Bachmann, Sarrazin und der gemeine Pegidist

In Wels stellt die Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ) seit den letzten Wahlen den Bürgermeister. Der Zeitung für Wels,  „Die Monatliche“ gab der PEGIDA-Gründer Lutz Bachmann nun eines seiner wenigen Interviews. Was er über die Presse, die Vernetzung der europäischen Patrioten und die weitere Entwicklung von PEGIDA sagte, sehen Sie hier:

Eckpunkte

  • Bachmann bestätigt, dass Gründung einer Pegida-Partei im Gange sei aber er damit nichts zu tun haben werden; AfD findet keine Erwähnung; Partnerschaft mit FPÖ und FN wird angestrebt. Unter Pegida-Demonstranten herrscht zumindest in München die Meinung vor, Pegida solle ein überparteiliches Bürgerforum sein und sich aus Parteipolitik heraushalten
  • Bachmann beklagt die starke Polarisierung der Medienlandschaft, in der praktisch alle Leitmedien PEGIDA nach Kräften diffamieren, wohingegen ein paar alternative Medien wie JF, Compact und Sezession freundschaftlich berichten; einfach nur objektiv berichtende Medien gebe es fast nicht. Diese Einschätzung erklärt, warum Bachmann seine Mitstreiter stets drängt, nicht mit der Presse zu sprechen. Gerade weil dieses Interview eine Ausnahme ist, ist es besonders berichtenswert.
  • Bachmann nennt insbesondere Russen und Israelis als Gruppen von ehemaligen Opfern deutscher Politik, die heute längst deutschfreundlicher als die in Deutschland vorherrschenden Bußprediger seien und von denen man viel Rückenstärkung im Sinne einer vernünftigen Einwanderungspolitik erfahre.
  • Für Bachmann ist die Schließung der Grenzen momentan das zentrale politische Problem. Erst danach könne man über Kriterien zur Sortierung in Asylberechtigte und Abzulehnende reden.

Eines von vielen Beispielen für denunziatorische Berichterstattung über Pegida in Dresden liefert in diesen Tagen die Sächsische Zeitung mit ihrem Bericht über eine Studie der TU Dresden, welche mit der „überraschenden“ Erkenntnis aufwarte, dass Pegida zumindest in der sächsischen Variante nicht rechtsextrem sei. Die Autoren sehen bei den Pegidisten aber einen verwerflichen Wunsch, Herr im Hause sein zu wollen.  In ihren Worten einen sächsischen Chauvinimsus, der „mit Selbstüberhöhung und dem Bestehen auf Vorrechte für Alteingesessene einhergeht und dabei indirekt „Anderes“ abwertet“. Womöglich spiegelt sich darin eine humanitäranarchistische Voreingenommenheit der Autoren gegen den Gedanken der Volkssouveränität wieder. Interessant ist auch die Sicht, Pegidisten trügen wenig zur Belebung der Demokratie bei, da sie Demokratie als ein System ansähen, in dem der Bürger bestellt und der Politiker liefert.  Ungeduld mit dem Parlament als Quatschbude oder Kommentare an die Adresse Seehofers, er solle „nicht labern sondern machen“ wären typisch für diese  Stimmvieh-Mentalität, die aber nicht Pegida sondern den Normalbürger in der repräsentativen Demokratie kennzeichnet.  Wer jeden Montag demonstriert, ist eher als andere bereit, über die Stimmviehrolle hinaus zu wachsen und zum mündigen Bürger, Meinungsführer und Lobbyisten zu werden,  was sich wiederum mit der Idee einer Pegida-Partei weniger gut verträgt. Wenngleich die Studie Pegida bescheinigt, nicht rechtsextrem zu sein, so bedient sie doch wie andere Studien auch eine denunziatorische Nachfrage. Es geht darum, Pegida-Anhänger mit nachteiligen Stereotypen zu belegen, um den Sozialrassismus jener denunziatorischen Leitkultur die geforderten soziologischen Kampfvokabeln (a la „Kleinbürger“, „Abstiegsängste“ etc) zu liefern. Lutz Bachmann versteht das und drängt daher stets darauf, weder der Lügenpresse noch den Stereotypisierungs-Soziologen Interviews zu geben. Auch Tatjana Festerling redet mit russischen aber nicht mit deutschen Medien. Das österreichische Wels ist vielleicht einer von wenigen Flecken im deutschen Sprachraum, die sich von der denunziatorischen Nachkriegs-Leitkultur zu lösen beginnen.

Thilo Sarrazin hat in diesen Tagen in einem vielbeachteten Interview eine besonders prägnante Beurteilung der poltischen Lage formuliert und damit wieder sein außergewöhnliches Format als Politikveteran, Autor und Wissenschaftler unter Beweis gestellt. Für die von Sarrazin kritisierte Realitätsscheu der massenmedialen Leitkultur liefert die befragende SVZ wiederum ein frappierendes Beispiel, indem den befragten Realisten als „Provokateur“ tituliert. Treffen die von der TU Dresden erarbeiteten Pegidisten-Stereotype womöglich auch auf Thilo Sarrazin zu? In einem Punkt ähnelt Sarrazins Einschätzung auffällig der von Bachmann: die Schließung der Grenzen ist für ihn momentan das zentrale Problem.

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