Hauptmann von Köpenick – wieder unter uns

Hexenverfolgung war im Mittelalter ein richtiger Volkssport. Die Denunzianten waren umtriebig, ihre Pilotfische waren die Voyeure. Damals brannten die Scheiterhaufen, heute gibt es BILD.

Jeder, der heute viel Meinung hat, aber wenig weiß, stellt eine Anzeige wegen Volksverhetzung. An vorderster Front die GRÜNEN. Volker Beck und Jürgen Kasek von den GRÜNEN wetteifern um das Primat in der Stahlhelm-Fraktion der Denunzianten.

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Fasching 2016. Über hundert Jahre nachdem der Hauptmann von Köpenick für Wirbel sorgte, hebt ein Faschingszug im bayerischen Provinznest Reichertshausen das politische Berlin wieder aus den Angeln. Kaiser Wilhelm II nahm den groben Unfug seines Köpenicker Hauptmanns immerhin mit Humor. Aber Florian Simbeck, ein moralinsaurer Komiker aus der SPD, fand für solchen Schalk absolut kein Verständnis. Was war geschehen? Ein paar junge Burschen haben einen Papp-Panzer gebastelt und ihn mit „Ilmtaler Asylabwehr“ und „Asylpaket III“ beschriftet. Für Florian Simbeck klarer Fall von Volksverhetzung. Simbeck, Ex-Komiker bei „Erkan und Stefan“, 2011 Firmeninsolvenz und Offenbarungseid, sah die Chance für einen Großangriff auf den Humor, und zerrte die Burschen vor den medialen Pranger. „Das gab es seit dem Mordfall Hinterkaifeck nicht mehr“, spottet Don Alphonso in der FAZ.

Der sächsische GRÜNEN-Politiker Jürgen Kasek und sein Parteigenosse machen vornehmlich durch Anzeigen wegen Volksverhetzung von sich reden. Nach dem Motto, alles was nicht bis auf drei auf den Bäumen ist, wird denunziert. Jürgen Kasek denunzierte Lutz Bachmann. Er hat nach der Kölner Silvesternacht T-Shirts mit der Aufschrift „Rapefugees not welcome“ vorgestellt. Die Ermittlungen gegen Lutz Bachmann wurden eingestellt. Jürgen Kasek denunziert im Internet sogar Friseure, die der AfD ihre Stimme geben.
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Ein Münchner Mitspaziergänger hat recherchiert, und die ständig erwähnten – aber im Wortlaut unbekannten –  facebook-postings von Lutz Bachmann in mühsamer Kleinarbeit ausgebuddelt. Auch hier geht es um“ Volksverhetzung“. Für manche Zeitgenossen scheint es sekundär, ob Kriegsverbrecher, Vergewaltiger, Drogen- und Menschenhändler, Piraten und Kleinkriminelle bei uns als harmlose „Friseure“ unter falscher Identität Asyl beantragen und unser Sozialsystem plündern. Das wirklich Empörende für Heiko Maas, Sebastian Edathy, Volker Beck, Claudia Roth, Jürgen Kasek und Frau Göring-Goebbels sind ephemere facebook-postings, wo sich jemand mal über die Entwicklung im Lande Luft verschaffen wollte. Hier das „berüchtigte“ FB-posting von Lutz Bachmann im Wortlaut:

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Papp-Panzer in Reichertshausen. Papp-Galgen bei Pegida. Natürlich fand sich ein Beflissener, der deswegen die Staatsanwaltschaft und BILD bemühte. Die Galgen bei einer Studenten-Demo oder die Gabriel-Guillotine bei TTIP dagegen haben die bunten Blockwarte nicht gestört:

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Gabriel Guillotine am 10.10.2015 bei TTIP

