederholte Lektüre wert wie die drei vorigen.   Natürlich werden die Menschen weiterhin vor ihrer Verantwortung für das Gemeinwesen in die Komfortzone ihres „Wunschdenkens“ fliehen, aber dort stört sie jetzt eine weitere Fliege.  Als eine solche bezeichnete sich schon Sokrates, und auch für viele andere kühle Denker war das eigene Wissen stets eine Quelle enormen seelischen Drucks, der manche Denker ganz aus der Bahn warf und bei anderen zumindest eine melancholische (und keineswegs „kalte“, wie unsere Emotionenpresse meint) Grundstimmung erzeugte.      Ungefähr das sagt Ellen Kositza bei ihrer Literaturvorstellung.
Derweil meint offenbar ein streitbarer Elbe-Blogger „Sarrazin schafft sich ab“, und Tatjana Festerling macht sich das zu eigen.  Zugleich macht sie dabei einen persönlichen Rat von Thilo Sarrazin an sie selbst publik.   Sie solle ihr Mundwerk besser zügeln, habe er ihr gesagt.   Der im Artikel kritisierte Unwille von Sarrazin, sich in Polemiken gegen Bilderberger oder TTIP oder in Parteiendebatten hineinziehen zu lassen, ist ein Beispiel für gut begründete Selbstzügelung. Es ist auch hier wieder Sarrazin, der die unbequemen Fragen, nämlich die des HumanitärUNrechts und insbesondere Nichtzurückweisungsprinzips, zur Sprache bringt, während andere Leute in fernen obskuren Räumen nach Sündenböcken suchen.  Dabei finden sie risikoarme Projektionsflächen für überschüssigen Idealismus, bequeme Einteilungen der Akteure in Schwarz und Weiß und gute Ausreden für eigene Inaktivität.  Der Sieg gehört dann den Bunten, die ohnehin in dieser Disziplin Meister sind und am längeren Hebel sitzen.  Das sind ziemlich genau die verheerenden Mechanismen des „Wunschdenkens“, vor dem Sarrazin warnt.   Anders als der Blogger meint, ist Sarrazins Botschaft keine kraftlos-negative sondern eine, die uns weiter bringt, weil jeder persönlich bei sich anfangen und damit  zum Paradigmenwechsel beitragen kann.  Gegen Macht hilft eher Geist als bloßer physischer Zusammenhalt irgendwelcher wütender Menschenmassen.   Auch 1989 waren die Menschenmassen nur ein Faktor von mehreren.  Wenn die Verbindung nicht gelingt, ist es nicht Sarrazin, der sich abschafft.


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