Landtag

Die Anzeigen wegen Volksverhetzung schießen wie die Pilze aus dem Boden. Frauke Petry zwecks Glaubhaftmachung der Petry-Schießbefehl-Lüge (wie zuvor Akif Pirincci zwecks Glaubhaftmachung der Akif-KZ-Lüge ebenfalls angezeigt wurde), Björn Höcke wegen seiner Äußerung über den „lebensbejahenden afrikanischen Ausbreitungstyps“, Tatjana Festerling wegen Bauernaufstandsmetapher („Mistgabel“).
Diese Erfahrunge könnten ein Grund sein, den 1960 geschaffenen Volksverhetzungsparagrafen neu zu überdenken, doch selbst der so kritische FAZ-Autor stellt sich letztlich nur die Frage, wie man die Polizei hinreichend verstärken kann, damit sie ihn flächdeckend in allen Niederungen von Facebook durchzusetzen kann, ohne auf Bertelsmann-Hilfssheriffs zurückgreifen zu „müssen“. Die FAZ sieht offenbar in der Privatjustiz unseres Justiz- und Weltanschauungsministers ein zeitweilig notwendiges Übel, welches sich durch den höheren Zweck, dem Volksverhetzungsparagrafen zur unbedingten Geltung zu verhelfen, rechtfertigen lässt. Liegt es an Paragrafenfrömmelei? Oder an vorauseilendem Gehorsam gegenüber der von diesem Paragrafen beförderten Denunziantenleitkultur?

Mitspaziergänger Ernesto Martegiani meint:

Die Hexenjagd der Medien in diesen Zeiten erinnert an das Mittelalter.
Ein bereits gebrochener und geächteter Ex-Minister Möllemann wird in der Talkshow von Beckmann menschenverachtend und sadistisch wie vor einem Tribunal zerlegt und kommt bald darauf beim Fallschirmspringen zu Tode. Auch der unbunte Jörg Haider verunglückt ebenso mysteriös. Tagesschausprecherin Eva Herman verliert wegen unbunter Meinungsäußerungen ihren Job. Bundespräsident Wulff bekommt die Macht der BILD-Zeitung zu spüren und strauchelt aus anderen Gründen.

Verbrennung des Magisters Johannes Hus
Verbrennung des Magisters Johannes Hus

Verschiedene Autoren haben in den letzten Jahren eine langsame Rückabwicklung der Aufklärung in Richtung Mittelalter oder gar Vorwärtsentwicklung ins Mittelalter als postmoderne Zeit nach dem Nationalstaat konstatiert und Erklärungen hierfür gefunden. Nach der geballten sozialkreationistischen Inquisition vom Dezember 2015 verdient es der Zensurkarneval 2016, für künftige Chronisten als ein besonderer Meilenstein notiert werden.

Anhang

Angst vor Fastnacht

Zeitungen berichten von „rassistischen Motiven bei Faschingsumzügen“ und verstehen darunter jegliche faschingstaugliche Thematisierung der Eigentums-Interessen des Staatsvolkes im Hinblick auf Merkels Völkerwanderungspolitik. Die Narren werden mit Strafverfolgung bedroht und geben sich närrisch-zerknirscht wie die Opfer der „Kritik und Selbstkritik“ im maoistischen China.
Entsprechend wurde auch mit Fasching umgegangen. Warnungen vor kleinen Windböen wurden zu Orkanwarnungen aufgeblasen und Umzüge wurden abgesagt. Details für Hamburg und Düsseldorf sind inzwischen durchgesickert. Am Aschermittwoch war wiederum ein zweifellos trauriges Zugunglück der Anlass für ungewöhnlich eilfertige Absagen aller Massenveranstaltungen, als wäre der Aschermittwoch ein Freudenfesttag.
Unbeliebt sind Massenveranstaltungen vor allem aus folgenden Gründen: (1) es drohen unkontrollierbare politische Unmutsäußerungen, (2) es droht Schlampenjagd (Al Taharrusch), (3) es drohen Terroranschläge. Zwischen allen dreien gibt es Schnittmengen und Zusammenhänge.pegibay_mutprobe
Frage an Radio Eriwan: Worin unterscheiden sich die BRD-Leitmedien noch von denen der DDR? Antwort: In der DDR war zumindest der Wetterbericht nicht gelogen.


PEGIDA Bayern diskutiert und fördert in Bayern und insbesondere München die Volksbildung im Sinne einer Befähigung des Souveräns zur Artikulation politischer Interessen.

2 Kommentare zu „Hauptmann von Köpenick – wieder unter uns“

  1. Wieder ein opulenter Beitrag von meinem Lieblingsautor PHILOLAOS. Danke.
    Beim ersten Wort „Hexenverfolgung“ bleibt man schon hängen, besonders weil PHILOLAOS dies mit dem Begriff „Volkssport“ verbindet. Sehen wir genauer hin in die Mittelalterliche Düsternis, wo in Bamberg beispielsweise in jedem dritten Gebäude Opfer gefoltert und ermordet wurden. Diese Beseitigung oppositioneller Kräfte war ein Wirtschaftsfaktor, Stabilisierung eines Unrechtssystems. Das mörderische Treiben währte einige Jahrhunderte, bis aufgeklärte Geister die Mordmaschinerie langsam zum Erliegen brachten.
    Was PHILOLAOS als Manie Sinn verrückter Geister als anzeigenden Volkssport gegen Gegner mit dem Stigma der „Volksverhetzung“ geißelt, ist nur die Spitze des Eisbergs. Es sind meistenteils gut situierte Schrei(b)tischtäter, welche Justizia mit Anzeigen wegen Volksverhetzung beschäftigen. Die lächerlichen Beispiele dieser Anzeigen zeigen nur die Spitze des Eisbergs, also den sichtbaren Teil gewalttätiger Angriffe gegen Gegner des medialen Mainstream, der politisch Perfidie, der klerikalen Krake, der hämmernden Hirnwäsche.

    Der nicht sichtbare Teil des Eisbergs geht Gegner im demokratischen Meinungsspektrum mit körperlicher Gewalt an. Da reicht es den Gegendemonstranten nicht mehr mit Pauken, Pfeifen und Trompeten die gehaltvollen Reden und sorgfältigen Video-Installationen von Pegida-Demos zu stören, da müssen die Raudis Flaschen werfen, Polizisten angreifen, Autos abfackeln, Versammlungsorte der Gegner angreifen und Hausverbote gegen Redner erteilen, welche derzeit die Justiz wieder kippt.

    Wie Gunnar Heinsohn die Hexenverfolgung verbindet mit dem Angriff auf Hebammen, welche die ungewollte Geburten verhindern konnten, also mit dem Sinn mehr Arbeitskräfte und Menschen für Guts- und Grundbesitzer, mehr Humankapital für Armee und Kriegsdienst zu gewinnen, so verfolgt heute die herrschende Hirnwäsche das ähnliche Ziel: Humankapital für Arbeit, Kriegsdienst und Absatz zu gewinnen.

    Wer sich als dümmlicher Antifa-Demonstrant nicht mit Anwälten, Justiz, Schriftsätzen und Klagen auskennt, der greift in der aufgehetzten Atmosphäre zur Gewalt. Pegida-Demonstranten hören sachkundigen Experten und deren Argumenten zur Flülis-Flut und deren Folgen zu wie Gunnar Heinsohn, Willy Wimmer, Jürgen Elsässer, Akif Pirincci, Sarrazin und vielen anderen.

    Auf der Gegenseite sehen wir dies dümmlich, emotionale verhetzte Vorgehen, welches PHILOLAOS an den „Volkssport Hexenverfolgung“ erinnert. Doch die in kulminierenden Kontroversen Angegriffenen sehen sich mehr im Krieg als im Sport.

    Wer sich hier als Leser und Anhänger von Pegida, vielleicht auch der AfD als Vorkämpfer, als Avantgarde mit Arbeiten zur Aufklärung sieht, muss derzeit feststellen, dass verhetzte Massen vom Volkssport der Hexenverfolgung zu widerlichen, gewalttätigen Angriffen auf Gegner übergehen. So jedenfalls meine Sicht und meine Meinung.

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  2. Ja n0by, erst das Zeitalter der Aufklärung streute Sand in die Mordmaschinerie der Willkür, dies es wohl seit dem Auftauchen der Menschheit auf diesen Planeten gab. Die vor keinem Lebewesen halt machte. Danke für den sehr gelungenen Kommentar, der die Überlegungen im Text extrapolierte und neue Aspekte einbrachte. Der nicht sichtbare Teil des Eisbergs symbolisiert die „Kultur der Einschüchterung“. Gewalttätige Angriffe auf Gegner werden von weniger Betroffenheitsrhetorik begleitet als facebook-Entgleisungen. Sogar am deutschen Humor lässt sich die schleichende Islamisierung ausmachen. Ähnlich wie die Mohamed-Karikaturisten in Dänemark und Frankreich heißt es auch für die Karnevalisten demnächst unter zu tauchen. Am besten im Fasching 2017 mit einem U-Boot namens „Humor auf Schleichfahrt“. Sonst droht ein beleidigter Islamist mit Halaschnikow „Willst du meine Religion beleidigen?“ ……. der Papp-Panzer schlägt derweil hohe Wellen …. http://www.freiewelt.net/nachricht/faschingswagen-unter-volksshyverhetzungsshyverdacht-10065406/

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